Guten Morgen.
Gerade habe ich angefangen bei Jada zu erzählen, wie das bei mir war, mit dem unbedingt klaren Verhältnisse schaffen wollen, weil ich der Meinung war das wäre ich als gute Tochter und netter Mensch irgendwie schuldig. Als es immer mehr Text wurde, dachte ich es passt vielleicht doch besser hier her.
Im Rahmen einer Therapie wurde mir das verdrehte Verhältnis zwischen meiner Mutter und mir mehr und mehr bewusst. Also nicht das es verdreht war, sondern wie schädlich sie als Person und mit allem was da dran hing, für mich und mein ganzes Leben war.
Aber sie los lassen, aufgeben, für immer verlieren und dann keine Mutter mehr zu haben und meine Kindern die Oma weg zu nehmen… Eine grauenvolle Vorstellung und anfangs ein Ding der Unmöglichkeit.
Meine Angst war aus ihr werden würde, wenn ich aufhöre mich zu kümmern war riesig. Man lässt seine Mutter ja auch nicht einfach so im Stich, das gehört sich einfach nicht.
Also habe ich, mit therapeutischer Hilfe, Pläne gemacht, wie ein Kontakt alternativ aussehen könnte. Habe ausprobiert, Gesprächsthemen ausgeklammert, Tageszeiten vermieden, mir einen ab gestrampelt, damit es irgendwie doch klappen könnte. Nur bei uns, nur bei ihr, nur auf neutralem Boden, in der Rückschau war das ein wahnsinniger Eiertanz 😂
Leider hat nichts funktioniert, teilweise für die anderen, ganz bestimmt für meine Mutter, aber nie für mich. Mir ging es weiterhin schlecht damit und ich kam aus meinem Gedankenkarusell gar nicht mehr raus. Es hat sich so viel nur noch darum gedreht, wie Kontakt gelingen könnte und wie es ihr geht und warum ich nicht… Meine Familie kam zu kurz vor ne mein Leben fühlte sich nicht mehr an wie meins.
Dabei hatte ich mich früher schon einmal frei gestrampelt und viele Jahre weit weg und weitestgehend von der Familie los gelöst gelebt. Mit meinen eigenen Kindern startete aber eine völlig neue Phase, mit Sehnsüchten, Erwartungen und der Kontakt wurde schleichend intensiviert.
Als ich erkannte, dass ich auf einmal wie zurück geworfen war, in meine Kindheit in das Kreisen um die Bedürfnisse meiner Eltern, da wollte ich eine Pause davon, am besten sofort.
Ich bin dann erstmal innerlich rum geeiert und dachte ich müsste klare Worte sprechen und ganz genau sagen was Sache ist und wie es weiter geht. Das konnte ich aber gar nicht, weil mir ja gar nicht klar war, wie sich meine Bedürfnisse entwickeln würden.
Gestartet sind wir also mit meiner sehr deutlichen Ansage, ich würde jetzt gerade für mich und meine Familie Abstand brauchen. Auf unbestimmte Zeit und wenn ich so weit bin, dann nehme ich den Kontakt wieder auf.
Die Reaktion war ein wenig Unverständnis und Abwehr und so ein „na wenn du meinst, dann mach halt“
Für eine Weile wurde mein Wunsch nach Ruhe auch akzeptiert und dann wurde es langsam und in kleinen Happen ignoriert, es wurde Kontakt gesucht und gesagt das es ja nun wohl reichen würde und ich mir genug Abstand genommenen hätte.
Bis zu diesem extrem übergriffigen Verhalten, teils mit alt bekannten Beschimpfungen und zu tageszeiten, bei denen der Zustand mindesten fragwürdig war, bis dahin war meine innere Haltung wirklich sehr offen und sogar wohlwollend geblieben. Ich dachte, wenn ich eine Weile Abstand hätte, dann würde ich bestimmt einen Weg finden, damit Kontakt in Zukunft besser funktionieren würde und es mir nicht mehr so schlecht gehen würde damit. Wie gut mir der Abstand tat, konnte ich zwar sehen, aber nicht so recht als legitimen Dauerzustand anerkennen.
Und dann wurde gedrängelt, auf mich eingeredet, meine klar formulierte Grenze nicht eingehalten und nach und nach habe ich dicht gemacht. Es waren letztlich ganz wenige Telefonate, aber in mir ist plötzlich eine Klappe gefallen, auf allen Ebenen waren alle meinen Grenzen überschritten und ich wollte das nicht mehr, nie mehr.
So wurde aus ruhenden Kontakt plötzlich ein Kontaktabbruch, mit dem ich zu dem Zeitpunkt gar nicht gerechnet hatte. Kontaktabbruch war ursprünglich nicht mein Ziel. Aber es war meine Chance auf Heilung, meine einzige Chance.