Beiträge von tuvalu

    Hey,

    mal wieder ein Eintrag hier. 8 Wochen nüchtern und es geht immer noch sehr gut ohne Rausch. Ich hatte bisher eine Situation in der ich ein bisschen zu sehr über Bier nachgedacht habe. Nämlich als ich ein Youtube Video von einem trockenen Alkoholiker geschaut habe und er das Wort "Bier" ziemlich oft sagte. Da kam in mir kurz ein Verlangen auf. Ich hab dann ausgeschaltet, Mineralwasser getrunken und mir so einige Katermomente ins Gedächtnis gerufen, das hat sehr gut geholfen.

    Vorletztes Wochenende hab ich Einlass gemacht bei einem Konzert. Meine Freundin war auch dabei, wir beide nüchtern. Die letzte Band war richtig toll und ich hab dann getanzt. Das erste Mal nüchtern überhaupt glaube ich. War ganz entspannt und erst beim Nachhausegang ist mir aufgefallen, dass ich ja eigentlich nach meiner Schicht gehen wollte, es dann aber nicht getan habe. Ich saß dann noch mit meiner Mitbewohnerin am Küchentisch und war ganz selig. Ein nüchterner Abend und ich war nicht verkrampft. Toll!

    Ansonsten war ich die Tage noch ein bisschen bauen in der Laube, hab ein paar schöne Ausflüge in und um meiner Heimatstadt gehabt und hatte auch ein paar Depri-Tage (an denen aber null Verlangen nach Rausch war).

    Jetzt das Wochenende fahr ich mit der Freundin auf ein Punk Festival hier in der Gegend. Sie wird auch wieder nüchtern bleiben und ich freu mich auf die Bands, es sind ein paar richtige Granaten am Start. Allerdings bin ich mir auch bewusst, dass ich aufpassen muss. Da wird garantiert richtig böse gesoffen und ich weiß, dass ich den Spass nicht erzwingen darf. Wenns mir zu viel wird, haben wir besprochen, gibts eine Auszeit in der umliegenden Natur oder notfalls sogar einen Abbruch.

    Das nervige Rauchverlangen ist immer noch da, wenn auch immer seltener. Kaffe trink ich noch, es eskaliert aber grade nicht, sondern bleibt bei ein bis vier Tassen am Tag, kommt drauf an, ob ich arbeite oder nicht. Ansonsten muss ich grad gucken, dass ich nicht zu viel ungesunden Kram futtere, vor allem Zucker.

    Ja, das Suchtgedächtnis schlägt da wild um sich, ich beobachte das. Nun gibt es keinen Alkohol oder Amphetamine mehr und da muss es eben Zucker oder Koffein sein. Zum Glück wird mir von beiden ziemlich schnell einfach nur schlecht.

    Zu dem einen Kollegen, mit dem ich immer geballert habe, habe ich nun seit einigen Wochen keinen Kontakt mehr, das hilft viel. Er meldet sich auch gar nicht, was mich in meiner Entscheidung bestärkt.

    Ok, so viel von mir. Danke für die lieben Reaktionen, da freu ich mich immer :) Ich hoffe es ist ok wenn ich mehr so tagebuchartig schreibe....

    So, ich wollt mal wieder ein Update von mir geben.

    Es sind nun 6 Wochen ohne Alkohol und mir gehts immer noch gut. Bis jetzt sind mir schlimme Suchtdrücke erspart geblieben, aber ich hab mir die Zeit auch schön gemacht. Vorletztes Wochenende waren ich und meine Partnerin im Bungalow an der Talsperre. Sie hat mir zuliebe nichts getrunken. Es war wahnsinnig heiß und wir sind viel schwimmen gegangen, haben lecker Roulade gegessen und Eis geschleckt.

    Die letzte Woche habe ich auf einem Punk-Festival für die Gäste gekocht. Es war auch alles entspannt, die Crew mit der ich dort war hat wenig bis gar nichts getrunken und wir haben super zusammengepasst, es hat Mega Spass gemacht.

    Dann habe ich noch ein bisschen in meiner Gartenlaube gebaut und hatte auch dort das ein oder andere Erfolgserlebnis.

    Alles in Allem wirklich schöne drei Wochen.

    Das einzige was bir mir immer wieder aufploppt ist komischerweise das Rauchen. Ständig hab ich Bock auf eine Kippe, dabei rauch ich schon seit 7 Jahren nicht mehr. Ich hab dann manchmal Kaffee getrunken, aber da das dann irgendwie schnell auszuufern drohte, hab ich beschlossen nicht mehr ständig Koffein zu tanken, vor allem das Schlafverhalten leidet ja sehr darunter.

    Ok, soweit von mir, ich hoffe es geht in dem Rahmen weiter, bin aber immer extrem wachsam und schaue, dass sich keine Faulheit einschleicht.

    Hallo tuvalu,

    wie ist das bei dir ausgeprägt?

    Tja... in der Hauptsache finde ich es ziemlich anstrengend mit anderen Menschen zusammen zu sein. Es schlaucht mich, ich hab häufig Angst, Ablehnung stresst mich ungemein, Konflikte versetzen mich in Panik.

    Dann hab ich ab und zu Phasen, in denen ich gar niemanden mehr sehen kann. Ich laufe dann über, fühle mich vollgestopft und kann mich nicht mehr konzentrieren. Dann sitze ich einige Tage alleine im Zimmer und fühle mich am Ende einsam und das Spiel geht von vorne los.

    Ich finde Einsamkeit das Schrecklichste und zugleich manchmal das Begehrenswerteste, was es gibt.

    Manchmal bin ich wie ein Kind. Das ist wörtlich zu nehmen, ein Teil von mir ist als Kind steckengeblieben und meldet sich in einigen Situationen zu Wort. Das kann komisch sein, meistens ist es aber anstrengend.

    Ich bin nicht depressiv, aber oft wahnsinnig gestresst. Diese emotionale Achterbahn, die ich häufig kontrollieren muss und nicht nach außen kehren will, macht mich manchmal richtig alle.

    Hallo Tuvalu!

    Ich bin alkoholiker und seit letzten herbst trocken.

    Danke für deine Geschichte. Mir gefällt wie du schreibst.

    Du hast beschrieben, du bist gerade viel auf Partys, Festivals und in kneipen usw. Mich interessiert, was machst du sonst noch? Hast du weitere interessen, Hobbys, einen beruf bzw bist du in Ausbildung. Deine Freundin hast du schon erwähnt, gibt es da noch jemanden?

    Lg

    Erstmal herzlichen Glückwunsch! Ich wünsch dir alles Gute weiterhin! Ist es jetzt im Sommer schwerer für dich?

    Ich geh arbeiten ("irgendwas mit Menschen"), davor hab ich studiert. Ich hab einen festen Freundeskreis, einige von uns wohnen zusammen in einem Haus. Alkohol spielt bei einigen eine große Rolle, bei anderen wiederum gar keine. Derzeit versuchen ein paar von uns einen Wagenplatz zu gründen, das involviert mich z.B. ziemlich.

    Ich baue gerne, derzeit baue ich eine Gartenlaube zum Wohnen aus. Mir gefällt es dabei Dinge, die ich noch nicht kann, zu erlernen. Dann baue ich noch gerne mit anderen Leuten zusammen an Labyrinthen. Das sind vorübergehende Installationen, ähnlich eines Escape Rooms. Ich hör gerne Musik und entdecke noch lieber neue. Ich reise unheimlich gerne und war schon in ein paar Ländern zu Hause. In ein paar Jahren will ich wieder länger weg, darauf spare ich. Ich gehe gerne wandern, am liebsten Langstreckenwanderungen.

    Tja, wenn ich das alles so lese hab ich eigentlich gar keine Zeit mehr zum Konsumieren.

    Ey, aber ernsthaft: das ist wirklich ein Argument für mich. Ich hatte es so satt nach einem Amphetaminabend den ganzen nächsten Tag rumzuliegen und zu warten, bis man wieder klar kommt. Ich hatte dann imer das Gefühl, so viel zu verpassen.

    Ich habe mir den Artikel durchgelesen. Gerade die Punkte Offenheit und Ehrlichkeit sowie Trockenheit als Lebensaufgabe sprechen mich an.

    Das soziale Umfeld hat sich vor fünf Jahren schon begonnen zu wandeln. Als ich die ersten drei Jahre nichts getrunken habe, haben sich einige Freunde verabschiedet, denen ich jedoch nicht wirklich nachtrauern musste. Ich war eher erschreckt, hat mir das ja einen Spiegel vorgehalten, wie weit der Alkohol sich schon eingeschlichen hat. Sozusagen als Grundlage sozialer Beziehungen.

    Meine Freundin unterstützt mich, sie weiß schon seit vielen Jahren, dass ich ein Alkoholproblem habe. Daher trinkt sie wenig bis gar nichts in meiner Anwesenheit. Diesen Monat gehen wir auf ein Festival und werden beide nüchtern bleiben.

    Ich weiß, es ist eine riskante Entscheidung, aber derzeit versuche ich am gesellschaftlichen Leben, welches Alkohol meist zwangsläufig beinhaltet teilzuhaben. Sprich Kneipenbesuche, Partys, Konzerte, Festivals. Ich habe das nun jahrelang gemieden und es sehr vermisst. Aber ich weiß auch, dass man sein Gehirn "umprogrammieren" kann.

    Ich habe dazu ein paar Menschen, die ebenfalls nüchtern auf Partys gehen wollen, gefunden. Sie trinken aus verschiedenen Gründen nicht. Gestern waren wir zu viert auf einer Feier und ich hatte tatsächlich Spaß, auch wenn ich Angst hatte vor den ganzen Menschen und die Unbefangenheit vermisst habe.

    Ja, ich würde mich schon gerne im offenen Bereich austauschen...

    Hi Elly,

    ich möchte wirklich einiges ändern. Meine Einstellung zu mir selbst, meine Art Beziehungen zu gestalten. Nüchtern bleiben.

    Das letzte Mal Alkohol habe ich vor 3 Wochen getrunken. Das war anlässlich des "geplanten" Rückfalls. Ich habe es auch meine Alkoholferien genannt. Ich bin dazu extra 2 Wochen nach Kroatien gefahren... Schon schräg, oder? Davor habe ich 12 Monate nichts getrunken, wusste aber schon seit genau diesen 12 Monaten, dass ich zu exakt diesen Zeitpunkt wieder anfangen werde.

    Das Aufhören ist mir leicht gefallen. Wie auch schon vor zwei Jahren, da war die selbe Situation. Ich war irgendwie diesmal ein bisschen erleichtert, dass die zwei Wochen rum waren, ich hab mich so eklig gefühlt, wie als wäre ich innerlich verklebt.

    Speed habe ich vor 7 Wochen das letzte Mal gezogen.

    Zur Zeit vermisse ich nichts von beiden.

    Ich habe mein Umfeld darüber in Kenntnis gesetzt, dass ich ab jetzt nüchtern bleiben will. Das ich ein Suchtproblem habe fällt mir schwer zu sagen, ich schäme mich, obwohl ich innerlich doch irgendwie stolz drauf bin, es mir selbst einzugestehen.

    Hallo Forum,

    angemeldet bin ich schon lange, ich glaube seit ca. 6 Jahren. Geschrieben hab ich glaube ich noch nie, mitgelesen wenig. Jetzt ist es an der Zeit zumindest das Erste zu ändern, um vielleicht häufiger das Zweite zu tun.

    Der Satz "Ich bin Alkoholiker" kam in den letzten Jahren schon manchmal- selten- aus meinem Mund. Gedacht habe ihn ihn öfter, aber so richtig fühle ich ihn erst jetzt. Und ich muss ihn gleich wieder abändern. In: "Ich bin suchtkrank".


    Doch zunächst ein wenig zu meiner Geschichte:

    Angefangen mit dem Trinken habe ich mit 18. Damals war es wie eine Offenbarung, ich konnte mich plötzlich spüren und hatte auch das Gefühl, dass mich erst mit dem Alkohol andere Leute anfingen zu spüren.

    Bei mir gab es kein schleichend. Ich bin gleich voll eingestiegen. Fast jeden Tag besoffen, teilweise zwei/drei Tage hintereinander. Je doller desto besser. Und dann auch gleich die abenteuerlichsten Nebenwirkungen: Stress mit den Bullen, Randale, Schlägerei, hochriskante Aktionen...Kontrollverlust, Knast. Ich kam mir wie der König der Welt vor.

    Natürlich hab ich auch recht schnell die Drogen entdeckt, am besten haben mir die aufpeitschenden gefallen, allen voran Speed und XTC. Die kamen dann "flankierend" hinzu.


    Eigentlich bin ich schüchtern, ruhig, zögerlich und ziemlich harmoniebedürftig. Aber mein innerer Bukowski trieb mich an, mich immer wieder selbst zu übertreffen. Kein Grenze die nicht überschritten werden musste, jede vermeintliche Einschränkung eine Herausforderung sie nicht einzuhalten.

    Naja.

    Irgendwie, im ausnüchternden Zustand hatte ich schon ganz früh das Gefühl, dass das nicht gut ist und dass ich aufhören sollte. Ich habe mal einen Zettel geschrieben mit Lebenszielen: Darauf unter anderem: kein Alkohol, kein Nikotin, kein Fleisch. Das war mit 19.

    Ich wollte schon immer nicht so viel trinken. Meine seelischen Zustände waren im Rausch immer unaushaltbarer. Für alle Beteiligten. Geschrei, Selbstmordfantasien, absolut negativ-aggressives Gefasel. Dazu kam, dass ich wohl betrunken immer noch irgendeine morbide Anziehungskraft hatte, die Leute haben jedenfalls zugehört wenn mein schwarzer Strudel zu sprechen begann. Das hat mir dann eine eklige Selbstbestätigung gegeben.

    Es gab so viele Versuche weniger zu trinken. Ich habe es nie geschafft. Ernsthaft: ich kann mich an kein einziges Mal erinnern, wo das "naja, nur ein oder zwei Bier" mal geklappt hätte. Wenn einmal die Schleusen offen waren, gab es kein Halten.


    Das hat sich dann so hingezogen. Rein mengenmäßig wurde es tatsächlich über die Jahre weniger. Von täglich zu ca. zwei Mal pro Woche. Aber den Kater mit eingerechnet, der ja Minimum einen Tag dauert, waren das immer noch 4 Tage die Woche, die vom Alkohol bestimmt waren.

    Dann gab es eine ganz fürchterliche Nacht. Da war ich 34. Die Details will ich hier nicht reinschreiben, aber es war so grauenhaft, dass ich dann einfach nicht mehr wollte. Ich hab aufgehört zu trinken. Das war vor 5 Jahren. Seitdem hatte ich 3 Rückfälle, wobei der letzte etwa seit einem Jahr "geplant" war, sowohl in Start, Ende und Umfang.

    In den letzten 5 Jahren habe ich meine Sucht auf Speed verlagert. Das habe ich nicht gemerkt, der Begriff Suchtverlagerung war mir zwar bekannt, aber natürlich traf er nicht auf mich zu. Ich habe mir da selbst als wunderbares Beispiel des Selbstbetrugs dienen können.

    Es gab einen 3 Wochen Rhythmus. Den habe ich weitgehend einhalten können, mal war es kürzer, aber oft auch länger, ich hatte teilweise monatelange Konsumpausen, vor allem am Jahresanfang. Trotzdem habe ich mich immer auf den Rausch gefreut. Die Zeit der Nüchternheit war dazu da, um die Zeit für den nächsten Rausch rumzukriegen und den Rausch damit zu legitimieren.

    Ich bin seit einem Jahr in Therapie. Nicht wegen der Suchtproblematik, die habe ich vor einem Jahr ja nicht als solche empfunden. Ich habe starke Borderline und Schizoide Anteile. Ich will Menschen um mich und will sie gleichzeitig nicht da haben, dass in Kürze dazu.

    Irgendwann fragte meine Therapeutin was ich im Rausch zu finden versuche. Meine Antwort war: mein optimales Ich. Das hat sie zu einer ziemlich deutlichen Aussage bewegt, nämlich, dass das ja wohl eine ziemliche Scheiße sei, mein optimales Ich sei ja bitteschön die ganze Zeit über da und wenn ich nur berauscht so sein könne, brächte eine Therapie nichts.

    Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich hab mich natürlich auf den Schlips getreten gefühlt, schließlich dachte ich ja, das das alles nicht mehr auf mich zuträfe, ich trinke schließlich nicht mehr (bis auf die Rückfälle) und mein Amphetaminkonsum ist ja wohl kontrolliert.

    Irgendwann hat es dann Klick gemacht. Es kam die Erkenntnis: ich bin suchtkrank. Und zwar immer. Nicht nur ein bisschen, nicht nur hin und wieder, sondern immer. Auch wenn ich lange nüchtern bin, es kommt nicht auf die Menge an. Ich kann nichts kontrollieren, was ich nicht kontrollieren kann.

    Und es gibt für mich nur eine Lösung: Abstinenz.

    So.

    Und nun bin ich schlussendlich hier, schreibe diese Geschichte und stehe vor einem Anfang. Ich will endlich drei Kreuze auf meinen Lebenszielzettel machen. Irgendwie fühlt es sich gut an, aber ich habe auch Angst. Angst es nicht zu schaffen, Angst etwas zu verlieren, denn mein Sucht-Ich kann viele Sachen die ich -noch- nicht kann. Die muss ich mir nun beibringen. Oder auch nicht, ich bin auch ohne diese Fähigkeiten ein wertvoller Mensch.

    Das muss jetzt vom Hirn ins Herz.

    Danke fürs Lesen.