Beiträge von Lanananana

    Mein ganzes Leben ist ein laufender Prozess :D Ja, anfangs wusste ich gar nicht, was mit mir los ist. Dann war ich auch wütend - dann traurig - über den Missbrauch und den Mangel, den ich erlitten habe und nun hab ich kapiert, dass es zum Glück meine Möglichkeit/Chance ist, (Eigen-) Verantwortung zu übernehmen! Den Fokus auf Selbstwert, eigene Grenzen und eigene Werte zu setzen hilft mir als EKA und Co mehr als zurückzublicken und Schuldige zu suchen und anderen in einer ähnlichen Situation Vorwürfe zu machen. Und diesen Gedanken wollte ich teilen: dass wir nicht alle gleich selbstreflexiv und stark sind ... und dass wir uns und das Hier und Jetzt ändern können - die Vergangenheit aber nicht.

    Ich finde auch, dass die Schuldfrage niemandem nutzt. Ich habe echt nen ziemlichen Knacks wegbekommen zu Hause - aber was hilft es mir, dort den Fokus hin zu verlagern. Mein Vater hat das gemacht, was er im Rahmen seiner Möglichkeiten konnte: Saufen und mir vermitteln, dass ich störe. Meine Mutter hat versucht die Fassade aufrecht zu erhalten und viele andere Grausamkeiten erspare ich euch jetzt … und warum war sie wie sie war? Weil sie sich selbst null reflektieren kann und eine Persönlichkeitsstörung hat - ausgelöst vielleicht durch die Kindheit in ihrer Ursprungsfamilie. Auch sie hat getan, was sie konnte. Und ich hab echt schon viele Herausforderungen genommen und die Chance alte Wunden zu heilen, weil ich es geschafft habe, mit schwierigen Situationen anders umzugehen. Und darauf setz ich meinen Fokus! Auf Möglichkeiten und Chancen meine Gegenwart zu verbessern. Jeder macht das, was er kann im Rahmen seiner Möglichkeiten.

    Nein - ich hab es nicht gemerkt aber ich war total fremdbestimmt. Und unglücklich, weil sich irgendwann alles nur noch um ihn und seine Sucht gedreht hat und er trotz aller Hilfestellungen immer wieder angefangen hat zu saufen und ich auch das persönlich genommen habe: „wir sind ihm nicht wichtig genug … wenn ich es besser gemacht hätte, ihn zu unterstützen, zu motivieren, hätte es geklappt … wenn er mich liebt, warum tut er mir das an … ich kann ihn nicht im Stich lassen, er ist doch krank …“ Ich hab mich selbst nicht ernst genommen, weil ich das einfach nicht gelernt habe (ich komme selbst aus einer Suchtfamilie) … aber nun arbeite ich intensiv an meinem Selbstwertgefühl und das ist aus meiner Sicht der erste Schritt in ein selbstbestimmtes Leben mit eigenen Werten und Standards und Grenzen! Und die fange ich jetzt an zu verteidigen. Für einige mag das alles selbstverständlich sein … für mich ist es harte Arbeit - aber eine, die sich lohnt!

    der Co. weiß, der Alkoholiker tut einem nicht gut und bleibt trotzdem.

    Aus meiner Sicht keine Analogie: ich wusste nicht, es tut mir nicht gut und blieb trotzdem! Ich habe einfach nicht in Erwägung gezogen, dass ich das Recht habe, mich wichtiger zu nehmen. Ich dachte, ich muss für meinen Partner und für unsere Liebe kämpfen. Und warum? Weil ich so aufgewachsen bin. Ich musste erst verstehen, dass es alternative Handlungsmöglichkeiten gibt und dass es ok - sogar mein Recht ist, die zu wählen!

    Hilft es ihm wenn ich ihn decke? Oder hilft es eher wenn es rauskommt? Wie verhalte ich mich am besten für ihn?

    Du kannst ihn unterstützen, wenn er von sich aus (!) ein abstinentes Leben anstrebt. Ihm helfen kannst du leider nicht - aber Dir! Deshalb frag dich bitte, hilft es Dir, wenn alles rauskommt? Und: kannst du mit ihm das Leben, die Partnerschaft leben, die du dir für Dich wünschst? Und zwar aktuell - nicht verglichen mit dem Mann, der er am Anfang eurer Beziehung war oder dem, der er sein könnte. Und vor allem: möchtest du eine so belastetes Umfeld weiter Deinen Kindern zumuten? Unterschätze bitte nicht, wie sehr das ihre eigene Entwicklung beeinflusst. Sie können sich leider nicht retten.

    Er hat von Anfang an pausenlos gelogen, und das nicht nur nachvollziehbar (wenn auch verwerflich) über Umsände seiner Ehe etc., sondern auch völlig wirre und verrückte Geschichten über seine eigene Biografie als auch die von Freunden und Familie.

    Liebe Paula, mich berührt, das was Du schreibst, weil ich wirklich erschrocken bin, wie sehr wir Angehörige uns in der Beziehung mit einem Süchtigen verlieren können. Wie wir unsere Standards vergessen - und unsere Werte auch …

    Ich fühle mich so allein gelassen mit 2 kleinen Kindern und irgendwie auch betrogen,

    Was hält Dich bei diesem Mann?

    ich liebe ihn, trotz allem was im letzten Jahr geschah , und das war viel

    Ich glaube du solltest deine Definition von Liebe nochmal überdenken. Findest Du nicht auch, dass da irgendwas aus der Balance ist?

    Ich habe meinen Ex-Freund im Supermarkt getroffen. Ich war gerade versunken in eine Zutatenliste, da sagt jemand neben mir „Hallo“. Er sah schlimm aus. Aufgedunsen, nicht besonders gepflegt. Und natürlich hängt er noch immer an der Flasche. Der für mich ehemals so unfassbar wunderschöne Mann - ein Schatten seiner selbst. Nach zahlreichen Entzügen und abgebrochenen und durchgezogenen Langzeittherapien - immernoch ohne Halt und Ziel. Es ist wirklich sehr schwer zu verstehen.

    Er hat mich gefragt, wie es mir so geht. Ich wusste plötzlich nicht, was ich antworten soll. Bis eben gut? Bin ok? Jetzt wo ich Dich so sehe, nicht mehr so gut? Der Austausch war kurz. Er hat angefangen von Seelenverwandtschaft, die wir doch haben und an die er noch immer glaubt … Ich hab gesagt, ich verstehe nicht, warum er sein Leben so zerstört und dass ich den Scheiss-Alk und seine Sauferei nicht mehr ertrage. Wir sind dann einfach wieder auseinandergegangen. Die gute Nachricht an mich selbst ist - ich hatte kein Herzklopfen - nicht das Gefühl ich möchte sofort zurück. Im Gegenteil - ich bin froh, dass ich das alles nicht mehr täglich an der Hacke hab. Aber ich bin schon ziemlich traurig seitdem. Es lässt mich nicht kalt ihn so zu sehen. Ich hätte ihm so gewünscht, dass er es packt. Dass er kämpft. Und mir, dass ich endlich irgendwo ankomme. Endlich gesehen und geliebt werde. Dass unsere (meine?) Träume wahr werden. Es überrascht mich, dass die Welle der Traurigkeit so stark ist. Aber ich weiß, dass sich meine Gefühle wieder beruhigen werden. Ich hatte so wundervolle Monate mit mir allein. Es ist einfach gerade so wie es ist.

    Deine Gefühle verstehe ich sehr gut! Mein Ex-Freund hat auch immer wieder angefangen zu trinken und es macht mich noch immer sehr traurig, zu wissen, dass er sich mit dem Scheiss-Alk kaputt macht. Aber du solltest Dir selbst nochmal und immer wieder klar machen, dass Du nicht für ihn „verantwortlich“ bist. Mit dem Alkohol tut er sich ja bereits etwas an. Und du hast keine Möglichkeit das zu ändern. Er hat ein Recht darauf, sich tot zu saufen o.ä. und er hat die Möglichkeit professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und wieder Verantwortung für sein Leben zu übernehmen. Und Du hast ein Recht darauf, Dein Leben so zu Leben, wie Du das möchtest. Das hast du absolut richtig erkannt. Ich finde es gut, dass du erstmal keinen Kontakt mehr willst. Richtig für euch beide! Halt das durch. Bleib bei Dir! Ich wünsche Dir ganz viel Kraft.

    Mein Mann ignoriert die Sache leider . Er sieht es aber akzeptiert es still schweigend. Denke eher er weiss sich nicht zu Helfen. Haben uns leider dadurch irgendwie entfernt von einander.

    Ich finde Dich sehr stark! Und das Verhalten Deines Mannes unmöglich. Aus meiner Sicht habt ihr euch tatsächlich voneinander entfernt. Ansonsten würde ich von ihm erwarten, dass er dich mich vollem Einsatz unterstützt und nicht noch in eine Gefahrensituation lockt. Vertrau auf Dich. Du hast alles richtig gemacht! Eine Umarmung!

    Natürlich ist jede Geschichte individuell - und deshalb muss es bei Dir natürlich auch nicht so laufen, wie bei mir.

    Aber weil Du fragst: Bei mir war es exakt so wie Du beschreibst - gepackte Koffer, Drama - Aussprache, Beteuerungen, Entgiftung, Therapien - neue Hoffnung, wundervolle Gespräche, Lachen, Planungen, Wachstum - und dann aus heiterem Himmel, wenn ich niemals damit gerechnet hätte, neue Saufphase! Bis zum nächsten „Neubeginn“…

    Ich hab einige Runden gebraucht, um zu verstehen, dass das nichts wird - jedenfalls nicht auf die lange Strecke - zumindest nicht gemeinsam.

    Also sei nicht zu enttäuscht, wenn irgendwann - trotz der schönen Momente und der Hoffnung - die Hölle wieder losbricht.

    Ist das nach eineinhalb Jahren Trinkfrei ein Rückschlag den man hinnehmen muss?

    Nein! Du musst gar nichts. Und niemand kann Dir sagen, ob es bei deinem Partner irgendwann „Klick“ macht und er alles dafür tut, trocken zu bleiben oder eben nicht.

    Tatsächlich musst Du Dich darauf einstellen, dass es jederzeit zu einem Rückfall kommen kann - und das leider oft, wenn du am allerwenigsten damit rechnest. So war es zumindest bei meinem Ex-Freund.

    Ich bin bei jedem Rückfall emotional mit abgestürzt - jedes Mal ein bisschen tiefer - bis ich begriffen habe, dass die Chancen auf eine langfristige Trockenheit schon deshalb nicht gegeben sind, weil er zwar Entzüge und Therapie gemacht hat, aber eigentlich immer das Gefühl hatte verzichten zu „müssen“ und auch wenig Antrieb hatte das Erreichte eigeninitiativ abzusichern.

    Es ist wirklich nicht leicht, einen Menschen loszulassen, den man liebt. Aber irgendwann muss man sich sehr ernsthaft fragen, ob er wirklich für sich und mit vollem Einsatz trocken bleiben will - oder nur immer wieder Anläufe nimmt, damit sein Suchtsystem nicht ganz zusammenbricht. . Und wenn die Antwort auf diese Frage schon nicht eindeutig ausfällt, hat die Partnerschaft aus meiner Sicht keine echte Perspektive.

    Typhoon1969 Ich möchte kurz auf Dein "anschwärze" reagieren. Dir eine andere Perspektive dazu geben. Ich komme nämlich aus einer Familie, in der der Suff maximal versteckt wurde. Ich wurde schon als kleines Kind gedrillt, dass etwas ganz Schlimmes passiert, wenn ich darüber rede, dass mein Vater trinkt, dass ich mir damit schade, dass ich meine Eltern verrate. Und so habe ich geschwiegen. Und gelitten. Und ausgehalten, bis mein Vater eines Morgens Blut gespuckt hat, umgefallen ist, ins Krankenhaus kam und verstarb. Ich bin mir sicher, dass trotz des Versteckspiels einige Verwandte, Nachbarn und Freunde mitbekommen haben, dass mit meinem Vater/mit unserer scheinbar so heilen Familie etwas nicht stimmt - und ebenfalls geschwiegen haben. Wir haben alle ein "alles in Ordnung Theater" gespielt - unter dem ich wahnsinnig gelitten habe. Ich hab mich unfassbar allein gefühlt. Und ich hab bis heute Probleme, das Alles zu verarbeiten. Dies ist kein Appell, dass man Hinz und Kunz das Suchtproblem eines Angehörigen auf die Nase binden soll - aber es ist aus meiner Sicht auch kein "Verrat" oder "Anschwärzen" ... sondern an vielen Stellen unglaublich wichtig, um Vertuschung zu verhindern - und denen zu helfen, die am meisten leiden - und so hilflos, verletzlich und schutzbedürftig sind: den Kindern!

    Das ist mir selbst irgendwann klar geworden. Irgendwann habe ich einfach gemerkt, dass es nicht reicht, wenn der Alkoholkranke zugibt ein Problem zu haben. Mein Freund hat ja sogar nochmal eine Langzeittherapie gemacht - die er als Musterpatient beendet hat. Um dann doch wieder anzufangen … Ich wusste, wenn ich mich nicht endlich um mich kümmer, gehe ich mit unter.

    Und ich habe mir tatsächlich nochmal eine Therapeutin gesucht. (Ich hatte bereits mehrere Jahre Therapie nach dem Tod meines Vaters). Ich hab einfach nach den unendlich vielen Höhen und Tiefen erkannt, dass ich mich selbst verloren habe und dass ich schleunigst anfangen muss, mich zu verändern, damit sich was verändert - nicht ihn!

    Mein Problem war rückblickend tatsächlich, dass ich einfach nicht genug Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein hatte. Ich arbeite dran.

    Samora jein … schlimm fand ich es schon … aber ich hab geglaubt, er meint es ernst, wenn er sagt, er wird aufhören. Und deshalb habe ich geglaubt, ich muss ihn nur noch ein bisschen mehr unterstützen, motivieren, bespassen … dann würde endlich alles gut. (Mein Vater hatte bis zu seinem Tod abgestritten, ein Problem zu haben. Insofern hab ich geglaubt, Krankheitseinsicht ist der Schlüssel zum Glück.) Also habe ich auch sehr lang festgesteckt … und mich Stück für Stück selbst verloren. Alles hat sich nur noch darum gedreht, wie ich ihn so bei Laune halte, dass er trocken wird und bleibt. Wenn er nüchtern war (oder schien) hatten wir es auch unfassbar schön … aber der Preis dafür sehr hoch, denn die Abstürze waren schrecklich.