na dann leg mal los 
Danke, Aurora. Toll, dass das so schnell gegangen ist.
In meinem Kopf ist ein rechtes Durcheinander, entschuldigt also bitte, falls es in meinen Beiträgen ähnlich aussieht... Und außerdem entschuldige ich mich vorab schon für den Roman, der hier vermutlich gleich folgt, wie ich mich kenne.
Trennung war vor einer Woche. Am Tag darauf habe ich noch einen Brief von ihm erhalten, seither ist beiderseits Funkstille.
Mein Freund oder Exfreund - ich nenne ihn mal Diego - hat viele, viele Probleme. Für mich ist es ein bisschen die Henne-Ei-Frage nach dem Ursprung, also ob der Substanzmissbrauch die Probleme verursacht hat oder umgekehrt. Vielleicht tut das aber auch gar nix zur Sache.
Er ist geschieden und hat eine Teenager-Tochter. Seit seiner Trennung vor vielen Jahren haben sich finanzielle Probleme eingeschlichen (Schulden aus diversen Krediten etc., allerdings in einer "überschaubaren" und durchaus machbaren Höhe, wie ich finde), vor allem aber psychische / psychiatrische.
Diego ist medikamentös wegen Depressionen eingestellt, es gab Vorfälle von Selbstverletzung, auch schon Äußerungen von Suizid-Gedanken (solche immer in Kombi mit dem Exzess, in den Zeiten dazwischen ist er sein sehr lebenslustiger und witziger Mensch).
Während seiner Ehe waren - laut Aussage der Exfrau, mit der ich mich immer gut verstanden habe - solche Exzesse in dieser krassen, selbstschädigenden Form übrigens nicht Thema.
Wir wohnen in unterschiedlichen Städten, haben aber über die gesamte Beziehung sehr viel Zeit am Stück miteinander verbracht. Ich bin örtlich relativ ungebunden, sodass das über Wochen bis Monate möglich war - wenn er nicht bei mir war, war ich bei ihm.
Und ich denke, das Fiese an der Quartalsabhängigkeit ist wohl, dass man das Verhalten lange gar nicht als allzu problematisch empfindet, schließlich gab es bis dato keinen (merklichen?) körperlichen Entzug und kann der Betroffene ja scheinbar von einem Tag auf den anderen ganz ohne Schwierigkeiten aufhören bzw. halt pausieren. Und bei Diego waren die Abstände dazwischen halt auch immer gerade lang genug, dass man sich wieder "in Sicherheit wiegt".
Dass die Abstände kürzer geworden wären, könnte ich bis dato / über die Jahre nicht behaupten. Sehr wohl aber, dass die Exzesse krasser zu werden scheinen, gravierender; im Sommer zB hat er irgendwo in der Nacht dann randaliert, das entspricht überhaupt nicht seinem Naturell, er ist der friedfertigste Mensch - es folgten eine Anklage und neue Schulden.
Interessant finde ich übrigens, dass ich niemals persönlich anwesend war - der Absturz passiert ausschließlich dann, wenn wir doch mal örtlich getrennt waren (was natürlich auch Ängste und ein ungesundes Verantwortungsgefühl schürt: "Ich kann ihn nicht alleine lassen").
Zwischen den Exzessen ist mein Diego der liebevollste Mann, er ist besonders zugewandt (schon eher vom Typ "Klammeraffe" - also nicht einengend, ich hatte immer alle Freiheiten und bin da auch sehr unabhängig und rigoros -, sondern in Richtung "emotional sehr anhänglich bis etwas bedürftig"). Er ist ein aufmerksamer, lebenslustiger, sehr intelligenter Mensch und als Partner unglaublich fürsorglich, und seine Exzesse nehmen ihn dann immer sichtlich mit. Dann kommen halt hundert Entschuldigungen und folgen große Erschütterung, Bedauern, Scham, Depressivität.
Er hat mit mir immer sehr offen gesprochen, auch über den Koks-Konsum während der Exzesse, zwischen uns gab es da eigentlich kein Tabu. Er sagt zum Beispiel, er nehme dann das Koks, um den Rausch hinauszuzögern und nicht einzuschlafen.
Ich weiß allerdings auch, dass es während der Exzesse viele Lügen gegeben hat.
Ich hab hier bei euch bereits ein bisschen in den Themen gelesen. Besonders der geschlossene Thread von Valesh / Florian hat mich sehr erschreckt - ich denke, genau so verhält und fühlt sich Diego während seiner Exzesse.
Jetzt ist es so:
Diego hat Anfang Oktober eine stationäre Therapie gestartet (keine explizite Entwöhnung/Suchtterapie, sondern eine psychiatrische), die eigentlich sechs Wochen gedauert hätte. Kurzversion - nach etwa vier Wochen musste er aufgrund einer akuten Darmentzündung ins Krankenhaus, musste dort stationär aufgenommen werden - und die Therapie wurde nach zwei weiteren Nächten ohne Vorwarnung beendet, und zwar zu einem Zeitpunkt, als Diego aufgrund der Intensität der Therapie gerade an einem labilen, sehr instabilen Punkt war. Das war für alle Beteiligten ein riesengroßer Schock und ein Vorgehen, das ich nach wie vor als massiv fahrlässig empfinde - ich bin auch diesbezüglich mit den Verantwortlichen in Kontakt, aber die Misere ist ja nun schon passiert.
Denn etwa zwei Wochen später kam der große Rückfall. Er war bei mir, musste dann für einen Termin in seine Heimatstadt und ist von dort wiederum heimlich in eine andere Stadt gefahren, um sich mit entfernten Bekannten total dem Exzess hinzugeben: Literweise Alkohol, Schnaps, Tabletten, Kokain. Er hat sich über Tage komplett darin verloren, einer dieser Tage war mein Geburtstag.
Ich denke, er hat geglaubt, ich würde nix mitkriegen - sein Plan war wohl eine "flotte Partynacht" als Zwischenstation, um danach mit mir meinen Geburtstag zu verbringen. Nur leider hat der Idiot (sorry) die Rechnung ohne die uns altbekannte Tatsache gemacht, dass er nach dem ersten Glas jedes Mal drei bis sieben Tage später aufwacht, ohne zu wissen, wo die ganze Zeit hin ist.
Ich habe tagelang nicht geschlafen und wir mussten ihn dann eben polizeilich fahnden lassen (aufgrund der manchmal im Raum stehenden Eigengefährdung), nachdem wir draufkamen, dass er nicht bei sich zu Hause war. Es war die Hölle. Die reinste Hölle - und ich habe daraufhin dann die Beziehung beendet.
Jetzt tut er mir aber einfach so leid, denn eigentlich hat er ja schon den Willen gezeigt, einen anderen Weg einzuschlagen. Ich weiß nicht, ob ich mir das schönrede, aber in der Art und Weise, auf die man ihm die Therapie beendet hat, sehe ich einen großen Teil der Verantwortung für diesen krassen Rückfall.
Ich weiß mir nicht recht zu helfen. Ich liebe diesen Mann sehr und würde mir eigentlich nichts mehr wünschen, als mit ihm zusammen zu sein und genau den wundervollen Alltag zu haben, den wir zwischen den Exzessen immer hatten.
Wie seht ihr das? Was bräuchte es dafür seinerseits?
Erst jetzt ist mir so richtig klar geworden, dass bei ihm eben diese "Quartals-Sucht" besteht, die Therapie war eigentlich für seine psychischen und psychiatrischen Themen gedacht, aber natürlich hab ich mir davon - als ersten Schritt - sehr viel erhofft.
Was ihn angeht, kann ich nur Vermutungen anstellen - aber ich denke, bis dato war er der Überzeugung, zu einem kontrollierten Trinkverhalten zurückkehren zu können. Dass das wohl nicht möglich sein wird, stelle ich hier beim Lesen durch die Beiträge schmerzlich fest.
Aktuell möchte ich ihn eigentlich nicht mehr unterstützen. Und trotzdem frage ich mich, gibt es aus eurer Sicht irgendwelche Voraussetzungen, unter denen ich mich auf diese Geschichte noch einmal einlassen könnte? Hat er eine realistische Chance?
Ich danke allen, die bis hier her gelesen haben. Entschuldigt - ich hab's nicht kürzer geschafft.
Danke, dass ich hier sein darf.
Lieben Gruß, Catalina