Beiträge von Alba_tros

    Die Geschichte mit deiner Mutter fühlt sich für mich sehr vertraut an. Allerdings habe ich den Kontakt vor Jahren abgebrochen, als ich es nicht mehr ausgehalten habe.

    Liebe Lea,

    Danke für deine Begrüßung... Deine Beiträge lese ich sehr gern! Ich finde du bringst die wahnsinnige Ambivalenz der Gefühle, die das EKA-sein so mit sich bringt, sehr gut in Schriftform rüber. Ich finde mich jedenfalls in deinen Beiträgen wieder...

    Da denke ich immer, wie tröstlich wenn auch tragisch. Würden wir uns auf der Straße treffen und zufällig über unsere suchtkranken Eltern reden - ich müsste dir nicht versuchen zu erklären warum es ist wie es ist. Wer nicht selbst betroffen ist UND die Thematik aufgearbeitet hat, quält einen meistens nur mit gut gemeinten, nutzlosen Ratschlägen. 🙄

    Kontaktabbruch ist für mich definitiv eine der möglichen Optionen. So habe ich es meiner Mutter bereits am Telefon auch schon kommuniziert: Wenn sie wieder säuft bin ich raus, denn DAS erspar ich mir. Dann schick ich nur noch einen Pflegedienst vorbei, ich kann und werde nicht zusehen, wie sie sich zu Grunde richtet.

    Aber es ist ihr Leben - sie darf wenn sie will - sich tot saufen.

    Nach dem letzten Kontakt im Herbst 2019 mit wieder mal anschließender Funkstille, habe ich sie Anfang des Jahres 2021 "betrauert und begraben".

    Meiner Mutter merkt man den harten Konsum und die Depression an, sie ist nicht mehr die Frau und Mutter, an die ich mich aus frühen Kindertagen erinnere. Ganz wichtig vor allem für mich die Erkenntnis: sie kommt auch nicht wieder. Meine Mama ist schon tot, irgendwann heimlich gestorben. Ich kann aufhören darauf zu warten, dass sie wieder kommt.

    Ich hab mir ein schönes Bild von ihr aufgehängt, an eine Wand an der ich oft vorbei laufe. Ich hab in Gedanken mit ihr geredet und ihr erzählt, wie sehr ich mir gewünscht hätte, sie wäre jetzt auch hier und könnte ihre Enkel erleben und Teil meiner Familie und meines Lebens sein. Ich hab oft geheult aber es ist besser geworden.

    Trauerarbeit.

    Die Frau die heute vor mir steht erinnert mich noch sehr an sie, aber sie ist doch anders.

    Manchmal vergesse ich das, wenn ich viel mit ihr zu tun habe und dann kommen meine Sehnsüchte wieder hoch, die sie nicht erfüllen wird.

    Gute Nacht

    Vielen Dank für das nette Willkommen liebe Linde!

    Ich habe auf dem Tablet geschrieben und dann den Text hier rein kopiert - gut dass du ihn angepasst hast, der war wirklich ziemlich klein.

    In Zukunft werde ich direkt hier schreiben, dann gibt's die Unleserlichkeitprobleme nicht mehr.

    Du kannst auf dem aufbauen, was du dir in deiner Ehe erarbeitet hast.

    Ich hab ihn zum Glück nicht geheiratet - war zwar verlobt und der Termin beim Standesamt war schon fix... Aber ich hab fast direkt nachdem ich meinen Alkoholiker "entdeckt" habe, die Eheschließung gecancelt. Vielleicht heirate ich ihn doch noch - in 5 Jahren oder so 😆

    So ist er einfach mein bester Freund und Vater meiner Kinder. Wir haben ein Familienleben und das läuft gut.

    Inwiefern wir als Liebespaar existieren ist schwer zu sagen. Der Suff, die Trennung, der holprige Weg des Trocken-werdens... Ich hab mit meiner romantischen Liebe bezahlt und nun hab ich keine mehr. Ich hab ihn wirklich lieb, ich schätze ihn sehr und weiß was ich an ihm habe - und auch was nicht.

    Aber du hast Recht! In dieser Beziehung bin ich über meine Grenzen hinaus und zurück gegangen. Dank ihm und der Sucht hab ich so viel über mich, meine Grenzen, warum ich Dinge tue wie ich sie tue und fühle wie ich fühle gelernt, wie nie zuvor. Meine Kindheit kam beim Nachdenken ja auch gleich noch mit hoch.

    Kämpfen hab ich gelernt, für mich! Was ich existentiell begriffen habe: Verloren bin ich erst dann, wenn ich mich nicht mehr auf mich selbst verlassen kann. Also tu ich alles dafür, damit ich mir wenigstens selbst vertrauen und auf mich bauen kann. Ich halte mich zuverlässig an meine Werte, meine Grenzen, meine Wahrnehmung, meine Gefühle und handle so, dass ich im Reinen mit mir selbst bin.

    Vielleicht ist das der Kompass, der mich halbwegs sicher durch die Abteilung Mutter bringt 🙈

    Liebe Grüße - Alba

    Guten Abend in die Runde.

    Ich hab mich heute hier im Forum angemeldet weil ich so etwas wie ein Sicherheitsnetz benötige - ich glaub ich hab Angst.

    Ich bin weiblich, mitte 30, Mutter von zwei kleinen Kindern, der Kindsvater ist seit fast 1,5 Jahren trockener Alkoholiker. Wir verbringen jetzt viel Zeit als Familie zusammen, trotzdem haben er und ich seit seiner Suchtaufgabe jeweils eine eigene Wohnung.

    Dieser Teil meines Lebens ist in produktiver Arbeit, gerne möchte ich später mehr dazu erzählen und schreiben. Ich lese seit ungefähr 2 Jahren in diesem Forum mit und es hat mich mit den ganzen wertvollen Beiträgen der verschiedenen Mitglieder durch turbulente, wütende, verzweifelte, resignierte und einfach nur traurige Zeiten begleitet.

    Ja, vielleicht bin ich eine der wenigen „Glücklichen“ deren Alki-Partner Einsicht hatte, darauf hin trocken wurde und sie lebten wie fast jedes andere Normalo-Paar auf diesem Planeten irgendwie bis an ihr Lebensende…

    Das beschissene Los der Co-Abhängigkeit ist knapp an mir vorüber gegangen und dafür bin ich unendlich dankbar! Im Grunde haben meine Kinder mich gerettet: als mir dämmerte, dass der Vater Alkoholiker ist, war mir klar, dass ich mich trennen MUSS. Weil ich das meinen Kindern nicht antue. Das einzige was schlimmer ist als ohne Vater aufzuwachsen ist, mit einem suchtkranken Vater (und einer co-abhängigen Mutter) aufzuwachsen.

    Diese damals erstmal rationale Entscheidung (Hirn an, Herz aus) führte überraschenderweise zum Wendepunkt des Papas; er hatte Einsicht und darauf seinen Entschluss gefasst, den er bis heute durchzieht.

    Das klingt so einfach - wie ich es hier kurzgefasst runter schreibe. Ich denke ihr ahnt, dass es das ganz und gar nicht war und immer noch nicht ist.

    Warum ich mich hier jetzt aber melde ist, weil meine alkoholkranke, depressive Mutter in wenigen Wochen in meine direkte Nähe ziehen wird - von mir und meiner Schwester so auch gewollt und organisiert.

    Ich bin durch und durch ein EKA (meine Schwestern natürlich auch) und nun geht mir der A auf Grundeis, um es mal so zu formulieren.

    Meine Mutter ist derzeit (noch) abstinent. Im Sommer letzen Jahres sind meine Schwester und ich zu ihr gefahren (350km Entfernung) und haben sie verwahrlost weil schwerst depressiv (hat das Haus kaum mehr verlassen) in die Psychiatrie gebracht. Es war das volle Programm: Vorsorgevollmachten, das Haus kündigen (Mietvertrag), Haus leer räumen, sich mit dem Vermieter rumschlagen, gleichzeitig die Insolvenz nebst Vollstreckungsbescheide abwenden, Krankenversicherungsschutz wieder herstellen, Hartz IV beantragen… das alles mit 2 Kleinkindern und 2 Babies im Schlepptau. Es war ein Riesenberg Mist - und der Grund, warum meine Mutter nun nur einen Kilometer entfernt eine neue Wohnung bezieht.

    Ich hab lange abgewogen was und warum ich es tue - es läuft darauf hinaus, dass ich und meine Schwestern immer ihre direkten Angehörigen bleiben und wir deswegen immer (spätestens wenn sie stirbt) uns um ihren Mist kümmern müssen. In diesem Ausmaß wie letzten Sommer will ich das NIE wieder machen müssen, deswegen regeln wir jetzt die Rahmenbedingungen ihres Lebens (Hartz IV, Wohnung, Bankgeschäfte).

    Sie hat ungefähr seit 7 Monaten keinen Alkohol mehr getrunken - weil sie zu depressiv war sich welchen zu kaufen. Nun ist sie in psychiatrischer Behandlung gegen die Depression, gegen ihre Alkoholkrankheit hat sie bisher noch nichts aus eigenen Antrieb unternommen.

    (Einfach nur nichts trinken klappt halt nicht auf Dauer - wenn man suchtkrank ist. Deswegen ist meine Prognose für die Zukunft eher düster, ich hoffe, ich irre mich.)

    Also: Ich bin EKA, hab zwei noch sehr bedürftige, weil kleine Kinder, einen frisch-trockenen Kindsvater und eine alkoholkranke/depressive Mutter… Ich will meine kleine, sichere Welt für die ich so gekämpft habe, behalten. Es fühlt sich wie ein Drahtseilakt an, an allen Fronten gleichzeitig zu kämpfen und dabei trotzdem die nötige Ruhe, Liebe und Wärme zu erhalten, die den Kern meiner Familie (ich und die Kinder) stabilisieren.

    Mich vom Kindsvater zu distanzieren und emotional zu trennen, war sehr viel leichter (und das war schon sauschwer), bei meiner Mutter kostet es mich richtig viel Kraft, nicht auf ein Gefühlskarusell zu steigen, sondern schön distanziert und emotional weit weg zu bleiben.

    Wie ein Albatros, der sicher und hoch auf dem Wind, weit über dem aufgewühlten, gefährlichen Meer fliegt. So viel zu meiner bildhaften Wunschvorstellung.

    Ich hoffe, wenn ich hier schreibe, dann gibt mir das genügend Sortierung und eure Rückmeldungen genügend Rückenstärkung, damit ich zur rechten Zeit tue, was getan werden muss und lasse, was ich nicht ändern kann.

    Liebe Grüße - Alba