Ja ein Teil von mir wünscht es ihm, dass er ein Rückfall hat.
DAS ist krass und erschüttert mich. Wo du doch die hässliche Seite dieser Krankheit kennst... warum schreibst du das? Was genau soll das wem bringen?
Ja ein Teil von mir wünscht es ihm, dass er ein Rückfall hat.
DAS ist krass und erschüttert mich. Wo du doch die hässliche Seite dieser Krankheit kennst... warum schreibst du das? Was genau soll das wem bringen?
Doch, das geht, wenn die Abstinenz Prio Nummer 1 ist.
Achtung, Konjunktiv! Es gab einen Haufen Dinge, die anders gelaufen wären, wäre ich keine Alkoholikerin geworden. Wäre ich nicht süchtig gewesen, hätte ich wahrscheinlich trotzdem den ein oder anderen Bock geschossen und Entscheidungen getroffen, die im Nachhinein nicht ideal gewesen wären. So wie auch vor meiner Sucht.
Jetzt als Abstinente bin ich zwar klar und bedachter, aber immer noch Mensch. In den unzähligen alkoholgeschwängerten Diskussionen mit meinem Mann hab ich oft gemerkt, dass er mich mit diesem Blick ansieht, der mich nicht vollständig ernst nimmt, aber er war während der ganzen Zeit immer respektvoll - ihm war bewusst, dass ich nicht ganz ich selbst war, nicht alles so gemeint war, was ich gesagt und ihm an den Kopf geworfen habe.
Aber er wusste, wie ich vorher war und hat in den vielen Gesprächen nach meiner Sucht immer wieder betont, dass er wusste, irgendwo da drin muss ich noch sein. Ihm war vor mir klar, dass ich krank bin, als ich noch steif und fest behauptet habe, ich hätte alles im Griff. Ich bin ihm dankbar, vor allem für seinen Respekt mir als Mensch gegenüber.
Meine eigentliche Frage wurde aber leider noch nicht beantwortet.
Nehmen wir ein ganz konkretes Beispiel aus meinem Alltag:
Ich muss freitags bis 16 Uhr arbeiten. Die Kinder müssen aber um 15 Uhr abgeholt werden. Eigentlich wäre das seine Betreuungszeit. Jetzt erfahre ich donnerstags, dass er einen Rückfall hatte und deshalb die Kinder am Freitag nicht nehmen kann.
Was mache ich dann konkret?
Wie macht man das praktisch, wenn man getrennt ist, Kinder hat, arbeiten muss und der andere Elternteil aufgrund eines Rückfalls kurzfristig als Betreuungsperson ausfällt?
Das war doch deine Frage?? Oder kapier ich es jetzt nicht? Und dann braucht man doch jemanden, der einspringen kann. Dieses Problem haben meine alleinerziehenden Freunde auch.
Hast du sonst niemanden? Seine Eltern? Freunde, die einspringen könnten?
Ich werd den zerschneiden!
Ich lebe erst 4 Jahre alkoholfrei, langjährig ist was anderes
bei mir kommen Geschichten immer noch hoch. Wenn ich bestimmte Menschen sehe, an bestimmten Orten bin oder an speziellen Tagen. Aber sie haben nicht mehr so viel Gewicht, gehören immer mehr zur Vergangenheit und nicht mehr ins Jetzt.
Ich muss meinen Perso auch dringend verlieren.. ich seh da so übel aufgedunsen aus und immer, wenn ich den zeigen muss, ist mir das echt unangenehm.
Ich mag es bis heute nicht, dass um mich herum getrunken wird und deshalb geh ich auch nicht hin oder wieder heim. Ich kann also nicht behaupten, es macht mir nichts aus. Ich wurde bisher nicht rückfällig, ich hab auch keine Angst davor, weil ich mich sicher fühle. Vielleicht, weil es mich an mich erinnert, kann es nicht mal richtig erklären. Ich möchte das einfach nicht.
Gestern musste ich an einen geschäftlichen Anlass. Es ging zu Fuss in eine Hütte. Ich habe mich als Fahrerin zur Vergügung gestellt, man musste noch ein ganzes Stück zuerst hinfahren. Wenn ich Autofahre trank ich auch frühner nie!
Es wurde feucht fröhlich gesoffen, bis auf ein paar handvoll Leute. Es war für mich kein Problem die Flaschen und Gläser zu sehen. Ich genoss es, Gespräche nüchtern zu führen und fuhr auch noch ein hohes Tier anschliessend heim. Ging alles gut.
Hi Bergfloh,
dieses "es war für mich kein Problem" sah ich nicht ganz so locker, weil der Alkohol in Reichweite oder im Blickfeld durchaus triggern und auch später dein "Suchthirn" aktivieren kann, quasi nachträglich. Wir raten deshalb, gerade in der Anfangszeit, dazu, nasse Veranstaltungen zu meiden. Ich weiß, dass geschäftliche Anlässe einen in eine Zwickmühle bringen können, vor Allem, wenn du fährst und Leute mitnehmen musst, kannst du da nicht einfach schnell weg, wenn es dir zu viel wird.
Liebe Grüße
Und wenn man sich trennt und wegzieht, fängt man bezüglich Partnerschaft oder sozialem Umfeld ja immer von Vorne an - egal, ob Alkoholiker oder nicht. Geht schon.
Ich mag den Satz auch nicht. Das klingt, als kommt danach ein "aber morgen vielleicht.." Als ich ganz unten war, gab es nur zwei Optionen, weitertrinken und dann wahrscheinlich nicht mehr allzu lang oder aufhören und länger leben.
Hi, ich seh das wie Twizzler, eine Trennung muss gar nicht den Tiefpunkt bedeuten, es kann danach noch ewig genauso weitergehen. Für manche bedeutet einen Trennung nur, endlich ungestört trinken zu können, ohne, dass jemand nervt. Ich hab am Ende meiner Saufkarriere oft gedacht, wenn ich gehe, wäre es für sie sogar besser. Und ich hab das wirklich so gefühlt.
Alles Liebe nachträglich!
Ich tu mich bis heute schwer, einzuschlafen, aber durchschlafen klappt ganz wunderbar. Die körperliche Verbesserungen kamen nach und nach. Gewicht, Haut, Magenschmerzen, das Aufgedunsen sein, Schwitzen, ... es gab so viel, das gelitten hat. Aber das ist bei jedem anders. In Relation dazu, wie lange ich meinen Körper all die Jahre malträtiert hab, ging es schon schnell, bis ich wieder auf Normalzustand gekommen bin. Aber genau kann ich es nicht mehr sagen.
Das mit dem Durchschlafen wird hoffentlich besser. Ich bin fast jede Nacht gegen drei aufgewacht, eine Freundin meinte, laut der Organuhr hat die Leber ein Thema... wie recht sie hatte, wusste sie nicht. Zum Glück ist die Leber das am Wenigsten nachtragende Organ, das wir haben.
Falls du das noch liest - ich wünsche dir von Herzen, dass es das Leben ab jetzt nur noch besonders gut mit dir meint und du dich irgendwann darüber freuen kannst, dass endlich alles gut ist.
Ich versteh bei all dem nicht, was der Grund für dein Hiersein überhaupt ist? Zu Beginn hast du Folgendes geschrieben:
Ich möchte hier Erfahrungen sammeln, wie die Trennung so aus der Erfahrung von Betroffenen abläuft.
Hast du davon Welche mitnehmen können?
Hi Bergfloh!
Kannst ja mal durchschauen. Zu Beginn meiner Abstinenz hab ich viel gelesen. (Filme darüber setzen bei mir hingegen eher negative Gefühlen in Gang.)
Lieber Gruß,
Hera
Hi, das klingt nicht gut, dein körperlicher Entzug müsste eigentlich durch sein. Wie wäre es, wenn du dich beim Arzt durchchecken lässt? Vielleicht stimmt irgendwas anderes nicht. erwähne aber deinen Trink-Stopp, damit er sich ein umfängliches Bild machen kann. Vielleicht hörst du auch zu sehr in dich hinein oder dein Konsum hat andere Symptome unterdrückt?
Lieber Gruß,
Hera