Hey!
Also….
Wir sind seit 2,5 Jahren zusammen.
Ich bin für ihn aus Hamburg nach Österreich gezogen.
Wir (45, 47) arbeiten gemeinsam selbstständig in seinem Betrieb.
Er trinkt täglich. Etwa 6 große Flaschen Bier oder auch mehr. Schnaps selten - nur in Gesellschaft.
Die berufliche Selbständigkeit erlaubt es „praktischer Weise“ auch schon mal mittags das erste Bier aufzumachen.
Er ist, wenn er getrunken hat, lieb zu mir und wird nicht ausfällig. Er ist generell sehr redselig und gern in Gesellschaft. Es gibt viel zu viele Bekannte/Freunde und Anlässe, bei denen er trinkt. Ja, er ist auch mal richtig betrunken, aber so nicht exzessiv wie ich es hier gelesen haben (einnässen, nicht mehr gehen können usw.)
Er sieht ein, dass er ein Alkohlproblem hat. Er will sich aber keine professionelle Hilfe holen - das lehnt er ab. Therapie und co ist nix für ihn.
Er war vor Jahren schon mal trocken, in der Zeit sei er aber vereinsamt und das will er nicht mehr bzw nicht wieder.
Er weiß, dass der Alkohol schon seit Jahren diverse Funktionen in seinem Leben erfüllt, aber er kann bzw will (!) es nicht ändern.
Und er sagt „Ich tue doch keinem was“ „Ich habe für mich meinen Frieden damit gefunden, dass ich trinke - es stört mich nur, wenn andere mich dafür anzählen/mich darauf ansprechen“.
Ich habe mich einmal von ihm getrennt (allerdings hauptsächlich weil ich selbst einen Haufen meiner psychischen Probleme lösen musste und mir unsicher war, ob er der richtige ist - das war mir einfach eine Baustelle zu viel). Da hat er mit Trinken für mich aufgehört (um mich zurückzubekommen). Mehrere Wochen (da haben wir uns nicht gesehen) hat er es durchgehalten. Aber ich selbst habe ihn nur etwa 1 Woche in 2,5 Jahren trocken erlebt.
Tja.
Sein Trinkverhalten hat sich in der ganzen Zeit an sich nicht wirklich verändert.
Außer vor etwa 1 Jahr als ich doll Druck aufgebaut habe. Dass Druck Gegendruck erzeugt und es schlimmer macht (Heimlichkeit, jetzt erst recht), habe ich da erfahren müssen.
ICH habe mich aber verändert. Ich bin für mich stabiler und akzeptiere sein Trinken weniger. Ich trinke auch selbst bewusst weniger und versuche mehr für mich selbst zu tun.
Das Problem ist aber, dass ich in letzter Zeit eben doch wieder viel herumkritisiere, nerve, ihn meinen Frust spüren lassen und befürchte, dass sich nie etwas ändern wird.
Ich habe Angst, dass es für ihn wie ein Freifahrtschein ist, wenn ich NICHTS sage! Dass sich dann NIE was zum Positiven ändert. Warum sollte er auch was ändern, wenn ich brav alles akzeptiere?
In letzter Zeit schlafe ich nicht mehr mit ihm in einem Bett, wenn er mir zu doll nach Alkohol riecht und schnarcht. Das empfindet er als Liebesentzug. Letztens hat er gesagt, dass er versteht, dass mir die Druckmittel ausgehen und es ihm leid tut.
Letzte Woche hat er - ganz ungewöhnlich - zugegeben wie hart und schwierig es für ihn ist und er es gerade nicht gut hinkriegt und geweint. Ansonsten will er über das Thema eigentlich nie reden. Er findet keine Worte.
Er findet es gut, wenn ich ihn tagsüber animiere bewußt Saft und Wasser zu trinken.
Er will sich allerdings auf keine Regeln einlassen. Er schafft es nicht, für sich selbst welche festzulegen und meine diversen Vorschläge bringen ja nichts.
Er schafft es nicht mir zu sagen, wie ER sich ganz generell vorstellt, dass es weitergehen soll, wie sein Plan ist. Ich vermute, dass er das scheut, weil es dann ja was Handfestes geben würde an das er sich halten müßte. Er will mich nicht enttäuschen (sich selbst sicher auch nicht).
Er hat vor Kurzem mal den Wunsch formuliert, dass er es gern hätte, wenn er nach Lust und Laune entscheiden könnte zu trinken, aber eben auch tageweise nicht zu trinken. Wie „normale“ Menschen halt. Da habe ich gesagt: OK, verstehe ich, aber Du bist eben nicht normal wie andere. Das geht nicht mehr. Mein Vergleich dazu war, dass ich eben auch keine Diät machen darf, weil ich letztes Jahr eine sehr intensive Eß-Störungstherapie gemacht habe und ich was Essen/Ernährung/Diät betrifft eben nicht normal wie andere bin. Da ich also selbst eine Suchterkrankung habe/hatte (Ess-Brech-Sucht), kann ich mich gut in ihn hineinversetzen.Manchmal vielleicht zu gut bzw ich interpretiere zu viel in sein Verhalten rein. Denn ich kenne das Suchtgefühl und keine Kontrolle zu haben und mich anders zu verhalten als ich will.
Tja, er bewundert mich dafür, dass ich 8 Wochen stationär in der Klinik war und Therapie mache. Er meint aber so hart/stark sei er selbst nicht. Er will nicht scheitern. Will aber auch keinen Streß mit mir.…
Puh.
So ist es gerade.
Tat gut, es mir von der Seele zu schreiben!
Allerdings denke ich - nachdem ich vorhin andere Berichte gelesen habe: dramatisiere ich zu sehr? Ist es wirklich so schlimm?