…ich weiß, es ist richtig, diese Entscheidung getroffen zu haben,- auch wenn es weh tut. Ich muss mich selbst beschützen.
Lange, lange habe ich wirklich mitgetrunken… Am Anfang war es irgendwie ok,- denn so oft haben wir uns nicht gesehen,- und wenn dann am Abend. Da habe ich es als normal empfunden, etwas zu trinken. Mit der Zeit wurden die Treffen halt häufiger, so auch die Trinkerei auf meiner Seite. Immer mit dem Gedanken im Hinterkopf: „Das ist nicht richtig, es ist nicht gut was Du hier machst“. Ich habe mich mitziehen lassen… Für ihn ist es ja auch normal ständig Bier zu trinken. Für ihn ist es, in seinen Augen auch kein Problem. Alle anderen machen das ja auch so.
Ich zweifelte oft an meiner Wahrnehmung, ob ich nicht vielleicht doch übertreibe, denn es ist ja „nur“ Bier, wie er immer betonte.
Meine Gedanken wurden immer mehr, ich war oft in mich gekehrt, denn jedesmal wenn ich angesprochen habe, dass diese Häufigkeit des Trinkens nicht gesund sein kann, ob er sich da nicht auch Gedanken drum macht usw. Kam: Nichts. Buchstäblich nichts. Oder er wurde sauer,- also habe ich, des lieben Friedens Willen nichts gesagt, meinen Unmut runtergeschluckt, immer mit dem Gedanken; Stell Dich nicht so an, ist ja nur Bier, andere machen das ja auch und ich möchte keinen Streit haben.
Zeitweise ging es mir körperlich schlecht,- auch da tat sich nichts. Er glänzte oft durch Abwesenheit, war allein in der Kneipe und an den Tagen auch für mich nicht erreichbar. Auch in den Situationen habe ich oft an mir gezweifelt,- denn warum sollte ich ihm das „verbieten“? Andere machen das ja auch… Ich fühlte aber, dass es mir damit nicht gut ging.
Er hat es in der Kneipe nie übertrieben,- ok,- man merkt es ihm aber auch nicht an wieviel er getrunken hat. Auch hat er sich mir gegenüber nie richtig blöd verhalten. Jedoch meine Bedenken, Ängste und Sorgen gekonnt weggeschwiegen.
Wir haben irgendwie weitergemacht. Tage, Wochen, Monate, Jahre… immer mit Alkohol… Ich bekam Panikattacken und sicher hat man mir angesehen und sicher auch gerochen, dass es den Abend zuvor Zuviel gewesen ist.
Mein Leiden wurde größer, von ihm aber nicht beachtet. Und ich habe seine Äußerungen nicht beachtet,- denn er hat immer gesagt, dass es ihn nur „mit“ gibt. Ich wollte ihn nicht verlieren und habe dabei langsam aber sicher mich selbst verloren.
Es hat sehr lange gedauert, bis ich begriffen habe, dass alles reden nichts nützt. Ich hatte Angst davor selbst abhängig zu werden/zu sein. Wenn ich nichts getrunken habe, hatte ich Angst davor so einen Anfall zu bekommen.
Ich habe mich auf sein „Tun“ eingelassen, habe mitgemacht,- wie ein kleines Kind, dass seine Eltern nacheifert, ich wollte zu ihm gehören und habe die Augen verschlossen.
Es gibt hier keine Moral von der Geschichte,- nur meine Erkenntnis, dass meine Grenzen sehr oft überschritten wurden und ich mitgemacht habe und vieles was mir wehgetan hat einfach runtergeschluckt habe. Ich habe meine Empfindungen und Gefühle hinten angestellt und es nur bemerkt, weil es mir immer schlechter ging. Jetzt weiß ich, dass ich Grenzen habe, wo sie ganz genau liegen muss ich in Zukunft noch ausloten. Ich habe ganz viel Zeit, Selbstvertrauen und Kraft verloren. Selbst wenn mein xy immer ein lieber Mensch ist, hat mich das fertig gemacht: Die Gedanken an eine Zukunft, die es für uns so nicht geben kann. Die blöden Gefühle die ich hatte, weil ich machtlos bin dagegen was zu tun, dieses Flaschen zählen, die Gewissheit dass er mich belügt, das ich immer an zweiter oder dritter Stelle komme, die Vorstellung dass er so langsam aber sicher immer mehr abbauen wird, immer mehr Dinge vergisst und das nur weil er sich sein Bier nicht nehmen lässt…
Sicher hätte ich eher aussteigen sollen. Nicht mittrinken sollen,- ich weiß nicht, warum ich dazu nicht fähig war. Diese Frage muss ich für mich beantworten und gehe wieder zur Beratung.
Ich habe hier sehr, sehr viel gelesen und irgendwie fühle ich mich alleine, weil ich diejenige bin die mitgetrunken hat. Da liegt noch sehr viel vor mir, was bearbeitet werden muss…
Ich bin jedenfalls ausgestiegen, habe mich für meinen eigenen, neuen Weg entschieden. Ich weiß und fühle, dass es der richtige Weg für mich ist. Ohne ihn und ohne Alkohol.
Denn ich muss auf mich selber aufpassen.
Passt Ihr auch alle gut auf Euch auf ![]()