Beiträge von Rennschnecke

    Dann auch noch mein Lebenssenf dazu: wenn es mit der großen Liebe / Seelenverwandtschsft so einfach (für jeden möglich) wäre, gäbe es nicht seit Menschengedenken unzählige Bücher, Lieder, Gedichte, Filme und philosophische Ergüsse darüber.

    Kann man alles zur Erbauung konsumieren, aber besser nicht mit dem echten Leben verwechseln.

    Das hast Du gut vorbereitet und gemeistert, Absti.

    Nach dem unverbesserlichen Suchthirn ist auch Dein neues, abstinentes Ich angesprungen und hat festgestellt, dass es diese vertrauten Rauschgefühle gar nicht mehr so toll, sondern eklig findet.

    Auch da scheinst Du auf einem guten Weg von der bloßen Abstinenz zur zufriedenen Trockenheit zu sein.

    Weiß der Narkosearzt von Deiner Sucht, hat er die Medikamente daran angepasst?

    Ich drücke Dir die Daumen für eine Entwarnung beim Untersuchungsergebnis!

    Du bist doch nicht ans Ende der Welt gezogen, sondern nur ins nächste Dorf, Silberstreifen.

    Und das ist bestimmt auch gut so, sonst müsstest Du Dir sowas (und den neuesten Klatsch über Deinen Ex) vermutlich öfter anhören.

    Nicht kirre machen lassen, sie geht nicht in Deinen Schuhen...

    Hartmut : Wir reden hier doch viel über Begriffe - gerade auch, um sicherzugehen, dass wir mangels anderer Ausdrucksmöglichkeiten nicht aneinander vorbeireden - und weil Wortwahl und Denken sich nun mal gegenseitig beeinflussen, etwa wenn jemand vom "Kampf gegen Alkohol" spricht - und hier deshalb immer mit einer Reaktion rechnen kann.

    Das war von mir eher spontan "laut gedacht", die Erkenntnis, auch aus dem intensiven Mitlesen hier, dass jemand einige (zumindest von außen offenkundige) Tiefpunkte erleben kann (Job weg, Familie weg, Haus weg ...), ohne dass daraus notwendigerweise ein Wendepunkt bzw. Eine Umkehr entsteht.

    Drauf gekommen bin ich, weil ich den Eindruck hatte, dass Sunnypug durch den Begriff "Tiefpunkt" ähnlich verunsichert ist wie ich zu Anfang.

    Ggf. Gern verschieben, ich meine, wir hatten mal einen eigenen Faden im offenen Bereich zum Zusammenhang von Tiefpunkt und Rückfallgefahr, vielleicht passt es da besser hin.

    Hi, Hera, ich habe ja bewusst von "gefühlten" Vorteilen geschrieben.

    Was man sich in der nassen Phase eben so vom Suchthirn einreden lässt: Bei mir waren das vor allem Entspannung und Belohnung zum "Feierabend" ("man gönnt sich ja sonst nichts") - konnte ich mir lange Jahre nicht ohne Alk vorstellen, Feiern sowieso.

    Der in dem Zusammenhang häufig genutzte Begriff "Tiefpunkt" ist deshalb in meinem Augen eher irreführend. "Wendepunkt" trifft es vielleicht besser.

    Die Kraft zu Einsicht UND Umkehr hängt ja nicht davon ab, wie "tief" jemand schon in der Suchtspirale "gesunken" ist. Denn schlimmer geht immer, und so ein Vergleich mit anderen kann das Suchthirn schnell dazu animieren, dem Süchtigen einzuflüstern: "Ach komm, so schlimm war es bei dir doch noch lange nicht, vielleicht bist du doch nur Missbräuchler gewesen", etc. (Selbst immer mal wieder kurzzeitig erlebt, da auch selbst von anderen in der Reha mehrfach zu hören bekommen.)

    Der persönliche Wendepunkt war bei mir erreicht, als die gefühlten Nachteile der Sucht größer erschienen als die gefühlten Vorteile und Weitermachen mehr Angst ausloste als Aufhören.

    "Gefühlt" deshalb, weil da anscheinend jeder eine andere Schmerzgrenze und ein anderes Talent zum suchtgetriebenen Selbstbetrug hat - neben unterschiedlichen Ausprägungen von Persönlichkeitsmerkmalen wie z. B. Ängstlichkeit oder dem Wunsch nach Kontrolle.

    Logisches Denken ("das kann auf Dauer nicht gesund sein/gutgehen") allein reicht für diese Umkehr nicht aus, da ist die Sucht einfach stärker.

    Bei mir kippte es einerseits schon früh - außer meinem Normalgewicht hatte ich noch nichts Erkennbares verloren - andererseits aber auch spät, erst nach rund 30 Jahren täglichen Alkkonsums - Spätfolgen nicht ausgeschlossen.

    Anfangs habe ich mir aber schon Sorgen gemacht, ob mein persönlicher Wendepunkt tief oder dramatisch genug war, um eine lebenslange Abstinenz zu begründen: "Bin ich vielleicht rückfallgefährdeter, weil es mir am Ende meiner nassen Phase noch nicht wirklich dreckig ging?"

    Egal, abgerechnet wird zum Schluss, deshalb ist es mir ein Bedürfnis, hier jeden Tag mitzulesen und ggf. zu schreiben.

    Der Trocknungsprozess lässt sich nun mal nicht erzwingen - und gerade im ersten Jahr sind Verzichtsgedanken wohl nichts Ungewöhnliches. Mir sind sie auch heute, nach bald 2,5 Jahren Abstinenz, noch nicht vollkommen fremd. Das Suchthirn ist einfach ein sehr gewiefter Verkäufer.

    Ich finde es nach wie vor sehr eindrucksvoll und lehrreich, Absti, wie Du hier offenbar ohne Selbstzensur aufschreibst, was Dir gerade durch den Kopf geht.

    Dass Verzichtsgedanken bei einem Ex-Rauschtrinker anders ausfallen als bei einem Ex-Pegeltrinker, erscheint mir logisch, wenn auch nur schwer vorstellbar.

    Schau noch mal genau hin, was Dir da durch den Kopf gegangen ist: Ist das wirklich Dein heutiges Verständnis von Spaß? Hast Du trotz Deiner vielen neuen Aktivitäten das Gefühl, nur noch zu Hause zu sein? Oder freut sich Dein Suchthirn einfach nur über die vertraute Situation?

    Dem möchte ich noch hinzufügen: Ich finde es mehr als bedenklich, wenn sich Neulinge hier gegenseitig darin bestärken, aufgrund irgendwelcher Erkenntnisse und Gefühle die Grundbausteine des Forums ignorieren zu können.

    (Ja, ich war im ersten Jahr auch nicht immer konsequent, weil ich glaubte, schon so "gefestigt" zu sein, hab aber zumindest nicht anderen geraten, es mir gleichzutun.)

    Sucht hat nichts mit Stärke oder Schwäche zu tun.

    Schuldgefühle und Trennungsschmerz sind keine Abstinenzsicherung, denn irgendwann wird beides ja hoffentlich weniger - und dann?

    Und die Grundbausteine sind keine " "nervigen" Verkehrsregeln, die manche Mitmenschen meinen, ignorieren zu können, "weil sie fahren können".

    Gerade am Anfang ist es ratsam, hier auf die Erfahrungen der alten Hasen (zu denen ich auch noch ganz lange nicht gehöre) zu bauen, auch wenn es oft unbequem sein mag.

    (Selbst) Hass ist keine Abstinenzsicherung, sondern in meinen Laien-Augen eine tückische Form von Selbstmitleid, das auf Dauer eher schadet.

    Du hast Dein Leben gelebt, so gut Du es konntest, vermute ich mal. Wenn es nicht optimal war und Dich u. a. in die Sucht geführt hat: Was kannst Du hier und heute besser machen, damit Deine Abstinenz und Dein ganzes Leben eine positive Basis bekommen?

    Lernst Du denn in Deiner Therapie auch, wie Du damit umgehen und es stoppen kannst, wenn Du wieder in der Grübel- und Selbstverurteilungsfalle zu landen drohst?

    Wie sieht Dein Alltag ansonsten aus, wenn Du den Forenmaßstab "Nur nicht trinken reicht nicht" anlegst?

    Ne, "nur" wegen der Sucht.

    Warst Du nicht schon zu dem Schluss gekommen, dass Deine zentralen Probleme weit vor dem Alk da waren? Und dass Deine Beziehung vermutlich nicht nur am Alk gescheitert ist?

    Hätte auch ein anderes Suchtmittel, d.h. Mittel zum Zweck werden können, aber der Alk ist eben legal überall zu haben.

    Hallo Lichtknüpfer,

    dazu fällt mir noch eine Weisheit ein, die hier im Forum häufiger zitiert wird und die m. E. Gerade für Alkoholiker vom Typ Quartalstrinker bedeutsam sein könnte. Sinngemäß lautet sie so:

    Wenn es Dir schlecht geht, geh in Deine SHG. Wenn es dir gut geht, renn!

    Dabei geht es nicht unbedingt ums Schreiben. Auch bloßes, ggf. ausgewähltes regelmäßiges Mitlesen der Erfahrungen anderer Betroffener hilft, am Ball der Abstinenz zu bleiben und nach und nach ein Verständnis dafür zu entwickeln, was Sucht bedeutet und wie Abstinenz stabilisiert werden kann.

    Ja, von außen ist es leicht gesagt, aber für Angehörige unendlich schwer - gerade wenn man davon ausgehen muss, dass die betroffene Person krankheitsbedingt nicht mehr Herrin ihrer Sinne ist.

    Ich erinnere mich, wie ich, frisch verliebt, mehr als einmal ein schlechtes Gewissen bekam und in Tränen ausbrach, weil es mir so gut ging, obwohl doch mein Geschwister so unglücklich und lebensgefährlich krank war.

    War meinem Geschwister damit in irgendeiner Weise geholfen? Nein, aber wenigstens ging es mir dann auch nicht mehr gut.

    Irgendwann habe ich gemerkt, dass das alles ganz schön krank war, nicht nur mein Geschwister.

    Es ist gut, dass Ihr Hilfe beim Sozialpsychiatrischen Dienst sucht - aber bitte auch für Euch, nicht nur für ihn. Die werden Euch aus ihrer umfangreichen Erfahrung sagen können, was rechtlich überhaupt möglich ist.

    Der Begriff ist ja nicht von mir, kannst ja mal KI befragen. Trifft ja auch nicht jeden automatisch.

    Ich muss nur einsehen, dass bei mir aus dem abendlichen Saufen mit der Zeit - nicht in der ersten Euphoriephase - abendliches (Fr)Essen geworden ist- abwechselnd süß und herzhaft. Das wird mir langsam unheimlich.

    Und dann ist da noch mein Kümmertrieb, den ich an anderen auslebe - so bin ich in jungen Jahren schon in eine Co-Abhängigkeit gerutscht, und auch jetzt ist er wieder sehr aktiv - nur bei mir kriege ich das trotz diverser Rehas/Therapien nicht so hin wie Du anscheinend gerade. Aber das gehört wohl eher in meinen Faden.

    Kurz gesagt: inzwischen finde ich es sehr lehrreich für mich, wie Du mithilfe Deiner Therapeutin Deine Grundproblemstik auseinandernimmst - solange die Sucht dabei nicht unterschätzt wird.