Danke für Deine Nachfrage, Nayouk.
Ich war gestern Abend fast froh, dass das Forum kurz danach wegen Wartung nicht mehr erreichbar war. Ich hätte keine Antwort gewusst.
Heute würde ich sagen: Ich funktioniere, vor allem bei der Arbeit und bei der Unterstützung der verunglückten Person, bei regelmäßigen Telefonaten mit dem verwitweten Elternteil.
Ansonsten: satt und sauber (mein Haustier und ich), viel mehr aber auch nicht. Ach ja, seit einiger Zeit schlafe ich immerhin jede Nacht wie ein Stein.
Der Zustand meiner Wohnung und meiner Unterlagen ist weiterhin eine ständige Herausforderung, jedes Wochenende beginnt mit : Du musst endlich mal gründlich dies und jenes erledigen...
Am Ende schaffe ich wieder nur das Nötigste, brauche zwischendurch ganz viele Pausen und habe das Gefühl, deswegen keine Zeit für echte Freizeitaktivitäten oder richiges Kochen zu haben.
Soziale Kontakte sind auch weiterhin Mangelware, außer beim Kümmern und beim Arbeiten. (Bin nach einem beruflich bedingten Umzug hier sozial nie richtig angekommen, dann sind auch noch mehrere nahestehende Menschen verstorben).
So kam ich neulich zu der frustrierten Einschätzung, dass sich bei mir außer der weiterhin absolut wertgeschätzten Abstinenz nicht viel geändert hat. Nur dass ich abends auf meinem neuen Sofa 2 Becher Tee statt größere Mengen Bier trinke - und mich immer wieder wundere und freue, dass es alkfrei genauso gut und sogar besser geht.
Von den fast 15 kg, die ich im ersten halben Jahr meiner Abstinenz verloren habe, sind allerdings ein paar wieder drauf, weil sich inzwischen mein Süßhunger immens gesteigert hat (nachdem er zu Beginn der Abstinenz fast weg war).
Das sieht schon nach Suchtverlagerung aus. Muss aufpassen, dass ich auch deswegen keine Fettleber und/oder Diabetes entwickle. Ansonsten könnte ich mit dem jetzigen Stand trotz formal klarem Übergewicht gut leben, solange es nicht noch mehr wird.
Der Rückzug in den offenen Bereich hilft mir, so schade er auch ist, mich nicht länger mit dem Leben der andern abzulenken und die Augen nicht länger davor zu verschließen, dass ich noch mehr bei mir ändern muss - und dass ich nicht müssen, sondern wollen sollte und möchte ...
Auf jeden Fall muss, nein, möchte ich mehr unter Menschen, nicht online, sondern in der Welt da draußen. Ja, Stromer , ich muss, nein möchte mir weitere SHGs vor Ort ansehen und das nicht länger aufschieben, weil immer was anderes wichtiger zu sein scheint.
Carl Friedrich : Ja, Bewegung tut mir auch gut. Ich möchte endlich mal geführte Radtouren vom örtlichen Fahrradclub ausprobieren, um gleichzeitig in Bewegung und unter Leute zu kommen. Bald kann ich auch wieder mit meiner geliebten Gartenarbeit loslegen, Rehasport ist nach längeren Rückenbeschwerden auch beantragt.
Und im Schrank liegt immer noch das Instrument, das ich mir in Vorbereitung meiner Abstinenz vor gut 2,5 Jahren gebraucht gekauft habe und das ich schon so lange erlernen möchte. Gestern habe ich von einem neuen Musiklehrer in der Nähe für dieses nicht so verbreitete Instrument gelesen. Das nehme ich mal als Zeichen und Anstupser.
Kazik : Nächsten Monat habe ich wieder meinen Regeltermin beim Psychiater, da frage ich mal nach, ob bei meinem Dauer-Antidepressium evtl. noch was angepasst werden kann/muss.
Aber eine erneute Therapie kommt für mich gerade nicht infrage - ohne die für die Zukunft auszuschließen. Nach der langen Phase von Reha und Nachsorge möchte ich gerade einfach wieder zurück ins echte Leben.
So viel erst mal für heute. Es ist nicht alles toll bei mir, aber auch nicht hoffnungslos.
Und: Alk ist keine Option, Punkt.
Allen ein schönes Wochenende!