Beiträge von Rennschnecke

    Hallo Franko,

    ich hol Deine letzten Beiträge mal zu dir, denn hier gehts ja um deine ersten Schritte in ein alkfreies Leben.

    In meinem Umfeld weiß jeder dass ich ein Alkoholiker bin und mir wird trotzdem Bier und Alkohlfreies angeboten. Bei Einladungen spreche ich mit dem Gastgeber welche Getränke ich mir wünsche.

    Warum die Leute mir Alkohol anbieten ist mir völlig schnuppe.Viele sagen das Sie nur wenig trinken und jederzeit damit aufhören können. Bei mir ist das eben nicht so weil ich Alkoholiker bin, das Ärgert viele weil sie sich mit ihren eigenen Konsum auseinandersetzen werden.

    Bei der nächsten Begegnung sprechen mich einige hämisch an da ich ja keinen Alkohol trinke.

    In deren Verhalten sehe ich mich auch wieder ,wie ich früher einmal war und es ohne mir Hilfe zu suchen nicht geschafft hätte trocken zu bleiben.

    Da frage ich mich: Warum gibst du dich noch mit solchen Leuten ab? ( Ohne Vorwurf). Gibt dir der Kontakt noch was, außer vielleicht dem Gefühl, schon weiter zu sein?

    Wenn Du Dich hier einliest, wirst du auf eine goldene Regel stoßen: "Nur nicht trinken reicht nicht."

    Daraus folgt u. a., sich ein anderes Umfeld zu suchen, in dem der Alk nicht im Vordergrund steht und wo deine Abstinenz ohne Wenn und Aber akzeptiert wird. Kennst du vielleicht auch solche Leute?

    vielleicht denkt er es schadet mir auch nicht mal einmal die Woche zu trinken , muss man erst einen Rückfall haben bevor ich das weis ? Würde es wieder so enden das ich jeden Früh eine Flasche Wein trinkt ? Denn das hat ja mit kontrollierten trinken nichts mehr zu tun .

    Denkt er das oder denkst du das? Redet Ihr denn darüber?

    Wie kommst du denn jetzt auf kontrolliertes Trinken? Das unterstützen und diskutieren wir hier nicht, weil sich hier nur bekennende Süchtige austauschen. Und Sucht heißt nun mal Kontrollverlust.

    Wenn Du alkoholsüchtig bist (hattest du das nicht schon für dich erkannt?) würdest Du nach einem Rückfall tatsächlich nach einer gewissen Zeit wieder bei der alten Menge landen, auf die du dein Suchthirn zuletzt gepolt hattest - und bald noch mehr trinken, denn die Sucht braucht mit der Zeit immer mehr "Stoff"für die gleiche Wirkung.

    Kann es sein, dass Du noch sehr jung bist, oder warum schreckt dich der Gedanke der lebenslangen Abstinenz so?

    Also wohnt Ihr nicht zusammen? Denn Du hattest ja geschrieben, dass Dein Zuhause alkoholfrei ist.

    Hast Du ihm denn so klar und deutlich wie uns gesagt, was Sache ist? Oder hat er selbst ein Alkoholproblem?

    Schau Dir bitte die Grundbausteine noch mal an, die dir anfangs verlinkt wurden.

    Es ist wichtig, in der ersten Zeit die Gesellschaft von Trinkenden zu meiden. D. H. Wenn ihm wirklich etwas an Dir liegt, sollte er Dir zuliebe in deiner Gegenwart nicht trinken und dir schon gar nichts anbieten.

    Sonst musst du dich nicht wundern, wenn die Suchtstimme immer wieder anspringt. Irgendwann ist sie stärker, darum ist die Risikominimierung so wichtig. Sei es dir wert, deine Abstinenz sn etste Stelle zu setzen!

    Damit will ich sagen; Das Bekenntnis, Alkoholikerin zu sein, ist in der Welt da draußen ja nicht selbsterklärend, wie Dein Beispiel zeigt.

    Laien können oder wollen nicht verstehen, was daraus folgt. Selbst in der Reha wollen manche nicht einsehen, warum auch "Alk ohne Alk' für uns nicht mehr geht.

    Also bringt mir das Bekenntnis da draußen kein Plus an Sicherheit, ist meine Konsequenz.

    Schön, dass hier so viel los ist... 👏

    Soll ich Euch mal was verraten? Ich hab extra noch mal bei mir im ersten Faden zurückgeblättert und festgestellt, dass ich mich hier seinerzeit auch ganz arglos als "alkoholkrank" vorgestellt habe. 😉

    Lag vielleicht daran, dass ich mich hier sehr schnell nach dem Entdecken des Forums angemeldet habe. Und war ich wohl weniger mit den Forenregeln als mit der Formulierung meiner Vorstellung beschäftigt. (Geht vielleicht auch anderen so. Wer dagegen vor dem ersten Schreiben schon monatelang still mitgelesen hat, hat sich mit der Diskussion um den Begriff vielleicht schon auseinandergesetzt und den Sinn des klaren Bekenntnisses hier begriffen.)

    Die fehlende Aussage "Ja, ich sehe mich als Alkoholikerin" scheint wohl bei meinem "Blitzstart' nicht aufgefallen zu sein, weil ich die Leute da eher mit meinen ausführlichen Abstinenzplänen für die nähere Zukunft irritiert und beschäftigt habe. 😉

    Und wenn man mir die Gretchenfrage gestellt hätte, hätte ich mich dann auch erst mal gesträubt? Keine Ahnung, diskutiert bestimmt...

    Als ich mich dann nach einem guten halben Jahr stillen und eifrigen Mitlesens stolz hier zurückgemeldet habe, weil ich frisch ambulant entgiftet war, war das Bekenntnis auch kein Thema mehr. (Hätte mich schon zu Beginn der ambulanten Entgiftung zurückmelden können, wie ich später gemerkt habe, aber da hatte ich wohl mal wieder die Regeln nicht genau gelesen. 😉)

    Ich habe es dann aber bei jeder Gelegenheit hier im Forum, in der Reha und bei allen nötigen Ärzten nachgeholt, sogar fast stolz (weil ich zu meinem "Problem" stehe und es angehe).

    Ansonsten habe ich relativ bald drei engen Freunden von meiner Suchterkenntnis und meinem Abstinenzwunsch erzählt. Dabei ist es geblieben. Die Reaktionen waren auch interessant, aber das ein andernmal.)

    In den eher seltenen Situationen, wo mir jemand aus alter Gewohnheit Alkohol anbietet, wenn ich nicht fahren muss (hatte dann immer, aber bis auf wenige Feten nicht übermäßig Alk getrunken), sage ich sehr klar und bestimmt: "Danke, ich trinke ja schon länger gar keinen Alkohol mehr.'

    Wenn jemand fragt, warum, sage ich, und das stimmt ja auch: "weil meine gesundheitlichen Baustellen immer mehr werden und nichts davon durch Alk besser wird, im Gegenteil." Meinen durchaus trinkfreudigen Eltern habe ich noch gesagt: "weil ich Angst hatte, sonst komplett die Kontrolle zu verlieren, und das möchte ich nicht.'

    "Und nein, ich trinke auch kein alkfreies Bier o. ä., obwohl ich das immer gern getrunken habe, weil ich sonst irgendwann Lust auf "richtiges" Bier bekomme, und das möchte ich nicht mehr."

    Und dabei gucke ich die Leute freundlich und selbstbewusst an und warte fast auf die Gelegenheit, sagen zu können: "Hast du ein Problem damit?"

    Ich lüge damit nicht, sondern erzähle bis auf Weiteres nur nicht allen alles. Und solange ich noch arbeiten gehe, wird das auch wohl so bleiben. Ich kann mir aber gut vorstellen, mich da irgendwann auch "draußen" zu engagieren, weniger für mehr Verständnis für Alkoholiker als im Interesse der Prâvention.

    Natürlich hat Hartmut recht, dass mich garantiert einige "liebe" Mitmenschen der Sucht verdâchtigen. Das stört mich komischerweise nicht, amüsiert mich sogar ein bisschen - früher undenkbar für mich. Aber: Sie wissen es eben nicht genau, und das macht für mich noch einen Unterschied.

    Das, was Stern in der Personalabteilung beobachtet hat, möchte ich nämlich im Job nicht erleben.

    Und ich möchte auch noch nicht dauernd als "Kronzeuge"herhalten und "Laien"erklären müssen, was Alkoholismus bedeutet, wie unterschiedlich die Wege in die Sucht sind und wie alternativlos der Weg zum Stoppen der Sucht ist. Eines Tages durchaus möglich, aber noch nicht jetzt.

    Auf der anderen Seite fühle ich mich wegen meines kompromisslosen Bekenntnises zum Nichtmehrtrinken (wenn auch noch nicht zur Sucht) einigermaßen gegen Kurzschlussreaktionen (wenn denn mal in meiner Nähe getrunken wird) abgesichert: Ich könnte nicht "mal eben nur einen Schluck probieren", ohne mich ausführlich erklären zu müssen. Und das ist gut so.

    (An diesem Beitrag musste ich einige Tage immer wieder basteln, bis er halbwegs stimmig für mich war .)

    Schön, dass Du Dich mal wieder meldest, Lila.

    Das Thema hat mich am Anfang meiner Abstinenz sehr beschäftigt, hatte sogar einen Faden dazu eröffnet, weil es in meiner Rehaklinik (bei den frisch Entgifteten) sehr ernst genommen wurde.

    Ich finde es gut, dass Du es hier erwähnst und Konsequenzen ziehst. Schau mal bei den Produkten für empfindliche Haut, ggf. In der Apotheke, da steht explizit "ohne Alkohol" (und andere schädliche Stoffe) drauf.

    Ist vielleicht etwas teurer, aber hält ja auch eine Weile ...

    Erzähl doch mal, wie geht es Dir sonst so in Deinem abstinenzen Alltag?

    Wie kommst Du darauf, dass das Thema irgendwann für dich erledigt ist?

    Die Sucht bleibt bis zum Schluss. Und das Suchthirn schläft nur, jederzeit bereit, aus dem Tiefschlaf aufzuwachen und uns zu übertölpeln, gerade, wenn wir uns sicher glauben.

    Das ist ja ein SELBSThilfeforum, auch die alten Hasen sind in erster Linie für sich selbst hier, kannst du hier nachlesen.

    Schon, dass Du Dich meldest, und Glückwunsch, dass es Dir anscheinend gutgeht!

    Was die Energie angeht: Da kannst Du vielleicht nach 6 Wochen noch keine Wunder erwarten, bist ja auch nicht über Nacht süchtig geworden.

    Worüber ich allerdings stolpere: Ist Dein Zuhause nicht alkfrei? Und ist das monatliche Mitarbeitertreffen eine Art Stammtisch in der Freizeit, dass es da Alk gibt?

    Was heißt es denn für Dich, ein Alkoholiker zu sein?

    Und wem, wenn nicht dem Partner, sollte man seine Geschichte erzählen können, ohne sich als Last zu fühlen?

    Für Partner und Tochter ist aber erst mal nicht wichtig zu wissen, wie Du in die Sucht gerutscht bist, sondern wie sie dich in deiner Abstinenz unterstützen können, ohne dabei co-abhängig zu werden: zuallererst, indem sie das alkoholfreie Zuhause als Deinen sicheren Rückzugsort begreifen und akzeptieren.

    Dazu gibt es hier einen klugen Spruch:

    Wer kein Problem mit Alkohol hat, hat auch keins ohne.

    Nachdem gerade mal wieder die Diskussion in einem Vorstellungsfaden aufkam, setze ich jetzt in die Tat um, was mir schon länger vorschwebte: ein eigener Faden zu diesem Thema, gerade auch für die Neulinge zum Nachlesen. (Ich hoffe, das ist ok.)

    Dabei geht es um zwei Fragen, die nicht vermischt werden sollten:

    a) INNERHALB des Forums: das klare Bekenntnis, Alkoholiker zu sein, als nicht verhandelbare Voraussetzung für die Teilnahme.

    Warum reiben sich manche so sehr daran, dass sie lieber auf diese Chance zur Selbthilfe verzichten, als sich selbst - unter ihresgleichen wohlgemerkt - Alkoholiker zu nennen?

    b) AUSSERHALB des Forums, oft unter dem Schlagwort 'Outen" betrachtet: der individuelle Umgang mit der eigenen Sucht in der Welt "da draußen", privat und beruflich, auch vor dem Hintergrund der Risikominimierung.

    Hier sind im Forum wohl so ziemlich alle Varianten vertreten, die es zwischen "ich sage es allen" und "ich sage es keinem" gibt, und für alles gibt es Argumente pro und contra.

    PS: Gern können hier auch Zitate aus der aktuellen Diskussion eingefügt werden, die bemerkenswert erscheinen.