Beiträge von Rennschnecke

    Hallo Sunflower,

    schön, was Du alles für Deine Abstinenz unternimmst. Da hast Du ja eine Menge Steine für Dich in Rollen gebracht, da komme ich schon beim Lesen außer Atem.

    Aber Du hast ja auch geschrieben, dass Du Du inzwischen darauf achtest, Dich nicht zu überfordern.

    3 Jahre Abstinenz sind doch eine tolle Leistung und hoffentlich eine solide Basis, um jetzt ans psychische Eingemachte zu gehen. Aber bedenke immer - falls es gefährlich wird, im Zweifel lieber die Reha als die Abstinenz abbrechen und notfalls hier den SOS-Chat nutzen. Denn ihne Deine Abstinenz ist alles nichts!

    Ich persönlich verteufele den Alk nicht, dass ist ja erst mal nur eine Flüssigkeit, die vom ersten Tropfen an giftig ist und leider überall herumsteht. Ich habe immer noch großen Respekt davor und halte um Sinne der Grundbausteine größtmöglichen Abstand.

    Mein Endgegner ist das unbelehrbare Suchtgedächtnis, das einen Teil meines Hirns für alle Zeit gekapert hat. Aber nur einen Teil! Der Rest ist auch schon über 2,5 Jahre nüchtern und lernt immer besser, den unbelehrbaren Teil in seine Schranken zu weisen und zu ignorieren, damit er bis zum nächsten Versuch, mich zurück an den Suff zu bringen, weiterschläft.

    Weiter so und melde Dich gern öfter!

    Zu Deiner Frage, Morgaine: Ja, das Gefühl kenne ich auch und deshalb habe ich mir vor dem Start in die Abstinenz sehr genau überlegt, wem gegenüber ich die Alki-Schublade öffne (nur 3 alten Freunden, von denen einer leider inzwischen tot ist. Er war der einzige der drei, der nicht recht glauben mochte, dass das bei mir schon Sucht war. 😓)

    Und natürlich informiere ich alle Ärzte, die mir irgendwelche Medikamente verabreichen (könnten) - mal mehr, mal weniger mit Erfolg: Bei der Darmspiegelung wache ich immer noch kurz vor Schluss auf, finde es aber inzwischen ganz praktisch.

    Dass sie mich darauf reduzieren, kann ich nicht behaupten, aber sie gehen sehr unterschiedlich damit um, von Feiern bis bloß nicht ansprechen. Egal, notfalls mach ich das, ist ja mein Leben.

    Aber: Immer, wenn ich hier ins Forum gucke, also mehrmals am Tag, bekenne ich mich vor mir selbst dazu, Alkoholikerin zu sein und nicht nur ein Problem unter vielen zu haben.

    Das hat mich gerade am Anfang sogar mit Stolz erfüllt: Weil ich meine Sucht, egal, wie und wann genau ich hineingerutscht bin, nicht länger als gegeben hinnehme, sondern sie aktiv stoppe.

    Ich bin mehr als "nur" eine Alkoholikerin, aber spätestens hier habe ich gelernt: Ohne meine Abstinenz ist alles nichts.

    Darum konzentriere dich gerade am Anfang darauf, sie wie einen Schatz zu hüten und zu festigen. Alles andere ist erstmal zweitrangig.

    Zu viel Nachdenken über Schuld und Scham kann auch anfällig für die Trostversprechen des Suchthirns machen.

    Noch eins, Steevie: Du hast Absti geschrieben, dass dein Partner "nüchtern" ist, wenn Ihr nachts zusammen wach seid. (Was ich bezweifle, echte Ausnüchterung dauert länger als ein paar Stunden.)

    Heißt das, er macht Dich immer noch durch sein rücksichtsloses Verhalten mitten in der Nacht wach und Du bekommst öfter nicht genug Schlaf? Auch das gefährdet Deine Abstinenz, s. HALT-Regel.

    Es ist gut, dass Du hergefunden hast - für Dich.

    Du hast höchstwahrscheinlich Menschenleben gerettet, weil Du ihr das Auto entzogen hast.

    Sie kannst Du allerdings nicht retten, wie Du hier erfahren kannst. Das muss aus und von ihr kommen, und dann muss es auch (nicht lange) ein Kampf für sie sein.

    So bin ich auch in die Sucht gerutscht - weil ich lange Zeit mehr Angst vor Antidepressiva als vor einem "Feierabendbier" hatte (das mit der Zeit immer mehr wurde).

    Und als ich endlich bereit für Tabletten und Therapie war, hab ich mich gewundert, dass es nicht richtig half.

    Ich wusste, bis ich vor drei Jahren hierherfand, nicht, dass der Alk die Wirksamkeit der Behandlung reduziert oder sogar Depressionen auslösen kann.

    Lebt sie denn bei Dir und von Deinem Geld?

    Hmmh, Steevie, Du scheinst Dir mehr Gedanken zu machen, wir der arme Kerl mit Deinem Nichttrinken klarkommt als umgekehrt.

    Und dass seine "Gespräche" bzw. Gedanken sich immer wieder um Alk drehen, er Dich wegen Deiner Abstinenz abwertet und Du ihn immer noch darauf hinweisen und darauf bestehen musst, dass Du nicht mehr trinkst, ist echt traurig.

    Wie lange wird das mit Deiner Abstinenz so noch gutgehen? Ist es das, was Du Dir unter Partnerschaft vorstellst? Oder ist deine Verlustangst vielleicht doch nicht so klein?

    Was würde sich denn in Deinem Leben konkret ändern, wenn er mal eine Weile nicht im Haus wäre? Ubd wo liegen Deine Prioritäten - würdest Du im Zweifel irgendwann wieder mittrinken, bevor er sich eine bessere Saufkumpanin sucht?

    (Mir brauchst Du dazu nicht zu antworten, nur Dir selbst, ganz ehrlich.) Alles Gute!

    Ob die anderen, die da in der Öffentlichkeit scheinbar gemäßigt trinken, ihren Konsum wirklich alle "im Griff" haben, weißt Du doch gar nicht. Wer weiß, ob und was sie zu Hause noch nachkippen.

    Dieses Vergleichen mit anderen und insbesondere das Diskutieren mit dem Suchthirn bringt nicht nur nichts, es führt gefährlich in die Irre.

    Einfach: "Klappe halten" und bewusst an was anderes denken.

    Ja, es stimmt, Kinder zeigen, dass es keinen Alk braucht, um glücklich zu sein. Nur Sucht und Werbung reden uns was anderes ein und wir haben es lange geglaubt. Aber zum Glück sind wir nie zu alt, etwas Neues zu lernen.