Matcha - Wer will, findet Wege

  • Ihnen wäre lieber, ich trinke mit, das lese ich hier oft. Die Leute fühlen sich sonst unwohl und beobachtet.

    Weißt du es von ihnen? Oder hast du die Forenmeinung übernommen und stülpst sie deinen Freunden gedanklich einfach über?

    Für mich besteht die ganz einfache Lösung darin, offen mit denen zu reden, die mir nah sind. Das tat ich weitgehend auch, als ich noch trank. (Wieder nichtzutreffendes Klischee: alle lügen/verheimlichen/verstecken doch …). Nein, ich sprach darüber.

    Alk gibt es bei mir zu Hause nicht, für niemanden. Das ist ein Tabu, das ich erst später in mein neues Denken integrierte. Im ersten halben Jahr Absinenz hatte ich noch die Vorstellung, später könnte ich dabei Ausnahmen machen, wenn die Gäste ihr Zeug mitbringen, danach wieder mitnehmen). Fand nicht statt und will ich nicht mehr.

    Offenheit heist für mich: Klar und deutlich NEIN DANKE. Bei Nachfrage - Erläuterung individuell je nach Nähe. Das Wort Alkoholiker verwende ich nur hier im Forum.

  • Ich weiß nicht genau, ob ich jetzt gemeint war.

    Denn dann könnte schnell die Nachfrage kommen: "Wie, ich denk, du trinkst nicht mehr?"

    Diese Art der Absicherung ist nicht meine.

    Natürlich "unterstützt" es womöglich ein bisschen, wenn die anderen wissen, dass ich dauerhaft abstinent lebe und warum. Aber das ist keine Garantie dafür, dass sie immer daran denken oder gar, dass sie mir den Arm festhalten würden, wenn ich zum Glas greifen würde. Ich verlasse mich da ausschließlich auf mich selbst. Meine innere Verfasstheit ist entscheidend.

    Was die Offenheit tut, ist mir meine Gelassenheit zu erhalten. Ich muss nicht irgendwelche Notlügen oder Vorwände erfinden - viel zu anstrengend. Gerade heraus, ohne Maske, und fertig.

    Im Übrigen ist vielen "der Anderen" doch gar nicht der Mechanismus der Sucht bewusst und sie wollen das meist auch gar nicht so genau wissen. Dazu kommen die Klischee-Bilder und vergleichendes "bei dir war es doch gar nicht so schlimm". Sie haben es ja nicht erlebt, weil ich allein trank.

  • dass es viele kluge Alkoholiker gibt, aber dass das nicht das vorherrschende Bild in den Köpfen der nicht abhängigen Menschen wiederspiegelt

    Weil die „klugen Menschen“ sich alle verstecken. Und deswegen wird sich daran auch nichts ändern.

    Das ist genauso wie das oft alle auf der linken Spur fahren, weil man sonst nicht mehr rauskommt.

    In meinem gesamten nahen Umfeld kennen die Menschen jetzt jedenfalls einen klugen Alkoholiker. Nämlich mich. 😎

    Und das ist ja sowas von entspannend. Ich muss auf keine Uhr achten, wann ich ein Treffen plane. Ich muss mir nichts ausdenken. Alles, was ich früher musste, um meine Sucht zu verheimlichen, hat sich einfach für mich erledigt. Hach, ist das ein entspanntes Leben. 🥳

    Wo ich hingehe, dort bin ich dann.

  • Ich sehe schon, dieses Problem sollte ich ein für allemal klären.

    Aus meiner eigenen Erfahrung heraus , nicht identisch, aber ähnlich. Ich stand auch an dem Punkt, an dem klar war. Wenn ich das nicht kläre, bleibt es ein Dauerproblem. Irgendwann musste ich eine Entscheidung treffen. Ausreden, Ausweichmanöver und dieses "mal schauen" haben mich nur im Kreis geführt.

    Und mal ehrlich: Die Leute um dich herum merken das längst. Die kennen dich, sehen die Veränderungen und hören die neuen Erklärungen. Da wirkt vieles einfach nicht mehr stimmig, auch wenn man es sich selbst noch zurechtlegt.:whistling:

    Deshalb mal direkt:. Wenn du es wirklich klären müsstest, hättest du es wahrscheinlich schon getan. Also hängt da irgendwo noch etwas . Scham, Stigma, Angst, Unsicherheit? Alles nachvollziehbar.

    Aber wenn du es nicht angehst, bleibt es wie ein Damoklesschwert über dir hängen. Und genau dann kommen die Situationen, in denen das Suchthirn stärker wird als der Vorsatz, das Glas stehen zu lassen.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Offenheit heist für mich: Klar und deutlich NEIN DANKE. Bei Nachfrage - Erläuterung individuell je nach Nähe. Das Wort Alkoholiker verwende ich nur hier im Forum.

    Eine für mich stimmige Beschreibung.

    Ich habe nur ganz wenige eingeweiht und bin damit die ganzen Jahre gut gefahren,

    Mittlerweile bin ich halt jemand, der keinen Alk trinkt. Warum, das interessierte anfangs nur wenige, die selbst zu viel soffen und noch saufen.

    Andern war und ist es völlig schnuppe, weil der Alk für sie nicht den Stellenwert hat, den er bei einem aktiven Alkoholiker einimmt.

    Was kann der Neuling damit anfangen? Auf seine eigene Situation und Umgebung schauen. Wer jeden erfolgreichen Arbeitstag oder Geschäftsabschluss mit den Kollegen mit Bier o.a. begossen hatte, wird sich schon was einfallen lassen müssen, warum er plötzlich nicht mehr den Vortrinker, sondern lieber rasch die Düse macht. Da ich auf der Arbeit nie aufgefallen bin, bei uns herrscht absolutes Alkoholverbot, war ich beim Thema Arbeit schon mal fein raus.

    Bei uns auf der Straße habe ich anfangs die Gesundheitsnummer gespielt und darauf verwiesen, dass es die letzten Jahre doch etwas viel war und ich jetzt mal für mindestens 1 Jahr 'ne Auszeit nehme. Dabei bin ich dann geblieben, weil es mir "ohne" besser geht als "mit". Das ist zwar nicht so ganz die lupenreine Wahrheit, aber zumindest dicht dran.

    Richtig geoutet habe ich mich nur bei Personen, die es wirklich was angeht. Das sind in meinem Fall die Nachbarn, Bekannte und Leute von der Arbeit defintiv nicht.


    Wohl gemerkt, das ist mein Weg. Ich möchte niemand animieren, es so zu machen wie ich. Ich schreibe hier nur von meinen eigenen Erfahrungen.


    Ich wünsche, ein glückliches Händchen.

  • Hallo liebes Forum,

    das oben beschriebenen Problem, Alkohol trinkende/erwartende Freunde zu mir einladen zu "müssen", habe ich bislang vor mir hergeschoben, es wird bis zum St. Nimmerleinstag so weiter gehen, so ist der Plan jedenfalls.

    Berichten will ich heute etwas anderes:

    Neulich hatte ich Lust, mal wieder ein richtiges Buch über Alkoholsucht zu lesen, es wurde dann ein Buch über die MPU (Onleihe/Stadtbibliothek, hab nichts anderes gefunden). Ich erfuhr, dass der Kandidat bei der Prüfung genau erklären muss, wie es zu der Alkoholfahrt kam, wieviel er genau getrunken hatte, welcher Promillewert sich daraus ergibt, wie man nun dazu steht.

    Ich bin öfter alkoholisiert gefahren und fühlte mich beim Lesen richtig schuldig und mies. Ich habe dann den Promillerechner vom ADAC benutzt und festgestellt, dass ich höchstwahrscheinlich mehrfach mit 1,62 Promille im Blut losgefahren bin und mich damit sogar noch fahrtüchtig gefühlt habe. Krass ist das, jeden anderen hätte ich deswegen verurteilt und selber habe ich es gemacht. Schizophren.

    Ich bin soooooo froh, dass das nun hinter mir liegt, ich führe ein ruhiges Leben, bin viel entspannter und es hat sich auch wieder etwas Lebensfreude eingestellt bei mir, einer notorischen Pessimistin, hurra!

    LG Matcha

  • Ich erfuhr, dass der Kandidat bei der Prüfung genau erklären muss, wie es zu der Alkoholfahrt kam, wieviel er genau getrunken hatte, welcher Promillewert sich daraus ergibt, wie man nun dazu steht.

    Ja Matcha,

    dass musste ich nach meiner Suff-Fahrt auch feststellen. Meinen Führerschein habe ich jetzt für 30 Tage abgeben müssen. Ich war knapp unter der MPU Grenze.

    Da eine MPU im Bereich des Möglichen gewesen wäre, war ich zur Vorbereitung bei einem Verkehrspychologen und habe mich bei einem MPU Forum angemeldet. Was da bezüglich meiner Suff_Karriere auf mich eingeprasselt ist, war hammerhart. Hat mich aber auch zu der Kenntnis geführt: Stevi due bist Alkoholiker!

    Aus diesem Grunde bin ich hier gelandet - um zu bleiben.

    LG Stevi

  • Hallo Gaarder , dann ist es fast ein gluecklicher Umstand für dich, dass du erwischt wurdest. Bleib trocken, dann bleibt alles gut.

    Mich hätte es wohl meinen Job gekostet, wenn ich erwischt worden wäre, trotzdem bin ich, vom Verstand her das Risiko gut begreifend, ohne Not losgefahren. Rückblickend fasse ich mich an den Kopf und bin erschüttert, was die Sucht mit mir gemacht hat.

  • Rückblickend fasse ich mich an den Kopf und bin erschüttert, was die Sucht mit mir gemacht hat.

    Und sie würde auch immer wieder so handeln, Sucht kennt keine Scham oder Verantwortung. Da steht nur das Saufen im Mittelpunkt, mit all seinen Konsequenzen…

    Ich bin soooooo froh, dass das nun hinter mir liegt, ich führe ein ruhiges Leben, bin viel entspannter und es hat sich auch wieder etwas Lebensfreude eingestellt bei mir, einer notorischen Pessimistin

    Das liest sich gut, alles Gute weiter auf deinem Weg.

    LG KW

    „Ein klarer Geist ist wie ein stiller See – jeder Tropfen hinterlässt Wellen, aber die Ruhe kehrt immer zurück.“

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