Beiträge von Rennschnecke

    Hallo Chris, mein Ex Partner, Quartalstrinker, hat sich von mir plötzlich getrennt während er eine Psychotherapie macht. Ich habe ihm nach seinen Abstürzen immer geholfen, ihm seine Beschimpfungen verziehen. Er hat aus Einsamkeit getrunken, immer wenn ich mal ein paar Wochen in meiner Heimat war. Nun hat er sich Knall auf Fall getrennt und trinkt gerade nicht, obwohl er Einsam ist. Hast du eine Erklärung dafür?

    Wie bist du jetzt auf diesen Faden gekommen, der seit einem Jahr ruht? Glaubst Du wirklich, Dein Problem liegt darin, dass er kein Pegel-, sondern Quartalstrinker ist?

    Liest Du eigentlich, was wir Dir schreiben?

    Hallo Felicitas,

    irgendwie suchst Du hier in der Verzweiflung Antworten, die Dir keiner geben kann.

    Warum er irgendetwas macht oder sich so oder so verhält, kann hier keiner beantworten. Jeder ist anders.

    Vielleicht ist es auch nur eine ganz normale Trennungsgeschichte und du suchst den Grund in seiner Abhängigkeit?

    Liebeskummer ist ein A...Aber das ist hier höchstens am Rande ein Thema. Wir sind kein Orakel.

    Hier arbeiten Alkoholiker und Co-Abhängige an ihrer eigenen Befreiung. Findest du dich da wieder? Ist das dein Ziel?

    Ich bin Deinem Rat gestern noch gefolgt, Carl Friedrich, und habe mich fast festgelesen. 😉

    Ich fasse mal zusammen, korrigiert mich gern: Ja, mehrwertiger Alkohol als Zuckeraustauschmittel hat nichts mit unserem Suchtstoff zu tun. Er muss und wird darum auch nicht als "Alkohol" in der Zutatenliste geführt, sondern eher mit seinem jeweiligen Namen, der meist auf -it endet, z. B. Sorbit, Dextrit, etc.

    Der für uns gefährliche einwertige Alkohol wird auch in Süßigkeiten eingesetzt: zur Konservierung oder als Aroma-Träger. Dazu muss es nicht in jedem Fall auf der (sowieso kleingedruckten) Zutatenliste aufgeführt sein - als Alkohol oder Ethanol oder was anderem auf -ol).

    Es bleibt also unübersichtlich. 🤔 Was ist z. B. Mit Marzipankartoffeln, die neuerding gern in Restaurants als Snack verschenkt werden? Ich weiß, dass da Alkohol drin sein soll, kaufe mir deshalb auch kein Marzipanbrot mehr, aber so eine Marzipankartoffel (die ich nicht mal besonders mag) ist mir eher egal.

    Da orientiere ich mich an der wertvollen goldenen Regel Deines Therapeuten, die Du hier gar nicht oft genug wiederholen kannst.

    Dazu noch ein Beispiel: In meine Saftschorle mische ich, damit es nicht so süß, dafür noch gesünder wird, immer etwas herben "Muttersaft", meist Sanddorn oder Cranberry ( gibts in kleinen Glasflaschen im Drogeriemarkt).

    Neulich gabs dort keinen Cranberry, nur Holundersaft. Den habe ich genau ein einziges Mal in meine Schorle gemischt, den Rest muss ich verschenken. Denn ich hatte nicht bedacht, dass ich heißen Holundersaft bis vir einem Jahr immer mit Glühwein gemischt habe bzw. Umgekehrt, weil mir das eine ohne das andere nicht schmeckte. Da kam direkt ein Unwohlsein bei mir auf, so wie (immer noch) in Supermarktecken voller Alkregale: weg da, nix für mich ...

    Damit ist der gesunde Holundersaft ( früher sogar oft selbst gesammelt und verarbeitet) für mich leider verbrannt ...

    Das freut mich zu lesen, Silberstreifen. Ich bin morgen Nachmittag auf einer Geburtstagsfeier im Familienkreis und heute Nachmittag gehts zum Shoppen, aber ganz entspannt, da kann ich auch schon die Weihnachtsstimmung genießen, ohne dass Alkohol eine Rolle spielt (bin ja Alkoholikerin und war eher in der Vergangenheit Co).

    Allen einen schönen 2. Advent!

    Genau, entscheidend fürs Suchthirn ist die Sucht, nicht die Art und Weise, wie die Sucht erworben wurde und ausgelebt wird.

    Dass einem Quartalstrinker Trinkpausen leichter fallen als einem Pegeltrinker, liegt auf der Hand, macht ihn aber aber nicht zu einem besseren oder leichter therapierbaren Süchtigen.

    Nimms mir nicht übel, aber was Du über Eure Beziehungsgeschichte schreibst, hört sich nach einer sehr ungesunden Verstrickung an, und da möchte er dich anscheinend drinne halten, indem er Dich einerseits wegstößt und Dir ein schlechtes Gewissen macht (Trennung, ohne Dich muss ich gar nicht trinken) und dich andererseits nicht loslässt ( weiterhin täglicher Kontakt, Heraufbeschwören guter Erinnerungen, Weigerung, Eure Sachen klar auseinanderzusortieren).

    Und seine Eltern sehen dich vermutlich einfach als Krücke, ohne die er vollends abstürzt, und wollen dich ebenfalls nicht gehen lassen (was nicht ausschließt, dass sie dich auch mögen).

    Ist ja schön, dass er Therapie macht, wird nur nicht viel bringen, solange er nur Trinkpausen macht und mit der Einstellung "warum ich gar nicht anders konnte, als zu trinken" daran geht .

    Wie wäre es denn, wenn Du dir auch Hilfe suchst, nur für Dich? Um zu schauen, was Du von von Deinem Leben und einer Partnerschaft erwartest? Bisher geht es ja ( auch hier) nur um ihn ...

    Würde er nur noch trinkend in der Ecke sitzen, wäre die Sache klar für mich...nix wie weg...aber er funktioniert im Alltag ja...

    ... NOCH Süchtige brauchen mit der Zeit immer mehr von ihrem Stoff und verlieren immer mehr von ihrer Restkontrolle. Das nennt sich Suchtspirale, und deren Weg geht nur nach unten, wenn die Sucht nicht konsequent gestoppt wird (Heilen ist nicht mehr möglich, "kontrolliert" trinken auch nicht) .

    Möchtest Du Dir das wirklich mit Deinen Kindern ansehen, wie es früher oder später immer schlimmer wird?

    (Frage ich als Alkoholikerin)

    Das erinnert mich an Alex seine Formulierung: „…es von außen beobachten.“ Genau darum geht es. Wir sind weder unsere Gedanken noch unsere Emotionen, und auch nicht unser Suchtgedächtnis. Wir können all das einfach aufziehen lassen, beobachten und wieder loslassen. Denn der Kurs, den wir verfolgen, ist klar: nicht mehr zu saufen!

    Ich hoffe, ich konnte meine Gedanken verständlich und nachvollziehbar ausdrücken.

    Sehr verständlich und sehr gut auf den Punkt gebracht, Kurswechsel, danke!

    Mein ExPartner hat mir geschrieben, dass er mit seiner neuen Freundin glücklich ist und er sich nicht mehr so abgewiesen fühlt. Er möchte ja nicht mir die Schuld geben aber er ist überzeugt, dass ich seit der Geburt unseres Kindes Probleme mit meinen Hormonen hätte.

    Echt jetzt? 😂

    Ich hab gerade nachgeschaut: Das ist der Typ, der sich wegen seiner Sauferei immer wieder einnässt, richtig?

    Du könntest ihm zurückschreiben (oder es dir zumindest vorstellen, um Dich wieder aufzurappeln und auch darüber lachen zu können):

    "Freut mich für Dich. Ich möchte ja nicht dir die Schuld geben, aber ich bin überzeugt, dass Du seit dem Abrutschen in die Sucht Probleme mit Deiner Kontinenz hast. Und das ist einfach unsexy, genau wie Deine Dauerfahne. "

    Was kann sie dir sagen, was Dir hier nicht schon geschrieben wurde? Sie wird ihn ja nicht für Dich vor die Tür setzen.

    Letzter Versuch von mir: Sag ihm am Samstag, ggf. unter Zeugen, dass er seine Sachen packen, den Schlüssel abgeben und Deine Wohnung verlassen soll. Und nicht mehr diskutieren, sondern notfalls mantraartig wiederholen: "Es ist alles gesagt, ich möchte meine Wohnung und mein Leben zurück. Du kannst dann in Deiner Wohnung ungestört trocken werden, wenn du es wirklich willst. "

    Damit ziehe ich mich aus diesem Faden raus.

    Liebe Sare, danke für Deine Antwort.

    Wie ist denn das Verhältnis zu Deinem suchtkranken Bruder, kannst Du Dich da genug abgrenzen?

    Insgesamt liest Du Dich sehr klar, aber auch etwas bitter (natürlich vor dem Hintergrund mehr als verständlich), schränkt das Deine Lebenszufriedenheit irgendwie ein?

    Liebe Grüße ...