Hallo Stromer,
lieb, dass Du nachfragst. Hab noch mal geguckt: Morgen Abend bin ich sogar schon sechs Wochen nüchtern, Wahnsinn! 😊
Was sich direkt verbessert hat: Der Blutdruck hatte sich schon durch die Entgiftung normalisiert, mit dem Alkohol scheint aber auch die abendliche Naschsucht verschwunden zu sein, was ich toll finde, hatte da eher eine Verschlimmerung befürchtet. Auf der Waage macht sich der Wegfall von beidem allerdings erst jetzt langsam bemerkbar, obwohl ich hier in der Reha ja auch viel Sport treibe. Aber da mache ich mir keinen Stress, das Anfuttern und -saufen hat ja auch gedauert.😉
Psychisch habe ich schon verschiedene Phasen erlebt: 1. die wohl nicht untypische Anfangseuphorie (Hurra, endlich sorge ich für mich und mir gehts richtig gut dabei!) , schnell gefolgt von 2. der Sorge, dass die Entgiftung zu einfach gewesen sein und ich deswegen irgendwann nicht mehr genug Respekt vor der Krankheit haben könnte.
Erschwerend kam hinzu, dass ich mich angesichts der "Trinkerkarrieren" der allermeisten Mitpatienten oft wie eine "Anfängerin" fühlte und manchmal auch so behandelt wurde. Da kamen dann auch immer mal wieder die wohl auch nicht untypischen Gedanken "Vielleicht war es bei mir ja doch noch nicht so schlimm" auf.
Mein "innerer Hartmut", wie hier jemand neulich schrieb, hat gut zu tun, denn Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall, dazu später mehr...
Dann bin ich, auch wegen Stress mit einem sehr vereinnahmenden Mitpatienten, in die 3. Phase, in ein regelrechtes Loch, gerutscht, weil meine depressiven Anteile nun wohl nicht mehr vom Alkohol "gedimmt" werden, und auch die Erhöhung der Dosis meines Depri-Medikaments nichts daran ändert, dass die alten Probleme nach wie vor da sind.
Inzwischen befinde ich mich in der 4. Phase: Ich hab ganz andere Sorgen, für Depri ist erst mal keine Zeit, stattdessen ist wohl Durchhalte- und Kampfmodus angesagt. Der Grund: Wegen wiederkehrender Schmerzen an einer best. Stelle des Körpers habe ich in der Reha um einen externen Facharzttermin gebeten. Bei der Untersuchung wurde diese Woche was entdeckt, was da nicht hingehört, weswegen ich nächste Woche ein sogen. Notfall- CT und hoffentlich bald die Diagnose (gut oder böse) erhalte.
Das war natürlich erst mal ein Schock, die Stelle hatte mir zwar schon länger Sorgen gemacht und letzlich dazu geführt, dass ich mich letztes Jahr auf den Weg Richtung Abstinenz gemacht habe (meine Hausärztin sah aber keine Veranlassung für eine Untersuchung, als ich ihr von meiner Alkoholsucht erzählte).
Aber damit hatte ich dann doch nicht gerechnet, weil ich doch immer noch glaubte, eine vergleichsweise harmlose, da "sozialverträgliche"/funktionierende Trinkerin gewesen zu sein. Mag sein, aber dafür ging das eben über Jahrzehnte ...und ja, die "Stelle" kann vom Alkoholkonsum kommen, scheint bei mir aber wg. Alter und Nichtrauchertum trotzdem untypisch zu sein.
Komischerweise hat mich diese Nachricht rel. schnell aus meinem Deori-Loch wieder herausgeholt, muss mich ja wieder kümmern, alles durchdenken und vieles vorbereiten, auch für den worst case, z. B. endlich mal eine Patientenverfügung machen ...
So weit dazu, schlafen kann ich auch noch (Verdrängen habe ich ja lange genug geübt). Schreiben konnte ich die letzte Zeit nicht, das musste ich erst mal alles für mich sortieren (mitlesen nach wie vor immer). Nach diesem Besinnungsaufsatz muss ich mich auch erst mal wieder "ausruhen", melde mich, wenn ich mehr weiß.
Danke noch mal für dieses Forum und Euch alle 👏, mache gleich erst mal einen Ausflug...