Was passiert, wenn Du feststellst zu meinen, Du bist nicht abhängig?
Beiträge von Honk
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Hallo zusammen,
Rauchen und Alkohol: Habt ihr statt Alkohol wieder angefangen zu rauchen? Ich hatte jetzt wieder zwei Wochen in denen ich geraucht habe, jetzt seit zwei Tagen wieder ohne. Nun am Abend denke ich gerade, entweder eine Zigarette, ein Bier oder irgend etwas anderes, was mich entspannt / berauscht, wie auch immer... das wäre gerade gut. Letztendlich bleibe ich bei dem Versuch jetzt, Entspannung ohne Substanzmittel zu erreichen. Denn ich würde mich vor mir und auch meiner Frau und allen anderen die davon wissen sehr schämen, würde ich es jetzt schon aufgeben , nach gerade einmal drei Monaten trocken. Und Rauchen will ich auch nicht. Das stinkt und ne....
Ich hoffe der Suchtdruck wird nicht schlimmer mit der Zeit.
Viele Grüße
Rauchen, Trinken, Kiffen etc. sind alles an vielen Stellen die selben Mechanismen und die selben Areale im Gehirn die angesprochen werden.
Ich würde so weit gehen und die These aufstellen, wer weiter raucht oder stattdessen raucht, hat die eigentliche Grundproblematik, die Sucht, noch nicht überwunden. Ggf. verlagert.
Das geht übrigens mit Sport genauso gut, da kann man, wenn man sich dort zu sehr hineinkniest, auch ein süchtiges Verhalten aufbauen.
Ich habe selber mal geraucht, ziemlich intensiv sogar, da sind vereinzelt immer noch mal versteckte Grundtrigger, die auch heute ab und zu noch mal leise vorblitzen obwohl der Rauchstopp mittlerweile 16 oder 17 Jahre her ist.
Und dieser Wunsch nach Entspannung, ich hätte da eine Idee. Such mal im Netz nach Akkupressurmatte. Die besorgst Du Dir und wenn Du "Druck" nach Entspannung hast, legst Du Dich da drauf.
Du bist danach A: Entspannt und B: Dabei, währenddessen und danach denkst Du bestimmt nicht an Konsum von irgendwas.
Der Konsum irgendeiner Alternative, Stück Schoko oder was auch immer, hab ich soweit auch vermieden. Beim Rauchstopp hab ich Süßigkeiten gefressen wie ein Blöder, der Suchtdruck hat sich angefühlt wie eine Art Hunger, und den wollte ich stoppen. Mit dem Erfolg, na ja, Zucker ist ja auch so ein problematischer Stoff und außerdem ist mir das voll auf die Kilos gegangen, davon hatte ich lange was von.
ZitatNatürlich trage ich persönlich die Verantwortung.
Ich glaube nur, das meine Mutter vielleicht nun darüber grübelt, was sie "falsch" gemacht haben könnte.
Grüße
Welche Mutter die ihr Kind lieb hat, fragt sich das nicht? Ich denke mit dem Gedanken muss man seinen Frieden machen, das ist halt so. Übrigens gilt das für Väter auch.
VG
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Ich verstehe das hier als Austausch von Betroffenen. Es ist schön, dass du andere Erfahrungen gemacht hast als ich. Leider machen andere ähnliche Erfahrungen wie ich. Nirgendwo in meinem Text steht, dass alle diese Erfahrungen machen. Und deshalb finde ich es absolut unpassend, dass du „scharf intervenieren“ willst.
Dann ist es ja auch gut zu wissen, dass es auf jeden Fall auch anders sein kann. Was ich nur sagen kann, wenn meine Frau so misstrausich mir gegenüber gewesen wäre und weiterhin auch wäre, wäre das unser Beziehung nicht zuträglich.
Es gibt auch immer zwei Seiten und zwar in jede Richtung.
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Bleib sehr hellhörig. Und hol ihn vom Sockel! Ich hab mich anfangs auch so über die angebliche „Krankheitseinsicht“ meines Ex-Freundes gefreut und sehr von seinem angeblichen Wunsch aufzuhören zu trinken blenden lassen. Drei Jahre später, nach vielen Entzügen und ebenso vielen Rückfällen und 1,5 Therapien muss ich leider sagen: a) hat er mich mit seinen nicht konsequent durchgezogenen Heilversuchen eigentlich nur versucht ruhig zu stellen, denn im Grunde wollte er auf keinen Fall für immer abstinent leben und b) hab ich ihn - ähnlich wie du - auf einen Sockel gestellt und für meinen Traummann gehalten - wenn er nur nicht trinkt. Und das ist Blödsinn! Den nüchternen Mann gibt es nämlich nicht getrennt vom Säufer und häufig gibt es ihn auch niemals mehr zurück, so wie du ihn kennengelernt hast … selbst dann nicht, wenn er wirklich aufhört zu trinken.
Darf ich mal ganz scharf intervenieren? Das ist Deine Erfahrung und hat nicht das Anrecht auf Allgemeingültigkeit. Ich bin ganz froh, Stand heute, das Gegenbeispiel stellen zu dürfen, wo sich wirklich alles zum positiven gedreht hat.
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Er hat alles direkt zugegeben und gesagt er sei erleichtert, weil er eigentlich wusste, dass er ein Problem entwickelt hat, aber nicht wusste wie er mir das sagen soll. Es ist ihm peinlich, er empfindet das als Versagen. Ich sehe das wie gesagt anders.
Wir sprechen wie gesagt nachher nochmal in Ruhe.
In eine Opferposition möchte ich mich nicht begeben. Ich bin wie gesagt seit diesem Jahr (wieder) in Therapie. Mein generelles Problem ist eigentlich immer, dass ich mir für alles die Verantwortung aufdrücke und mit selbst die Schuld gebe. In sofern bin ich gerade eigentlich ganz froh darüber, dass mir ziemlich klar ist, dass es weder meine Schuld noch meine Verantwortung ist. Ich bin einfach nur traurig über die Situation gerade.
lg
Moin!
ich finde, das Zugeben seinerseit ist doch ein erstmal ein gutes Signal. Nur, das Wissen um einen selber sorgt leider nicht automatisch für eine leichte Abstinez.
Das muss man sich wie eine Spirale vorstellen, in der der Trinkende steckt. Man weiß ganz genau was man da tut, hat sich vielleicht auch unter Kontrolle für ein paar Tage oder länger den Alkohol zu meiden, aber den wirklichen Exit zu bekommen, das ist nicht ganz einfach um es salopp zu sagen.
Aber, es ist defintiv möglich, das ist die gute Nachricht. Ja, was kann man raten, wie ich das hier so lese würde ich vllt. dazu raten, wenn Dein Mann ein offener Typ ist, sich hier austauschen, selber ein paar Threads zu lesen, sich über Podcasts etc mit dem Thema auseinanderzusetzen. Und wenn er dann hoffentlich zu der Entscheidung kommt, "Stop"....dann guckt man wie man den Weg geht.
VG!
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Nimm doch sein angebot an.
Kannst du ja immer noch.Es schützt dich.Du musst keinen Alkohol sehen(bei ihm)und auch nicht riechen.
Du schämst dich noch,deswegen möchtst du stark erscheinen.
Bei ihm ist es ja kein Verzicht,sondern eine liebevolle Geste.
Und freiwillig dir zu liebe....ist doch schön

Bolle
Das wollte ich gerade sagen. Meine Frau hat ihren, eh schon sehr bescheidenen Konsum, ebenfalls auf Null reduziert. Und ich finde das gut als auch, dass es gleichzeitig ein gutes Beispiel ist, wie es komplett ohne geht.
Von daher, annehmen und sich darüber freuen

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Ich denke wir haben in Summe mit einer Grundsatzproblematik eines Austausches in Onlineforen zu tun. Und dabei spielt es auch keine Rolle, welches Thema wir besprechen. Aus eigener Erfahrung, noch krasser als das Thema Alkoholmissbrauch sind die Themen Hundenahrung und Kindererziehung. Genau in der Reihenfolge.
Das ist ja auch ganz normal, denn in einer rein nonverbalen Diskussion, ohne seinen Diskutanten zu kennen, speisen sich die Beiträge natürlich aus den eigenen Erfahrungen und Gelernten. Und diese Ansichten vertritt man gerne mit einer gewissen Vehemenz, weil man oft auch überzeugt ist, die eigene Meinung ist nun unbedingt richtig. Und man ist oftmals der Überzeugung, den anderen überzeugen zu können.
In einer Therapiesitzung würden, gerade bei sehr intensiven Gesprächen, Pausen eingebaut bzw. die Ansichten der Teilnehmenden moderiert.
Das ist online nicht möglich, da antwortet jeder dann, wann es ihm passt. Und in den Antworten spielt auch die eigene Gemütslage eine Rolle oder aber auch insbesondere die Prägungen.
Das ist aber nicht immer kompatibel, in Schrift liest man auch gerne das raus, was man rauslesen möchte und so gibt es zwangsläufig Differenzen.
Ich denke, ab und zu muss man gesagtes, geschriebenes einfach mal sacken lassen oder auch in Betracht ziehen, dass die eigene Erfahrung nicht zwangsläufig immer 1:1 umsetzbar und spiegelbar auf den virtuellen Gegenüber ist. Und auch wenn man 1000x beteuert, die Erfahrung zu haben, ja, stimmt hast Du, spielt aber in dem Augenblick keine Rolle. Vielleicht später, wenn man soweit ist das zu erkennen. Oder feststellt, man tickt ganz anders.
Was man machen kann, man kann Impulse setzten. Und der Lesende trifft dann die Entscheidung, ob der Impuls richtig und wichtig ist und ob man sich darauf einlassen mag.
Aber auch das ist eine reine Individualentscheidung und kann nicht erzwungen werden.
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Ich kann Dir aber aus eigener Erfahrung sagen, dass es auch Alkoholiker gibt, die ihre Sucht für sich so hinnehmen und nicht aufhören wollen. Die sind dann heilfroh, dass sie keinen Druck bekommen. Nicht weil sie dadurch von selbst aussteigen, sondern weil sie froh sind, dass sie ohne Druck in Ruhe weiter saufen können.
Genau das meine ich doch. Nichts anderes. Das hat nichts mit mir zu tun. Außer, dass ich genau auf dem selben Pfad gewesen bin. Ich fühle das genau nach.
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Also, eines wird mir mehr und mehr klar, wenn ich diesen Thread hier von Schratte und auch von Fred lese und das ist ein Punkt, den ich noch nie so auf den Schirm hatte:
Die komplette Hilflosigkeit als Angehöriger. Das man auf Gedeih und Verderb zusehen muss, wie sich ein lieber Menschen "hinrichtet" und man eigentlich nichts tun kann.
Außer zu hoffen, dass sich die Person besinnt. Und man versucht mit allen Mitteln, die Person "zu Sinnen" zu bekommen, aber egal was man macht, es funktioniert einfach nicht. Im Gegenteil, mit jedem Streit, jeder Diskussion, verliert man den Menschen immer mehr.
Mir ist da ein Satz von Theresa Enke im Kopf, die sagte, als ihr Mann sich wegen Depressionen umgebracht hatte...."wir haben es mit Liebe probiert, es hat nicht funktioniert"
Und ich denke, es ist genau das selbe beim Alkohol.
Ich habe in einem meiner Beträge gesagt, ich bin sehr froh darüber, dass meine Frau mich hat machen lassen und mich nicht unter Druck gesetzt hat. Und ich weiß auch mittlerweile, meine Frau wäre gegangen, wenn ich nicht den Ausstieg gefunden hätte.
Auf den äußeren Druck meiner Familie, hätte ich mehr und mehr getrunken. Weil es für mich die einzige Lösung gewesen wäre. Aus dem Grund, dass ich ein schlechtes Gewissen habe, selber weiss oder wußte, wie schwach ich eigentlich war.
Ich bin mir mittlerweile sehr sicher, es hätte nicht mehr viel gefehlt und ich hätte mein Leben weggeworfen. Das wird mir immer klarer wenn ich Eure Beiträge hier lese. Und ich verstehe mittlerweile, wie brutal das ist, einen Menschen gehen lassen müssen um sich und dem Alkoholiker zu helfen.
Druck erzeugt Gegendruck. Suchtdruck. Scheiss Spirale.
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Zitat
Das sagt einiges zu Einstellungen dieser Familie, dem Alkohol gegenüber, aus.
Ich rate von solchen Treffen in Zukunft ab.
Ich persönlich bin der Meinung, man muss es natürlich nicht jedem auf die Nase binden. Doch die engsten Freunde sollten Bescheid wissen.
VG Alex
Hi Alex,
nein, da muss ich widersprechen. Diese Familie ist absolut integer. Das sieht man alleine schon daran, dass in dem Rucksack exakt 4 Flaschen gewesen sind. Zwei pro Person.
Und das ist eine Geste, nämlich dem Gastgeber nicht auf der Tasche zu liegen. Und was die Aussage des Mädchens angeht, auch da muss ich widersprechen, dieses Mädchen ist so wach im Kopf, die haut regelmäßig solche Sprüche raus.
Aber das liegt in dem Fall sekundär an der eignen Familie, sondern an ihrer Beobachtungsgabe der Gesellschaft gegenüber. Und mit ihrer Aussage hat sie ja absolut recht. Es ist so, wie sie es sagt.
Anders wäre eine andere bekannte Familie gewesen. Deren Mann hätte vermutlich 10 Bier mitgebracht und "zum Tasting" dann noch 2-3 Flaschen Whiskey. Allerdings lade ich diese Familie nicht ein weil ich genau weiß, und das war früher schon so, wie solche Abende eskalieren. Ich habe den "Grillkontakt" schon als Trinkender reduziert, weil mir das einfach selber zu viel war.
Was den Punkt angeht, meinem Umfeld prophylaktisch mitzuteilen, dass ich künftig nüchtern leben möchte: Ich hab für mich entschieden, dass nicht zu tun.
Aber das ist meine persönliche "Strategie", die ich auch vollends durchdacht habe, warum ich mich so entschieden habe. Das gilt übrigens für den jetzigen Moment. Ich spiele mit dem Gedanken meine Abstinenz richtig öffentlich zu machen. Aber soweit bin ich noch nicht in meiner Entscheidung bzw. im Kopf.
Aber das sind Gedanken, die schreibe ich in meinem Thread.
LG!
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Ja Honk, ich hoffe wirklich es wird besser. Es ist tatsächlich eine Riesenaufgabe und weit mehr als "nix trinken". Das wird mir im Moment mehr und mehr klar.
Habe mir übrigens einige deiner Beiträge durchgelesen und kann das alles 100% unterschreiben.
Wir sind vielleicht an einem ähnlichen Punkt im Leben angelangt, wo bisher noch alles halbwegs glatt gelaufen ist aber das Pendel jetzt bald umschlagen kann - so seh ich es zumindest. Und dann die Frage: was will ich noch tun mit meinem Leben?
Sitze ich auf der Couch und schaue bei Instagram anderen beim Leben zu oder mach ich slebst noch was? Warte ich jetzt noch 30 Jahre ab bis es das dann war?
Oder man freut sich einfach total darüber weil man realisiert, was für Möglichkeiten schlummern. Natürlich, ich könnte mich jetzt auch hinsetzten und ganz viel darüber nachdenken, was ich alles NICHT getan habe. Und wenn ich persönlich bei mir da mal ein Buch aufschlagen würde, wäre das eine ganze Menge. Aber der Punkt ist ja, bringt mich das weiter?
Die spannende Frage ist ja, was kann man aus der Erfahrung, auch aus der Erfahrung, die man jetzt gerade macht, ziehen? Und ich finde es ganz ehrlich spannend, unter anderen Voraussetzungen, auch mit einem neuem Blinkwinkel, Dinge machen zu können. Gerade und weil der Alkohol keine Rolle mehr spielt.
Im Grunde genommen war man ja immer irgendwo in einem Käfig und einer Spirale gefangen, die einen immer und ewig begleitet hat. Immer war das Trinken Thema. Ich will jetzt nicht von Beschaffungskriminalität sprechen, aber im Grund war man ja immer auf Achtung, irgendwo und irgendwie versorgt zu sein.
Und das fällt auf einmal weg. Dieser Bestandteil ist nicht mehr da. Mehr noch, man hat auf einem gefühlt unendlich viel Zeit. Und Möglichkeiten. Wenn ich jetzt will, setzte ich mich ins Auto, fahre nach Hamburg an die Elbbrücken, genieße den Blick auf den Hafen und kauf mir irgendwo ein Fischbrötchen und fahre wieder zurück. Einfach weil ich es kann.
Ich komme deswegen auf das Fischbrötchen, ich lag neulich auf der Couch, hatte wirklich nichts zu tun, Gammelmodus, YouTube an und hab mir Radreisereportagen angeguckt und da futtern die Jungs ein Fischbrötchen. Und ich bekomme Hunger.
Also stehe ich auf, setz mich aufs Rad und hole mir ein Fischbrötchen. Der "Haken" an der Sache ist nur, die weltbeste Frischbrötchenbude hier in der Gegend ist 45 Kilometer weg.
Im Endeffekt hab ich also spontan eine knapp 90 Kilometer Radtour gemacht. Ohne E- einfach mit Muskelkraft. Warum? Weil ich es kann. Und Bock drauf hatte. Und die Strecke und die Tour war ziemlich schön, es war ein super Tag.
Überhaupt, das ist mein persönliches Thema, ich mag es mittlerweile unheimlich mich zu spüren. Ich wollte das immer schon, aber es ging nicht, durch den Alkohol. Ich war immer komplett schwer gebremst. Immer in dieser Spirale, immer auf den Endorphinschub aus der Flasche angewiesen. Und ich fand mich so scheiße im Spiegel.
Ernsthaft, die Gestalt da im Spiegel, aufgedunsen, rote Augen, sich selbst hassend, was ein Jammerlappen. Endstation: Rinnstein. Fertig, das wars.
Aber da hat zum Glück irgendwas in mir geglimmt. Ein kleiner Funke war da, der sage, "ne ne ne mein Freund, da geht noch was".......also Handbremse, auch das dieser Initiale Funke kam, da war ich sehr glücklich drüber. Habe ich wirklich Glück gehabt. Oder es aber gewollt, die letzte Reissleine gezogen.
Und ich hab mich gefragt, ein paar Wochen nüchtern, was machst Du jetzt mit der neuen Situation, mit der neuen Freiheit? Irgendwas muss sich jetzt doch ändern, außer, das man einfach nichts mehr trinkt. Einfach nur nichts mehr trinken, sonst bleibt es so?
Also braucht der Honk ein Projekt. Also ein anderes Projekt, bzw. ein weiteres Projekt, um nüchtern zu werden, zu sein, zu bleiben. Also was macht man als alte Bratwurst mit 45 Jahren?
Richtig: Man meldet sich zu einem (Volks)-Triathlon an. Kommenden Sonntag habe ich den Wettkampf.
Ich habe die letzten Monate und Wochen mit strukturierten Training verbracht um die Bratwurst in Form zu bringen. Und siehe da, es geht. Der Körper nimmt es an.Und ich habe dabei ganz viel gelernt und das ist Struktur, (Selbst)-Disziplin, Geduld und der Umgang mit Misserfolgen. Und: Erfolg in Häppchen, aber konstant. Und das alles nüchtern!
Wenn ich da am Sonntag durchs Ziel komme (en sollte), ey, ich merke das jetzt schon, das wird hochemotional weil es für mich persönlich ein echter Meilenstein ist. Und ein Auftakt mit dem Signal, alles ist möglich.
Übrigens, für den Fall, das ich, warum auch immer nicht antreten kann, im September ist ein NightRun in meiner Heimatstadt. Ich habe mich da als Backup auch angemeldet
Sicher ist Sicher. 
Weißt Du Foaly, ich glaube das ist das Geschenk was wir haben: Wir haben "das Alter", die Erfahrung, ein bisschen Weisheit, aber immer noch ein wenig Feuer und vor allem: Neue Möglichkeiten. Und das ist doch mega cool.
Gute Nacht!
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Hallo,
der Nächste auf dem Weg zur immer währenden Nüchternheit! Ja, dann herzlich willkommen und herzlichen Glückwunsch zur Entscheidung!
VG!
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Ja Elly, mittlerweile schon. Habe es lange Jahre weggeschoben aber ich muss die Wahrheit annehmen. Ich bin wohl Alkoholikerin.
Fühle mich zum Beispiel heute total unruhig, hab Kopfschmerzen und bin nervös. Das kann natürlich viele Gründe haben aber ich habe dann direkt so einen Yiepper nach einem Wein. Es war jetzt so schlimm, dass ich grad noch im Supermarkt war und mit Chips, Schokolade und einen Blumenstrauß gekauft habe. Als Ablenkung….
Ich habe mir solche Yiepper immer mit dem "Ruf des Alkohols" oder "Ruf der Sucht" erklärt. Klingt jetzt ein bisschen komisch, aber ich habe mir immer erklärt, der Schmacht, Druck, Verlangen etc wäre der Ruf "des Monsters" in mir drinnen. Also den Druck als Dritte Person beschrieben, die versucht zu ihrem Recht, zu ihrer Befriedigung zu kommen. Man kann das auch als Teufel auf der Schulter definieren, je nach dem.
Und die Aufgabe ist es, diesem Ruf zu widerstehen. Und auch mit dem Wissen, der Ruf des Monsters wird über die Zeit immer leiser...und leiser....und leiser.....
Ich meine, realistisch gesehen versuchst Du gerade etwas, was bei Weitem mehr ist als eine Angewohnheit, abzulegen. Und der Alkohol ist so intensiv mit so vielen Dingen verknüpft, mit soviel Zeit verknüpft, auch mit soviel Erinnerungen verknüpft, dass ist gar nicht so einfach da einfach loszulassen. Auf einmal ist da soviel leerer Raum, der auf eine andere Art und Weise gefüllt werden will.
Und das hinterlässt natürlich massiv Spuren. Und natürlich kommen zwangsläufig auch irgendwann Gedanken, da verklärt man einiges und muss sich auch damit auseinandersetzen.
Das ist schon eine Aufgabe, dass muss man ganz klar so sagen. Aber ich denke, wenn man sich dessen wirklich bewusst ist, solche Momente einzuordnen weiß, kann man langfristige Strategien entwickeln, damit umzugehen. Als zusätzliche Herausforderung gerade beim Alkohol ist noch die Gesellschaft.
Das erste Mal essen gehen und sich einen Saft bestellen, ganz bewusst, anstatt ein Glas Wein oder Bier, das ist schon komisch. Ich hatte jetzt gerade vor ein paar Tage ein befreundetes Paar zum grillen hier.
Beide sind keine großen Freunde vom Alkohol, also trinken wirklich wenig. Als sie sich eine Flasche Hugo hingestellt hat, war es mir egal. Als er den Rucksack hochnahm und man das Geräusch der Bierflaschen hörte und er mir eines angeboten hat, das war in der Sekunde eine ganz andere Nummer.
Ich hab so einen richtigen Blitzschlag bekommen. Natürlich habe ich abgelehnt, ganz zur Verwunderung von den Beiden. Und überraschend kam dann von deren Tochter: "Wie, Du trinkst kein Bier mehr? Du bist doch ein Mann".....
Ich habe dann gesagt, ich bin im Training, was aktuell auch stimmt, weil ich mich auf einen Wettkampf vorbereite. Damit war das Thema dann auch erledigt.
Wir haben dann zusammengesessen und einen netten Abend verbracht und es hat mich in keiner Weise weiter getriggert.
Aber dieser Moment, so unvorbereitet, das war schon besonders. Ganz anders als eine Veranstaltung bsp. wo man hingeht, und weiß, da spielt Alkohol ein Rolle. Da ist das Mindset beim hingehen aber ein anderes.
VG! Genießt die Sonne!
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Starke Entscheidung! Und es lohnt sich definitiv! In allen Bereichen und noch mehr

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Cadda,
ich nehm das mal rüber in meinen Thread und zitiere Deine Aussage auch, um diesen Thread hier nicht kaputt zu machen.
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Also, meine Erfahrung: Das kotterige Gefühl kenne ich auch. Aber, das hat bei mir einfach mit einem gestörten Schlafrythmus zu tun. Seitdem ich nüchtern bin und dementsprechend anders schlafe, besser schlafe, bin ich super sensibel dafür, wenn Nächte anders verlaufen. Ich spät ins Bett komme, ggf. noch irgendwo war wo es „aufwühlend“ gewesen ist in irgendeiner Form.
Was ich absolut nachvollziehen kann ist das Gefühl ab einem gewissen Grad bei einer Party o.ä. daneben zu stehen und nicht dazuzugehören.
Und machen wir uns nichts vor, das ist auch so. Das ist in der Tat ein „Preis“, den man „zahlt“. <- mir fällt da leider kein Satz ein um das irgendwie positiv zu benennen.
Und da ist schon eine gewissen Wehmut hinter zumal ich merke hier, dass mein sozialer Kreis enger wird. Eng im Sinn von weniger.
Tja, das ist halt eine Tatsache und die Frage ist, wie geht man damit um. Man lässt schon was zurück.
Ist so. Aber nun gut, nicht zu ändern.
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Guten Morgen Zusammen.
Ich danke euch, es ist wirklich gut zu wissen, dass solche Trennungen einfach dazu gehören.
Ich habe davon nicht zum ersten Mal gehört, aber wenn man es selbst erlebt ist es nochmal anders und ich weiß auch nicht was mich gestern daran so getriggert hat. Es war auf jeden Fall gut das ganze hier los zu werden und heute sehe ich die Situation auch wieder in einem anderen Licht.
Ich wünsche euch einen schönen Sonntag LG
Der Abstand kommt automatisch, man muss es nur zulassen (wollen). Als auch akzeptieren. Ich merke das das in den letzen Monaten auch immer mehr, wie sich die Distanzen aufbauen, gemeinsame "Interessen" abflauen.
Und das hat erst einmal gar nichts mit dem Alkohol zu tun, augenscheinlich, aber wenn man mal genau hinschaut, läuft es im Endeffekt genau auf diese Schnittmenge hinaus.
Als Nicht(mehr)Trinkender ist man schon ein Sonderling. Ich hab das auch schon mittlerweile mitbekommen, dass ich quasi ausgeladen werde bzw. nicht mehr eingeladen werden zu gewissen, spontanen Festen.
Und ich habe meine Abstinenz noch nicht einmal an die große Glocke gehängt.
Also ich glaube, das ist so eine "Bürde", wenn man nicht mehr trinkt, ist man durchaus gesellschaftlich mehr am Rand? Klingt das zu hart gesagt? Auf dem Dorfe hier ist das auf jeden Fall so.
Ich finde das ehrlich gesagt schon schwierig, wenn man merkt, wie sich das soziale Netz wirklich verdünnt und man als Kern oder Grund den Alkohol ausmacht. Es etablieren sich halt unterschiedliche Sichtweisen auf den Konsum und, leider ist das so, wenn man einmal auch wirklich getrunken hat, auf einmal nicht mehr, vor allem auch als Mann, dann fangen die Leute schon an zu reden. Ist leider so.
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Ich träume auch deutlich intensiver ohne Alkohol als früher mit. Und ich habe deutlich mehr Erinnerung an die Träume als früher. Das alles ist ein Zeichen, dass sich der Schlaf deutlich verbessert hat. Und das ist gut so.
Alkohol hat ja einen massiven Einfluss auf unseren Schlaf und greift tief in die Schlafphasen ein, so ist es nicht verwunderlich, dass man als Abstinenzler auf einmal überrascht ist, wie intensiv Schlaf sein kann. Und das die REM Phasen auch durch den Entzug, Entwöhnung und persönlichen Stress ganz intensiv sind mit lauter komischen Zeug, denke ich, ist auch ganz normal. Der Körper verarbeitet und das ist gut so.
Mittlerweile muss ich sagen, freue ich mich ehrlich gesagt aufs Schlafen, mir macht das richtig Spaß. Ich halte auch ganz bewusst eine strukturierte Schlafhygiene ein und diese Regelmäßigkeit tut mir sehr gut für den Alltag und meine Regeneration. Ich fordere meinen Körper mittlerweile regelmäßig ziemlich intensiv und brauche auch eine gute Erholung.
Rückblickend auf die Zeit, hat sich soviel verändert dadurch das man nicht mehr trinkt, trinken muss, das ist schon intensiv. Ich persönlich lasse das auch zu und nutze die Veränderungen für mich. Und wenn es nur bedeutet, eine halbe Stunde früher ins Bett zu gehen und noch in Ruhe einen Podcast zu hören - über den ich dann einschlafen - anstatt mir vor dem Fernseher irgendeinen Schrott anzugucken um mir noch ein Getränk nach dem anderen reinzupfeifen.
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Zitat
Ich halte Selbstfürsorge definitiv für richtig und ich bin kein Profi darin und will mich verbessern. Aber das grenzt mich nicht von meinen Mitmenschen ab.
Ich musste für mich feststellen, dass mein persönliches Kümmern um meine Mitmenschen sich negativ auf mich ausgewirkt hat. Und zwar so, das es mein Trinkverhalten (mit) beeinflusst hatte.
Und mit Mitmenschen meine ich insbesondere den Kontakt zu meiner eignen Familie. Brüder, Eltern. bzw. Mutter. Ich habe da immer ganz viel Kraft investiert da irgendwie in unserem Familienverbund die gemäßigte Person zu sein, ich wurde vor allem von meiner Mutter immer angestiftet den Verbund irgendwie zusammenzuhalten und nicht meine eigene Person und Interessen zu vertreten.
Und das ging über Jahrzehnte so, dass ich eigentlich immer manipuliert und benutzt wurde. Und das in einem von außen intakten sozialen Leben. Aber damit habe ich mir selber geschädigt weil ich selber ultra viel Kraft investiert habe, aber die Benefits habe ich keine erhalten. Um mich hat sich niemand gekümmert. Wie ich mich fühlte, wie es mir ging, war immer allen egal. Und ich hab da aus der Jugend / jungen Erwachsen sein auch ein dickes Paket getragen, das hat aber niemanden interessiert. Es hat nur interessiert, wenn ich mich engagiert habe.
Und diese Erkenntnis, das war krass. Ernsthaft. Also mit fortgeschrittenem Alter, 45, festzustellen, das die Grundfesten meiner sozialen Prägung ganz viel auf Manipulation beruhten, ist super heftig. Und das war bei vielen "Freunden" auch so, dass ich immer investiert habe, aber nichts zurückbekommen habe. Ganz heftig wurde es dann im Sterbeverlauf meines Vaters, wo ich die Last quasi für alle getragen habe.
Ein Danke dafür steht bis heute aus.
Und wie gesagt, das zu realisieren war heftig. Ich weiß noch genau als in einem Gespräch genau das, ohne das ich das beeinflussen konnte, aus mir rausgesprudelt ist. Da sagte mir die Therapeutin nur, da haben sie ihre Baustelle.
Dieser Impuls aus dem Gespräch und aus der Auszeit hat fast genau drei Monate gedauert, bis das zu mir durchgesickert ist. Ich habe nach der Auszeit auch mindestens 4 Monate den Kontakt abgebrochen. Und das ist ziemlich schwer wenn man nebeneinander wohnt....also überhaupt keine Distanz hat.
Aber es war richtig denn, ich stand vor der Frage, ich - oder die anderen. Und ich habe mich für mich entschieden. Und es ist richtig so. Ich habe jetzt wieder Kraft mich um die anderen zu kümmern, aber auf eine andere Weise.
Und zudem, was in dem Prozess noch kommt, zum Thema Arbeit etc....wenn ich was mache, ist das vollumfänglich. Auch wenn es im Geldbeutel wehtut, aber mir ist das egal, habe ich Stunden reduziert. Zudem bin ich aktiv dabei, mir etwas ganz neues zu suchen. 15 Jahre in dem Job wo ich bin, reichen mir. Weil es mir auch nicht gut tut oder mich erfüllt.
Das ist meine Geschichte, mich wundert das ein bisschen das ich das so offen erzähle, aber nun gut. Sei es so. Aber für mich fühlt sich der jetzt eingeschlagene Weg richtig an und wenn ich mich über etwas ärgern würde, dann, dass ich nicht viel schneller zu er Überzeugung gekommen bin. Gerade weil es mich so kaputt gemacht hat.
Aber ich repariere mich
Und das macht wirklich Spaß. -
Zitatich bin bis Dienstag zuhause. Aber am Montag schreibe ich eine Klausur. Ich habe einen anspruchsvollen Job mit Führungsposition und mache gleichzeitig noch ein Studium. Es ist sehr anstrengend und belastend. Seit einem halben Jahr ist die Belastung besonders hoch. Mein Gehirn muss Hochleistung bringen.
Und jetzt muss Dein Gehirn noch eine weitere Belastung vertragen.
Sage mal, ist es nicht einen Gedankengang wert zu pausieren? Also wirklich auf die Bremse zu treten, schnellstmöglich eine Kur oder eine Reha anzutreten, hauptsache raus aus dem Hamsterrad des Alltags und der Gewohnheit.
Ich weiß, es gibt garantiert 1000 und 1 Grund warum das NICHT möglich ist. Es gibt aber auf jeden Fall EINEN guten Grund das zu machen und das bist Du selber.
Ich habe im Berufsalltag mit so vielen Hochbelasteten Menschen zu tun, die so hochtourig drehen und es überhaupt nicht mehr schaffen, aus diesem Rad rauszukommen. Beruf, Familie, Haus, Familie und ja, dann noch trinken.
Ich weiß, das klingt so einfach geschrieben, was ich Dir aber aus meiner Warte aus sagen kann, erst eine Auszeit die ich mir selber genommen hatte, hat mich auf die Spur gebracht, mich um mich selber zu kümmern. Und als ich die Entscheidung getroffen habe, bin ich im Rahmen meiner Entscheidung nicht mehr zu trinken, zum Egoisten geworden. Alles, aber wirklich alles, was mir nicht gut getan hat, habe ich gelassen. Alle Dinge, die mich belastet haben, habe ich von mir gewiesen um so Energie zu schöpfen.
Jetzt bin ich an einem Punkt, dass ich wieder Energie habe und diese dann auch für andere Dinge investieren kann und siehe da, mit neuer Kraft als auch Spaß. Aber wie gesagt, das musste ich mir erarbeiten durch eigenen Egoismus.
Bzw. Egoismus ist das falsche Wort, eigentlich ist es reine Selbstführsorge. Und dein Leidensdruck, den ich hier lese, scheint so hoch zu sein, dass eigentlich eine Entscheidung für Dich längst fällig ist. Und zwar ohne Rücksicht auf anderes.
LG!