Beiträge von Luisa LingLang

    du schreibst ..."Was also hält mich? Der mini mini Hoffnungsschimmer, dass er es schafft, vom Alkohol loszukommen und die liebenswerte Seite überhand bekommt?"

    ich würde neben dem Hoffnungsschimmer vielleicht noch ein Stück weiter gehen... dass es da bewusst / unterbewusst diesen tiefen Wunsch gibt, dass man selbst (also der Partner des Süchtigen) so wichtig ist... so sehr geliebt wird, dass man der Grund ist, warum der Süchtige leben und von der Sucht wegkommen will.

    irgendwie ein fataler (trotzdem menschlicher) Wunsch, weil der Selbstwert von dem Süchtigen abhängig gemacht wird.

    Mich würde, hinsichtlich Traumabonding, mal interessieren, wer von den Anwesenden einen süchtigen Elternteil hatte und sich dann wieder einen süchtigen Partner gesucht hat bzw. bei einem süchtigen Partner (alternativ Geschwister, Freund, Freundin usw) geblieben ist.

    sehr spannendes Thema und für mich kaum zu greifen.

    Ich erlebe den Begriff oft als negativ konnotiert / stigmatisierend und vor allem irgendwie schuldbehaftet / dem Angehörigen wird eine Mitschuld angeheftet... als wenn er "wirklich" einen Nutzen daraus trägt, Angehöriger einer suchtkranken Person zu sein (Helfersyndrom, Selbstwerterhöhung und Gebraucht werden, sich wichtig zu erleben)

    Aber stimmt das wirklich?

    Ich für meinen Teil bin traumatisch in einer alkoholkranken Familiendynamik verstrickt. Als parentifizierte Tochter einer überforderten / überlasteten / wenn nicht gar mit narzisstischen Anteilen ausgestatteten Mutter und einem nicht "anwesenden" (körperlich wie emotional) Vater ... bin ich in einem Umfeld (ländlich, Vater arbeitete aufm Bau, da wurde Bier wie Wasser getrunken) und in der Generation X groß geworden, dass/die gern viel gefeiert hat & es zum sozialen Umgangston gehörte, bei dem/der es normal war, dass man "Frühschoppen" begangen hat und dann schon vorm Mittag "dicht" war. Meine Schwester ist 8 Jahre jünger als ich... also musste ich schon als Kind die "Mutterrolle" einnehmen und viel zu viel Verantwortung übernehmen & ich habe sex. Missbrauch durch ein alkoholabhängiges Familienmitglied erlebt. Man kann also sagen, meine Kindheit war alkoholdurchtränkt.

    Jetzt sind wir erwachsen ... ich trinke gar nicht. Meine Mutter ist bereits verstorben (die letzten Jahre auch deutlich alkoholabhängig) & meine "kleine" Schwester ist schwer alkoholkrank. Mittlerweile stark pflegebedürftig, schwerbehindert und in einem Helfernetzwerk eingebunden.

    Ja, es fällt mir schwer loszulassen. Ich weiß, ich habe alles getan um ihr zu helfen ... damit sie Hilfe bekommt und die Vorstellung, sie wird vor mir sterben... ein so junger Mensch, der so viel Potential hatte ... ich finde es völlig menschlich empathisch, dass man da Sorgen mit sich trägt, Mitgefühl hat und vielleicht auch mitleidet... eben weil man liebt und nur das beste für seine Lieben will und dann zusehen zu müssen, wie jemand sich so runterwirtschaftet ... so verwahrlost... nicht erkennt, dass er Hilfe braucht und diese auch annehmen darf. Das ist schrecklich und ja, vielleicht versucht man "zu lange" mit der eigenen Liebe und Unterstützung helfen zu wollen und ja, vielleicht unterstützt man dann finanziell und hilft aus und ist da... aber macht das nicht Freundschaften / Familie aus. Das man eben nicht geht so bald es schwierig wird? Und dann hört und liest man, wie oft im Gesundheits/Pflegesystem einfach Hilfe (wg. Personalmangel) ausbleibt ... und man will sich doch auch selbst nicht sagen müssen "hätte ich doch nur einmal öfter nachgefragt... oder die Pflegedienstleistung überprüft)... ich würde mir doch auch wünschen, dass wenn es mir scheisse geht, dass dann jemand für mich da ist und mich nicht fallen lässt, nur weil ich gerade nicht so funktioniere.

    was ich eigentlich sagen will... ich denke, kaum einer von uns findet es geil und lebensbereichernd einen Mensch mit Suchterkrankung zu lieben und in seinem Umfeld zu haben. Aber wir sind alle - gerade wir Frauen - mit Empathie & Verantwortungsbewusstsein "gesegnet" und übernehmen viel zu viel CareArbeit und lassen niemanden im Stich...
    Das uns das ggf. negativ auf die Füsse fällt... oder uns vor die Füsse geworfen wird ...
    ich finde das "doof" :) aber auch irgendwie menschlich (gerade in einer vereinsamenden Gesellschaft, in der Alkohol als soziales Verbindungsmittel dient)


    Oh, das klingt nach "Arbeit als Kompensationsstrategie / Verdrängungsmechanismus" ... hast du dich mit deiner Diagnose schon ausreichend auseinander gesetzt? Amnesie / Dissoziationen (abspalten von Erinnerungen / Gefühlen / Körperwahrnehmungen) ist doch bezeichnend für kPTBS (bin selbst betroffen, daher maße ich mir diese Aussage an :-))

    Gegenfrage, ändert sich irgendwas, was am System beim Co Abhängige, wenn er den Alkoholiker "überführt" hat? Hört er dann auf, nachzuschauen, ob der Alkoholiker heimlich trinkt? Warum schaut er denn überhaupt nach?

    Hm. Ich hatte das eher so gemeint - dass man wenn überführt wurde - der Alkoholiker ja nicht mehr heimlich trinken "muss", keine Lügen mehr auftischen "muss" - weil enttarnt. Ich hatte die Vorstellung, dass dieses "heimlich trinken" ja auch großen Druck macht, der dann ggf. wieder dazu führt, dass man sich gestresst fühlt und einmal öfter zum Suchtmittel greift.

    Für mich, hat sich etwas verändert, als ich definitiv wusste - meine Mutter bzw. jetzt auch meine Schwester - sind abhängig. Ich habe mir keine Lügen mehr auftischen lassen und ich habe nicht mehr an meiner Wahrnehmung gezweifelt. Insofern hat sich in meinem System etwas geändert.

    Oder erliege ich da gerade einem Denkfehler?

    Was habe ich persönlich davon, wenn ich einen Alkoholiker überführe?

    Eine ernstgemeinte Frage dazu. Wenn ein Alkoholiker heimlich trinkt... und durch welche Überführung auch immer, er auffliegt und das Thema offen gelegt wird... ändert sich dann nicht etwas in dem "System - heimlich trinken"... ich weiß nicht genau wie ich es beschreiben soll.

    Seine Info war das wenn ich einen Schlusstrich ziehe er arbeitslos macht den Finger hochhebt, bei seiner Schwester einzieht und ich mich dann natürlich auch arbeitslos melden müsste weil die Rate sonst auf mich fällt und ich das nicht schaffe- würde ich auch nicht.

    Er ist dann zu seiner schwester gefahren hat mich zuvor umarmt und gesagt das er mich über alles liebe.per whats app kam dann ich hoffe du weisst das ich die liebe und ohne dich nicht kann

    finanzielle Sorgen sind schon krass - gerade für Männer, die immer noch in alten Strukturen denken und glauben, "sie müssen das Geld ranschaffen und für die finanzielle Fülle sorgen"... ich kann den Druck auf der einen Seite so gut verstehen.

    Auf der anderen - scheint er auch manipulativ zu sein ala "wenn du mich verlässt, mache ich einen auf arbeitslos und du musst dann sehen, wie du klar kommst"??? Sicher, dass kann aus dem Affekt heraus gesagt worden sein aber dich durch sowas davon abzuhalten, dich zu trennen? Und dann abzuhauen und dich wieder mit Liebesbekundungen erweichen zu wollen... das klingt schon recht "ungesund" (narzissmusdiagnosen maße ich mir nicht an, ich bin kein Psychologe)

    Hab ich auch nicht so empfunden.... Der Vorteil hier ist ja das ich immer schreiben kann wenn ich gerade ein Bedürfnis habe und nicht bis zum nächsten Treffen warten muss ;)

    Hallo *los, schön, dass du hier bist und dich öffnest / mitteilst und Daumen hoch, dass du dir Hilfe suchst <3

    Ich glaube auch, von Angesicht zu Angesicht findet nochmal ein anderer Austausch statt. So sehr ich OnlineForen schätze, man ist doch darauf angewiesen, dass irgend jemand auf einen reagiert... und gerade in der größten Not (wenn dann gefühlt niemand "da" ist) hängt man doch in der Luft. Daher - die Kombi aus Online / Offline ist sicherlich sehr gesund <3

    Vielleicht habe ich es überlesen, darf ich fragen, wie alt dein Sohn ist?

    ...eigentlich Sehnsüchte oder Ängste sind, die ich selbst habe und auf sie übertrage (das Gefühl sie im Stich zu lassen, dass sie ohne Geborgenheit ist, die Furcht, dass sie mutterseelen allein ist...).

    Danke Siri, für diesen Reminder. Ja, wahrscheinlich habe ich genau davor Angst bzw. weil ich als Kind im Stich gelassen wurde und mich niemand beschützt hat, will ich nie wieder dieses Gefühl fühlen und will auch nicht, dass jemand anderes es fühlen muss. Das ich mich deshalb aufopfere und verausgabe und im Zweifel dem Anderen dadurch die Verantwortung abnehme, gut für sich selbst zu sorgen... autsch... ertappt.

    Danke dafür <3

    Kannst du den Kontakt zu deiner Mutter halten und ihr bei ihrem selbst gewählten Leben zugucken oder hast du den Kontakt abgebrochen?

    Hallo, (sorry, wird lang :)

    ich bin in einer alkoholdurchtränkten Familie aufgewachsen - es wurde immer viel gefeiert, gern und viel getrunken und das tägliche (auch 2-3) Bierchen beim Vater gehörten dazu. Ich bin knapp 8 Jahre älter als meine Schwester und musste dann oft, wenn meine Eltern nach dem Feiern morgens noch nicht wirklich wieder fit waren, die Betreuung übernehmen. Auch sonst hat diese Parentifizierung stattgefunden. Heisst, ich habe schon früh die Fürsorge für meine Schwester übernommen und die "Mutterrolle" einnehmen müssen. Zudem gibt es emotionalen / körperlichen Missbrauch in meiner Familienthematik (das nur als Erklärung, das da eben so einige schief gelaufen ist)

    Nun ist es so, dass ich mit 18 ausgezogen bin und meine Schwester "allein" gelassen habe in dieser - für mich missbräuchlichen Umgebung. Ich bin weit genug weg gezogen um den Kontakt unterbewusst auf ein Minimum reduzieren zu können.

    Meine Schwester ist jetzt 40 Jahre alt und ist die letzten 20 Jahre den Weg der Kompensation gegangen - Alkohol, Nikotin, Shoppen, toxische Beziehungen und nach dem Tod unserer Mutter (die zuletzt auch Alkoholikerin war) vor 4 Jahren ist meine Schwester völlig aus dem Ruder gelaufen. Aufgrund schwerer Depression /Angst / Zwangsstörungen / Essstörung ist sie nicht arbeitsfähig und bezieht Bürgergeld. Hatte bislang keinerlei therapeutischen Unterstützung - weil "die bringt doch eh nichts". Eine toxische On/Off-Beziehung zu einem Mann der auch Rauschmittel konsumiert und verbal aggressiv ist tut ihr übriges. Mitte des Jahres ist sie wg. Krampfanfällen / Hirnatrophie / Wernicke Enz. / starkem Untergewicht in der Notaufnahme gelandet - sie hat das nur knapp überlebt - und war 6 Wochen stationär und ist jetzt seit ein paar Tagen in Reha (die sie nur widerwillig angetreten ist - aber wenigstens hat sie die Einsicht, dass sie Hilfe braucht)

    Mal davon abgesehen, dass ich die letzten 6 Monate Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt habe, um für sie Hilfe & Unterstützung zu finden (ASP, Suchtberatung, Ergotherapie, Kurzzeitpflege, Reha usw) - muss ich reflektieren, dass ich auch in den letzten Jahren ihr immer wieder viel "abgenommen" habe - sie hat ein Problem damit um Hilfe zu bitten, schafft es aber irgendwie immer mich dazu zu bringen, ihr Geld zu geben, ihr Sachen abzunehmen usw.

    Nun zu meinem Dilemma. Ich fühle mich schuldig. Schuldig - in meiner "Mutterrolle" etwas falsch gemacht zu haben - in meiner Rolle als Schwester nicht für sie da gewesen zu sein und ihr auch sonst nicht den Halt geben konnte, den sie gebraucht hätte, um einen gesunden Lebensweg einzuschlagen. Ich fühle mich schuldig, dass es ihr jetzt so geht, wie es ihr geht. Ich weiß! ich bin nicht Schuld oder es ist nicht meine Verantwortung und trotzdem bringen mich die Gefühle dazu, sie beschützen zu wollen, ihr immer wieder zu helfen (obwohl sie ablehnend ist, nicht selbst um Hilfe bittet, manchmal so gar sehr biestig ist) und ihr Dinge abzunehmen, die sie "gerade nicht schafft". Sie sagt "ich kann das nicht", "ich schaff das nicht"... und ja, vielleicht habe ich ihr dadurch auch sehr sehr viel abgenommen (den Schuh ziehe ich mir an).

    Ich selbst bin in Therapie (aufgrund der Familiengeschichte + MB + sex. Gewalt und damit einhergehenden psychischen Erkrankungen) und arbeite da gerade alles für mich auf. ABER mir wird von Seiten der Therapeutin immer gesagt "sie müssen davon ausgehen, dass ihre Schwester das nicht überlebt" & "sie sind nicht Schuld" & "das ist nicht ihre Verantwortung"... und ja, kognitiv verstehe ich das aber ... es ist meine Schwester. Sie ist 40 und hat noch ihr ganzes Leben vor sich. Ich kann sie doch nicht im Stich lassen.

    Sagt ihr mir, was ihr denkt? Es sind geliebte Menschen, die wir verlieren... und im Zweifel verlieren wir uns dadurch gleich mit

    Twizzler - danke für deine Worte und ja, sie klingen erstmal ein wenig "hart, distanziert und abgeklärt". Ich kann verstehen, woher diese Einstellung kommt und das sie zumeist eine jahrelange Vorgeschichte hat. In meinem Fall, habe ich bereits meiner Mutter an die Sucht verloren und meine Schwester ist aktuell an dem Punkt, dass sie weiß, dass sie Hilfe braucht und sich die auch suchen möchte - leider - aufgrund neurologischer Einschränkungen - gar nicht dazu in der Lage ist bzw. überfordert. Daher, möchte ich sie beim "sich Hilfe holen" bestmöglich unterstützen.

    Daher auch meine Suche nach einer passenden Klinik. Ich kann googlen aber aufgrund der Mehrfachdiagnosen kann ich das so schlecht eingrenzen. Daher, wenn hier jemand "gute" Erfahrungen bei der stationären Langzeittherapie - mit Themen Magersucht / Alkohol + Depressionen / Ängste + im Zweifel auch Traumafolgestörungen - hat, würde ich mich freuen, von den Erfahrungen zu hören bzw. die Nennung der Klinik - damit ich mich da mal schlaulesen kann. Danke :)

    Aurora - danke für den Impuls mit der Coabhängigkeit. Da werde ich mich nochmal mit befassen (müssen) :) Ich selbst bin in Therapie wegen Traumafolgestörungen (kPTBS, Depression / Angst / Zwangserkrankungen) in Behandlung und meine Suchttendenz bezieht sich auf Zucker. Ich bin daher grundsätzlich im Thema - nur eben nicht bei Alkohol. Ich hätte die Alkoholsucht gesehen als Kompensationsstrategie für eine schwierige Kindheit. Aber es scheint auch viele zu geben, die sagen - die Sucht war zuerst da und dann die Depression. Ich würde bei uns eher sagen, zuerst war die problematische Kindheit und darauf baut alles auf. Das die Sucht dann nochmal ein Eigenleben entwickelt - lerne ich gerade erst.

    Hallo, ich bin Angehörige einer durchweg suchtbehafteten Familie. In meiner Ursprungsfamilie gibt es trockene Alkoholiker, Menschen die "Rauschsaufen" und glauben es unter Kontrolle zu haben, Menschen die ihr Alltagsbier trinken und es nicht als Sucht ansehen und Menschen, die mittlerweile Mehrfachdiagnosen haben (Alkohol / Essstörung / Depressionen / Angststörungen).

    Mir geht es in erster Linie darum, die Sucht zu verstehen um aktuell bestmöglich Hilfe / Unterstützung leisten zu können - beim Entzug / bei der Entwöhnung und bei einem Leben ohne Sucht.

    Aktuell beschäftigt mich das Thema "richtige Klinik finden für stationäre Langzeittherapie" - gerade unter dem Bezug " Komorbidität" - und würde mich freuen, hier in den Austausch zu gehen, bzw. Tipps bekomme und an Euren Erfahrungen partizipieren könnte.

    Danke Luisa