Beiträge von Paul_dry

    so, jetzt war ich eine woche in diesem forum abgeschaltet. ein update hat mich lahmgelegt. dank hartmut klappt's jetzt wieder.

    und vieles mehr klappt auch. ich bin jetzt schon mehr als fünf wochen ohne das gift. und es geht mir gut dabei. das suchtgedächtnis hat mich in der letzten woche weitgehend in ruhe gelassen, trotz stress im beruf (sonst immer ein beliebtes einfallstor für die sucht).

    eine situation war etwas heikel. wir hatten abends ein meeting, um ergebnisse vorzustellen. es kamen so um die acht leute zusammen. was ich nicht wusste, dass es in einem lockeren rahmen abgehandelt wurde. einige brachten bier mit und das hat mir nicht gefallen. ich wollte dann meinen beitrag vorziehen, um mich dann zu verziehen. das ging aber aus bestimmten gründen nicht. und weil mein arbeitsbeitrag ein elementarer bestandteil des projekts war, konnte ich auch nicht gehen. und so waren die ersten minuten sehr angstbesetzt. bis ich gemerkt hatte, dass ich mehr angst hatte vor der angst in versuchung gebracht zu werden, als die gier nach bier zu spüren. die war überhaupt nicht da. danach ging's. und ich wurde locker. ich hatte auch nicht das gefühl, ich müsste mir jetzt alkohol einverleiben.

    im nachhinein war ich ein wenig stolz auf mich, dass ich das gut meistern konnte. innerlich war's als würde die mauer ein wenig höher.

    ich habe mir aber vorgenommen, in zukunft genauer abzuklopfen, wie meetings ablaufen. es ist einfach besser, die situationen selbst bestimmen zu können.

    wie geht ihr mit ähnlichen situationen um?

    schöne grüße

    ja, danke, ich bin auch ganz stolz und es geht mir gut dabei.

    meistens jedenfalls.

    heute morgen habe ich gemerkt, dass mein fieser Untermieter mr. Greed seine Taktik geändert hat.

    er schreit nicht mehr: trink!

    jetzt versucht er's so: super! einen ganzen Monat hast du's geschafft. ich bin stolz auf dich. das zeigt doch, dass du es kannst. also kannst du dir doch auch das ein oder andere gläschchen gönnen! da ist doch nichts dabei. ein lustiger Abend und dann hörst du einfach wieder auf!

    meine Antwort: f*.... off! ich brauch das nicht, nicht jetzt, nicht heute, nicht morgen, überhaupt nicht mehr und das ist auch gut so!

    dann trollt sich mr.greed beleidigt.

    irgendwo lauert er weiterhin, aber ich hab immer weniger angst vor ihm.

    Bei mir war nur ein Teil der Welt, in der ich mich nass bewegt hatte, so. Und sie änderte sich auch nicht, weil ich nun das Glas weggestellt hatte. Es gibt nach ein anderer Teil der Welt, den ich entdeckte . Sah ich nass nicht.

    hallo hartmut,

    danke für die ausführliche Antwort.

    ja, klar gibt es eine andere Welt, eine nicht nasse. aber es gibt eben auch eine feuchte Welt. in meinem Freundeskreis sind sicherlich 70% menschen, die mal Alkohol trinken, manchmal auch zuviel und dann wieder Wochen nichts. und die haben auch genausowenig ein Problem mit Alkohol, wie ich mit Gummibärchen (mag sie wahnsinnig gerne, aber es reicht ab und zu). von den nassen kreisen kann ich mich gut fernhalten, genau genommen, war ich eigentlich immer der, der am meisten getrunken hatte. also gezielte Saufabende mit anderen mag ich nicht und die gefährden mich auch nicht. es sind eher die nicht so ganz nahen freunde, die ich aber oft sehe und die eben selbstverständlich wein zum essen trinken oder ein Feierabendbier.

    bei machen kann ich mein problem schon artikulieren, bei anderen noch nicht. aber ich erzähle in zunehmenden maße, dass ich gerade keinen Alkohol trinke. das ich alkoholiker bin, das kann ich mir und meinen nächsten sagen, aber in der Öffentlichkeit fällt's mir noch schwer. die meisten haben Verständnis für meine Alkoholabstinen, aber verzichten tun die wenigsten in meiner Gegenwart. soll ich verzicht einfordern? im Moment meide ich diese Gelegenheiten, aber irgendwann werde ich da ja auch damit konfrontiert werden.... .

    Vermeiden ist gut. Wenn dabei Verzicht aufkommt, schlecht. Wie ist es da bei dir? Geht das Denken dahin Ich wäre jetzt gerne dabei oder ich bin froh nicht dabei sein? Was machst du mit der Zeit, wenn andere feiern.

    nein, verzicht, das gefühl habe ich nicht. jedenfalls nicht in dem sinne, dass ich eine flasche wein in Gesellschaft aufmachen müsste. z.b. auf partys hätte ich gerade überhaupt keine lust. ich bin grad froh, viel für mich sein zu können, das viele neue zu sortieren und mich in Alltagssituationen zurecht zu finden. ich bin viel mit meiner familie, lese, mache Sport, telefoniere, denke nach, lebe. der Lebenszugewinn ist schon jetzt da, aber ein gefahrloser Alltag noch nicht.

    schönes Wochenende

    paul

    Wichtig erachte ich auch den offenen Umgang damit und ein pragmatisches Erschaffen eines alkoholfreien Umfelds mit gleichzeitiger alternativen, Tätigkeiten die nichts mit dem Saufen zu tun haben.

    ja, da bin ich dabei. und das ist gar nicht so einfach, weil unsere welt einfach so eng mit alkohol verbunden ist: Kollege hat geburtstag - ein anstoßen mit Sekt. Sport / Verein - nachher Absacker. Kaffetrinken am Nachmittag - Sprizztrinken. Essen - Weinchen dazu. das zu entkoppeln ist eine ganz schöne aufgabe und stößt nicht immer auf Gegenliebe.

    im momentanen stadium ziehe ich mich da eher auf sicheres Terrain zurück, das tut mir gut. das andere kommt dann schon, wenn die Brandmauern höher sind. so beschreiben es jedenfalls die nüchternen "Veteranen".

    Hallo zusammen,

    Wieso gehst Du so ein Risiko ein?

    danke für den dringlichen Hinweis! ich habe es nicht so empfunden. ich bin schon sehr vorsichtig und mache nur dinge, die ich mir zutraue. in dem falle war es ein Kurzbesuch gleich ums eck, ich war vielleicht eine halbe stunde da. und als es doof wurde, bin ich gegangen. es hatte auch keine Nachwirkungen. ich nehm das aber sehr ernst, was ihr sagt und werde noch vorsichtiger werden! es nervt natürlich, dass ich selbst in überschaubaren Situationen als erstes sehe, was getrunken wird und nicht wie in der Situation, die Bilder. gut bewährt hat sich, dann nicht anzuhalten, weiterzulaufen, heimzugehen, schöne Gedanken haben. das funktioniert bislang ganz gut.

    es gibt aber auch Situationen, denen ich mich im Moment nicht aussetzen kann und will. ich gehe nicht mit den Kollegen oder freunden nach der Arbeit oder dem Sport in die kneipe ....

    morgen bin ich eingeladen. es ist eine Abendessen mit Kollegen. dazu müsste ich mich den anderen im auto eine halbe stunde fahren. es wird sicherlich Alkohol konsumiert und ich müsste warten, bis alle gemeinsam aufbrechen, weil es keinen öpnv da gibt. ich werde da nicht hingehen und habe schon abgesagt, das ist mir zu gefährlich. das trau ich mir nicht zu.

    ich bin auf eine Party eingeladen, da werde ich selbstverständlich auch nicht hingehen ...... und es gibt viele solcher Situationen. es ist nicht einmal schwer, darauf zu verzichten, ich bin grad froh, das alles nicht mitmachen zu müssen. im jetzigen stadium bin ich gerne abends zu Hause. es ist, ja was eigentlich, es ist Erholung des Geistes und des Körpers nach einem jahrelangen Raubbau an beiden.

    Mich würde mal interessieren, was nun anders ist? Meinst du vom Kopf her oder wie schützt du dich in Bezug alkoholfreies Umfeld?

    ja, vom kopf her oder von der Seele. davor waren es immer saufpausen, die ganz klar limitiert waren, es gab nie den plan ganz aufzuhören. es waren "Diäten", mit dem ziel danach frisch gestärkt weiter zu machen. diesmal gibt es kein danach. was schützt? erstens die Erkenntnis, dass es kein kontrolliertes trinken für mich gibt. zweitens, dass es mich von mir wegbringt, meine Familie, meinen beruf, mich zerstört. drittens die Erinnerungen an die abstürze, viertens die Hilfe in Foren wie diesem, die Offenheit im familiären Umfeld, fünftens das vermeiden von gefährlichen Situationen, sechstens das erkennen, wie gut und befriedigend es ist, nüchtern zu sein (beim joggen scheint die sonne heller. meine familie nervt morgens nicht, weil ich Kater habe, sondern wir freuen uns, dass wir uns haben). was mich auch stärkt und -glaube ich- umprogrammiert, sind viele der podcasts zu dem Thema. vorher taten mir die menschen immer leid, die keinen Alkohol trinken, wie können die entspannen? wie können die feiern, lustig sein? und wenn ich nichts trinke, dann werde ich auch nie mehr wieder enstspannt sein oder lustig Abende haben? was für ein Schwachsinn! schon jetzt ist der Lebensgewinn ein immenser. wenn auch manchmal erkämpft ...

    hallo,

    Gratulation, dass du standhaft geblieben bist.

    ich kenn das. gestern war ich bei einer vernissage und selbstverständlich wurden wein und Sekt offeriert. und ja, es hat mich schon getriggert, weil ich ja immer Vernissagen mochte (besonders wegen der Alkoholika, die's da gab). ich habe dann recht schnell das Gespräch mit einem bekannten gesucht und das hat mich abgelenkt. dann war's auch gut und die Bilder waren schön. ich bin nicht allzu lange geblieben, weil's mich schon irgendwie beschäftigt hatte. ja, die versuchungen sind halt noch da und wenn es nur der versuch ist, zu sehen, ob in den gläsern der Besucherinnen wein oder Wasser war.

    im Nachhinein war ich aber froh, hingegangen zu sein und zu merken, ich kann das.

    alles gute dir!

    danke schön für die guten wünsche euch allen!

    drei wochen,das macht mich schon ganz froh. aber ich kenn das schon. das habe ich jedes jahr einmal gemacht (katholisch=fastenzeit) und da waren es immer sechs Wochen. alles mit dem ziel, vom Arzt einigermaßen gute blutwerte attestiert zu bekommen (die übrigens jedes jähr etwas schlechter wurden, aber vom Arzt zu meiner Beruhigung immer runtergespielt wurden) und ich habe die tage runtergezählt, um endlich wieder saufen zu können - mit der Absolution körperlich nicht zu schlechter werte. wie's in mir aussah, bildeten die zahlen ja nicht ab.

    diesmal ist es zum ersten mal anders: ich mach ein Hintertürchen nach dem anderen zu. und freu mich immer wieder über den "Mut" dazu.

    andererseits macht das ja auch angst, weil ich jetzt ernst mache. und das erhöht den druck auf mich. aber ich bin sicher, der druck ist besser als die wurstigkeit zu sagen, ist eh egal ... .

    sich selbst (und dem nächsten Umfeld) zu sagen, ich bin alkoholiker, ist nicht leicht, macht in gewisser weise aber auch frei, weil endlich die karten offen auf dem Tisch liegen und Ehrlichkeit anfängt.

    grade wollte ich schreiben, dass es auch eine bittere Diagnose ist, weil es ein scheitern eines kontrollierten Sauflebens ist. alle können's anscheinend, nur ich nicht. aber ich glaube, das stimmt nicht. wofür soll ich mich schämen? dass ich krank bin? sicher nicht. und wenn's so ist, dann ist Abstinenz die einzige Lösung, besser die Rettung.

    schämen tu ich mich allenfalls für die vielen Heimlichkeit, das lügen, das verheimlichen, die doofen dinge, die ich anderen im Suff gesagt hatte und die peinlichen dinge, die ich getan habe und die vergeudete Zeit. meine güte, wieviele tage meines Lebens habe ich wohl alleine mit Katerbekämpfung verbracht ... .

    das ist jetzt alles besser als zuvor und mein kopf weiß, dass es keinen einzigen Grund für ein nächstes glas wein, bier, sekt, cocktail gibt.

    es zu leben, ohne in Versuchung zu geraten, das dauert sicher noch lange.

    lustigerweise ist rechnerisch der 100te tag des nüchterseins der 31.12.! mit einem guten Saft aufs neue nüchterne jahr anzustoßen, das ist doch ein lebenswertes ziel. Let's go!

    hallo community,

    3 Wochen jetzt ohne das Gift! noch nicht lange, ich weiß, aber heute ist etwas schönes passiert: ich bin gerade heimgekommen und habe mit erstaunen festgestellt, dass ich den ganzen tag über nicht einen Augenblick an Alkohol gedacht habe. macht mr. Greed urlaub oder bereitet er eine neue Taktik vor? jedenfalls mich hat's sehr glücklich gemacht, weil es ein tag ohne innere Unruhe war, die sonne hat geschienen, ich habe einen Kaffee getrunken und werde jetzt Sport machen. so wenn's weiterginge! ein guter tag. der beste seit dem exit!

    so, jetzt habe ich was erlebt.

    ich musste Steuer machen, das nervt, wie ihr sicherlich auch wisst.

    ich bin wahnsinnig unruhig geworden. eigentlich ein guter Moment, um sich einen Beruhigungsdrink einzuschenken (dann wär's noch einer geworden, usw. am ende hätte ich geschlafen und die Steuer wäre nicht einen schritt weiter gewesen). habe ich mir gedacht, was tun?

    dann habe ich mir eine mediationsseite gesucht und eine halbe stunde meditiert. oder was ein Anfänger dafür hält. das Ergebnis ist aber: ich bin wieder down to Earth. gehe jetzt eine runde raus in die sonne und mach dann weiter.

    die lehre daraus: mr. greed hat nicht die totale macht über mich, ich bin nicht sein Wirt, ich kann mich wehren und bei mir bleiben.

    den Moment, an dem er mich hat, kann ich jetzt, heute abwehren. und letztlich geht's ja erst einmal darum: jetzt NICHT!

    ich erinnere mich an die zeit, als ich mir das rauchen abgewöhnt habe. die ersten tage, Wochen habe ich ständig sehnsüchtig an das qualmen gedacht. irgendwann wurden die Zeiten zwischen den Attacken länger und die Attacken selber zeitlich immer kürzer, nicht aber die Intensität der sucht. heute nach vielen vielen jahren, habe ich vielleicht einmal alle zwei jahre die gier nach rauchen. die aber verpufft schnell. ich weiß aber, wenn ich eine zigarette rauche, rauche ich sie wieder alle. muss nicht mehr sein.

    und nun die Rückgewinnung des alkoholfreien Ichs. fühlt sich richtig an.

    die Steuer muss ich trotzdem machen :(

    hallo Donnie,

    danke für deine ausführliche Antwort und die hilfreichen ratschläge. das Suchtgedächtnis ist schon ein gemeiner, trickreicher Schurke. aber ich beginne ihn zu durchschauen. es triggert mich, wenn ich durch das Studentenviertel lauf und dort ab nachmittags in der sonne bier, wein, Sprizz ... in geselliger runde getrunken wird. andererseits vergeht das Gefühl auch wieder recht schnell. und ehrlich gesagt, macht es mir nichts aus, wenn ich im Supermarkt an den Weinregalen vorbeilaufe. immerhin. seltsamerweise sagt meine innere stimme nicht: geh zur flasche, gehe direkt dorthin, gehe nicht über los und ziehe nicht 400 euro ein. die sucht äußert sich in innerer Unruhe. da hilft Sport und Bewegung und .... krimihörbücher.

    heute bin ich in die Nachbarstadt zu einer Musicalaufführung gefahren. ich war etwas nervös davor und hab noch überlegt, soll ich oder nicht. weil: Zugfahrt ist verbunden mit einem kleinen Fläschchen wein, dann ein Glas vor der Aufführung, ein glas in der pause, danach mit freunden noch ein zwei Gläser mehr, heimfahrt ein bier und daheim dann noch eine Flasche wein oder mehr. heute habe ich gedacht, dass Ausflüge, Theaterbesuche, partys keine anlässe zu freuen oder etwas schönes zu Erleben waren, sondern willkommene Gelegenheiten mich sanktionsfrei besaufen zu können.

    insofern war es super schöner tag: der weg zum Bahnhof im Sonnenschein, der Himmel blau (und ich nicht!), im Zug Zeitung gelesen und mich gefreut auf die Aufführung. in der pause am Rhein gesessen und den schiffen zu gesehen. nach der Vorstellung Obst gegessen und im Zug zurück den soundtrack des Musicals gehört. das war ein sehr, sehr schöner tag.

    hilfreich ist auch (bei allem Mitleid für die armen) die alkoholkaputten an den Bahnhöfen zu sehen, dieses elend will ich nicht für mich.

    in der Arbeit bin ich viel klarer und erlebe dinge viel purer. wenn ich mich freu, dann glaub ich mir das auch und wenn ich mich ärgere, dann ärgere ich mich eben und ein Konflikt ist ein Konflikt und kein Grund zum saufen.

    und so sehr ich mich heute freu, weiß ich auch, morgen ist wieder ein neuer tag und eine neue Herausforderung.

    schönen Abend

    danke schön für eure Unterstützung und support. ich war dann heute beim Sport und das hat die Trinkgier oder den "Erik" (toller name für den wicht!) vorerst zum schweigen gebracht. Dann habe ich noch ein paar podcasts zum Thema gehört und mir schließlich gedacht: komm nur, du Wichtigtuer, wir sind viele und wir sind stark. jetzt gibt er ruhe und das ist ein gutes Gefühl. just another Day longer in Paradise!

    lg

    irgendwie war es blöd heute morgen. einerseits hat's mich gefreut: zwei Wochen, das ist ja schon mal ein Anfang. aber eben auch nicht mehr. heute morgen war da diese fiese stimme, die mir das einreden wollte: "horch mal, zwei Wochen, das ist doch ein Wort! das hast du locker geschafft, da kannst du dir doch auch mal wieder einen lustigen Abend mit wein und ähnlichem gönnen. und der Kater am nächsten morgen ist ja auch nicht so schlimm! also, auf geht's!"

    jetzt ist es abends und die stimme ist leiser geworden und schließlich ganz verstummt. dank der Arbeit heute. aber mich beschäftigt trotzdem, wie schnell die Erinnerung an die schreckliche zeit des Suffs verblasst. ich will das nicht, will mich genau erinnern, weil das eine schutzmauer ist.

    ihr habt doch sicher auch ähnliche Erfahrungen gemacht. wie geht ihr damit um und dämpft, bekämpft diese fiese stimme?

    hallo seeblick,

    ja, das werde ich wohl so machen und nicht hingehen. es ist eben alles noch sehr frisch und ich muss mich vor bestimmten Situationen schützen. ausserdem bin ich noch nicht so weit, erklären zu wollen oder zu können, warum ausgerechnet ich jetzt keinen Alkohol mehr trinke. es ist halt noch sehr schambesetzt.

    schönen tag Paul

    So, jetzt ist eine Woche ohne Alkohol vergangen.

    Und es war eine gute Woche. Entzugserscheinungen gab es kaum, meist am Nachmittag mal mehr mal weniger Unruhe. das hab ich mit Sport wegbekommen (nachmittags war immer der "Startpunkt" für's tägliche trinken). abends war's dann kein Problem. allerdings bin ich auch Versuchungen aus dem weg gegangen, also bin ich zu Hause geblieben und nicht in die kneipe. für's erste und zum konsolidieren scheint mir das richtig.

    schön sind die morgen. aufzuwachen und einen klaren kopf zu haben, mich fit zu fühlen, das ist großartig. meist geh ich dann walken, nicht mehr um den Kater rauszulaufen, sondern um in der Natur zu sein. die Luft riecht, die sonne scheint... schön.

    eine Woche ohne, das kenn ich natürlich schon, aber diesmal ist es anders. "vorher" war es immer so: sechs wochen, einmal pro jahr, habe ich aufgehört. warum? weil dann die jährliche Blutuntersuchung anstand und ich wollte ein akzeptables Blutbild haben (leberwerte!). hat auch meist geklappt. aber das ziel war ganz klar: nach den sechs Wochen wird eine gute Flasche wein entkorkt und dann noch eine und dann geht's grad so weiter. in diesen sechs Wochen habe ich sehr viel alkoholfreies bier und alkoholfreien wein und Sekt getrunken. das war halt nah dran .... .

    diesmal ist es anders, zum ersten mal. keine sechs Wochen, kein alkoholfreies Getränk, kein bald geht's weiter .... und das fühlt sich gut an.

    mein frau unterstützt das sehr und ist froh, dass ich diesen schritt gehe.

    angst machen mir die anlässe des alltags: die erste Geburtstagsparty, die erste einladung, das erste abendliche Geschäftsessen, die fragen, warum ich jetzt wassser trinke und "ein glas kannst du doch trinken ..." es gibt einfach so viele trigger. da brauch ich sicher Hilfe.

    ich habe mir die Adressen von den örtlichen AA rausgesucht und das beruhigt. und ich bin froh, dass ich hier bin, bei euch "fachkundigen".

    hallo aurora,

    erst einmal trinke ich nicht. Entzugserscheinungen habe ich bislang nicht festgestellt. gestern hab ich mich ein wenig unruhig gefühlt und heute nacht habe ich geträumt, dass ich wieder rauche (was ich mir vor vielen, vielen jähren abgewöhnt habe).

    dann stelle ich mein verhalten um. ich geh abends nicht mit den Kollegen in die kneipe und seh ihnen nicht beim Biertrinken zu. geh lieber heim. da ich grad nicht zu Hause bin, sondern in einer anderen Stadt arbeite, kann ich mich auch ganz gut auf mich konzentrieren und viel nachdenken und zum Thema lesen und hören. ausserdem habe ich mir die Adressen von den AA hier rausgesucht. ich hab aber noch nicht so wirklich den Mut, da hin zugehen.

    ich weiß, am nachmittag kommt immer die gier. da war ich heute walken und jetzt geht's ganz gut.

    die letzten male, wenn ich das trinken für einige Wochen aufgegeben habe, war es immer ein hinfiebern auf den letzten tag (an dem ich dann immer das jährliche Blutbild machen habe lassen), um gleich wieder los zu legen, so ist's diesmal anders. ich mag nicht mehr trinken.

    familiär gibt's Unterstützung.

    was meinst du, sollte ich tun?

    lb gr

    paul

    hallo,

    ich bin etwas aufgeregt, aber auch erleichtert, nachdem ich mich hier angemeldet habe.

    es ist mein erstes mal in so einem forum. aber es "treibt" mich schon lange um. Alkohol trinke ich seit der Jugend. und es war ja nie ein problem, mein leben habe ich gut hingekriegt, familie, beruf, es läuft.( oder ich denk das nur, weil die Kritik in meiner Familie an meinen Konsum schon dringlicher wurde). und trotzdem immer Alkohol als ständiger Begleiter, in zunehmenden maße fieser werdend, fordernder. mittlerweile trinke ich täglich. es fängt am späten nachmittag mit einem bier an und bis ich schlafe folgt dann mindestens eine flasche wein. weil meine frau das nicht mehr wollte, habe ich angefangen, heimlich, bzw. halb heimlich zu trinken, so dass sie zumindest die menge nicht realisiert (auch so eine Selbsttäuschung, denn natürlich kriegt sie's mit). nach partys, bei Einladungen gibt's dann auch schon mal Filmrisse oder echt dämliches verhalten. und Schuldgefühle, schlechtes gewissen, selbstvorwürfe, ängste. und immer das Gefühl, das trinken zu lassen. bis zum nächsten bier ... .

    eine zeitlang habe ich versucht, kontrolliert zu trinken oder alkoholfreie Phasen einzulegen. das klappt dann immer wieder, allerdings nur mit Unmengen an alkoholfreiem bier oder alkoholfreiem Sekt.

    in letzter Zeit hat meine Alkoholabhängigkeit nochmals einen sprung gemacht: auf den urlaub konnte ich mich nicht mehr richtig freuen, weil ich dachte, wie kann ich unter Beobachtung trinken?

    das war der Moment, der mich die Reißleine ziehen ließ. ich habe angefangen viele podcasts zu hören und nachzudenken: kontrolliertes trinken schaffe ich nicht, ich will ganz aufhören. gestern habe ich nach länger zeit keinen Alkohol getrunken. erstaunlicherweise war das auch nicht schwer. und der Wille ist da, das jetzt ganz zu lassen -und nicht mehr wie früher fünf, sechs Wochen zu pausieren.

    ich habe aber auch das Gefühle, dass ich das alleine wohl nicht immer schaffe und daher freue ich mich auf dieses forum und hoffe, dass es mir hilft im Austausch mit euch, trocken zu bleiben ... .