Beiträge von Paul_dry

    Das hört sich wirklich gut an, Paul, schön, dass Du uns davon berichtest! Das macht bestimmt auch stillen Mitlesern Mut, die noch zweifeln ...

    ja, das wäre schön. so wie es mir hilft, wenn ich die verschiedenen posts hier im forum lese, sei es die mutmachenden, aber auch die warnenden. es hilft, wenn ich lese, dass es menschen aus der sucht hinaus geschafft haben und dass diese menschen ein gutes leben haben.

    heute sind es 9 monate ohne alkohol.

    ich freu mich sehr darüber. und irgendwie verändert sich grad was. bislang war ich eher in einer verteidigungshaltung, die attacken und verführungen der sucht abzuwehren. immer etwas angespannt und auf der hut, wie komm ich durch den tag, wie verhalte ich mich in der und der situation.

    seit zwei drei wochen ist mehr ruhe in den tagesablauf eingekehrt. ich kenne bestimmte gefahrensituation, kann sie besser einschätzen, weiß im grunde, wohin gehen, wohin nicht, was meiden, was tun.

    und damit hat meine psyche wohl mehr zeit sich um andere dinge zu kümmern. ich träume viel. und meist kommen in den träumen situation vor, die ich vor langer zeit erlebt habe. verletzungen, streitereien, hässliche sachen, die ploppen jetzt in den träumen auf. alles situationen, krisen, die ich nicht gelöst hatte, sondern weggesoffen. so als hätte die sauferei sie irgendwo in einen giftschrank verbannt. das spannende ist jetzt, dass diese erlebnisse sich auflösen und vieles sich friedvoll anfühlt oder zumindest auf dem weg dahin ist. eine wirklich schlimme verletzung anfang der 20er jahre, die sich immer unversöhnlich angefühlt hat, löste sich im traum einfach auf. ich glaube, das hat damit zu tun, dass ich selber versöhnter mit mir bin, achtsamer, besser mit mir umgehe, daraus erwächst kraft und resilienz und friede mit mir selbst (etwas pathetisch formuliert ;) )

    und im tagesleben habe ich festgestellt, dass konflikte sich lösen lassen (und wenn nicht habe ich wenigstens gekämpft). probleme wegzusaufen schafft viel mehr probleme, als sich ihnen zu stellen. eigentlich banal, aber sag das mal einem trinker.

    mut lohnt sich! alkohol nicht. so kann's weitergehen.

    Heute beginnt die europameisterschaft. Im fernsehen werden ständig saufende schotten gefeiert (nicht rassistisch gemeint, aber auf jedem sender, männer in schottenröcken, die bier um bier trinken) . ich freu mich auf fußball, aber es strengt mich auch an, denn ich und fußball und trinken, das war jahrelang eine äußerst enge verbindung. wenn es spannend war, stieg der pegel, wenn es langweilig war, auch. also, willkommener anlass für gesellschaftlich sanktioniertes saufen.

    jetzt stellt sich die frage, wo schauen, ob schauen, mit wem schauen, wie schauen.

    geht es den fußballfans in dieser gruppe auch so? und wie sind dann eure strategien?

    schöne grüße

    Gratulation, fünf monate, das ist schon ein großer schritt. ich finde, so jahres/monatstage sind auch nochmals eine motivation weiterzumachen. zeigen sie doch immer, was man schon geschafft hat. ich habe am anfang immer jeden tag stolz auf meine app geschaut und jeden tag innerlich gefeiert. heute vergesse ich manchmal mein tägliches versprechen in der app abzugeben. sober sein wird normaler (sage ich großmäulig mit meinen knapp neun monaten :saint:)!

    Ich habe mich dabei ertappt, dass ich solche Gedanken, z.B. an das Glas Wein, bewusst kommen gelassen hab. Warum ? Ja, warum? Weil sie nun mal im Hintergrund (noch?) da sind und ich es leichter finde, ich setze mich mit ihnen auseinander anstatt dass ich versuche sie zu unterdrücken und sie mir dann doch die Stimmung vermiesen,
    weil sie permanent in meinem Kopf kreisen.

    ja, ich denke, das ist schon richtig, lieber konfrontation, als durchs hintertürchen. da kannst du ja eh nichts machen, das ist drin in dir und bleibt wohl auch (noch lange zeit). insofern direkte auseinandersetzung!

    das doofe ist -zumindest bei mir- dass solche erlebnisse -fisch mit weißweingedanken, sonnenterasse und sprizz, kaminabend und whisky .... , in der konkreten situation beherrschbar sind, aber im nachgang stressen. d.h. ich bin manchmal dann auch am nächsten tag noch unruhig, oder sogar unruhiger als beim abendessen. da bin ich noch nicht so weit.

    dir aber gratulation zu einem geglückten urlaub! wieder eine hürde geschafft!

    oh, schon wieder eine runde zahl: 250 tage ohne alkohol.

    nichts wirklich neues.

    gelegentliche kurze anfälle von suchtdruck (du könntest ja mal wieder, hast es ja jetzt bewiesen ...)

    gelegentlich heftige glücksanfälle über den nüchternen zustand

    meistens ein leben im nüchternen und langsam wird das zum alltag. normalität.

    sinne sind geschärfter. empfinden direkter. die farben bunter.

    interessant: ich dachte immer, probleme lassen sich nur mit alkohol lösen. erkenntnis: alkohol löst nicht ein einziges, er schafft sie.

    und probleme sind lösbar, wenn man klaren kopf hat.

    auch nach 250 tagen - das ist das leben, das ich will.

    euch allen eine gute nacht

    so, nach der krise gestern, gehts mir heute wieder gut. ich habe sogar schon den geschirrspüler repariert (ich - der totale technikdepp!!). hätte ich gestern nachgegeben, dann würde ich jetzt mit einem riesenkater, schuldgefühlen und total deprimiert in der ecke hängen oder an der flasche. kleine siege, große freuden!

    danke euch für die unterstützung. das forum ist wichtig!

    aaaaaargh, da war ich noch so happy über nüchterne 8 monate und dann das:

    heute ist meine familie in den urlaub gefahren. ich konnte leider nicht mit, muss arbeiten. tapfer winkte ich ihnen hinterher und als ich ins wohnzimmer zurückkomme, sitzt da mein suchtgedächtnis und zwinkert mir zu: "das ist deine chance. lass es krachen. merkt ja keiner. du bist allein und so erfährts niemand. kannst ja wieder aufhören, bevor deine liebsten zurückkommen."

    boah, das hat mich echt geschockt! nicht, weil das suchtgedächtnis mal wieder durch die hintertür geschlichen ist, das kenn ich ja schon. sondern, weil es den GANZEN tag herumgelungert hat und mir ein bierchen, ein weinchen und was auch immer einreden wollte. irgendwann bin ich dann eine stunde joggen gegangen und bin offensichtlich dem suchtgedächtnis davongelaufen.

    jetzt ist gerade ruhe. aber es nervt, wie fies und sprungbereit das suchtgedächtnis ist und wie es auf seine chance lauert!

    was macht ihr in diesen hartnäckigen (an)fällen?:/

    hallo nayouk,

    wünsche dir schönen urlaub! du kriegst das hin!

    es ist nicht schlecht, mit gemischten gefühlen los zu fahren. das hält die aufmerksamkeit wach.

    wenn die menschen um dich rum sich schon am vormittag ihre cocktails reinziehen, blinzle in die sonne, die wärmt und braucht auch keinen alkohol!

    liebe grüße

    So, heute sind es stolze 8 Monate ohne! Das macht mich froh!

    Was hat sich verändert in den letzten vier wochen?

    zum einen hat der suchtdruck sich nicht oder nur ganz verhalten gemeldet. ich glaube zum einen liegt das daran, dass ich gelernt habe viele situationen einzuschätzen. viele trigger kenne ich mittlerweile und kann sie umgehen. am meisten hatte ich unterschätzt, dass die konkrete situation (café am nachmitag, am nebentisch eine lustige aperol-runde; eine zugfahrt und der ganze zug ist voll von betrunkenen bierfestbesucher*innen) nicht das problem ist, sondern, dass ich die situation mit nach hause nehme und sie triggernd nachwirkt. deshalb meide ich mehr als vorher.

    zum anderen geht es mir aber gut, weil ich merke, dass ein leben ohne.... mir gut tut. das schreibt sich langsam aber stetig in mein hirn und seele ein. ein gutes gefühl.

    am spannendsten aber fand ich diese entdeckung: ich frage mich nicht mehr, wie komme ich ohne ... durch das heute , sondern, was will ich vom heute, vom morgen, vom leben?

    und da ist mir aufgefallen: alkohol zwingt dich den status quo zu halten. alkohol hasst veränderungen, vor allem weil bestimmte lebenssituationen ja grund fürs saufen sind. alkohol möchte, dass immer alles so bleibt, wie es ist. und selber kann man nichts ändern, weil man ja damit beschäftigt ist, irgendwie mit dem alkoholisierten ich klar zu kommmen. du kommst überhaupt nicht auf die idee, dass es anders werden sollte. oder wenn, dann sorgt die sucht schon dafür, dass du das alles wieder zunebelst.

    im nüchternen zustand stellen sich ganz andere fragen: wer bin ich jetzt? was will ich? wie will ich leben? wo sind meine ziele?

    das ist spannend, macht mich neugierig und nervt mich manchmal. so ist das, wenn man die lebensgeister wieder in sich hat!

    heute habe ich bei aufräumen einen letzten weinkorken gefunden.

    der stammt wahrscheinlich aus einem der geheimen alkohollager, die ich hamstergleich gebaut hatte, um meine sucht zu verstecken.

    ich überlegten dann, ihn aufzuheben, quasi als mahnmal. aber dann dachte ich: wozu? weg damit!

    und jetzt liegt er in der mülltonne und da gehört er auch hin.

    aber das Unterbewusstsein hat so ein Deal mit der Sucht gemacht. Da läuft es dann schonmal klammheimlich ab.

    ja, das ist das unberrechenbare und erschreckende, so wie ein seelischer steinschlag.

    mich hat's nur so überrascht, weil es so aus heiterem himmel kam und ohne vorankündigung. die lehre daraus hast du ja geschrieben: wachsam bleiben.

    manchmal ist es schon echt seltsam. gestern war ein ganz normaler tag. ich war im flow, gut drauf und dann auf einmal aus heiterem himmel: innere unruhe und das ganz dringende bedürfnis nach einem bier. das war richtig heftig, quasi ein suchtanfall. ich bin dann erst einmal eine halbe stunde spazieren gegangen, habe in der buchhandlung gelesen und einen kaffee getrunken. dann war's genaus so plötzlich wieder vorbei.

    was mich überrascht und erschreckt hat, war die tatsache, dass es völlig ohne vorwarnung passiert ist, keiner der mir bekannten trigger war im spiel, es gab nichts , was mich an dem tag unter druck gesetzt hätte. es war einfach da! fies und fordernd und heimtückisch .

    naja, es war dann auch wieder schnell vorbei und ich habe das gefühl, das kommt auf mein positivkonto, nämlich die situation gut überstanden zu haben und das zu können. cool!

    Hartmut zur akzeptanz fallen mir zwei geschichten aus dem alten griechenland ein.

    die erste handelt von sysiphos. er musste ununterbrochen einen schweren stein einen berg hinaufrollen (in diesem falle suchtdruck) und kaum war er oben, rollte der stein wieder hinab und es ging von vorne los. aber sysiphos war nicht unglücklich dabei, sondern er hat sein schicksal akzeptiert und das hat ihn befriedet.

    die zweit geht so: diogenes lebte in einem leeren (!) weinfass. da kam alexander der große (=alkohol) und fragte ihn, was er brauche. er, alexander, könne ihm jeden wunsch erfüllen. diogenes sagte gelassen: "geh mir aus der sonne!" warum? weil ihm der mächtige alexander und seine schätze komplett wurscht waren. diogenes hatte sein scheinbar armes leben am strand in der sonne akzeptiert und war happy damit.

    und ich habe so das gefühl, zwischen diesen beiden extremen polen der akzeptanz pendle ich (und vielleicht auch einige andere auch) hin und her. sysiphos erinnert mich daran, achtsam zu bleiben und diogenes macht mich froh.

    ich würde mir für mich mich wünschen, dass der anteil des diogenes nach und nach größer wird und sysiphos höchstens als erinnerung und mahnung präsent bleibt.

    wunschtraum?

    Oh, da möchte ich gerne wissen, wie das rettende Ufer für Dich aussieht. Dein Ziel.

    Alex_aufdemweg dass die wunde alkohol sich schließt und zur narbe wird. dass alkohol mich nicht mehr dazu bringt, auf der hut sein zu müssen, dass es eine normalität gibt, ein alltagsleben, dem es egal ist, dass es weinabteilungen in supermärkten gibt .... . sprich, dass die abstinenz peu à peu der normalzustand wird und alkohol nur noch die erinnerung an einen bösen traum. so ungefähr.