Beiträge von MatildaWormwood

    Liebe Cadda,

    es tut gut, dass du in deinen Beiträgen schreibst, dass die Einsicht ein ewiges Stadium sein kann, über das hinaus aber nichts passiert. Es hilft mir, dass ich verstehe, dass ich nicht länger warten kann, dass von seiner Seite aus etwas geschieht.

    Mein Mann hat tatsächlich die Suchtberatung kontaktiert, aber er ist jetzt erstmal auf einer Warteliste. Mich wundert das sehr, weil es bei mir sehr schnell ging. Als ich angerufen hatte, hatte ich innerhalb einer Woche einen Termin. Ich habe ihm nun vorgeschlagen, dass er ja schon mal einen Hausarzttermin machen kann, da ja mit dem auch ein Entzug geplant werden muss. Seine Antwort: "Ich mache keine Entgiftung. Ich höre einfach auf zu trinken." Ich weiß nicht mehr, was ich noch sagen soll. Das erzählt er mir seit 10 Jahren und es funktioniert nicht, das habe ich ihm dann ich gesagt.

    So langsam fehlt mir auch jedes Verständnis, ich bin gerade unfassbar wütend, traurig und enttäuscht zugleich. Wir haben tagszuvor ein Gespräch geführt, anfangs ein richtiger Streit, in dem ich ihm klar gesagt habt, dass ich will, dass er trocken wird und zwar nur durch stationären Entzug und Therapie, sonst werde ich mich trennen. Da fing er schon an, dass er das aktuell nicht könne, weil er so viel auf der Arbeit zu tun hat. Für mich zählt das aber nicht, er ist nicht selbstständig, wenn er fehlt, bleibt allenfalls Arbeit liegen. wenn er eine andere schwere körperliche Erkrankung hätte, würde er die Behandlung auch nicht aufschieben. Das Gespräch endete gut und zeigt wieder dieses Einsicht, aber ist irgendwie durch die heutige Aussage wieder hinfällig.

    Wovor ich etwas Angst habe, ist, dass unsere Kinder die Gefahr, die vom Alkohol ausgeht, unterschätzen, sodass sie im Falle einer Trennung vielleicht auch sagen könnten, ich bleibe beim Papa. Ich weiß nicht, wie er sich verhalten wird. Er hat schon durch die Tatsache, dass ich eine Mutter-Kind-Kur beantragt habe, das Gefühl, ich würde ihm die Kinder entziehen. Dabei ist er oft einfach nur genervt von ihnen und gibt ihnen das deutlich zu verstehen. Mein mittleres Kind ist sehr sensibel und will nicht mit zur Kur, weil es den Papa nicht allein lassen will. Es ist aber klar, dass es mitkommt.

    Wie war das denn bei deinen Kindern, als klar war, dass ihr euch trennt?

    Liebe Grüße

    Matilda

    Hallo Liese,

    das Buch heißt "Annikas andere Welt, Hilfe für Kinder psychisch kranker Eltern". Da geht es insgesamt um psychische Erkrankungen, auch Sucht. Es gibt eine Geschichte, einen Mitmachteil und hinten auch Informationen für Eltern, aber auch Therapeuten. Es hat mich definitiv wachgerüttelt, als ich die Informationen für Eltern gelesen habe.

    Ich kann dich nur darin bestärken, dich deiner Freundin anzuvertrauen. Das ist ganz wichtig. Der erste Schritt ist schwer, aber es wird immer leichter. Ich habe auch in den Schulen meiner Kinder Klassenleitung und Schulsozialarbeit eingeweiht, damit sie wissen, was los ist und das Verhalten meiner Kinder einschätzen können. Mein Mann weiß allerdings nichts davon. Aber so hat mich beispielsweise eine Schule angerufen und gesagt, dass die Kinder gerade sehr bedrückt wirken. Ich merke aber gerade, was ich den Kindern alles zu Mute. Es macht mir das Herz ganz schwer. Ich habe meinem Mann heute deutlich gesagt, dass es zwei Möglichkeiten gibt: Trocken-werden und bleiben mittels zeitnahe stationärer Entgiftung und Therapie oder Trennung. Es ist hart, aber ich klappe sonst irgendwann zusammen.

    Liebe Grüße

    Matilda

    Liebe Liesel,

    ich habe mir hier gerade den ganzen Thread durchgelesen. Ich bin in einer ähnlichen Situation wie du, allerdings habe ich 3 Kinder (zwischen 11 und 7).

    Mein Mann hatte bisher kein sogenanntes Großereignis, er funktioniert nach außen astrein, aber ich ertrage es nicht mehr. Ich weiß auch, dass es so auf keinen Fall weitergeht. Eines meiner Kinder ist in psychotherapeutischer Behandlung, der Therapeutin habe ich mich geöffnet. Ich war auch bei der Lebens und Suchtberatung. Ich weiß, dass was passieren muss. Ich möchte dieses Leben nicht mehr. Aber genau wie dir geht es mir so, dass ich immer wieder Hoffnung schöpfe, aber im Prinzip wird mir jedes Mal bewusst, dass ich wieder enttäuscht werde. Ich bin gerade dabei, mir einen Plan zu machen. Ich werde demnächst eine Rechtsberatung in Anspruch nehmen, damit ich mich auf der sicheren Seite befinde.

    Ich lege dir dringend ans Herz, eine Beratungsstelle aufzusuchen. Sprechen ist so wichtig, man hat sonst das Gefühl, man hätte eine falsche Wahrnehmung.

    Die Therapeutin meines Kindes hat mir auch ein Buch empfohlen, falls du magst, kann ich dir gern den Titel nennen.

    Wenn man den Außenblick einnimmt, ist es sofort klar, wie man handeln müsste.


    Liebe Grüße

    Matilda

    Hallo Loka,


    mein Mann ist ebenfalls alkoholkrank und als ich deinen letzten Post gelesen habe, musste ich an unsere Situation denken.

    Als ich nach Hause kam, begrüßte mich mein Mann mit einen leckeren Abendessen.

    Das, was dein Mann macht, kenne ich von meinem genauso. Er hat dann Phasen, in denen er wieder mehr kocht oder den Kindern abends wieder vorliest oder sich in irgendeiner Form im Familienleben und Haushalt mehr einbringt als vorher. Wenn ich dann aber die Sucht anspreche, kommt dann immer als Reaktion, dass er doch so viel macht. Dann wird mir quasi vorgeworfen, dass ich ihn falsch wahrnehme. Und gern betont er dann, dass er sich ja viel mehr einbringt als andere Männer im Freundeskreis. Aber wie Linde sagt, kommt es nicht darauf an, sondern er muss trocken werden.


    Bei meinem Mann kommt hinzu, dass er es nicht mehr als 2 Tage schafft, nichts zu trinken. Ich glaube, dass er auch vermehrt körperliche Beschwerden hat, aber versucht es zu verheimlichen. Im Gegensatz zu euch ist es bei uns im Urlaub so gewesen, dass er täglich 2 l Bier und einen Liter Wein getrunken habe. Den Wein hat er vor mir versteckt, das habe ich dann durch Zufall entdeckt, dass er den auch noch trinkt. Er hat bereits mittags angefangen, aber die Flaschen immer so versteckt hingestellt, dass ich sie nicht gesehen habe. Seit diesem Urlaub denke ich endlich an die Kinder und mich, so will ich einfach nicht weiter leben. Aber es ist einfach auch so schwer, das konsequent durchzuziehen.


    Liebe Grüße

    Matilda

    Wenn Dein Mann nur wegen Dir zur Suchtberatung gehen will, kann er sich den Gang leider tatsächlich sparen :(

    Ja, das denke ich mir auch. Das habe ich ihm auch schon gesagt. Das Traurige ist, dass selbst die Kinder ihm gesagt haben, dass sie sich wünschen, dass er mit jemandem spricht. Sie haben ihn auch schon gefragt, ob er wüsste, dass er ein Problem hat. Er sagt dann, er hätte keines.

    Eigentlich weiß ich, was ich tun muss, aber der Schritt ist so schwer. Das Haus, in dem wir wohnen, gehört meinem Mann (Schenkung durch seine Eltern, das ist noch nicht allzu lange her. Deswegen stehe ich noch nicht mit im Grundbuch.) Sein Vater hat ein Wohnrecht. Hinzukommt, dass es sein Heimatort ist. Ich komme aus einem anderen Bundesland, meine Eltern wohnen 300km entfernt, mein Bruder mit Familie knapp 500. Zur Zeit weiß ich nicht, ob ich im Falle einer Trennung überhaupt hier in diesem Ort bleiben möchte. Ich habe zwar hier eine wirklich gute Freundin gefunden und zwei/drei weitere Freundinnen, denen ich aber (noch) nicht von der Situation berichten würde. Wir wohnen erst seit ein paar Jahren hier im Ort, vorher waren wir in einer Großstadt und wollten wieder näher an die Familie ran. Außerdem fühlen sich meine älteren beiden Kinder immer noch nicht richtig wohl hier.

    Das Ultimatum hatte beinhaltet, dass er zu seinem Vater in die Wohnung ziehen muss, wenn er sich nicht bei der Suchtberatung meldet. Mir fällt das gerade schwer durchzuziehen, weil ich nicht weiß, welchen Weg ich einschlagen werde. Ein tatsächlicher Wegzug bräuchte mehr Vorlauf und eine Wohnung hier vor Ort braucht auch mehrere Monate, Wohnraum ist hier sehr knapp.

    Vielen Dank für die schnelle Antwort, gern möchte ich mich regelmäßig austauschen.

    Ja, wenn ich darüber nachdenke, hängt es sicherlich mit dem ablaufenden Ultimatum zusammen. Ich habe es ihm verlängert, weil ich gemerkt habe, dass er wirklich beginnt, sich mit dem Thema Sucht auseinanderzusetzen. Er hat vor zwei Wochen sehr viel geweint, hat angefangen sich gedanklich mit seiner Kindheit zu beschäftigen. Er ist mit einem funktionierenden Alkoholiker als Vater aufgewachsen ist, leider lebt dieser auch noch mit uns in einem Haus. Mir war das lange nicht bewusst, dass er auch Alkoholiker ist (oder ich wollte es vielleicht einfach nicht wahrhaben). Jetzt ist es doch eher so, dass er wieder sagt, dass er sich nur bei der Suchtberatung meldet, weil ich das will. Das macht mir deutlich, dass er keinerlei Einsicht hat. Gestern hat er wieder viel getrunken, ich weiß nicht, wie viel es ist, weil er es heimlich macht. Ich rieche es nur und sehe es an seinem Verhalten.

    Für mich ist es so schwer, weil ich in den letzten 2 Wochen Hoffnung geschöpft habe, dass sich was ändern wird, aber ich nun den Eindruck habe, dass es nicht passieren wird. Mir hilft es sehr, dass ich darüber rede und nicht mehr schweige. Er weiß zum Teil gar nicht, wer alles bereits involviert ist. Dann würde er mir Vorwürfe machen, aber ich sehe, dass ich für die Kinder und mich Sorge zu tragen habe. Eines meiner Kinder ist bereits in psychotherapeutischer Behandlung, da habe ich es geschafft, mich der Therapeutin anzuvertrauen und es ist einiges in Bewegung gekommen. Aber ich sehe auch, dass mein ältestes Kind alles in sich hineinfrisst, es macht sich viele Gedanken und Sorgen und versucht es nicht zu zeigen.

    Hallo,

    ich möchte mich kurz vorstellen, ich bin 41 Jahre, verheiratet und habe 3 Kinder im Schulalter. Mein Mann ist alkoholkrank, was mir am Anfang unserer Beziehung nicht bewusst war. Ich habe es zunächst als normalen Konsum angesehen und es war zu der Zeit auch weniger als jetzt. Als unser erstes Kind auf der Welt war, ist mir zunehmend bewusst geworden, dass er ein Problem hat.

    Es ist im Laufe der Jahre immer mehr geworden, ich habe durch Reden versucht, ihn zu erreichen, und bin so mehr oder weniger in die Co-abhängigkeit gerutscht. In unserem letzten Urlaub hat er so viel getrunken, dass ich mir gesagt habe, dass es so nicht weitergeht. Ich habe mich einer Freundin anvertraut und bin zur Beratungsstelle gegangen. Meine Kinder leiden zunehmend auch unter der Situation. Ich weiß gerade nicht, wohin der Weg führt. Es ist ein ständiges Auf und Ab, ein Wechsel von dem Gefühl, dass er einsichtig wird, hin zur Enttäuschung, dass doch nichts passiert. Ich habe ihm ein Ultimatum verlängert, weil ich gemerkt habe, dass er einsichtig wird. Aber gerade habe ich das Gefühl, dass das ein Fehler war.

    Ich würde mich hier sehr über einen Austausch mit anderen freuen, die in der gleichen Situation sind.


    Liebe Grüße