Beiträge von Stromer

    Dann komm ich bei künftigen Familienfeiern auch nicht in die Situation abzulehnen, mir wird dann schon gar nichts angeboten.

    Mir wird auf Familienfeietn auch nichts mehr angeboten, da ich mitgeteilt habe, das ich keinen Alkohol mehr trinke. Für diese Entscheidung muss ich mich übrigens bei niemandem rechtfertigen.


    Ich kann mir aber jetzt schon vorstellen wie meine Mutter mich mit Argusaugen beobachten wird ob ich wirklich nichts trinke.

    So etwas möchte ich nicht, bei niemandem. Das würde bei mir Unbehagen auslösen.

    Meine Mutter weiss nichts von meiner Sucht. Muss sie auch nicht. Warum auch?

    Sie ist 85 und würde das sowieso nicht mehr verstehen. Ich habe es bisher sowieso nur ganz wenigen gesagt. Selbst ein Bruder von mir weiss es nicht. Es gibt ja auch gar keinen Grund, es zu erzählen.

    Die Welt ist sowieso nicht bereit dazu, mit einem trockenen Alkoholiker umzugehen. Hörst du auf zu rauchen, bist du der Held, hörst du auf zu trinken, bist du der Alki. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß viele total unsicher werden und mit dem einfach nichts anfangen können, sobald ich mich oute.

    Schichtarbeit ist für einen Alkoholiker gefährlich. Darauf ist damals der Doc vom Gesundheitsamt bei mir sehr drauf eingegangen. Hätte ich Schicht gearbeitet und wäre damit nicht mehr klar gekommen, hätte er mir ein Attest gegeben, damit ich das nicht mehr muss.

    Meine Trockenheit steht für mich an erster Stelle. Damit steht und fällt bei mir alles im Leben.

    Kommst Du denn mit der Schichtarbeit klar? Wurdest Du dahingehend nach der Entgiftung beraten?

    So etwas ist für einen Alkoholiker ein wichtiges Thema.

    In Träumen wird das Erlebte vom Tag verarbeitet.

    Ich habe auch schon von Alkohol geträumt und war heil froh, das es nur ein Traum war! Wenn ich das aber realisiert habe, ist mir das dann wieder egal. Denn ich achte ich ja gut auf mich und gebe mir keinerlei Spielraum.

    Seit ich trocken bin, kann ich hervorragend einschlafen, durchschlafen und meine Smartwatch zeigt sehr gute Schlafwerte an. Ich gehe recht früh in der Woche schlafen, sehe zu, das ich gegen 21:00 Uhr im Bett liege. Um 5:45 Uhr klingelt der Wecker. Ich brauche den Schlaf, damit ich tagsüber leistungsfähig und wach bin. Mir geht es dann einfach besser.

    Früher wollte ich noch gerne den Film bis 21:45 Uhr zuende sehen. Nun nehme ich ihn einfach auf und schaue ihn am Tag drauf ab 18:30 Uhr.

    Wenn ich im Bett liege, denke ich oft an das Gelesene hier und mache mir Gedanken darüber, was ich so als nächstes schreiben könnte oder antworten könne und ☆ZACK☆ klingelt plötzlich der Wecker ^^

    Früher musste ich immer bis mindestens 23:00 Uhr trinken damit der Pegel bis zum nächsten Morgen reicht. Das hat ja zum Schluss auch nicht mehr geklappt.

    Nüchtern rockt, es ist wirklich alles besser! :)

    Herzlichen Glückwunsch zu den 10 Tagen. Jeder Tag zählt und jeder trockene Tag ist ein guter Tag.

    Zu Deiner Stimmung hier hatte ich kürzlich bei mir etwas geschrieben.

    Komm erst einmal an und nimm nicht alles persönlich.

    Ich wünsche Dir alles Gute.

    Am Anfang meiner Abstinens war ich empfindlich, unsicher und schnell angegriffen. Ich habe vieles falsch verstanden oder wollte es falsch verstehen. Es gab auch Tage, da war ich einfach auf Krawall gebürstet.

    Als ich anfing, in Foren zu lesen, wurde es nicht besser. Was ich dort in Unterhaltungen gelesen hatte, empfand ich oft als Angriff und war froh, das ich nicht dazwischen hing. Ich war vorsichtig und habe es erst einmal beim Lesen belassen. Das war auch gut so denn mit der Zeit verstand ich immer mehr, was die vermeintlichen "Angreifer" meinten.

    Ich merkte, wie ich immer ruhiger wurde. Ich las auch, daß ich das mitnehmen soll, was zu mir passt, den Rest solle ich einfach liegen lassen, wie in einem Selbstbedienungsladen. Man muss nicht jeden Apfel fangen, der einem zugeworfen wird, erst recht nicht die verschimmelten.

    Ich las, das ich nicht trocken gestreichelt werden kann, das wurde noch niemand.

    Ich las, daß ich mal die Watte aus den Ohren nehmen soll und sie mir in den Mund stecken solle.

    Alles sehr provokant. Aber mit der Zeit habe ich verstanden, was damit gemeint war. Als ich dann noch die Empfehlung las, das ich, wenn mir mal etwas nicht passt und entsprechend ungehalten bin, erst mal eine Nacht drüber schlafen soll und ich das selber mal praktiziert habe und feststellte, das mit das sehr gut geholfen hat, das fühlte ich mich angekommen.

    Das alles betrachte ich als weg in meine zufriedene Abstinens. Es hatte niemand gesagt, daß es einfach wird oder leicht. Das ist auch gut so. Denn heute darf ich zufrieden und glücklich schmunzelnd zurück blicken :)

    Hallo Janine herzlich willkommen, schön das Du wieder da bist :) Hier geht es immer rund und vieles, was geschrieben wird kommt bei dem Empfänger ganz anders an, gerade ganz am Anfang wenn jemand trocken ist. Aber weisst Du was? Vieles ist vom Sender gar nicht so gemeint, wie es der Empfänger auf nimmt.

    Mir ging es am Anfang auch ganz genau so wie Dir: ich fühlte mich angegriffen, es prasselte nur so auf mich ein, wenn ich mit so mancher These oder Einstellung ankam. Irgendwann las ich bei jemandem, das er bei starken Angriffen nicht sofort drauf reagiert sondern erst einmal eine Nacht drüber schläft. Das habe ich auch so gemacht und es hat mich viel ruhiger und sachlicher werden lassen. Es tat mir in der Tat gut.

    Ich wünsche Dir hier einen konstruktiven Austausch und alles Gute. Wir werden uns hier sicher noch lesen.

    Übrigens finde ich das ganz toll, was Du mit den Katzen bei Dir da machst. Ich könnte das nicht, ich wäre niemals dafür stark genug.

    Hallo Stromer , bei mir waren die Anzeichen der Entzugserscheinungen, die ein Zeichen für körperliche Abhängigkeit sind, starkes Zittern, Schwitzen, heftige innere Unruhe, nicht essen können und trotzem Erbrechen, Schlafstörungen ... Es ist aber wichtig: auch wenn man diese Anzeichen nicht hat und evtl. (noch) keine körperliche Abhängigkeit entwickelt hat, ist die psychische Abhängigkeit ebenso gravierend, nicht zu unterschätzen, und sie bleibt ein Leben lang. So sehe ich das. Andere Meinungen lese ich gern.

    Grüße,

    ST

    Ich hatte über einen sehr langen Zeitraum sehr stark mit heftigen Entzugserscheinungen zu kämpfen. Ich war auch anfangs der Meinung, das dies körperliche Symtome sind.

    Beim genaueren Betrachten, sind das aber alles Symtome, die aus dem Kopf und zwar vom Suchtgehirn kommen, welches sich bei mir gebildet hat und das auch Einfluss auf Dinge genommen hat, die ich gar nicht selber steuern konnte:

    Mein Gehirn hat den Befehl gegeben, meinen Puls in die Höhe zu treiben wohl ich mich nicht angestrengt habe, es hat meine Hände Zittern lassen obwohl mir nicht kalt war, es hat mir sehr starke Gelenk und Gliederschmerzen zugefügt, obwohl ich gar nicht verletzt war aber es gab auch eine sehr starke innere Unruhe in mir erzeugt und mir war oft schwindelig wofür es auch keinen Grund gab. Doch, es gab für alles einen Grund: Mein Suchtgehirn wollte die harte Droge Alkohol und zwar sofort.

    Für mich sind diese geschilderten körperlichen Symtome keine echten körperlichen Symtome weil sie im Suchtgehirn entstehen. Meiner Meinung nach gibt es gar nicht die psychiche und die physiche Abhängigkeit, es ist beides das selbe. Ich kann nicht nur Psychich oder nur Physisch abhängig sein. Wenn ich ein Alkoholiker bin, dann bin ich ein Alkoholiker und zwar zu 100%, ich kann nicht ein bisschen abhängig sein. Alkoholismus geht auch nicht mehr weg, ich muss für den Rest meines Lebens dafür sorgen, daß ich nicht mehr trinken muss, wen ich leben möchte. Das geht und zwar sehr gut, auch wenn ich mir das anfangs nicht vorstellen konnte. Heute darf ich wieder glücklich und zufrieden leben. Das wünsche ich Dir auch.

    Ich war nicht in einer solchen Situation, das ein sehr wichtiger, naher Mensch geheiratet hat, als ich gerade trocken wurde aber eins weiss ich ganz genau: ich wäre nicht auf die Hochzeit gegangen. Für mich gibt es nichts wichtigeres als meine Trockenheit, die steht für mich an allererster Stelle. Ich hätte mich nie einer solchen Gefahr ausgesetzt, erst recht nicht mit Ansage.

    Ich habe grossen Respekt vor meinem Suchtgehirn, welches heute recht gut schläft. Aber selbst jetzt sammelt es, wenn ich es sammeln lasse. Lasse ich aber nicht. Und darum lässt es mich auch zur Zeit in Ruhe.

    Ich habe keine Kontrolle über mein Suchtgehirn, wenn es erst mal wieder wach ist denn das bin schliesslich ich mit meinem Denken, in dem Fall dann wieder nassen Denken, wenn es wieder wach wird. Ich hätte viel zu grosse Sorge, wenn es wegen der Hochzeit wieder die Kontrolle irgendwann nach der Hochzeit über mein Handeln übernimmt.

    Letztlich kann Dir aber niemand sagen, was Du tun sollst oder nicht. Es ist schliesslich Dein selbstbestimmtes Leben. Du kannst machen, was Du willst. Aber denk daran: es bleiben 10% im ersten Jahr trocken. Und von den 10% werden im Laufe der Jahre noch jede Menge rückfällig mit allen Konsequenzen. Von denen hatte das ganz sicher niemand absichtlich vor. So etwas kommt sehr oft von Selbstüberschätzung.

    Ich wünsche Dir alles Gute.

    Ich kann sooo unendlich gut Dich verstehen und fühlen!!! Ich war 6 Monate trocken, da hatte mein Stromer plötzlich wie aus dem Nichts aufgehört zu fressen. Er war schon mal schluchig und ehr schwerfuttrig. Ich dachte mir nichts dabei. Als er am Tag drauf auch seine Leckerlies verweigerte, bekam ich Panik und bin gleich in die Tierklinik mit ihm. Dort stellte man fest, daß er einen Tumor im Bauch hat, der schon gestreut hatte und die Nieren befallen hatte. Wegen der schlechten Nierenwerte wurde ihm schlecht und er hat nicht mehr gefressen.

    Er ist uns 4 Jahre vorher zugelaufen da war er ca. 1 Jahr alt. Damals hatte er dem Igel das Futter weggeschleckt. Er war am Limit, voller Flöhe, Zecken und Exeme und nur ein Knochengestell mit Fellüberzug. Mit einer List habe ich ihn eingefangen, ab zum Tierarzt: Kastration, Entflohen, Entzecken und die ganz grosse Untersuchung. Danach musste er 24 Stunden bei uns drin bleiben. Davor hatte ich Angst, dachte ich doch, das er die Wohnung zerlegt. Das war ja ein wilder. Aber nein, er war sofort lieb und ist dann bei uns geblieben. Ich habe eine innige Beziehung zu ihm aufgebaut allerdings wurde er der Kater meiner Frau. Sie hatte bis dato Katzen gehasst. Das war Stromer aber total egal und es hat nur kurz gedauert, da hatte er sie um die Pfote gewickelt. Er war wunderschön und so lieb. Mit ihm wurde ich auch trocken. Und dann, 6 Monate später diese Diagnose. Ich hatte ihn noch 4 Wochen pallitativ begleitet, ich konnte einfach nicht Loslassen. Zwischendurch blühte er noch einmal auf, dann konnte er aber nicht mehr ;( Ich auch nicht. Ich habe ein Jahr so getrauert. Meine Frau wollte keine Katze mehr aber sie hat irgendwie nach 12 Monazen gemerkt, daß ich aus meinem Loch nicht mehr raus kam. So stimmte sie letztendlich zu, das wir einen neuen Kater bekommen. Ich wollte aber wieder einem neuen Kater eine Chance geben, es sollte ein schwieriger Fall sein, den sonst keiner haben wollte. So habe ich die Tierheime im Umkreis abgeklappert und bin auf meinen Aiko gestoßen. Es war auch ein wilder der nur ins Tierheim kam, weil er einen grossen Tumor auf der Nase hatte. Dieser wurde entfernt und seit dem war er im Tierheim. Er war recht aggressiv und galt als nicht vermittelbar weil er auch nun nur noch ein Nasenloch hat. Man wollte mich allerdings nur zu ihm lassen, wenn gleich 2 Tierheimmitarbeiter dabei waren um "Unfälle" zu vermeiden. Mit meiner Frau standen dann 4 Menschen um dieses gestresste Tier herum. Das konnte ja nichts geben. Nach längeren quängeln meinerseits durfte ich auf meine Verantwortung dann noch einmal alleine zu ihm. Ich habe dann mit ihm ausgiebig ausdiskutiert, ob er da raus will und als ich wieder ging, kam er hinter mir her und als ich mich umdrehte, hielt er sein Köpfchen so süss 45 grad schräg. Da war es um mich geschehen! Ich habe ihn mitgenommen und nach nur einem Monat ist er angekommen. Nach ein paar Wochen wurde seine Nase plötzlich so komisch schief. Wir sind wieder zum Arzt und der stellte fest, daß der Tumor wiederbekommen ist. Die Nase ist so filigran, dort ist es so gut wie unmöglich, den Tumor restlos wegzuschneiden. Wir haben ihn wieder operieren lassen. Parallel habe ich mich über Chemo und Bestralung erkundigt aber ich habe niemanden gefunden, der mir gesagt hat, daß dies für ihn sinnvoll wäre. Aiko liegt gerade neben mir. Es geht ihm zur Zeit wieder gut. Sehr gut sogar. Er hat hier ein traumhaftes, selbstbestimmtes Katerleben. Er darf alles. Ich weiss nicht, wie lange ich ihn noch haben darf. Meine Frau hat schon gesagt, daß er vorerst unser letztes Tier sein wird. Schauen wir mal. Ich genieße die Zeit mit ihm. Hätte ich ihn nicht genommen, würde es ihn jetzt sicher nicht mehr geben. Im Tierheim hätten sie ihn mit der Prognose sicher nicht noch mal operiert. Ich glaube ganz fest daran, das er gesund bleibt, dieser Tumor nicht gestreut hat und nicht mehr wieder kommt. Die letzte OP ist nun über 6 Monate her und man sieht noch nichts neues.

    Ich bin die ganze Zeit trocken geblieben und es war für mich nicht eine Minute eine Option, wieder zu trinken. Es hätte ja gar keinen Sinn gemacht, wäre ja nichts besser geworden. Im Gegenteil.

    Lass Dir Zeit mit Deiner Trauer. Das hatte ich auch gemacht. Ich war sogar krankgeschrieben und hatte in der damaligen Langzeitterapie wochenlang mich entschuldigt da ich wusste, daß ich darüber reden soll, es aber nicht konnte und auch nicht wollte. Es stimmt aber, das die Zeit Wunden heilt. Mein Stromer steht nun in einer kleinen, unscheinbaren Pyramide im Wohnzimmer mit 2 Bildern von ihm neben ihm. Er wird für immer in meinem Herzen bleiben, wie auch die vielen anderen Kater und Katzen, die ich in meinem Leben hatte. Sie waren allesamt für mich ganz besonders. Familie eben.

    Oh Lebensmut74 ich verstehe Dich soooo gut! Ich war schon hier angemeldet, als mein Seelentier, mein Kater Stromer der auch erst 5 Jahre alt war, gehen musste. Ich war im ersten Sommer trocken und soooo froh, das ich die letzte Zeit mit ihm noch bei vollem Bewußtsein erleben durfte! Als er dann in meinen Armen eingeschlafen ist, hat sich für mich die Welt aufgehört zu drehen. Ich hatte ihn einäschern lassen, er steht nun in einer kleinen, unscheinbaren, weissen Pyramide im Wohnzimmer mit 2 Bildern von ihm daneben. Nach einem Jahr der Trauer, habe ich nun wieder einem Kater das Leben gerettet. Ich weiss nicht, wie lange er noch leben wird aber das Leben, was ich ihm bisher schenken durfte, das war für ihn sicherlich paradiesisch. Er räckelt sich gerade neben mir. Ich hoffe so sehr, das er noch eine lange Zeit bei uns haben darf. Ich glaube einfach fest daran.

    So soll es auch bei Deinem Kater sein. Solche Werte können alles mögliche sein. Warte erst mal ab, was die Klinik sagt. Ich wünsche Dir und vor allem Deinem Kater alles Gute.

    Ich habe sehr viele Interessen, unternehme sehr viel und bin allgemein ein begeisterungsfähiger Mensch. Diese Eigenschaft hat mir beim trocken werden sehr geholfen. Ich war vor der Entgiftung fast nicht mehr in der Lage, diesen Hobbys uns Interessen nachzukommen. Es war für mich ein tolles Gefühl, wieder voll da zu sein und diesen nachgehen zu können. Es ist sicherlich sehr von Vorteil, nach der Entgiftung sehr genau zu wissen, was ich mit mir anfangen kann und mich in dieser Hinsicht auch gut vorzubereiten. Denn sicherlich ist nichts für einen gerade trockenen Alkoholiker gefährlicher als Langeweile.

    Ich war im ersten trockenen Jahr nicht streng mit mir, was das Essen betraf. Ich habe mir süßes gegönnt und Cola getrunken. Durch weglassen des Alkohol habe ich so viele Kalorien gespart, da war das nicht so schlimm. Im Jahr darauf wurde ich wieder strenger mit mir. Ab da habe ich kontinuierlich abgenommen, ohne etwas dazu beizutragen. Am Anfang hatte ich aber alles, wirklich alles auf meine Abstinens ausgerichtet und geschaut, das es mir dabei gut geht und ich mich wohl fühle.

    Daher legen doch viele funktionierende Alkoholiker meines Erachtens nach so einen großen Wert darauf, dass es zumindest bei der Arbeit noch so einigermaßen läuft (wenn schon alles andere dem Abgrund zusteuert oder man schon einen Schritt weiter ist - z.B. Trennung, soziale Isolation etc.). Und sagen nichts.

    Was andere machen, interessiert mich nicht. Ich kann auch immer nur für mich sprechen. Das erste, was ich gelernt hatte, als ich trocken wurde war, daß ich nur eine kleine Chance habe, trocken zu bleiben. Diese habe ich nur unter Anderem, wenn ich zu mir und zu anderen 100% ehrlich bin. Dafür muss ich aber anderen nicht sagen, das ich Alkoholiker bin. Ich muss aber auch nicht lügen.

    Ich bin für das Unternehmen, in dem ich arbeite, wertvoll. Ich werde gebraucht, sonst würde ich dort nicht arbeiten. Natürlich hat mein Vorgesetzter und mein Chef ein starkes Interesse daran, das ich weiterhin die Leistung bringe, die von mir gefordert wird. Deshalb hat wollte er ja mit mir sprechen. Dem bin ich zuvor gekommen. Ich habe wirklich sehr vorbildliche, professionelle Hilfe von Seiten meines Chef erhalten. Heute zahlt sich das für ihn aus. Ich würde immer wieder so handeln.

    Ach bitte, bleiben wir doch auch ein wenig realistisch! Wenn ich als Arbeitgeber weiß, wohin (Ort, ich brauche nicht mal die Anstalt wissen) die Kur oder Reha geht, dann kann ich mir schon denken, was der Mitarbeiter hat. Vielleicht ist das in einer Großstadt anders, aber auf dem Land oder im ländlichen Raum läuft es dann doch etwas anders.

    Überhaupt würde ich bei der Arbeit sehr vorsichtig sein, was ich wem sage.

    Ich gebe Dir damit recht, daß ich auf der Arbeit vorsichtig bin, wem ich was sage.

    ABER: Meinem Chef habe ich sofort gesagt, was los ist, als ich vom Arzt kam, mit dem Hinweis, das es sein kann, daß ich länger ausfallen werde. Er hatte sowieso schon eine Ahnung, meine Leistungen sind die letzten Monate dramatisch eingefallen. Er hatte sowieso schon vor, mit mir zu sprechen, was mit mir los ist.

    Mir wurde dazu geraten, meinen Chef ins Boot zu holen und ich habe durchweg positive Rückmeldung bekommen. Ich bekam eine super Unterstützung von der Firma. Bis heute.

    Hätte ich einen Chef oder Vorgesetzten, bei dem ich damit rechnen müsste, das er meine Krankheit für mich zum Negativen dreht, würde ich allgemein mein Arbeitsverhältnis dort hinterfragen.

    Ich schließe mich Kazik 100% an. Ich habe am Anfang auf wirklich alles verzichtet, was mich nur annähernd an Alkohol rangeführt hätte!

    Weisst Du, Mattie Dein Suchtgedächnis, ich nenne es mittlerweile Suchtgehirn, da es mir ja meine Kontrolle genommen hat, ist am Anfang noch sehr aktiv. Ich würde an Deiner Stelle wirklich alles lassen, was mich nur im entferntesten triggern würde. Denn was passiert, wenn es schief geht: Du fängst wieder an zu trinken und die Erfahrung sagt, das es nach einem Rückfall viel schlimmer wird.

    Ist es dieses Risiko wirklich wert? Das würde ich an Deiner Stelle immer abwägen.

    Ich wollte damals der ganzen Welt heraus pusaunen, das ich Alkoholkrank bin, die sollten mich alle bloß mit dem Zeug in Ruhe lassen.

    Davon wurde mir sowohl von dem Arzt, wie auch von der Suchtberatung abgeraten denn: Hörst du auf zu Rauchen, bist du der Held, hörst du auf zu trinken, bist du der Alki, der unter der Brücke pennt.

    Die Gesellschaft kennt Alkoholismus nicht und hat ein vollkommen falsches Bild von dieser Krankheit. Sie sehen nicht die Rechtsanwälte, Ärzte usw die schon längst über das normale Trinken hinaus sind, sie sehen nur den Obdachlosen, der wahrscheinlich gar kein Problem hat, weil er sich gar keinen Alkohol leisten kann.

    Ich habe gelernt, immer ehrlich zu sein und bei mir zu bleiben. Ich brauche keine Ausreden. Wenn ich nicht trinken möchte und mir wird etwas angeboten, dann lehne ich ab. Ich bin dafür keine Rechenschaft schuldig. Ich besorge mir auf Veranstaltungen selber etwas, dann werde ich erst gar nicht gefragt. Ich bin so bisher wunderbar zurecht gekommen.

    Mein engstes Umfeld weiss von meiner Erkrankung und mein Chef. Mehr nicht. Die es nicht wissen, hat das aber auch nicht zu interessieren. Bin ja schliesslich nicht ansteckend.