Beiträge von koda

    hallo liebe jump!, deine zeilen lesen sich so ehrlich, so tapfer, reich, an gedanken, an gefühlen, auch wenn du das vielleicht grad gar nicht wahrnehmen kannst, aber das ist ein schatz, wert zu bewahren. Wenn man so durchgeschüttelt wird vom Leben, wird man ein bisschen durchsichtig, und läuft langsamer, bedachter. Ja man ist angreifbarer. Widerspricht sich (ist das schlimm?), tastet sich heran, an das eigene Innenleben, stösst sich den Kopf, läuft weiter. Bleibt stehen, überlegt, macht Licht an, halt der Schalter geht nicht, aber da, in einer Ecke ist Licht. Dann darüber. Erst mal setzen. Durchatmen.

    Das Gute ist, du bist nicht alleine. In deinem Inneren nicht (vermute ich) und hier auch nicht. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß der Schmerz wenn er kommt, die eigene Wahrnehmung schärft, das kann sich furchtbar anfühlen, weil einem alles wehtut, aber es steckt auch eine große Kraft darin, die des Neuanfangs.

    Das Meer mag helfen. Der Himmel auch.

    Die Geschehnisse dieses Jahres zappeln in mir wie unruhige Schatten. Oft Bilder, die dann zu anderen früheren springen, ein innerliches Fadengewirr. Dürfen die sein, muss ich alles loswerden, vergessen? Den Kontakt zu xy habe ich stark reduziert, kann aber nicht verhindern, daß meine Gedanken oft zu ihm wandern. Wie geht es ihm? Trinkt er immer noch nicht? Ich frage nicht (mehr) genauer nach. Das sehe ich als mein ganz persönliches co-abhängiges Denk- und Verhaltensmuster an: es besser zu wissen als der Süchtige selbst. Da will ich nicht mehr zurück.

    Ich spüre ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis. Hatte ich nie... Jetzt ist es da, es sagt mir, kümmer dich um dich selbst. Sorge dafür daß es dir gut geht. Kein anderer wird das für dich erledigen. Habe das Bedürfnis aufzuräumen, zu sortieren, im Außen und im Innen. Mein Zuhause so zu gestalten, daß ich Dinge wiederfinde, da bin ich eigentlich nicht so gut drin. Aber vielleicht kann sich das ja auch verändern. Die Erzählung über mich selbst, in was ich gut oder nicht gut bin.

    aber irgendwann platzt mir ja auch mal der geduldsfaden und dann wird gestritten

    Lieber stu, das klingt nach einer potentiell geladenen atmosphäre zuhause. Such dir hilfe. Kontrollverlust kann gefährlich werden für euch alle. Und es ist ja auch schon was passiert. Der sozialpsychiatrische dienst ist eine gute anlauftstelle.

    Euer fokus wird vom alkohol bestimmt, bloss in entgegen gesetzte richtungen. Sie wartet auf die trinktage, du auf die nicht trinktage. Jeweils dann gehts euch besser, das muss clashen. In so einer konstellation kann es kein gemeinsames wir schaffen das geben. Du kannst auf dich schauen. Was brauchst du von dir, um ein gutes Leben zu führen?

    Ups dss hat sich überschnitten, ich hatte mich auf deine posts davor bezogen. Staffelstab übergeben, bloss nicht, da bugsierst du ja den nächsten in die spirale.

    Eigentlich hast du deine Grenzen auch schon verschoben. Du schreibst

    Da war für mich ein Kipp-Punkt erreicht. Ich sagte ich kann die Beziehung so nicht fortsetzen. Sie müsse zumindest eine ganze Weile erstmal gar nichts trinken, damit ich sehe, dass sie überhaupt ohne kann.

    Die Grenze war (eigentlich) erreicht. Du hast sie formuliert - es geht so nicht weiter - dir/euch aber auch eine Hintertür eingebaut, indem du für sie die Option einer längeren Trinkpause eingebaut hast. Daraus wurde also eine Trinkpause, - für euch beide. Danach ging es also etwas verändert weiter, und wurde wieder unentspannt.

    Große Trinkmengen, Exzesse, heimliches Trinken, was genau hat dich damals gestört, daß du es als Kipppunkt empfunden hast?

    Ich habe irgendwann 2022/2023 versucht aktiver gegenzusteuern und eingefordert, dass wir beide an weniger Tagen trinken.

    Aus dem Kippunkt wurde also ein Kompromiss, und damit eine Grenze verschoben. Deine. Aus einem -so gehts nicht weiter- wurde ein "Mittelding".

    hi momo, ich habe von anfang an bei dir mitgelesen und ich erinnere mich noch, dass mich deine ersten zeilen ziemlich in die magengrube getroffen haben, zu der Zeit steckte ich selbst mitten in einem helfermarathon und konnte zusehen, wie es Woche für Woche schlimmer wurde . Zu der Zeit steckte ich selbst in einer vertrackten Lage und hab Klarheit für mich gesucht. Wir haben uns ziemlich zur gleichen Zeit angemeldet, hab eben noch mal nachgeschaut.

    Ich habe auch das Gefühl, mich grade auf dem Weg zu befinden, in Bewegung, es ist ein gutes Gefühl. Manchmal habe ich Muskelschmerzen im übertragenen Sinne, aber ich finde gerade Wege mich sowohl im Außen als auch im Inneren zu strukturieren, was mir nie leicht gefallen ist, mir aber zur Zeit eine Menge Sicherheit gibt, und mir nicht mehr so Angst macht wie früher. Die Auseinandersetzung mit der Alkoholsucht sowohl meines Vaters als auch von xy, vorallem aber das Befragen meiner eigenen Rolle darin hat mich auch ein gutes Stück auf meinen Weg geschoben.

    Jetzt sind die Zeilen grade mehr zu mir als zu dir, aber in dem Gefühl was du beschreibst und der Bewusstheit habe ich mich ein Stückweit wieder erkannt, das wollte ich mit dir teilen.


    Liebe Grüße koda

    Wohin nr 3 führt kannst du hier dutzend, ne hundertfach nachlesen, für angehörige wie für trinkende geht die suchtgeschichte stetig bergab. Aus einem aushaltbaren mittelding - was soll das überhaupt sein? - der leidensdruck ist doch schon recht groß sonst hättest du dir das nicht alles so von der gestressten leber geschrieben, also jedenfalls das mittelding wird über kurz oder lang ein ausgewachsener albtraum. Den können sich aber beide seiten viele jahre schön reden.

    Nr2 versuch der gemeinsamen abstinenz. Da zucke ich zusammen. Versuchen klingt nach halbherzigem, eigentlich würde ich gerne weitertrinken.

    Die Alkoholiker hier im Forum sind trocken, d. h. sie trinken gar nicht.

    Und teilweise auch Angehörige. Ich trinke seit gut einem Jahr nichts mehr, weil mich meine Erlebnisse mit einem nassen Alkoholiker so runtergezogen haben, daß ich gar keine Lust mehr auf Alkohol habe. Und ich war davor auch eine Genusstrinkerin. Zu sehen, wie sich jemand an den Rande des Todes säuft, hat mich ziemlich erschüttert. Kontrolliertes Trinken funktioniert nicht. Und es ist auch sehr nervenaufreibend, merkst du ja auch. Weil sich euer Alltag danach richten muss. Mit dem ständigen Risiko daß alles auseinanderfliegt.

    Achso und deine andere Frage: Reicht es nicht wenn du dich innerlich löst? Das Innere braucht ein Außen, eine Form. Wie ein gebrochenes Bein, was geschient wird, damit es gut wieder zusammenwachsen kann.

    Ist es nicht zu hart jemanden zu blockieren? Ich habe da meine Werte für mich. Ich war es ja alles selber mit Schuld dass es soweit gekommen ist. Reicht es nicht wenn ich mich in meinem Inneren von allem loslöse?

    Hi Korli, ich wollte auf deine Frage(n) noch mal eingehen. Ich finde du hast JEDES Recht sie zu blockieren. Ihr Verhalten während eures Zusammenseins hat dich verletzt, enttäuscht, die Tragweite, also Auswirkungen auf dich kannst ja nur du ermessen, aber deine Posts klingen, als hättest du eigentlich die Schn.... gestrichen voll. Du hängst allerdings emotional auch tief drin, und deine Fragen zielen darauf ab, ob es nicht doch irgend wie irgendeine Möglichkeit gibt sie zurückzubekommen.

    Kannst du ja auch jederzeit, sowiesie jederzeit trinken kann. Der Sucht folgen macht extrem unfrei, aber es befriedigt ja auch ein existentielles Bedürfnis, sonst wärs ja auch nicht so schwer. Ich sehe das Blockieren in erster Linie als Selbstschutz. Was sie damit macht ist völlig egal, aber dir gibst du einen Rahmen, in dem du wieder zur Ruhe kommen kannst.

    Was hast du für Werte? Die Frage ist doch wichtig, relevanter auch als die Schuldfrage (die schickt dich bloss im Kreis herum), aber was uns wichtig erscheint, ist das was uns handeln lässt, so empfinde ich das. Schuld ist eher ein Wertesystem das von außen kommt, das Wertesystem was mir meine Eltern mitgegeben haben war ein extrem starres Korsett, ich habe deswegen auch immer wieder mit Schuldfragen zu kämpfen, (oder fühle mich verantwortlich an Stellen, wo ich es gar nicht muss).

    Was ist dir wichtig, für dich? Bei der Frage taucht sie doch gar nicht auf, denn da gehts um dich. Bei der Schuldfrage hingegen, gehts um Versagen, oder was weiss ich noch alles. So ein paar Gedanken zum Abend.

    Nummer löschen heißt es erschwert auch dir den zugang zu ihr. Du selbst hältst das risiko geringer rückfällig zu werden, wie zB. ihr nachrichten zu schicken, die du hinterher bereust. Warum ihr raum geben, der dir nicht gut tut?

    Guten Morgen, gut das alles noch da ist. Ich hatte ein ungutes Gefühl vor ein paar Tagen, und habe fast schon damit gerechnet. Hoffe, es war nicht zu stressig. Eigentlich kann sowas doch immer passieren oder? Ich dachte zwischendurch aber auch es liegt an mir oder meinem veralteten System.

    Hi korli, lieb und nett machen weder einen guten Menschen noch einen Partner auf Augenhöhe aus. Offensichtlich kann die selbe Person dich nämlich belügen, beschimpfen, dich hintergehen. Alles neben der Tatsache, daß sie offensichtlich nicht bereit ist aufzuhören zu trinken. Zweimal hast du sie bereits begleitet. Es tut mir leid, wenn ich das jetzt so hart schreibe, aber worauf wartest du? Auf eine liebe nette Frau, die dich mies behandelt?

    Der Tiefpunkt: ist bei jedem anders, und bei vielen kommt er auch einfach gar nicht. Und ich formuliere das jetzt mal sucht unabhängig. Warum jemand sich in eine Sache, eine Substanz, in einen Menschen bis zur völligen Selbstaufgabe verbeisst, ist irrational, und für das Umfeld nicht zu verstehen, geschweige denn zu ändern. Ob du gerade "nur" starken Liebeskummer hast, oder dich in emotionaler Abhängigkeit zu ihr befindest, kannst nur du wissen, und auch nur du verändern.

    Die Frage bleibt: was kannst du tun, um dich abzulenken, und dich wieder mit dir selbst zu beschäftigen, zurück zu dir zu finden. Die eigenen Gedanken umzulenken ist mir in solchen seelischen Notzeiten auch immer schwer gefallen, Die Gedanken und Sehnsüchte denken sich fast von alleine, halten einen gefangen. Sich da hinaus zu bewegen ist nicht einfach. Trotzdem gibt es Techniken, man kann es üben. Nimm einen Stift, fang an zu schreiben, schreib dir deine Wut, Trauer von der Seele. Und dann mach was anderes, geh raus, lass das Handy zuhause. Nimm wahr, was da draussen ist, Stück für Stück raus aus dem eigenen Käfig.

    Bleib dran.

    Ich habe ihm gestern vor Wut einmal alles ins Gesicht gesagt, was ich von ihm halte. Allen voran, dass er ein Feigling ist, der sich lieber betäubt als seine Themen anzugehen.

    Oder steckt dahinter die Hoffnung/Absicht, daß du ihn nur ganz empfindlich treffen musst, damit er doch zur Einsicht gelangt? Kann auch sein, daß er nur nüchtern gewirkt hat. Wenn er nüchtern gewirkt hat, kann es auch gut sein, daß er trotzdem schon einen Pegel hatte. Das war für mich eine heftige Erkenntnis dieses Jahr, daß es bei entsprechender Abhängigkeit gar kein Nüchternsein mehr gibt, unter Umständen. Kränkungen können auf jeden Fall nach hinten los gehen, und im Zweifel bist du ihm körperlich unterlegen.