Beiträge von Nayouk24

    Hallo Schmidtty,

    Das kann ich gar nicht so genau sagen.
    Am Anfang gab es mal den ein oder anderen fragenden Blick.
    Es ist sicher heute so, dass nicht in Frage gestellt wird, ob ich nüchtern bin.
    Bis mir wieder richtig vertraut wird, wird es sicher noch eine Weile dauern,
    wenn überhaupt das Ursprungsvertrauen zurück kommen kann.
    Dazu habe ich zu viel getäuscht, verheimlicht und gelogen.
    Da ist viel kaputt gegangen in den vielen Jahren und ich kann nicht erwarten,
    dass das innerhalb von 7 Monaten oder in einem Jahr wieder ins Lot kommt.

    Meine Frau war bis auf eine Zeit am Anfang, als sie erkannt hat, das ich zu viel trinke, nie in der CO Rolle.
    Ich denk das setzt sie heute fort und hofft, dass es bei mir dabei bleibt.
    Dass sie wahnsinnig enttäuscht wäre, würde ich wieder trinken, ist ein anderer Punkt.
    Sie nimmt sehr wohl war, dass ich mich mit meiner Alkoholkrankheit täglich hier im Forum auseinandersetze
    und das ich achtsam und vorsichtig bin und ich mich in meiner Haltung geändert habe.

    Mehr kann ich nicht erwarten.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Hallo Schmidtty,

    Danke für deine Antwort .

    Du hast auf meine Frage geantwortet und hier ja einige Antworten bekommen, mit denen du dich bestimmt auseinandersetzten wirst. Ob für dich im stillen Kämmerlein oder hier im Forum bleibt natürlich dir überlassen.

    Ich habe mir deinen Thread noch mal durchgelesen, auch den Anfang aus 2022. Wenn ich es richtig verstanden habe, bist du seit Juli 2023 trocken, warst in Reha und kämpfst heute noch immer mit wiederkehrendem Suchtdruck.


    Ich stelle mir die Frage, warum das so ist? Irgendetwas läuft doch gehörig schief oder nicht so wie es sein sollte. Den bekannten Satz „nur nicht trinken reicht nicht“ erweitere ich mal in „nur nicht trinken und ablenken reicht nicht“.

    Ich kann erst auf sieben Monate zurückblicken aber ich weiß, dass ich im Verstehen der Alkoholsucht und in der Veränderung meiner Haltung, wie ich mein neues Leben leben will, bis jetzt einen kontinuierlichen Prozess durchlaufen habe und der ist auch noch nicht zu Ende.
    Vielleicht hilft es dir deine Veränderung seit 2023 bis heute einmal zu reflektieren. Es könnte helfen zu erkennen, warum du in dieser Endlosschleife fest hängst.

    Whitewolf hat Punkte mit Fragen versehen. Die Antworten darauf könnten ein Anfang für dich sein um besser zu verstehen.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Ich hab so viele Entgiftungen hinter mir, immer das gleiche Spiel und sobald ich wieder draußen war, ging das Elend weiter.

    Eigentlich ist es egal, wie viele es waren. Sie gehören alle zu deiner nassen Zeit. Heute bist Du wieder am Anfang Deines richtigen Weges.

    Du bist bald einen Monat nüchtern und das ist so wertvoll.

    Deine Erfahrungswerte habe ich zum Glück nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass es genau hier wichtig ist tiefer rein zu hören, was die Gründe für die vielen Entgiftungen waren.
    Du hattest gestern Suchdruck. Wie hast du dir geholfen? Gemeldet hast du dich hier nicht?
    Du meldest dich morgens und den Rest des Tages machst du mit dir selber aus. So empfinde ich es, aber vielleicht liege ich da auch falsch.


    Ich war nach vier Wochen physisch und psychisch noch sehr labil. Das Forum hier ist meine Hauptsäule für die Stabilisierung meiner Abstinenz.
    Sich mitteilen, niederschreiben, die Gedanken zu sortieren, die Beiträge und Reaktionen aus dem Forum zu reflektieren und zu verarbeiten, das hat mir sehr geholfen.

    Viele Grüße
    Nayouk

    Guten Morgen Bobby,
    Ja, es ist schlimm.

    Aber jetzt bist du auf einem neuen Weg Und du bist ehrlich zu dir und den anderen. Das finde ich klasse.
    Es wird sich zeigen, wer noch Interesse an dir hat und umgekehrt.

    Manchmal kommen mir Gedanken von Situationen, wo es mir kalt den Rücken runter läuft.
    Das immer wieder erinnern und nicht vergessen gehört für mich dazu.

    Ich wünsche dir einen schönen nüchternen Tag.

    Viele Grüße
    Nayouk

    🙂ja auch das merken sie und zeigen es auch. Wir haben 2 Freigänger und der eine verrenkt sich immer was und hat dann Schmerzen, was Katzen ja mit sich ausmachen. Er ist der Starke, der Kämpfer, ist manchmal tagelang unterwegs. Er war schon 2x bei einer Physiotherapeutin. Das genießt er sehr und danach ist er das liebste Kätzchen auf der Welt.
    Also: jedem seine Therapie😉

    Zu viel in der Vergangenheit kramen ist für mich (!) nicht mehr zielführend.

    Ja, das muss jeder für sich selbst entscheiden.
    Therapie heisst für mich nicht nur, dass das ganze Leben auf mögliche Ursachen für das Saufen durchforstet wird.
    Die Festplatte muss für die notwendige Lebenseinstellung und Lebensstruktur neu beschrieben werden.
    Die Therapie hat mir geholfen, dafür offen zu sein und und mir einen Weg aufgezeigt. Ich habe gelernt, wie ein paar Sektoren und Spuren neu beschrieben werden können.
    Das hat mir für meine eigene weitere Nachsorgearbeit geholfen. Darauf konnte ich aufbauen.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Ich war stationär in einer Therapie, die ersten 4-5 Tage Entgiftung, dann 3 ½ Wochen Entwöhnung.
    Das Besondere daran war, dass die Therapie am 3. Tag mit meinem ersten Einzelgespräch startete, zu einem Zeitpunkt, als die körperlichen Entzugserscheinungen langsam schwanden, ich aber psychisch ziemlich am Boden war. Zu einem Zeitpunkt, als meine Psyche ein zusammengeknülltes Blatt Papier war. Die Therapie habe ich so empfunden, dass das Papierknäul durch den zeitigen Start der Therapie jeden Tag ein Stück mehr sorgfältig auseinandergefaltet wurde, bis ein knittriges beschriebenes Blatt da lag. Ab dem Zeitpunkt war ich psychisch nackt, wehrlos, verwundbar und verletzlich aber auch offen und ehrlich zu mir selbst. Das war so nach 1 ½ bis 2 Wochen.

    Dann hat mein Therapeut mit mir das Blatt wieder zu einem Kelch geformt, wie der Blütenkelch einer Pflanze. Die Außenhaut der Blüte war immer noch knittrig. Beim Beschriebenen wurde das notwendigste zurechtgerückt, das meiste ist erstmal unbesehen geblieben, dafür war die Zeit zu kurz.
    In diesem Zustand bin ich nach 4 Wochen entlassen worden.
    Einpaar Tage später habe ich mich hier angemeldet.

    Die Entscheidung für diese Klinik und diese Therapie habe ich selbst getroffen. Ich hatte dazu keinen Kontakt mit einem Arzt. Das wiederum aus falsch verstandener Scham, wie ich heute weiß. Wenn schon Entzug, dann weit weg, wo mich keiner kennt.

    Zuvor hatte ich mich über Alkoholismus informiert, mit dem Ergebnis, dass mir klar war, dass ich das nie und nimmer alleine schaffe. Und ich wusste auch, wenn ich einen Entzug mache und dann bis zu einer Therapie alleine gelassen werde, wird das nicht erfolgreich sein. Ich musste mir jegliche Möglichkeit nehmen, den eingeschlagenen Weg wieder verlassen zu können. Am Ende kam dies zusammen mit dem körperlichen und psychischen Ende dessen, was ich aushalten konnte.

    Dann habe ich in der Klinik angerufen, ein paar Tage später war ich da. Ich habe bis dahin weitergetrunken, das wurde mir auch von der Klinik dringend angeraten.
    Dazu muss ich sagen, dass es eine Privatklinik war und meine KK ¾ der Kosten übernommen hat.
    Dadurch ging es so schnell und ich war privat in der glücklichen Lage, dass ich keinem mehr Rechenschaft über meine Abwesenheit von 4 Wochen ablegen musste, außer natürlich meiner Familie.

    Ob eine Therapie sinnvoll ist, ob sie mehr Erfolg verspricht usw. hängt aus meiner Sicht ganz von den individuellen Umständen und Bedürfnissen ab. Ich hatte bis dato in meinem Leben keinen Kontakt zu Psychotherapien, habe sie eher für nutzlos gehalten. Besser, ich konnte damit nichts anfangen.
    Heute hat sich mein Bild um 180 Grad gewandelt.
    Aber ganz entscheidend ist, dass ICH es will und dass ich bedingungslos und offen die Hilfe annehme, die mir geboten wird.

    Auch das Therapiekonzept und vor allem der Therapeut sind für einen möglichen Erfolg entscheidend. Da hatte ich auch wieder großes Glück, denn mein Therapeut ist seit 25 Jahren trockener Alkoholiker. Seinen Tiefpunkt hatte er mit 30 Jahren. Er stand Manchem aus der Behandlungskonzept seiner Klinik kritisch gegenüber und hat die Freiheitsgrade genutzt, die er hatte.

    Das Konzept von 4-wöchiger Therapie, fast mit sofortigem Beginn und schnellem Start der Psychotherapie hat natürlich auch seine wirtschaftlichen Gründe. Gerade für Berufstätige, insbesondere Selbstständige, ist der Zeitbedarf überschaubar und dadurch erschliesst sich eine zusätzliche „Kundenklientel“. Aber ich habe dort als Mitpatienten alle Altersgruppen aus allen möglichen Berufen gesehen und kennengelernt.

    Ich kenne keinen anderen Weg und würde diesen heute wieder bestreiten, was nicht notwendig sein wird. Ich habe bis jetzt keine weiterführende Therapie beansprucht, bin aber grundsätzlich offen dafür, wenn ich spüre, da läuft was aus dem Ruder, was ich selber u.U. nicht mehr eingefangen bekomme.

    Eine Therapieabsicht um sich selbst etwas einzureden und die Angehörigen ruhig zu stellen,
    das funktioniert aus meiner Sicht nicht. Da stimme ich dem schon Geschrieben absolut zu.

    Viele Grüße

    Nayouk

    Ich würde es heute nicht mehr unzufriedene Gedanken nennen, sondern Teil des Prozesses.
    Mein Suchthirn hat versucht, zu retten was zu retten war und der Rest des Hirns musste erstmal mit der neuen Rolle und der damit verbundenen Verantwortung klar kommen.
    Aber ja, ich hatte auch diese Gedanken, habe alles hinterfragt und manches angezweifelt.
    Da bin ich heute noch dran, aber es wird immer ein Stückchen besser, je mehr Zeit mit Auseinandersetzung und Achtsamkeit vergeht.

    Ich glaube, einen gewissen Anteil daran, dass er gegangen ist, war die Tatsache, dass er nicht gewusst hätte, wie er das hinkriegen soll ohne den Großteil seines Lebens verändern zu müssen.

    Jana,

    Ich bin zwar nicht gegangen, aber solange ich konnte wurde dem Zustand "trinken zu müssen" alles untergeordnet.
    Alles was mich daran hindern konnte wurde vermieden, aus dem Weg geräumt, oder ich habe getäuscht und verheimlicht.
    Die Ohnmacht der Sucht gegenüber lies mich immer weiter machen und dabei wurden eigene Grenzen immer weiter verschoben.
    Erst als sich die Schlinge immer weiter zuzog und ich meinen Tiefpunkt erreicht hatte, war ich in der Lage zu handeln.

    Viele Grüsse
    Nayouk