Du schreibst, Du bist seit April abstinent.
Willst Du ein bischen erzählen, wie Dein Alltag heute aussieht und wie Du es geschafft hast?
Viele Grüße
Nayouk
Du schreibst, Du bist seit April abstinent.
Willst Du ein bischen erzählen, wie Dein Alltag heute aussieht und wie Du es geschafft hast?
Viele Grüße
Nayouk
was ich gestern darüber geschrieben habe ist falsch.
Danke, das beruhigt mich. Meine Sichtweise ist, die Alkoholkrankheit ist eine Suchtkrankheit und der Kranke ist genau deswegen süchtig, egal ob die Krankheit gestoppt ist oder nicht.
Der Erholungsprozess der Psyche dauert eine Weile. Ich habe ja viel Zeit zugelassen um sie zu schädigen. Jetzt kann ich nicht erwarten, dass morgen wieder alles okay ist.
Wünsche auch ein schönes Wochenende.
In der Anfangszeit hatte ich auch solche (Alb)Träume.
Ich war jedesmal heilfroh nicht getrunken zu haben.
Alkohol war jahrelang normal, plötzlich ist es nicht mehr so. Das muss die Psyche erst verarbeiten.
Hallo Madl,
Herzlich willkommen und einen guten Austausch wünsche ich Dir.
Viele Grüsse
Nayouk
… und natürlich auch die folgenden Reaktionen, die waren auf einer neuen Seite und ich hab sie übersehen🙄
Hättest Du Zeit und Lust, das etwas näher auszuführen?
Ja gerne, aber Du kamst mir zuvor🙂
Ich muss das also besser managen. Offenbar, ist es bei mir möglich, dass ich Hunger mit „Durst“ verwechsle.
Du hast das selbst ausgeführt, reflektiert und Rennschnecke und sue05 haben das nochmal vertieft.
Es sind Deine Grundbedürfnisse, die Du im Auge haben und zufrieden stellen musst, denn Alkohol als Lösung ist keine Option.
Dein Suchthirn wird ihn Dir aber anbieten, wenn Du geschwächt oder unkonzentriert bist (HALT) und das Risiko steigt.
und plötzlich war Ruhe im Kopf.
Das war für mich am Anfang ganz wichtig, auch die Unruhe früh zu erkennen und zu reagieren. Wasser trinken, essen, Atemübungen, Kurzmeditation, bewusste Bewegung, das was Dir gut tut.
Das funktioniert aber nur, wenn ich nicht von Ereignis zu Ereignis hetze.
Die Tage sind irgendwie ausgedehnter und schärfer abgegrenzt. Sie laufen nicht mehr ineinander.
Gut ausgedrückt. Ich hab es mal so formuliert:
Ich beginne das Leben wieder zu leben.
Du hast eine ziemliche Geschwindigkeit.
Achte auf Dich, dass Du Dich nicht selbst überholst.
Uhi, das ist die harte Nummer, grenzt ja schon fast an Nötigung.
Prima, dass Du standhaft geblieben bist. Es geht um Deine Gesundheit und nicht um die Deiner Kolleginnen.
Aber das ist ein Beispiel dafür, dass man sich auf solche Situationen vorbereitet, soweit es geht.
In der Reha haben wir solche Situationen in Rollenspielen erfahren. Bei der ganzen Übung habe ich am meisten über mich gelernt.
Ich hatte in der Reha eine Therapie, aber so wie Linde beschrieben hat, keine tiefenpsychologische Therapie.
Beim Alkoholiker müssen ein paar Daten ausgetauscht werden, um bestehende Verhaltens-und Denkmuster nachhaltig zu ändern oder zu löschen. So, als ob beim Computer ein Teil der Festplatte neu beschrieben wird um das Betriebssystem zu aktualisieren. Ein nicht alltäglicher Vorgang der Begleitung braucht. Ob die Begleitung von dir kommt oder von einer dritten Person ist deine Entscheidung. Du wirst am besten spüren, was du dir zutrauen kannst.
Auf jeden Fall, sollten keine „Geht-nicht-weil“ Faktoren eine mögliche Therapie von vornherein ausschließen.
Die Abstinenz hat Prio eins.
Stände ich heute vor der Frage, würde ich meinen Weg nochmal gehen.
Viele Grüsse
Nayouk
So haben die Worte, nüchtern und trocken für jeden seine Bedeutung.
„Nüchtern“ waren bisher für mich immer vorübergehende Phasen.
Hartmut ich meine ich hätte am Anfang bei Dir sowas gelesen, wie „Trockenheit muss man sich erst verdienen“ oder so ähnlich. Kann aber auch sein, dass ich mich irre. Auf jeden Fall war das der Grund, warum in meiner Signatur abstinent steht und nicht trocken
8 Monate und 2 Tage bin ich jetzt trocken. Darf ich schon trocken sagen?
Auch wenn seit 8 Monaten kein Blutalkohol mehr gemessen hätte werden können, die Schäden und Veränderungen, die das Gift hinterlassen hat sind noch da.
Ausser den normalen Zipperlein und einer leichten Polyneuropathie, die ja ein Alkoholiker auf seiner Reise gleich mit bucht, habe ich keine diagnostizierten Schäden.
Glück gehabt, ganz viel Glück gehabt. Ich hoffe das bleibt so und es kommen keine Spätschäden.
Anders sieht es mit den Veränderungen in der Schaltzentrale aus. Manches bildet sich zurück, manches bildet sich neu und manches bleibt geschädigt, für immer.
Es ist auf alle Fälle dieser „Schalter“, der kaputt ist, der es dem Kontrollhirn ermöglichen würde, der Sucht den Stecker zu ziehen.
Was mache ich, wenn es draussen zu hell ist und ich weiss, dass ich den Rolladen nicht runter lassen darf, weil ich ihn dann nicht mehr hoch bekomme?
Ich lasse ihn oben und ich denke nicht mal drüber nach und probiere es auch nicht aus, ob er vielleicht doch wieder hoch geht. Und damit es nicht plötzlich doch passiert, schraube ich den Gurt an der Wand fest….
Eine trügerische Sicherheit ? Vielleicht! Also schaue ich sehr oft nach, ob die Schraube noch fest sitzt und bemühe mich um andere Sicherungen, die den Rollladen oben halten.
Wie war das? Alles braucht seine Zeit?
Das, was in der Psyche heilen kann, braucht definitiv seine Zeit und wenn dies nicht greifbar ist,
die Veränderung der Synapsen kann man durch neurobiologische Techniken nachweisen.
Wenn ich meine, dass die Psyche heilt, dann meine ich, ich spüre mehr Stabilität und Stärke.
Es ist kein Spüren in die Vergangenheit, es ist das Spüren mit Blick nach vorne.
Dadurch bekommen Begriffe wie Haltung und Achtsamkeit plötzlich eine Bedeutung und sind nicht mehr abstrakte Worthülsen, wie am Anfang.
Aber es braucht seine Zeit.
Und wenn ich diese Zeit nutze und mit all dem fülle, was ich hier gelernt habe, dann fühlt es sich irgendwann leichter an, als ich gedacht habe. Das Kämpfen, das Zweifeln und hinterfragen weicht einer zufriedenen Gelassenheit.
Es braucht seine Zeit, aber es lohnt sich so ungemein !
Viele Grüsse
Nayouk
Hallo NovaSol und Wacholderfrau
ich kann dir mit meinen 8 Tagen Nüchternheit nicht wirklich etwas sagen, was du nicht weißt
Das weiss ich nicht. Ich weiss nur, dass ich noch wenig weiss und ich kann immer dazu lernen
Danke für die Blumen.![]()
Wir Alkoholiker:innen sind uns doch alle ziemlich ähnlich, zumindest was die Episoden aus der nassen Zeit betreffen, die ich hier lese.
Den Supermarkt wechseln, die Vorratshaltung, das Timing, die Fahne vertuschen, das Verstecken, das Leergut entsorgen, die Ausreden, die Ängste und...und...und
Das liegt alles hinter uns.
Jeder geht seinen eigenen trockenen Weg, den wir uns mitteilen können und da können wir, jeder für sich, viel voneinander lernen.
Also ich finde das sehr einfühlsam von deinem Großvater. Da würde sich die Frage stellen, warum er so feine Antennen hat und woher er den Ausspruch kennt. Es ist eine hypothetische Frage und im Moment würde dich eine Antwort nicht weiter bringen.
Du darfst fragen, dafür sind wir hier, um uns auszutauschen und ich finde es gut, dass Du fragst.
Ich behandele sie, wie ein unvernünftiges Etwas.
a.) ….. und ? Und dann ? Du weißt doch genau wie es ausgeht.
b.) Du schon wieder, lass mich in Ruhe, Du nervst
c.) Sei still oder halt die Klappe, Du warst noch nie auf meiner Seite…
d.) Hör auf, Du siehst doch, dass ich beschäftigt bin…
Den Gedanken weiter spinnen, das habe ich am Anfang auch gemacht.
Leicht kommt dann eine gedankliche Diskussion auf.
Hier habe ich gelernt, dass es das Gegenteil bewirken kann.
Mit der Sucht kann ich nicht diskutieren.
Die Suchtstimme oder auch der Gesandte des Teufels, wie ich ihn nenne, wohnt in mir,
wird da immer bleiben, aber bitte schön an seiner zugewiesenen Ecke. Er wird sich immer mal melden und damit muss ich umgehen können. Hat er aber Gehilfen, wie Leichtsinn und Unachtsamkeit, dann wird seine Macht stärker.
Das hört sich jetzt an, wie eine Episode aus „Herr der Ringe“, aber das Bild hilft mir und es funktioniert.
Viele Grüße
Nayouk
Großartig und jetzt sind die 6 Tage zufriedene Tage.
Wenn meine Suchtstimme mit mir spricht, spreche ich mit ihr, aber anders als sie möchte und dann hat sich das schnell erledigt.
Jeder nüchterne Tag bringt mich ein Stück weiter, manchmal auch nicht, aber immer öfter.
Viele Grüße
Nayouk
Ja, ich sehe es mittlerweile so:
Alle Reize, die mit Alkohol zu tun haben, sei es jetzt gustatorische, olfaktorische oder visuelle Reize, unterstützen das Suchthirn in seinem Bestreben dem Körper Alkohol zuzuführen. Es löst u.U. etwas in mir aus, was ich nicht haben möchte und schon gar nicht brauche.
Viele Grüße
Nayouk
Hallo NovaSol,
Bei mir kommen viele Dinge zurück, die als verloren geglaubt waren. Mit jedem Tag mit jeder Woche mit jedem Monat wird es ein Stück besser. Die Erholung ist schneller als die Zerstörung, aber sie braucht ihre Zeit.
Viele Grüße
Nayouk
Stolz kannst Du auch sein, auf jeden einzelnen Tag.
Je mehr ich den Alkohol mit den Sinnen meide, desto mehr verschwindet er aus meiner unbewussten Wahrnehmung. Beim Geschmackssinn versteht sich das von selbst.
Bei der Alkohol -Spürhund-Prüfung würde ich wahrscheinlich nur noch ein „ausreichend“ bekommen. Ich möchte bei der Prüfung aber durchfallen.
Gerade jetzt, im beginnenden Herbst, nehme ich Gerüche und Düfte wahr, wie schon lange nicht mehr.
Viele Grüße
Nayouk
Bitte nicht auslachen
Hier wird niemand ausgelacht und erst recht nicht wegen so einem Text, denn der ist richtig gut.
Jeder der einmal mit ihm/ihr in dem dunklen Raum gefangen war, weiß genau wie es war.
Hallo Ruth,
Herzlich willkommen auch von mir und Glückwunsch zu über einem Jahr Abstinenz.
Was hast Du im letzten Jahr getan, um deine Abstinenz abzusichern?
Viele Grüße
Nayouk