Beiträge von NiLiHaMi

    Liebe c.o.m.a.,

    mein Beileid zu deinem Verlust.


    So schnell wie der Alltag durchkreuzt, da wird einem bewusst, dass wir selber unser Leben nicht in der Hand haben... Ein Anderer ist es, der uns trägt und uns in seinen Händen hält.

    Ich wünsche dir viel Kraft und einen festen Glauben auf ein Wiedersehen - wo immer das auch sein mag.

    Viele Grüße NiLiHaMi

    Hey Whitewolf,


    also die letzten 2 Weihnachten und Silvester waren nicht so toll. Entweder sie hatte geschlafen oder versucht teilzunehmen.


    Ja was ist in der Zwischenzeit passiert.

    Also ich wurde wieder weich und hatte sie zurückgeholt. Hatten zu Hause ne Entgiftung gemacht. Es war ein auf und ab. Zwischen tollen Leben und Rückfällen mit Wesensveränderungen.

    2-3 Monate hatte sie einen guten Weg. Hatte zwar immer mal wieder für 2-3 Tage einen Ausrutscher und dann hatte sie auch wieder aufgehört.

    Irgendwann kam ne anonyme Meldung ans Jugendamt. Die kamen dann nach Hause, danach haben sie die Kinder befragt und dann mit mir einzeln im Amt gesprochen.

    Lösung war dann, dass sie aus dem Haus gehen soll, da denen das alles zu instabil war, meine kleine Tochter Angst hatte, wenn sie getrunken hatte und es als Kindeswohlgefährung gesehen wurde. Wenn sie nicht gegangen wäre, dann hätte ich vorübergehend zu meinen Eltern gehen sollen und ich hätte sie dann heraus klagen sollen. Sie ist dann aber freiwillig zu ihrer Mutter gegangen.

    Also alles turbulent in dem halben Jahr.

    Nun bin ich mit den Kids alleine im Haus und ich bin irgendwie erleichtert, auch wenn es den Anstoß vom Jugendamt brauchte.

    Den Kindern geht's gut. Sie fragen immer mal nach ihrer Mutter, dann reden wir halt darüber, dass es ihr nicht so gut geht zur Zeit und das akzeptieren sie soweit auch. Sie sind froh, dass endlich Ruhe eingekehrt ist und dass sie mich als Stabilität und Konstante haben im Leben.


    Kontakt haben wir nur noch selten. Sie ruft mich mal an und denkt, dass ich ihr zeige würde, dass sie mir egal sei und legt dann oft einfach auf.

    Also Kontakt hatten wir. Die letzten 2 Monate war sie auf einem guten Weg Aber nun wieder Rückfällig seit 2 Wochen ohne feste Nahrung.

    Schwiegermutter meinte heute, dass sie stürzt, ein mega Tremor hat und nicht mal das Handy bedienen kann und sich wünscht sie würde ins "Krankenhaus" gehen

    Meine Kinder sind so eigentlich im Moment froh, dass hier Ruhe eingekehrt ist, ohne Angst vor Mama haben zu müssen usw

    Ich bin halt eher der Meinung, wenn sie so ist lieber nicht mit den Kids hingehen auch wenn es das Fest der Familie ist. Es ist ja genau das im Moment, was uns alle so zerstört hat.

    Weißt du Jenny, am meisten tut es weh zwischen Hoffnung und Enttäuschung zu leben.

    Ich habe lernen müssen, dass jede Entscheidung eines Menschen, egal ob gesunder oder kranker Mensch seine eigene ist und dies zu akzeptieren ist, auch wenn es oft einem selbst weh tut.

    Man muss kein Verständnis dafür haben, aber man sollte verstehen warum dies so ist.

    Wenn man damit anfängt, geht es einem irgendwann besser....

    Hallo Jenny,


    dies ist meine erste eigene Antwort eines anderen Threads und ich hoffe ich kann damit etwas zu deiner Situation beisteuern.

    Ich bin kein Elternteil eines Alkoholikers, aber Ehemann. Ich habe nunmehr circa 14 Jahre lang gegen den Alkoholismus meiner Frau angekämpft und mit den Worten von Whitewolf zu schreiben, ich habe ihn verloren.

    Das tut sehr sehr weh dies zu akzeptieren.

    Ich habe habe viel extrinsische Motivationsarbeit geleistet, dass meine Frau mehrere Entgiftungen gemacht hat, zum Psychologen gegangen ist usw. Aber von eigener Überzeugung aus nie. Es hatte nie langfristigen Erfolg.

    Irgendwann kam vor kurzer Zeit der Punkt, wo ich mir sagte, ich kann sie nicht mehr retten, ich kann ihr nicht mehr helfen. Allenfalls auf eigenen Wunsch unterstützen. Also habe ich angefangen "für mich und meine Kinder" alleine zu planen. Das war anfangs sehr sehr schwer und schmerzlich. Viele Tränen sind geflossen.

    Nach einer Weile muss ich sagen, sich selbst pflegen, ist toll, aber ein langer Prozess. Es lohnt sich aber.

    Dein Sohn kann wirklich nur von sich aus die Zügel in die Hand nehmen. Alles andere nimmt er nicht an oder hat auf Dauer keinen Erfolg.

    Ich kann deine Sehnsucht der Hilfe verstehen, aber sie ist oft nicht gewollt und hindert der eventuellen Selbsteinsicht.

    Eine Krankenschwester meinte mal zu meiner Frau: Sie sind so eine hübsche Frau, aber totsterbens krank. Wenn man darüber nachdenk, weiß man wie schlimm diese Krankheit ist.

    Meine Frau hatte eine Leberschädigung von 43%, nun sicher mehr.... etliche Stürze, ist Mutter von 4 Kindern und vieles mehr.

    Ihre Sucht ist so stark, dass sie täglich trinkt (Pegeltrinker). Als sie Mal einen kurzen klaren Moment hatte, meinte sie, dass Alkohol für sie wie für mich das tägliche Essen und Trinken (Grundbedürfnis) ist.

    Ich habe nach so vielen Jahren jetzt erst angefangen, ihre Krankheit und den Entschluss "nasser Alkoholiker" sein zu "wollen/müssen" akzeptiert.

    Sie versucht immer mal durch kalter Entgiftung trocken zu werden und schafft es dann maximal 2-3 Wochen lang durchzuhalten. Es muss schon sehr schwierig sein trocken zu bleiben...

    Jeder Tag mehr der Akzeptanz ist für mich ein immer etwas schönerer gewonnener Tag.

    Ich bin nicht mehr so gefangen, sondern gehe kleinschrittig einen Weg zum besseren Leben mit meinen Kindern.

    Vielleicht schaffst du auch diesen schweren langen Prozess zu gehen.

    Ich wünsche dir viel viel Kraft für die richtigen Entscheidungen.

    Hey ihr Lieben,


    ich war eben mal ne Stunde bei meiner Frau. Sie hat ganz schön abgebaut und halt wieder gesagt, dass sie mich und die Kinder vermisst und sie nach Hause will. Ich habe dann aber wieder meine Bedingungen gesagt.

    So war es ganz okay.

    Was ich sagen muss, dass der Abstand für mich gut tut und genau das richtige ist.


    Ic wünsche euch ein schönes Pfingstfest.

    Wow so viel unterstützende Worte/Zeilen von euch. Danke danke.Das tut mega gut und ich fühle mich auch sehr verstanden und gut aufgehoben. In meinem Bekanntenkreis kommt meist nur Unverständnis, warum ich das so lange mitmache/ mitgemach habe usw. Irgendwann habe ich dann dicht gemacht.

    Ich versuche jedenfalls auf dem richtigen Weg zu bleiben.

    Ja ihr gesundheitlicher Zustand ist nicht toll. Sie ist ja auch scho. Wieder seit 3 Wochen nichts. Die einzugeben Kalorien sind die vom Alkohol.

    Aber gut ich muss lernen und akzeptieren, dass nur sie selbst sich retten kann.

    Es ist alles so traurig.

    Ich finde die Stärke die du zur Zeit aufbringst bewundernswert.


    Ich empfinde es im Moment als chaotisch. Zwischen Ja das machst du gut bishin zu ohje was hast du da getan und Kopfzerbrechen. Aber so kann es einfach nicht weitergehen.

    Was hältst du davon in dieser dramatischen Zeit so etwas wie ein Tagebuch zu führen

    Äh was meinst du damit genau? Wie ich fühle, warum es so ist usw?

    Kann sie eigentlich bei der Mutter weitertrinken?

    Ja sie trinkt dort weiter. 4 Straßen weiter ist dort ein Discounter. Dort holt sie ihren Alkohol selbst. Ihre Mutter wurde operiert und kann nicht einkaufen zZ.


    90% dieser fremdausgemachten Termine hab ich dann eh nicht wahrgenommen.

    Gut, dass ist bei Ihr anders. Sie ist dann jedesmal in die Klinik gegangen. Hat dann aber auch jedes zweite Mal sich in einen Mitpatienten verguckt. Weil diese waren immer so toll und in der schwierigsten Zeit ihres Lebens an ihrer Seite, so der Spruch.

    Mit der Telefonstreduzierung versuche ich. Ich bin ja immer froh von ihr zu hören. Ich mache mir halt oft Gedanken zwecks Atemlähmung usw.

    Hallo Whitewolf,

    also eine Woche ist vergangen und ich bin standhaft geblieben. Sie ist weiterhin bei Ihrer Mutter. Wir telefonieren täglich, auch wegen den Kindern. Sie sagt halt oft, dass sie nach Hause will und nur ich ihr ja bei der häuslichen Entgiftung helfen könne. Ich sage dann immer, du kannst nach Hause kommen, aber erst nach einer LZT. Und daß ich halt nicht mehr möchte, dass sie zu Hause trinkt und unsere Kinder mit ansehen müssen, wie sie sich zerstört. Sie ist Pegeltrinkerin und isst jetzt schon seit 3 Wochen nichts mehr und wenn bricht sie sofort alles raus. Ist halt schwach usw. Und das möchte ich meinen Kindern ersparen, dieses Nahe den Tod hinwegetieren. Sie wiegt wieder nur 49kg.

    Nun gut sie sagt auch, dass sie nun weiß, was der Tiefpunkt des Lebens bedeutet und mir es ja egal ist, da ich sie abgeschoben habe.

    Eben beim Telefonat meinte sie, dass sie während des Einkaufen gehen zusammen gebrochen sei (kann wirklich stimmen aufgrund ihrer schlechtenKörperlichen Verfassung) und ob ich nicht wenigstens mit ihr einkaufen fahren könnte, da ich ihr ja den Autoschlüssel weggenommen habe. Ich meinte dann, dass ich sie dabei nicht mehr unterstützen werde, Alkohol zu kaufen.

    Ich merke, dass ich jeden Tag mehr mitbekommen, dass es die richtige Entscheidung war. Fehlen tut sie mir trotzdem.

    Ich bin die Woche auch mal hingefahren. War aber blöd, weil wir dann Sex hatten. Das war zwar schön, aber sie meinte dann sie kam sich vor, als wäre sie ein Mittel zum Zweck gewesen.

    So war das aber nicht, da den Anfang gemacht hatte. Aber um Nachhinein hatte ich mir dann auch ne Waffel gemacht, ob sie sich jetzt schlecht fühlt, weil ich ja dann auch bald wieder gegangen bin, ohne sie mitzunehmen.

    Ich habe ihr nochmal 2 Telefonnummern von Entgiftungskliniken geschickt und meinte, dass sie diesmal alleine anrufen soll. Sonst hatte ich dies immer gemacht, weil sie sich geschämt und nicht getrau hat.

    Ich hoffe diese Selbstverantwortung ist okay. Oder sollte ich wieder anrufen in der Klinik?

    Alles in Allem geht es mir und den Kids gut. Ich kann normal schlafen, mache im Moment was mir gefällt.

    Heute habe ich wieder angefangen Krafttraining zu machen zu Hause, da hatte halt meine Frau währenddessen angerufen um den Kids gute Nacht zu sagen. Ich erzählte ihr, dass ich dann nochmal Sport mache, da kam dann gleich ob ich das für andere Frauen machen usw. War richtig nervig. So als dürfte ich nicht mal was für mich machen.

    Ansonsten bin ich im Moment stolz auf mich.

    Ich hoffe auch, dass ich nicht wieder einknicke. Heute war es schön. Die Kinder haben schon ausgelassen im Garten gespielt und sich mit Wasserpistolen nass gespritzt.

    Ich habe nebenbei halt Rasen gemäht usw.

    Heute hat sie sich nicht weiter gemeldet.

    Einen Plan für den Fall, dass sie vor der Tür steht habe ich nicht.

    Verlasse Dich nicht auf das gesprochene Wort, sondern urteile nur nach den Taten.

    Guten Morgen,


    meine Frau hat mich eben nochmal angerufen und immer und immer wieder gesagt, wie sehr sie bei mir und den Kindern sein möchte, nur bei mir sein will usw.

    Ich habe dann irgendwann aufgehört mit ihr darüber zu sprechen. Ich hatte erst angefangen ihr zu zeigen, dass es viele Situationen gab, dass dies nicht so sein kann. Habe dann aber im Gespräch gemerkt, dass sie sowieso nervlich und körperlich so gezeichnet ist, dass ich sie damit nur runterdrücke. Also habe ich das gelassen und gesagt, dass ich sie in diesem trinkenden Zustand nicht mehr nach Hause holen werde wie sonst . Sie hat es dann noch ein paar mal angesprochen, aber ihr Ziel nicht erreicht.

    Irgendwie muss ich sagen, fühlt sich das gerade auch schon gut an, dass man nicht mehr so die Marionette ist/sein will und endlich mal was selbst unternommen hat.

    Die Betreuung ist gesichert. Ich arbeite Gleitzeit. Von Mo-Do 7:45 (da habe ich den kleinen in die Kita gebracht) bis 16:30. Freitags bis 14:30 maximal. Das Paradoxe an der Arbeit: Ich arbeite im Bereich mit psychisch und suchterkrankten Klienten.

    Neulich hat sich der Vater von einem zu betreuenden umgebracht. Auch wegen Alkoholsucht. Da war ich aif der Beerdigung, um meinem Klienten beizustehen und habe selber so oft geweint. Nicht wegen seinem Vater oder der Trauergemeinde, aber wegen meiner persönlichen Situation.

    Das habe ich aber mit meinen Kollegen besprochen, da sie wissen was ich zu tragen habe..

    Sonst holt mein Vater den Kleinen ab und ich dann bei meinen Eltern. Und meine 8 jährig Tochter kommt 15 Minuten vor mir mit dem Bus nach Hause vom Hort. Haushalt mache ich alles soweit alleine aber das ist ja nicht neu. Meine Frau war ja nur als Hülle anwesend. Wobei ich sagen muss, daß ist schon wirklich ne Hausnummer alleine. Ich beneide jede Ehe die sich gegenseitig unterstützen können und tun. Das vermisse ich so.

    Alleine mit 4 Kindern ist schon Arbeit.

    Hey vielen lieben Dank für die tollen Worte, die haben mir auch sehr geholfen, denn ich habe heute nochmal über alles mit ihr gesprochen und von euch super Sätze mit in das Gespräch gebracht.

    Es war so sinngemäß:


    Ich glaube dir nicht mehr, dass du mich liebst. Meine Rangordnung in deinem aktuellen System/Kopf ist die "Notfalloption".
    Du hattest sehr viel Macht über mich und hast diese rigoros ausgespielt. Und das fremdgesteuert von dem Nervengift Alkohol. Trocken wärst du nicht so gewesen.

    Du wanderst zwischen betrunkener Euphorie zu anderen potentielle Suchtpartnern und kalter Entgiftung und Liebe zu deiner wirklichen Familie, welche dich wirklich liebt - uns.

    Und diese Zustände können sich innerhalb von Minuten um 180 Grad wenden. Das ist nicht mehr tragbar.

    Ich und unsere Kinder leben in der Realität. Du bist aktuell in deiner Sucht gefangen und nicht stabil. Stabilität kannst du nur mit einer Langzeittherapie versuchen zu erreichen.


    Daraufhin erwähnte sie nur, dass eine LZT nichts bringt. Ich sagte dann, dass es deine Entscheidung ist und wir erst wieder eine gute Basis haben wenn auf eine mögliche Entfiftung auch eine LZT folgt, denn alles andere ist zu instabil.

    Das war schon ein mega Schritt für mich. Sie hat mich auch ständig angefleht, dass ich sie nach Hause mitnehmen soll, aber ich habe es verneint. Und bin dann auch irgendwann gegangen. Tat mir schon weh so gehen zu müssen...

    Hallo whitewolf,

    ja an deine Sätze habe ich sehr oft gedacht und musste feststellen, dass du recht hattest mit allem.

    Ich hatte wieder so Hoffnung als sie zu Hause die Entgiftung machte. In der Zeit, als sie nüchtern war, war es richtig schön für mich und die Kinder. Wir konnten was unternehmen, sie kümmerte sich usw. Doch merkte man irgendwie, dass jeder Tag ein Kampf für sie war. Ich habe gedacht, sie entgiftet sich, um endlich wieder am Leben teilzunehmen. Aber ich weiß nicht warum es so war.

    Aktuell kommen immer mal wieder Nachrichten, dass ich ihr das nicht antun soll, ich sie nicht fallen lassen soll, sie nur mich will und sie mich liebt.

    Nach allem was mir M. detailiert am Telefon erzählt hat, kann ich es nicht mehr glauben.

    Und trotzdem schwirrt Hoffnung in mir rum, dass sie es schaffen kann.

    Tag 2 ist beendet und ich bin standhaft geblieben.