Hallo Jenny,
dies ist meine erste eigene Antwort eines anderen Threads und ich hoffe ich kann damit etwas zu deiner Situation beisteuern.
Ich bin kein Elternteil eines Alkoholikers, aber Ehemann. Ich habe nunmehr circa 14 Jahre lang gegen den Alkoholismus meiner Frau angekämpft und mit den Worten von Whitewolf zu schreiben, ich habe ihn verloren.
Das tut sehr sehr weh dies zu akzeptieren.
Ich habe habe viel extrinsische Motivationsarbeit geleistet, dass meine Frau mehrere Entgiftungen gemacht hat, zum Psychologen gegangen ist usw. Aber von eigener Überzeugung aus nie. Es hatte nie langfristigen Erfolg.
Irgendwann kam vor kurzer Zeit der Punkt, wo ich mir sagte, ich kann sie nicht mehr retten, ich kann ihr nicht mehr helfen. Allenfalls auf eigenen Wunsch unterstützen. Also habe ich angefangen "für mich und meine Kinder" alleine zu planen. Das war anfangs sehr sehr schwer und schmerzlich. Viele Tränen sind geflossen.
Nach einer Weile muss ich sagen, sich selbst pflegen, ist toll, aber ein langer Prozess. Es lohnt sich aber.
Dein Sohn kann wirklich nur von sich aus die Zügel in die Hand nehmen. Alles andere nimmt er nicht an oder hat auf Dauer keinen Erfolg.
Ich kann deine Sehnsucht der Hilfe verstehen, aber sie ist oft nicht gewollt und hindert der eventuellen Selbsteinsicht.
Eine Krankenschwester meinte mal zu meiner Frau: Sie sind so eine hübsche Frau, aber totsterbens krank. Wenn man darüber nachdenk, weiß man wie schlimm diese Krankheit ist.
Meine Frau hatte eine Leberschädigung von 43%, nun sicher mehr.... etliche Stürze, ist Mutter von 4 Kindern und vieles mehr.
Ihre Sucht ist so stark, dass sie täglich trinkt (Pegeltrinker). Als sie Mal einen kurzen klaren Moment hatte, meinte sie, dass Alkohol für sie wie für mich das tägliche Essen und Trinken (Grundbedürfnis) ist.
Ich habe nach so vielen Jahren jetzt erst angefangen, ihre Krankheit und den Entschluss "nasser Alkoholiker" sein zu "wollen/müssen" akzeptiert.
Sie versucht immer mal durch kalter Entgiftung trocken zu werden und schafft es dann maximal 2-3 Wochen lang durchzuhalten. Es muss schon sehr schwierig sein trocken zu bleiben...
Jeder Tag mehr der Akzeptanz ist für mich ein immer etwas schönerer gewonnener Tag.
Ich bin nicht mehr so gefangen, sondern gehe kleinschrittig einen Weg zum besseren Leben mit meinen Kindern.
Vielleicht schaffst du auch diesen schweren langen Prozess zu gehen.
Ich wünsche dir viel viel Kraft für die richtigen Entscheidungen.