Beiträge von Jump!

    Puh, ich kann gar nicht richtig sagen wie es mir geht Momo.

    Ich habe jetzt die dritte Nacht in meiner neuen Wohnung verbracht.

    Befreit fühle ich mich jedenfalls nicht. Aber das liegt natürlich daran, dass mein Mann ja nun schon seit 4 Wochen in der Reha ist und ich dadurch schon zur Ruhe gekommen war. Da ist jetzt nicht dieser Knalleffekt: oh, endlich Ruhe. Wie es gewesen wäre, wenn ich im Juli ausgezogen wäre, als ich total am Ende war.

    Samstag ging es mir richtig schlecht abends. Solange ich noch geschäftig rumgewuselt bin ging es noch. Aber sobald ich mich dann abends hin gesetzt habe, ging das heulende Elend los. Was mach' ich hier? Bin ich verrückt geworden, mein tolles Haus gegen eine Mietwohnung einzutauschen? Ich habe mich gefühlt wie fremdplatziert. Und wollte mit jeder Faser meines Körpers nur wieder nach Hause.

    Nachts bin ich dann um 5 Uhr mit rasenden Kopfschmerzen aufgewacht. Toll, Migräne. Und ich hatte die Tabletten vergessen einzupacken. Mittags kam meine Schwester und da musste ich erst mal los heulen. Sie hatte ein kleines Geschenk dabei und eine Karte: Wer los lässt, hat beide Hände frei. Aber ich will doch gar nicht los lassen!

    Wir sind dann Zuhause die Tabletten holen und noch ein paar andere Sachen. Meine Kater sind mir freudig entgegen gelaufen. Das war auch nochmal schwer. Aber dann hat der Schmerz endlich nach gelassen. Wir haben in meiner neuen Küche gesessen, Tee getrunken. Und langsam ist Ruhe eingekehrt in mir.

    Gestern war ich arbeiten. Und es war toll so schnell dort zu sein. Und abends noch mit Leuten weg, die ich eigentlich kaum kenne, aber es war ein superschöner Abend mit tollen Gesprächen. Auch das ein großer Vorteil der Wohnung, denn ich bin nun in der Stadt, kann viel leichter überall hin. Gestern Abend bin ich dann eigentlich ganz erfüllt hier angekommen.

    Heute habe ich frei. Jetzt gerade fühle ich mich wohl. Das ist aber sehr wackelig. Kann jeden Moment kippen. Ich muss mich halt erst noch einleben. Das wird dauern. Ich habe 25 Jahre mit meinem Mann zusammen gelebt. Die letzten 20 Jahre im eigenen Haus. Klar ist das jetzt neu und komisch und eine riesige Umstellung. Zeitweise kommt die schiere Panik in mir auf.

    Trotzdem weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war und ist. Die einzig sinnvolle.

    Liebe Siri, ganz herzlichen Dank für deine Worte. Sie haben tatsächlich genau den richtigen Nerv bei mir getroffen.

    Das Thema Abstand ist wohl nun meins. Die Grautöne dazwischen. Die eigene Position finden. Ganz bei mir zu bleiben und trotzdem in Beziehung.

    Ich bin so gespannt auf meine neue Wohnung. Gestern habe ich mir noch so kuschelige Hausschuhe gekauft. Alles ist startbereit. Mit der lieben Nachbarin habe ich besprochen, dass sie ab Samstag (dann ist der Kater auf jeden Fall über den Berg) zunächst für 5 Tage Katzen sittet. Dann ist also Premiere in meinem neuen Zuhause. Gibt jetzt noch etwas hin und her, aber das macht nix.

    ... Vor allem, dass du dich jetzt auch noch mit deiner früheren Freundin vergleichst. So ein Quatsch! Nur weil er dir Geld gibt, dein Hundi betreut (die er doch bestimmt auch selbst sehr mag) und sich für dich freut, dass es dir besser geht - bist du doch zu nichts verpflichtet oder hast es darauf angelegt oder ihn ausgenutzt. Er macht das doch freiwillig. Vielleicht tut es ihm ja auch gut dir etwas zurück zu geben.

    Mir hat gerade letzte Woche eine gute Freundin genau das gesagt: dass es für meinen Mann auch eine große Erleichterung sein kann, dass ich ausziehe. Weil es für einen Süchtigen auch eine sehr große Belastung sein kann, wenn die Angehörige so viel gibt und so viel leidet. Das sei auch für ihn schwer auszuhalten. (Sie war selbst vor langer Zeit Opiat-Abhängig und sehr tief drin...ist aber seit über 40! Jahren clean).

    So herum hatte ich es noch nie betrachtet. Und ich glaube da ist sehr viel dran! Auch im Hinblick auf das "Machtgefälle", das du angesprochen hast.

    wenn es mir zu viel ist gehe ich einfach wieder..

    Das ist doch wunderbar! Und macht es das nicht auch für ihn sogar leichter? Aber egal. Du spürst wann es dir zu viel wird. Das finde ich toll.

    Kerzerl schauen". :)

    Was für ein schöner Ausdruck. Das ist die Alexa, die mich immer wieder zum Lächeln bringt.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

    Liebe Alexa,

    jetzt habe ich lange nachgedacht...ohne dass mir eine besonders gute Reaktion eingefallen ist.

    Ich denke ich kann nachfühlen was du schreibst. Da du meine Wahrsagerin bist macht es mir ein bisschen Angst vor der Zukunft. Deshalb vielleicht auch mein "erschüttert".

    Weißt du, ich habe mich ja gerade sehr mit dieser Studie beschäftigt, ich weiß nicht ob du's gelesen hast bei mir. Und als da stand, dass der räumliche Abstand so hilfreich ist - da dachte ich sofort an dich und deinen Beitrag von Ende August. Und dachte: yes! Genauso ist es.

    Und jetzt liest es sich wieder anders bei dir. Gedämpfter. Du zweifelst an dir selbst, an deiner moralischen Integrität. Schade, dass du nicht gerade deshalb früher hier geschrieben hast. Denn das Forum ist doch gerade so hilfreich, wenn es darum geht wieder Orientierung zu kriegen.

    Ja, ich verbringe meistens das Wochenende bei ihm, da schläft er viel weil er ausnüchtern muss

    Weshalb machst du das? Wenn du frei hast könntest du deinen Wauzi doch mit zu dir nehmen. Und dich erst treffen, wenn er fertig ist mit Ausnüchtern?

    Erinnert mich sehr an meine eigenen früheren Wochenenden. Mein Mann hat dann ab Freitag "aufgehört" bzw. weniger getrunken. Er meinte er schafft das nur, wenn ich da bin. Lag im Bett. Ich gewartet, gewartet. Klar ich kann mich super selbst beschäftigen, das war es nicht. Aber es lag diese Schwere über allem.

    Oder ich halte nur daran fest weil es gerade so toll bequem ist für mich?

    Was ist denn daran bequem? Hört sich für mich alles andere als bequem an.

    Hartmut du verstehst meinen Punkt einfach nicht. Aber lass' gut sein. Ich werde hier jetzt tatsächlich loslassen.

    Ich merke auch, dass meine Versuche mich zu erklären so viel Energie raubt. Und ich dann nicht mehr auf die so wertvollen Beiträge und Antworten der anderen betroffenen Angehörigen eingehe. Und darauf will ich mich jetzt fokussieren.

    Es muss mich ja auch nicht jeder verstehen.

    Schade. Da hab ich ein einzelnes Wort falsch benutzt und meine ganze Message kommt nicht mehr an.

    Natürlich weiß ich mittlerweile was mit "trocken" gemeint ist. Ich war unachtsam. Weil ich mich selbst bzw. die Sicht als Angehörige im Kopf hatte. Klar verstehe ich auch, dass es wichtig ist dies auch für Mitlesende klar zu stellen. Aber für mich - und hier soll es doch um mich selbst gehen - ist das dann ein Weg-Führen von dem was ich eigentlich sagen wollte.

    Ich probiere es nochmal anders.

    Beim Alkoholiker ist klar, dass er seine Sucht nur stoppen kann, wenn er nicht mehr trinkt. Hier wird nicht von einer Alkoholiker-Persönlichkeit gesprochen. Und auch wenn z.B. Depressionen häufig mit Alkoholismus korrelieren, wird dies hier im Forum nicht verknüpft. Sucht trifft alle gleichermaßen, egal welche Gesellschaftsschicht, Charakter, Bildung, Vorerkrakungen, Intelligenz, arm oder reich... Wer lange zu viel trinkt wird süchtig.

    Das meinte ich, wenn ich das Selbe versuche auf Cos zu übertragen. Wenn ich mit einem nassen Alkoholiker zusammen lebe dann entwickelt sich eine zunehmende Belastungssituation. Egal welche Eigenschaften die Co mitbingt, egal wie gebildet, welche Herkunft etc./siehe oben.

    Und ich kann auf verschiedene Weise versuchen mit dieser unglaublichen Belastung umzugehen. a) c) und d) sind ja übrigens auch nicht wirkungslos. Es reduziert das eigene Stresserleben auch. Aber die räumliche Trennung hat eben den deutlichsten Effekt. Es wurde deutlich, dass dadurch die belastenden Symptome der Angehörigen innerhalb kurzer Zeit zurück gingen. Also durch den Abstand. Der Abstand selbst war entscheidend. Nicht das Arbeiten an den inneren Mustern. Wobei das eine ja vermutlich vom anderen nicht wirklich klar getrennt werden kann.

    Im Grunde unterstreicht es das was hier im Forum immer gesagt wird: Handeln ist entscheidend, nicht nur das Reflektieren.

    Es gab auch den Vergleich mit Angehörigen, die eben keine Eheleute/Partner waren, sondern Geschwister, Verwandte, die woanders gewohnt haben - die waren deutlich! weniger belastet, auch wenn sie sich gekümmert haben. (Mütter waren nicht erwähnt - hier ist es, glaube ich, nochmal eine ganz eigene Dynamik).

    Aber ich muss jetzt wirklich mal damit aufhören Cos überhaupt mit Alkoholikern zu vergleichen. Es ist unpassend. Auch wenn es zuerst so ähnlich wirkt und ich dann verführt bin Analogien zu finden. Darauf basiert ja auch die Populärliteratur. Das Zusammenhänge hergestellt werden, die so wunderbar logisch wirken und im Gehirn diese wohligen Aha-Effekte aus lösen. Obwohl bei näherer Betrachtung Äpfel mit Birnen verglichen werden. Aber wir suchen ständig nach Mustern, nach Struktur, nach Sinn, nach Ähnlichkeiten. Das löst Wohlbefinden aus. Bei mir ganz doll.

    Heute habe ich mir aber vorgenommen mein Wohlbefinden lieber praktisch auszulösen 😉, indem ich jetzt erst mal auf den Markt gehe, schön frühstücke, mich um die Pflanzen kümmere, spazieren gehe, endlich mal wieder meine Sizilianische Familiensage weiter lese, lecker koche und hoffentlich auch mal einen bequemen Sitz-Platz ergattere - die sind nämlich alle von schlafenden Katern belegt...😂

    Mein Katerchen macht übrigens gute Fortschritte. Er kratzt nicht an der Wunde, oh Wunder!

    🏵️

    P.S. Stromer, falls du das liest...ich vermisse dich!

    Alles klar Hartmut. Das verstehe ich. Du hast recht: es passt halt zu mir.

    Wenn ich meinen Faden lese, dann passt es einfach sehr auf die vielen Fragen die ich mir schon immer hier gestellt habe. Aber wenn jetzt jemand von Außen nur diesen meinen Beitrag zur Studie liest, dann sieht es aus wie ein Theoretisieren (oh, ha, gibt's dieses Wort überhaupt?).

    Hera, ich finde auch deinen Hinweis, dass es die Selbstreflexion hindert, gut. Genau deshalb hatte ich ja ganz lange absichtlich nichts gelesen dazu. Aber für mich selbst war das jetzt genau richtig so und hat das getroffen was in mir war.

    Aber Hartmut, ich habe doch in meinem Beitrag nochmal ganz genau erklärt weshalb diese Studien-Ergebnisse für mich selbst sehr wichtig sind, also FÜR meine Selbsthilfe

    Für mich waren die Ergebisser diese Studie deshalb eine richtige Befreiung

    Es geht hier doch nicht um irgendwas Abstraktes. Ich habe es auch einzeln nochmal auf mich selbst bezogen.

    Nochmal wegen der Persönlichkeit: es geht darum, dass hier jeglicher Zusammenhang zu bestimmten Persönlichkeitstypen angezweifelt wurde. Also sowieso nicht im Sinne einer Störung. Aber auch nicht sonstige Merkmale.

    Und jetzt sag ich's mal provokant: ich kann quasi "sofort auf Los gehen - ich muss nicht zuerst ins Gefängnis" 😜. Heißt: ich muss nicht erst sonst was an mir selbst ändern - ich kann mich direkt trennen. Es liegt nicht an mir. Es liegt nicht an ihm. Es liegt an der Sucht. Solange die nicht gestoppt ist werde ich aus der Nummer nicht raus kommen.

    Bei Alkoholikern ist es so "einfach". Wenn sie nicht mehr trinken sind sie trocken.

    Was wenn es bei Cos auch so einfach ist: wenn sie keinen aktiv Süchtigen mehr um sich rum haben, geht's ihnen wieder gut?

    Das ist es was ich für mich denke und hoffe.

    Aber das große Thema bleibt ja: wie schaffe ich es dahin? Wie erreiche ich diesen Punkt.

    Mir hat dieses Forum unfassbar geholfen um dahin zu kommen jetzt auszuziehen. Niemals hätte ich das ohne das Forum geschafft. Da bin ich sicher. Für mich ist es dieses Gefühl im gleichen Boot zu sitzen. Ganz viel auch das Vorbild! von anderen, die es durchziehen und schaffen. Das Verständnis. Aber auch die Konfrontation. Und das Schreiben selbst, also dass ich hier den Raum habe zu reflektieren und zwar nicht nur alleine für mich, sondern eben zusammen mit euch. Dafür bin ich sehr dankbar 🏵️

    Für mich waren die Ergebisser diese Studie deshalb eine richtige Befreiung:

    weil ich mein Verhalten nun als "normale" Stressreaktion erklären kann

    und nicht dauernd in meiner Persönlichkeit rumkramen muss, um meinen vermeintlichen Kontroll-Wahn oder meine zu große Opferbereitschaft zu bearbeiten

    ich komme mir nicht mehr blöd oder pathologisch vor

    ich fühle mich nicht mehr Mit-Schuld an der Suchtentwicklung meines Mannes, weil ich ihn "zu oft aufgefangen habe"

    ich frage mich nicht mehr ob meine Reaktionen auch selbst "süchtig" sind

    Diese Zuschreibungen, Generalisierung en; die Metaphern vom Frosch der an die Wand geworfen werden muss (das kommt ja wirklich überall und ich frage mich wer das eigentlich urspünglich erfunden hat), die Bilder von der Kontrollsüchtigen Co, die ihre eigene Machtbesessenheit über den Süchtigen ausleben will; oder ihr Helfersyndrom auslebt...all das hatte mich sehr belastet, mich dauernd an mir zweifeln lassen.

    Ich finde es ist ein Unterschied ob ich ein Verhalten als "Aktives Engagement" (a) bezeichne und im zweiten Schritt die negativen Folgen sachlich aufzeige. Oder es als suchtförderndes pathologisches Agieren hinstelle, das den Ursprung in einer eigenen gestörten Persönlichkeitsentwicklung oder einem Wiederholungszwang hat.

    Ich denke, dass Angehörige aufgrund der oft jahrelangen Stress-Situation in ihrer Wahrnehmung unsicher sind und sehr verwundbar. Und daher dann schnell solche Zuschreibungen annehmen.

    Ich glaube dieses Kramen in mir selbst hatte vor allem den Zweck doch noch irgendwie die Kontrolle über eine unkontrollierbare Situation zu bekommen (nicht im krankhaften Sinn von Kontroll-Zwang, sondern als normale Reaktion, um mein inneres Gleichgewicht wieder her zu stellen). Oder um dem Ganzen doch noch irgendwie einen Sinn zu geben. Außerdem lenkt das Self-Blaming ab vom Süchtigen. Den kann ich nicht ändern, also muss ich mich selbst "ändern". Anstatt die Ausweglosigkeit der Situation zu akzeptieren und zu gehen?

    Es wurde kritisch dargestellt, dass der Begriff der Co-Abhangigkeit in den 50er Jahren entstand. Und damals im Grunde nur Frauen damit gemeint waren. Und deren traditionelles Frauenbild damals geprägt war von diesen typischen Verhaltensweisen, die heute als Co-Persönlichkeit betrachtet wird. Dies dann aber als Kennzeichen einer Co-Abhängigkeit zu übernehmen, ist irreführend. Das sind typische Prägungen von einem Großteil der Frauen und keine Hinweise speziell auf Co-Abhängigkeit.

    In den Selbst-Tests wird aber genau das vermischt. Außerdem wird das Handeln der Angehörigen mit dem sekundären Krankheitsgewinn des Süchtigen erklärt. Auch dies eine zunächst plausibel klingende, aber falsche Kausalität. Wenn z.B. eine Angehörige ihren Mann krank meldet, dann nicht, weil sie ihn decken will und quasi mit ihm unter einer Decke steckt. Sondern weil sie den finanziellen Ruin befürchtet, wenn er entlassen wird. Weil sie die Scherben zusammen halten will. Ja! Das führt dazu, dass der Süchtige vermutlich weiter seine Situation verleugnen kann; vielleicht nicht zum Tiefpunkt kommt. Aber das ist nicht der Grund für die Angehörige und macht ihr Verhalten nicht pathologisch. Es wird aber alles vom Süchtigen aus interpretiert. Nicht aus der Wahrnehmung und der Angehörigen selbst.

    Da wird die Auswirkung des Suchtverhaltens mit der Ursache verwechselt. Nehmen wir mal einen Selbst-Test zur Frage: bin ich Co-Abhängig? Da steht z.B. "Ich sage mir oft, dass es nicht so schlimm ist, wie es scheint" . Aus meiner Sicht ist das ein Versuch sich selbst zu beruhigen aufgrund des enormen Stresses. Hier aber angebich ein Zeichen für Co-Abhängigkeit. "Ich bin zu beschäftigt, um über mich nachzudenken". "Ich frage mich warum der Abhängige mich ständig verletzt ". "Meine Gefühle wechseln zwischen Liebe und Hass" etc.... Das sind logische Folgen. Vieles eben Stress-Reaktionen. Und kein Zeichen für eine pathologische Co-abhängigkeit.

    Auch die Behauptung, dass eine Angehörige sich aus einem unbewssten Wiederholungszwang immer wieder Süchtige "sucht" ist nicht belegt. Das gibt es, vereinzelt. Aber es wird Über-Generalisiert, wie viele andere Zusammenhänge auch. Bei weibichen EKAs ist hingegen wissenschaftlich erwiesen, dass diese als Erwachsene mehr als doppelt so häufig Partnerschaften mit Suchtkranken eingehen.

    Aber, wie so oft, hat @ Linde die eigentliche Krux auf den Punkt gebracht: wie schaffen es Angehörige schließlich doch zu gehen?

    In der Studie wurden folgende Punkte als "hilfreich" heraus gearbeitet:

    - Informationen

    - emotionale Unterstützung ohne Bewertung

    - konkrete finanzielle und praktische Hilfe

    Wie gesagt sehe ich die emotionale Verstrickung jedoch als sehr bedeutsam an. Wenn ich mich selbst betrachte und auch wenn ich jetzt die verzweifelten Beiträge der anderen lese, dann kommt mir dieses innere Gefühl wieder ganz nah. Ich finde keinen guten Ausdruck dafür. Es ist für mich dann "mehr" oder "anders" als "nur" eine Stress-Reaktion. Und das verbinde ich selbst mit dem Begriff Co. Wobei das Co ja auch für Coping stehen könnte, dachte ich gerade.

    Hallo Ihr Alle,

    Ich habe ja vor kurzem von Momo den Hinweis auf sehr fundierte, wissenschaftliche Studien zum Thema Co-Abhängigkeit bekommen. Von Gallus und Anna Bischof, Uni Lübeck.

    Das was dort zum "Mythos Co-Abhängigkeit" herausgefunden wurde hat mich regelrecht befreit. Und ich möchte veruchen es für euch so gut ich kann zusammen zu fassen.

    Hier geht es also nicht um Meinungen, Konzepte, psychologische Erklärungen, sondern um Forschungsergebnisse, die belegt sind. Sozusagen um den aktuellen State of Art. Ich kann natürlich nicht garantieren, dass ich alles ganz genau richtig wieder gebe. Also es ist das, was für mich selbst wichtig ist und wie ich es aufgefasst habe, in meinen Worten.

    Was mir schon mal direkt ins Auge gesprungen ist, war, dass hier von "Coping-Strategien" der Angehörigen gesprochen wird - als Reaktion auf den Stress, den das Zusammenleben und das Zusammensein mit einem Süchtigen bedeutet. Also nicht von Mustern, Prägungen, Kontroll-Befürfnissen, emotionaler Abhängigkeit oder dergleichen. Sondern von Bewältigungsstrategien als Reaktion auf chronischen Stress.

    Und die sind ohne Wertung, ganz sachlich eingeteilt in:

    a) Engagement: Beeinflussung des Süchtigen; Versuch Kontrolle zu erhalten

    b) Abgrenzung: Distanz, Fokus auf sich selbst, Abgabe von Verantwortung

    c) Tabuisierung: Ausblenden, Vermeiden, Verschweigen

    d) Resignation: Duldung, Inkonsequenz

    Diejenige Strategie, die die Belastung, den Stress, am meisten reduziert ist...na was wohl? Natürlich b).

    Wenn Angehörige sich räumlich trennen, dann hat dies eine große Wirkung, es geht ihnen deutlich besser. Angefangen vom getrennten Schlafzimmer bis zur eigenen Wohnung wird die Belastung quasi kontinuierlich weniger. (DAS hat mir besonders gefallen).

    Frühe Erklärungsansätze, dass Angehörige von Suchtkranken durch Persönlichkeitsdefizite geprägt sind, werden entkräftet. Vielmehr wird deutlich gemacht, dass in der Populärliteratur plausibel klingende Statements kombiniert wurden, die keine tatsächliche Grundlage haben.

    Es wird anerkannt, dass der Begriff "Co-Abhängigkeit" zwar sehr wichtig war, um die Angehörigen aus dem Schatten der Süchtigen hervor zu holen und deren eigenes Leid sichtbar zu machen. Allerdings wird kritisiert , dass sich dahinter ein uneinheitliches, laienpsychologisches Konstrukt verbirgt, welches:

    - mit einer Selbst-Pathologisierung verbunden ist,

    - das Problem individualisiert sowie

    - eine Mit-Schuld an der Sucht suggeriert.

    Und dadurch für viele Betroffene ein Hilfesuchen sogar erschwert.

    Dass Angehörige stark belastet sind zeigt z.B. die Auswertung von Krankenversicherungs-Daten. Angehörige von Suchtkranken haben deutlich höhere Krankheitsraten als Vergleichsgruppen. Wenn die Abhängigkeit der Süchtigen jedoch erfolgreich behandelt wurde, dann sind die gesundheitlichen Einschränkungen wiederum signifikant zurück gegangen.

    Angehörige leiden doppelt so oft unter Depressionen wie andere. Häufig sind auch Ängste und somatoforme Störungen.

    Zusammenfassend könnte von einem "Burnout" als "Reaktion auf anhaltenden Stress bei persönlicher Bindung" gesprochen werden.

    Genau so, habe ich mich auch gefühlt. Einfach ausgelaugt, ausgebrannt.

    Für mich selbst (also entgegen der Studie) steht der Begriff Co-Abhängigkeit dennoch für die emotionale Verstrickung und diese eigene Dynamik und Wechselwirkung...

    Ich könnte noch mehr schreiben...aber ich schicke es jetzt einach mal ab.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

    Alexa, ich bin gerade etwas erschüttert. Danke, dass du deine Situation so schonungslos, offen darstellst. Nicht versuchst sie "auf zu hübschen" , schön zu reden.

    Eins aber vorab: du bist nicht! "gefangen" in seiner Sucht.

    ...ich werde nachdenken und mich wieder melden.

    Bis später, Jump! 👻

    Guten Morgen du Liebe,

    sind keine Nachrichten gute Nachrichten? Ich hoffe es.

    Da du meistens immer so zwei Monate Vorsprung hattest vor meiner eigenen Entwicklung. Und sozusagen eine Art Wahrsagerin für mich bist 🧙🏼‍♀️, interessiert mich natürlich besonders wie es bei dir läuft.

    Und wie ist es mit deinem lieben Hund weiter gegangen? Habt ihr die OP überstanden?

    Ich habe seit gestern offiziell meine Wohnung. Aber nun ist mein einer Kater verletzt von seinen Streifzügen heim gekommen und braucht Medikamente. Daher muss ich noch bisschen hier bleiben. Aber da mein Mann sowieso in Reha ist macht das auch nix. Musste an deinen Satz denken: das Schicksal sagt nö - jetzt noch nicht 😜. Aber ich gebe zu, dass ich ja auch noch gerne hier bin. Jetzt, wo alles so friedlich ist. Aber bin auch sehr gespannt auf mein "Jump!-Paradies". Ich hoffe ich lebe mich dort auch so schnell ein wie du.

    Ich finde es auch so erstaunlich und super wie schnell du innerlich Abstand gefunden hast. Wie sehr du bei dir selbst angekommen bist. Und keine Angst mehr hast alleine für dich zu sorgen. Ist jetzt eigentlich auch die Küche da?

    Dir alles Liebe, 🏵️

    Guten Morgen liebe Haar,

    du bist auf jeden Fall den richtigen und auch den einzigen Weg gegangen.

    Was jetzt passiert ist nicht deine Schuld. Du kannst ihn sowieso nicht retten. Aber du kannst dich selbst retten. Sonst gehst du zugrunde. Du musst auch gesundheitlich auf dich selbst aufpassen!

    Ich weiß wie es ist. Ich bin selbst gerade im Umzug.

    Du hast eine kluge Tochter. Und zum Glück tolle Menschen, die dich unterstützen.

    Wenn du Zweifel hast, dann melde dich. Denn diese Zweifel und Ängste können eine auffressen. Da brauchte ich auch schon oft ein Aufrütteln vom Forum.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

    Mal eine winzig kleine rhetorische Zwischenfrage: Ist das Ziel die Co-Abhängigkeit bzw. den Alkoholismus zu begreifen oder ein zufriedenes Leben zu führen?

    Ich verstehe nicht weshalb das eine das andere ausschließen soll?

    Für mich ist es entscheidend meine inneren Fragen zu klären. Sonst blockiert mich das im Handeln eher. Und umgekehrt motiviert es mich zu weiterem Handeln, wenn ich was verstanden habe. Eine Wechselwirkung und kein entweder - oder.

    Die inneren Fragen sind ja nicht weg, wenn ich sie nicht ausspreche oder schreibe. Sie rauben mir dann eher Energie, weil ich sie immer wieder weg drücken muss.

    Momo ich habe jetzt doch in die Studie, die du genannt hast geschaut. Ja, die ist richtig gut! Allerdings über 150 Seiten 😅.

    Und dann habe ich einen super zusammen-fassenden, ganz aktuellen Artikel von den beiden zum "Mythos Co-Abhängigkeit" gefunden. Jetzt fühle ich mich richtig befreit! Nicht dass ich jetzt denke ich bin's nicht - nur hat sich das alles so geordnet innerlich.

    Also vielen Dank 🙏🏼 für den Hinweis!

    Dann habe ich noch kurz zum Gehirn-Thema geforscht und habe auch hier meine Antworten gefunden.

    Kurz: für heute ist mein eigenes Gehirn gesättigt und ich bin gerade richtig froh meine inneren Dissonanzen zusammen gekriegt zu haben. Merci!

    Für mich sind das zwei verschiedene Paar Schuhe:

    Das eine ist, dass ich nix machen kann und sogar die Sucht unterstütze durch mein co-Verhalten.

    Das andere ist, ob der Süchtige selbst nach einer gewissen Dauer und Menge an Alkohol immer noch "die gleiche Chance hat" aufzuhören. Es ging um die sogenannten "Drehtürpatienten".

    Elly und Momo, so wie ich euch jetzt verstehe ist das dann durchaus ein Unterschied. Weil es ein Nervengift ist.

    Beide Punkte sehe ich aber völlig unabhängig voneinander.

    Hallo sorrowful, jetzt komme ich auch mal zu dir.

    Du fragst quasi ob du aus einer Mücke einen Elefanten machst. Oder ob es wirklich ein Elefant ist.

    Dazu fällt mir ein Erlebnis ein:

    Ich wurde mal vor langer Zeit von einem Adler angegriffen. Ich bin unverletzt geblieben und weg gerannt, aber er kam immer wieder im Sturzflug auf mich runter, um im letzten Moment abzudrehen. Ich hatte Todesangst, war in heller Panik.

    Danach war ich lange Zeit so schreckhaft, dass ich bei jeder Fliege, die zufällig an mir vorbei geflogen ist, zusammen gezuckt bin. Ich wusste aber woher es kommt und dass die Fliege harmlos ist. Es war ja offensichtlich.

    Ich habe deinen Faden gelesen und ich frage mich, ob es sein kann, dass du durch deine frühere co-abhängige Beziehung vielleicht sehr viel Schaden genommen hast und es im Grunde darum gehen könnte dies zu verarbeiten?

    Ich bin darauf gekommen nachdem du geschrieben hast:

    Ich hatte garantiert als Co keinen klaren Geist mehr

    Und auch sonst immer wieder erwähnst wie schlimm diese Zeit für dich war.

    Es könnte ja durchaus auch sein, dass du deine Ängste und dein Kontroll-bedürfnis auf deine jetzige Partnerin überträgst. Das ist ja auch das, was du selbst befürchtest, so wie ich dich verstehe.

    Die Antworten die du bekommen hast zielen darauf ab dich in deiner Wahrnehmung und deinen eigenen Bedürfnissen zu stärken. Das ist ja auch wichtig und gut. Es wäre für mich aber ein Unterschied ob ich aus eigener innerer Überzeugung eine Partnerin will, die nichts oder minimal trinkt. Oder ob dies einem Kontrollbedürfnis oder einer Angst entspricht. Dann wäre es für mich jedenfalls eher ein Ernst-nehmen der eigenen Wahrnehmung, indem ich deren Bedeutung für mich selbst heraus finde, anstatt die Lösung auf meine Partnerin zu schieben.

    Ich glaube deshalb bist du auch in Therapie und dort ist das ja auch absolut richtig adressiert.

    Auch auf die Gefahr hin, dass ich nerve, hier noch eine zweite Geschichte von mir:

    Ich wurde vor langer Zeit mal auf der Arbeit tätlich angegriffen. Danach habe ich immer sofort eine Panikattacke bekommen, sobald ich diesen Ort betreten hatte.

    Ich bin zu einem praktizierenden Arzt, der aber auch Verhaltenstherapeut war und habe ihm die Situation geschildert. Er hat mich angeschaut und gesagt: wer hat Sie empathische, zarte, feinfühlige Person denn in einen solchen Job gesteckt? Aus seiner Sicht sei das schlicht eine völlige Fehlbesetzung. Er meinte aber: wenn Sie das wollen, dann kann ich das behandeln und ich verspreche ihnen, dass sie es schaffen werden dort zu arbeiten. Aber überlegen Sie es sich gut, denn Sie müssten sich sehr verändern und ich finde Sie so gut wie Sie sind. Er gab mir eine Woche Bedenkzeit. Ich habe gekündigt.

    Hier hätte ich mich selbst wirkich zu sehr innerich verbiegen müssen.

    Ich hoffe der Unterschied, den ich meine wird klar. Und die Antwort wirst du hier nicht finden, glaube ich. Aber was du hier findest ist die Möglichkeit dich mit deinen co-abhängigen Verhaltensmustern zu beschäftigen.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️