Alexa - alles anders

  • Hallo liebe Jump, und alle :!:

    Oh ja, die Küche hab ich vorige Woche bekommen, sie ist toll. Ich mag meine kleine Wohnung sehr, es ist das erste mal dass ich alleine wohne. Als die Kinder flügge wurden zog mein Partner zu mir, und so ist es das erste mal dass ich ganz für mich sein kann. Ich bastle viel, lese, schau mir interessante Videos an und hab sogar das Meditieren für mich entdeckt :wink: Grade ich, die dachte ich muss die Wände hoch gehen wenn ich still sitzen soll, nur mit meinen Gedanken. Ich nenne es für mich nicht meditieren sondern "Kerzerl schauen".:)

    Leider hat mein Wauzi den Umzug nicht so gut verkraftet, und sie hat wenn sie alleine war stundenlang gebellt. Ich denke es war zu viel für sie, die Epilepsie, Medikamente, ständig zum Arzt, dann die neue kleinere Wohnung. Sie ist jetzt bei meinem Partner in ihrer vertrauten Umgebung und bellt nicht mehr. Das tut mir im Herzchen weh, denn sie begleitet mich seit 10 Jahren, und nun ist sie unter der Woche nicht bei mir, aber ihr geht es besser.

    Ich bin meinem Partner sehr dankbar dass er sich um sie kümmert, aber natürlich, ich habe Sorge um sie.

    Ich weiß nicht was die nahe Zukunft für meinen Partner bringt, aber ich denke früher oder später wird er in LZT gehen, ob er die Wohnung und Job behält längerfristig glaube ich nicht.

    Ich fühle mich nicht wohl wie wir derzeit in Beziehung stehen. Wir telefonieren nach wie vor täglich, und er erzählt mir viel davon wie es ihm mit seinen Süchten geht. Im Gegensatz zu vorher, zerbreche ich mir jedoch nicht mehr den Kopf darüber wie er was machen könnte, angehen könnte, usw.. das sag ich ihm auch so, dass ich einfach keinen Rat mehr für ihn habe, aber dass ich ihn lieb habe. Sein Kartenhaus bricht erneut! auseinander, und ich bin halt einfach nur da. Es ist ein bisschen so als würde ich am Rande eines Spielfeldes stehen und zusehen was da genau passiert.

    Ich frage mich oft wie es mit der Bindung zwischen uns steht. Ganz ehrlich, ich bin ihm dankbar dass er vorerst meine Hündin bei sich behält, ich bin ihm dankbar dass er mich nach wie vor unterstützt, auch finanziell. Das bindet auch! Doch ich bin nicht mehr so investiert wie vor einem Jahr. Ja, ich verbringe meistens das Wochenende bei ihm, da schläft er viel weil er ausnüchtern muss, ich fühl mich auch nicht so wohl bei ihm. Ich verfalle fast sofort in alte Gewohnheiten, werde träge und dann ist nicht mehr viel los, weder bei ihm noch bei mir.

    Ich frage mich ob ich einfach auf den nächsten Knall warten soll, bis er in Therapie ist. Denn ich weiß was dann für ein wundervoller Mensch wieder zum Vorschein kommt. Ich glaube nicht mehr an das große Happy End zwischen uns zweien, aber ich kann doch trotzdem eine Begleiterin in seinem Leben sein?

    Oder ich halte nur daran fest weil es gerade so toll bequem ist für mich? Er kümmert sich um meinen Hund, er macht alles wohnungstechnisch für mich, drückt mir Geld in die Hand wenn ich etwas brauche, er freut sich ehrlich für mich für jeden Fortschritt den ich mache. Und ich höre nur zu, wenn es mir zu viel ist gehe ich einfach wieder..

    Ich habe eine sehr liebe Freundin, wir kennen uns seit 25 Jahren, und sie hat als wir noch jünger waren ihre Sexualität und Weiblichkeit sehr eingesetzt um zu bekommen was sie wollte. Das wollte und konnte ich nie.

    Nun fühle ich mich etwas schäbig, ich schaue dem Elend aus Entfernung zu, möchte ihn nicht gehen lassen.

    Deshalb habe ich hier auch nicht mehr geschrieben. Ich bin in seiner Sucht gefangen, und warte.

    lg Alexa

  • Jump! Ich hoffe für dich, euch, deine Kätzchen auf eine schöne Zukunft.. oder halt einfach für dich, ich bin mir sicher die bekommst du, wie auch immer die aussehen wird <3 Und ich hoffe du teilst dich weiter in der öffentlichen mit, es ist immer sehr schön von dir zu lesen

  • Alexa, ich bin gerade etwas erschüttert. Danke, dass du deine Situation so schonungslos, offen darstellst. Nicht versuchst sie "auf zu hübschen" , schön zu reden.

    Eins aber vorab: du bist nicht! "gefangen" in seiner Sucht.

    ...ich werde nachdenken und mich wieder melden.

    Bis später, Jump! 👻

  • Guten Morgen, mir fiel eben beim Lesen ein: sind wir Co‘s nicht auch immer wieder ziemlich nah am Thema Abhängigkeit bei uns selbst?! Ich lese bei Dir, dass Du Dich in Abhängigkeit zu ihm begibst, finanziell, Hundebetreuung, etc. Kann ich nachvollziehen. Macht aber un-frei 🙄 weißt Du wahrscheinlich selbst, fiel mir nur eben ein und auf!

  • Hallo Vayana,

    ja du hast recht, ich binde mich an ihn. Es ist nur so eine Diskrepanz zu der Zeit als wir zusammenwohnten. Ich habe den Mantel der Depression, Verzweiflung, mein ständiges kontrollieren, interpretieren, reagieren auf seine Sucht abgestreift. Ich bin bei mir, und ich fühle mich ein bisschen wie eine Beobachterin.

    Trotzdem habe ich ihn sehr lieb, sehe wie er strauchelt, mit sich kämpft, jeden Tag sich etwas vornimmt nur um wieder zu scheitern.

    Ich habe auch mit ihm darüber gesprochen dass wir derzeit ja keine Beziehung leben. Eher wie Freunde agieren. Seine Sicht darauf war, dass er sich so freut für mich dass sich so viele wichtige Dinge in meinem Leben zum Guten wendeten, ich lebe gerade fruchtbare Prozesse, und er muss sich halt um seine Süchte kümmern. Danach kann Beziehung wieder stattfinden.

    Ich kann ihn gehen lassen sollte er wieder auf LZT gehen, vielleicht wird er wieder in seine alte Heimatstadt ziehen, vielleicht wird er in eine christliche Gemeinschaft in Italien gehen. Das alles weiß ich nicht, und trotzdem bin ich auch in Liebe mit ihm verbunden und würde das alles annehmen.

    Das finanzielle wäre auch ohne seine Zuwendungen machbar, was ich mit Wauzi jedoch mache wenn mein Partner sich zu einer Option entschließt weiß ich nicht.. Sie ist jetzt 10 Jahre und krank.

    Wäre er ein A.. wäre alles klar, doch das ist er nicht. Er behandelt mich nun respektvoller, vorsichtiger, ich glaube er hat schon Angst mich zu verlieren. Das gibt irgendwie auch ein Machtgefälle das mir nicht behagt.

    lg Alexa

  • Liebe Alexa,

    jetzt habe ich lange nachgedacht...ohne dass mir eine besonders gute Reaktion eingefallen ist.

    Ich denke ich kann nachfühlen was du schreibst. Da du meine Wahrsagerin bist macht es mir ein bisschen Angst vor der Zukunft. Deshalb vielleicht auch mein "erschüttert".

    Weißt du, ich habe mich ja gerade sehr mit dieser Studie beschäftigt, ich weiß nicht ob du's gelesen hast bei mir. Und als da stand, dass der räumliche Abstand so hilfreich ist - da dachte ich sofort an dich und deinen Beitrag von Ende August. Und dachte: yes! Genauso ist es.

    Und jetzt liest es sich wieder anders bei dir. Gedämpfter. Du zweifelst an dir selbst, an deiner moralischen Integrität. Schade, dass du nicht gerade deshalb früher hier geschrieben hast. Denn das Forum ist doch gerade so hilfreich, wenn es darum geht wieder Orientierung zu kriegen.

    Ja, ich verbringe meistens das Wochenende bei ihm, da schläft er viel weil er ausnüchtern muss

    Weshalb machst du das? Wenn du frei hast könntest du deinen Wauzi doch mit zu dir nehmen. Und dich erst treffen, wenn er fertig ist mit Ausnüchtern?

    Erinnert mich sehr an meine eigenen früheren Wochenenden. Mein Mann hat dann ab Freitag "aufgehört" bzw. weniger getrunken. Er meinte er schafft das nur, wenn ich da bin. Lag im Bett. Ich gewartet, gewartet. Klar ich kann mich super selbst beschäftigen, das war es nicht. Aber es lag diese Schwere über allem.

    Oder ich halte nur daran fest weil es gerade so toll bequem ist für mich?

    Was ist denn daran bequem? Hört sich für mich alles andere als bequem an.

  • ... Vor allem, dass du dich jetzt auch noch mit deiner früheren Freundin vergleichst. So ein Quatsch! Nur weil er dir Geld gibt, dein Hundi betreut (die er doch bestimmt auch selbst sehr mag) und sich für dich freut, dass es dir besser geht - bist du doch zu nichts verpflichtet oder hast es darauf angelegt oder ihn ausgenutzt. Er macht das doch freiwillig. Vielleicht tut es ihm ja auch gut dir etwas zurück zu geben.

    Mir hat gerade letzte Woche eine gute Freundin genau das gesagt: dass es für meinen Mann auch eine große Erleichterung sein kann, dass ich ausziehe. Weil es für einen Süchtigen auch eine sehr große Belastung sein kann, wenn die Angehörige so viel gibt und so viel leidet. Das sei auch für ihn schwer auszuhalten. (Sie war selbst vor langer Zeit Opiat-Abhängig und sehr tief drin...ist aber seit über 40! Jahren clean).

    So herum hatte ich es noch nie betrachtet. Und ich glaube da ist sehr viel dran! Auch im Hinblick auf das "Machtgefälle", das du angesprochen hast.

    wenn es mir zu viel ist gehe ich einfach wieder..

    Das ist doch wunderbar! Und macht es das nicht auch für ihn sogar leichter? Aber egal. Du spürst wann es dir zu viel wird. Das finde ich toll.

    Kerzerl schauen". :)

    Was für ein schöner Ausdruck. Das ist die Alexa, die mich immer wieder zum Lächeln bringt.

    Alles Liebe, Jump! 🏵️

  • Huhu Alexa,

    was machen deine Kochkünste? Hast du mittlerweile eine Küche?

    Ich habe gestern Beluga-Linsen zuerst gekocht. Und dann mit Zwiebeln, Rauchsalz, Paprikapulver, Pfeffer, Mojo angebraten.

    Dann habe ich separat frisches Marktgemüse angebraten: Frühlingszwiebeln, Spitzkohl, Möhren, Sellerie und rote Paprika.

    Am Schluss habe ich dann einen Teil herzhafte Linsen dazu gegeben. Und die restlichen habe ich eingefroren.

    Und noch Reis dazu gekocht.

    War soo lecker!

    Wenn ich für mich alleine koche, dann mache ich immer mehr, so dass ich noch was einfrieren kann. Oder ich esse es einen-über-den-anderen-Tag.

    Herzliche Grüße, Jump! 🏵️

  • Hi du liebe, naja ich bin da noch nicht soweit.. das was du schreibst klingt so lecker..:) Ja, ich hab die Küche schon und ich hab sie so gerne, hab mir viele Gewürze gekauft, aber ich ess meistens zu Hause nur kalt, ich hab Mittags eine super leckere günstige Gelegenheit zu essen..

    Ich hab die Tage öfter an dich gedacht, und ich wollte dir sagen ich kann sehr gut nachempfinden dass du dich noch nicht lösen konntest, das wird aber wahrscheinlich sowieso kommen..

    Bei mir ist soweit alles beim alten, mein Partner und ich sehen uns am WE, er strebt einen Entzug nach Weihnachten an.. komisch, ich freue mich auf die Zeit danach

    Derzeit gehen wir miteinander um wie innige Freunde, erzählen uns unsere Gedanken und versuchen uns gegenseitig zu bestärken, und ist er zu beeinträchtigt halte ich das Gespräch kurz.

    Ich habe jetzt ca. 1 1/2 Monate lang versucht mit dem Rauchen aufzuhören, und bin gefühlt ständig gescheitert, auch wenn ich mir fest vorgenommen habe nicht zu rauchen hing ich eine Stunde später an der Zigarette.. gefühlt keine Chance der Gier Herr zu werden.. ich kam mir wie eine Versagerin vor. Hab ja versagt. Aber die ganze Geschichte hat mir gezeigt wie auch mein Partner einen sinnlosen Kampf führt und immer wieder scheitert. Ich verstehe ihn, und dann werde ich auf mich wütend weil ich mir manchmal echt denke, ich will kein Verständnis mehr aufbringen.

    Naja, so ist der Kreislauf..

    Ich hoffe dir geht es gut, und RH wenn du das liest, ich hoffe auch dir geht's gut,

    lg Alexa

  • Hallo liebe alle,

    Ich wollte mal meine Gedanken und Gefühle hier lassen, ich lese nach wie vor mit, doch oft finde ich es belastend, konnte ich mich doch durch die räumliche Trennung etwas frei machen, die Schicksale hier berühren mich, das viele Leid, das täglich zu lesen macht etwas mit einem.

    Diese Woche hatte ich eine Sitzung bei meiner Therapeutin und es war für mich ein Lichtbringer. Ich habe ja eine lange, lange Geschichte mit der Sucht. Ich wurde mit 16 von zu Hause rausgeschmissen, und ich tat dass für mich natürliche. Ohne Orientuerung und Halt wählte ich mir Freunde aus, die genauso verloren waren wie ich. Im Stadtpark, am Hauptplatz, mit den Punks und Menschen die am Rand stehen. Meine erste große Liebe, voll süchtig. Ich war so naiv, kannte die Sucht nicht, und wäre nie auf die Idee gekommen was diese Sucht noch alles mit sich bringt. Elend, Tod, Verzweiflung, Scham, Schuld, Ekel. Anfangs wenn ich ab und zu mal konsumierte fühlte sich alles so warm an, ruhig, sanft..und auch ich lernte über viele, viele Jahre was meine Sucht mit mir machte. Sie war hart, kalt und brutal. Nahm mir Stück für Stück alles was mir lieb und teuer war.

    Nun bin ich seit fast 6 Jahren nüchtern (also clean, ich war von Opiaten abhängig, aber ich finde den Begriff nüchtern für mich viel passender als clean oder sauber)

    Und es ist in meinem Leben immer schon so, ich habe einen Partner der voll süchtig ist. Alkoholiker, bei Bedarf und Verfügbarkeit kommt alles andere oben drauf. Und wieder steht die Sucht übergroß vor mir. Und da half mir meine Therapeutin sehr. Wenn ich mit meinem Partner telefonieren und ihn frage wie es ihm geht, meine ich eigentlich: hast du konsumiert, hast du getrunken, bist du nüchtern? Jedes mal steht die Sucht übergroß vor mir, jedes mal werden meine ganzen schlimmen Erfahrungen in den Ring geworfen. Ich habe Angst meinen Partner zu verlieren, habe Angst dass er untergeht, sich und mich verliert.

    Mein Partner kämpft jeden Tag. Und ich sehe schwarz. Ich sehe die Abgründe die noch auf ihn warten, räume ihm keine Chance ein. Die Zeiten in denen ich hoffnungsvoll an seiner Seite stand sind vorbei. Ich sehe was er tut, und denke mir: okay, noch eine Runde im Karussell. Meine Therapeutin (ist nicht auf Sucht spezialisiert) war etwas überrascht dass ich so schwarz denke. Sie sieht es so, dass er kämpft, das viele gute Mächte am Werk sind. Er das Leben sucht und nicht aufgibt. Und ich versuche ihn damit zu würdigen. Ja, für mich ist die Situation aussichtslos, doch er gibt nicht auf, kämpft täglich ( und ja es ist ein Kampf, keine Kapitulation vor der Sucht). Und ich sehe wieviel Kampfgeist er besitzt. Täglich schmeißt er sich in den Ring, begrenzt sich, versucht Standhaft zu bleiben. Und wenn ich schon nicht an seinen Sieg glaube, so kann ich ihn doch dafür würdigen.

    Ich versuche mich nicht davon überwältigen zu lassen. Doch es gibt auch Tage da überrollt es mich. Ich und meine Geschichte werden jedesmal konfrontiert, und ich fühle mich oft ausgeliefert. Obwohl ich nun 6 Jahre nüchtern bin. Durch ihn, aber auch z.B. wenn ich hier lese, wir das ganze Leid immer und immer wieder hochgeholt. Das ist sehr anstrengend.

    Ihn als Menschen aufzugeben ist keine Option. Da bin ich wie ein Bullterier der sich festgebissen hat. Das ist auch ein Grund warum ich nichts mehr geschrieben habe. Denn ich habe mich nicht gelöst. Und das wird hier ja oft auch sehr scharf kommentiert.

    Alles Liebe,

    Alexa

  • guten morgen alexa

    schön daß du schreibst. ich kann mit deinen zeilen viel anfangen. jeder nach seinem tempo und eigenem empfinden fällt mir dazu ein. manche prozesse lassen sich nicht beschleunigen. und das loslassen von jemandem den man liebt, gehört mit zum schwersten. ich hing ebenfalls wie ein bullterrier (das bild habe ich in gesprächen mit freunden auch manchmal verwendet) in einer emotionalen abhängigkeit. und auch wenn ich heute denke, schön wäre es gewesen sich eher zu lösen. ich hätte es nicht schneller hinbekommen, ich habe so seltsam das klingt, die verstrickung auch für mich nutzen können, und bin dran gewachsen. die sturheit ist teil meiner persönlichkeit, ich habe sie mir abgeschaut denke ich, und sie ist niicht nur sehr hilfreich, sie ist auch ein motor für meine arbeit.

    Lieben Gruss Koda

  • Hallo Alexa,

    danke für deinen ehrlichen Beitrag. Ja, hier wird oft scharf kommentiert. Aber es hat auch Gründe.

    Ich bin eher ruhiger, nicht so kurz und knackig wie andere User hier unterwegs aber trotzdem bestimmt. Mit einem Ziel. Denn es geht ja schon um eine ernsthafte Sache. Und jede/ r bringt eben auch ihre/seine Geschichte mit. Ich zum Beispiel habe mehr als 20 Jahre lang mit einem Alkoholiker gelebt. Und wurde immer tiefer in meine Coabhängigkeit durch seine Sucht mit reingezogen.

    Das hat mich Lebensfreude gekostet, Energie, Freiheit, Gesundheit. Und wenn ich hier noch immer unterwegs bin dann deshalb, weil ich Menschen davon erzählen möchte, es besser zu machen. Weil es einfach, in meinen Augen, kein freies, lebenswertes Leben an der Seite eines Abhängigen geben kann.

    Ich habe bis heute mit den Folgen dieser ersten Ehe zu tun, bin chronisch depressiv und meine Energiedepots sind immer am Rand von Null.

    Andererseits muss jeder Mensch für sich selbst entscheiden, wie sein Leben sein soll. Ich kann und will keinen zu seinem Glück zwingen. Das steht mir nicht zu und auch keinem Anderen.

    Hier ist nun die Frage, was erwarte ich von einer Selbsthilfegruppe. Also ich habe damals erwartet, dass ich hier Wege da raus finden kann. Für mich. Hilfe zur Selbsthilfe. Weil ich nicht mehr so weiterleben konnte und wollte. Und da habe ich hier genau DAS bekommen.

    Was ist deine Erwartung an diese Gruppe?

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Och, ich finde Bullterrier werden oft überbewertet 😜. Dazu habe ich eine Geschichte:

    Im Haus hatte ich einen Nachbarn, der hatte einen Bullterrier. Und unsere Kater sind immer schön über dessen Grundstück spaziert. Eines Tages kam der Nachbar panisch rüber gerannt: unser Hund hat eure Katz' erwischt! Er habe nur das Geschrei gehört, ein Kneul von Terrier und Kater gesehen...dann sei der Kater geflüchtet, aber bestimmt schwer verletzt.

    Ich natürlich komplett am Nervenzusammenbruch, gesucht und gesucht, keine Chance. Irgendwann nach Stunden kam er heim. Blutüberströmt. Da er komplett schneeweiß war, war das sehr eindrucksvoll. Sofort zum Tier-Notarzt gefahren. Der hat untersucht und untersucht...und irgendwann gesagt: der hat nix! Der Hund muss kommen. Das ganze Blut muss von ihm sein! 😳 😜

    Was war ich stolz auf meinen kleinen Kampf-Kater!

    Also. Was ich damit sagen will: vielleicht schaffst du es, das Bild vom festgebissenen Bullterrier durch einen Kater zu ersetzen. Denn Katzen machen das super: sie kommen und gehen wie sie wollen. Sie können Fauchen und Kratzen, aber auch Schmusen und Schnurren. Sie sind vollkommen unbestechlich und können nicht erzogen werden. Sind ganz bei sich selbst! Quasi absolt non-co.

    Durch deine Wohnung hast du die Freiheit Nähe und Distanz zu regulieren, so wie es dir selbst gut tut. Du schreibst leider kaum was dazu wie es dir geht. Also unabhängig von der Sucht-Problematik. Oder nimmt diese wieder so viel Raum ein? Ich hatte den Eindruck du bist weniger hier unterwegs - und dachte das ist gut. Andere Themen sind präsenter für dich. Nicht?

    Ich finde nicht, dass du "schwarz" siehst, wenn dein Partner kämpft, sondern realistisch. Ich verstehe total was du damit meinst, dass du seine Kämpfe "würdigen" willst. Aber sein Gegner ist zu stark und zuzusehen tut weh. Welche "guten Mächte" hier am Werk sein sollen ist mir ein Rätsel. Die einzige gute Macht heißt "Entgiftung" und Kapitulation.

    Wenn du vom Ausgeliefert-Sein sprichst, dann muss ich an die "Über-Identifikation" denken, von der du mal gesprochen hast. Dieser Begriff hat mir sehr geholfen. Es hört sich für mich an, als seien deine Grenzen wieder aufgeweicht?

    Wieder mehr zu dir selbst finden. Deine Grenze spüren. Bei dir bleiben. Das wünsche ich dir. Und ganz viel innere Katze!

    Alles Liebe, von Jump! 🏵️ (die von dieser Selbsthilfe-Gruppe Resonanz erwartet, Erfahrungsaustausch, auch ein Finger-Zeig!, - aber kein mit-dem-Finger-auf-mich-zeigen...all das, um meine eigene Position zu finden, zu überdenken, zu kräftigen, zu hinterfragen und meinen Weg zu gehen...)

  • Guten Morgen,

    Danke für eure Antworten.. ich bin zur Zeit im Krankenstand, und dadurch habe ich wohl wieder mehr Zeit zu grübeln und mich in Problemen zu versenken..

    ich hing ebenfalls wie ein bullterrier (das bild habe ich in gesprächen mit freunden auch manchmal verwendet) in einer emotionalen abhängigkeit. und auch wenn ich heute denke, schön wäre es gewesen sich eher zu lösen. ich hätte es nicht schneller hinbekommen,

    Ich hab dazu ein Gespräch im Kopf von einer lieben Bekannten und mir. Sie meinte das ist wie Liebeskummer, der geht schnell vorbei. Und ich meinte was? Liebeskummer kann ein Leben lang gehen. Wir haben uns gegenseitig angeschaut als würden wir von 2 unterschiedlichen Planeten kommen. War irgendwie eine lustige Szene.

    Ich tu mir sehr, sehr schwer mich zu lösen. Ich hab einen Ex, sehr traurige Geschichte, er vegetiert seit Jahren dahin, ich frag mich wieviel kann ein Mensch aushalten bis er endlich stirbt. Die Beziehung ist jetzt glaub ich seit 15 Jahren zu Ende, und ich knabbere noch immer daran. Völlig surreal. Nur jetzt scheint sich in mir etwas zu tun. Ich habe immer nur ihn gesehen. Seine Sucht, seine Nöte usw. Und erst jetzt geht mir ein Licht auf. Was hat er! Eigentlich mit mir gemacht? Warum habe ich bei so viel Sch... mitgemacht? Wie war es eigentlich für mich, und vor allem für meine Kinder! Mein Großer hasst ihn. Und zu recht! Es gab wohl viele viele Situationen in denen ich verzweifelt war, und mein kleiner Junge musste das miterleben konnte weder mir noch sich selbst helfen. Und ich hatte kein Auge für den lieben Jungen der neben mir leidet. Weil ich nur meinen Partner sah.

    Da habe ich komplett versagt, und ich sehe diese Dinge erst jetzt! Mir tut es für mein Kind unendlich leid, und es ist schwer diese Schuld auszuhalten. Ich hab mich mit meiner Therapeutin in so eine Situation versetzt, wo mein kleiner Junge dabei war. In dieser Situation habe ich endlich! ihn gesehen, mich um ihn gekümmert, ich bin mit dem Kleinen Hand in Hand aus der Situation spaziert. Das war sehr schön, und ich habe viel geweint.

    Ich schweife ab..

    Ich bin wohl immer schon Co, warum weiß ich nicht..

    Aurora ich hab ja deinen Faden vor einigen Monaten gelesen, ich konnte mich nicht ganz damit identifizieren, den ich hatte nie "geregelte" Verhältnisse. Also keinen Mann, kein Haus, keine Ehe. Ich war immer alleinerziehend, habe mit meinen Kindern gelebt, und mein damaliger Partner war, naja..

    Was uns verbindet ist, dass die Sucht des Partners uns krank gemacht hat. Ich bin vor nicht ganz einem Jahr hier aufgeschlagen und war so erschöpft und verzweifelt. Dort will ich nie wieder hin. Und das Forum war damals mein Anker. Ich war echt so bewegungsunfähig, habe mich verkrochen und hätte mich gerne in Luft aufgelöst. Und manche Bestätigung hat mir gut getan, ich musste mir vertrauen, ich musste aufstehen (im wahrsten Sinne), und ich musste mich bewegen und losgehen. Ich hatte soviel Angst! Dass ihr alle da wart, das war so wichtig!

    Jump! Deine Nachricht berührte mich auch sehr, ich musste so lachen, mir geht es so gut wie schon sehr lange nicht mehr.. dazu schreibe ich gerne später mehr. Ach ja, was ich echt mal gerne wissen würde ist was du beruflich machst. Ich glaube ich bin ein offenes Buch für dich. Du triffst so oft so genau meine Punkte, da frag ich mich echt bist du Hellseherin?! 8|^^

    Bis später,

    Alexa

  • Ich finde Deinen Beitrag sehr hilfreich. Wie Du alles rückblickend in Bezug auf Dein Kind siehst.
    Ich hoffe, dass viele Mütter ihn lesen, die sich jetzt in der Situation befinden, in der sie eher ihren Partner anstatt ihr Kind sehen können.

    LG Cadda

  • Da habe ich komplett versagt, und ich sehe diese Dinge erst jetzt! Mir tut es für mein Kind unendlich leid, und es ist schwer diese Schuld auszuhalten.

    hi alexa, schuld aushalten das klingt nach ner mächtigen bürde. das hat mich an meine eigene mutter erinnert, sie hat oft gesagt, dass sie grosse schuldgefühle hat, sich entschuldigt. mir irgendwann auch einen brief geschrieben - auf den ich aber zu dem zeitpunkt einfach nicht antworten konnte. mich hat alles daran einfach nur noch mehr bedrängt. jetzt denke ich, sie hätte in der zeit auch einfach nichts richtig machen können, außer mir luft zum atmen zu lassen. Mitleid war auch das letzte was ich von ihr wollte. Eigentlich alles, was ihre Bedürftigkeit vor mir so ausbreitete, habe ich nicht gut ertragen.
    Bin da auch, wenn sich alles über die jahre mehr entspannt hat, auch immer noch ratlos was diesen punkt angeht. ich würde sie mittlerweile manchmal gerne sachen fragen, wie sie sich gefühlt hat, in der zeit als es ihr so schlecht ging, und wieso sie uns kinder immer so vorgeschoben hat um nicht ins eigenständige handeln zu kommen. mir wurde oft härte vorgeworfen, was mich wiederum in arge bedrängnis brachte. ich wollte ja nicht hart sein, aber so oft spuerte ich einfach nur einen fluchtreflex. wollte mit ihr über normale sachen, alltagssachen reden.
    mittlerweile bekommen wir das besser hin, wobei ich manchmal nicht weiß, ob sie sich wiederum total verbiegt, um meinen bedürfnissen mehr zu entsprechen.

    das mit der schuld beschäftigt mich aber auch immer wieder. schulden lassen sich abbezahlen, aber die art von schuld von der du schreibst ist ja keine die sich in dem sinn abtragen lässt. sie ist da einfach, weil alles schon passiert ist. nichts lässt sich rückgängig machen. vielleicht ist es auch eine sache des maßes. allein die sprache: komplett, unendlich, aushalten. Das ist ja so riesig aufgetürmt. aber vielleicht ist das so bei traumatischen erlebnissen, die türmen sich auf. und lassen sich dann auch nur stück für stück bearbeiten. wie bei einem riesenbaum, den man scheibchenweise abholzt, weil er sonst mit wucht jemanden erschlagen könnte.

    so und jetzt was ganz tolles, es hat geschneit.
    alles sieht ganz zuckrig aus


    liebste grüsse

    koda

  • Liebe Koda,

    danke für deine Zeilen.

    Ich wußte bis voriges Jahr gar nicht wie mein Großer auf seine Kindheit blickt. Wir hatten ein! Gespräch zu dem ich ihn gedrängt habe, und da erst wurde mir klar was ich angerichtet hatte. Vieles was er sagte hat mich schwer getroffen. Er hat seine Kindheit als Scheiße bezeichnet, meinte nur dass ich ja noch jung war als das alles passierte, und er hat so kam es mir vor von oben herab gemeint: "irgendwas musst du ja richtig gemacht haben, denn ich bin groß und stark."

    Ich habe definitiv ein schlechtes Gewissen, doch was damit tun? Mir ist eigentlich nur eine systemische Familienaufstellung eingefallen, die gibt es aber leider bei uns nicht.

    Ich habe im Fotoalbum geblättert und die Diskrepanz war so klar. Es gab so viele schöne, tolle Momente auf Foto festgehalten. Das hilft aber nix, wenn es vielleicht Abends oder anderen Tags wieder Chaos und Verzweiflung herrscht.

    Ich werde ihn auf keinen Fall bedrängen mir zu verzeihen.

    Eigentlich alles, was ihre Bedürftigkeit vor mir so ausbreitete, habe ich nicht gut ertragen.

    Das kann ich gut verstehen, zuerst musst du ihre falschen Entscheidungen ausbaden und danach noch für ihr Emotionales zuständig sein.

    ich wollte ja nicht hart sein, aber so oft spuerte ich einfach nur einen fluchtreflex. wollte mit ihr über normale sachen, alltagssachen reden.

    Ich habe das bei meinem Sohn auch so erlebt, er wollte nicht darüber reden, und so werde ich es auch nicht mehr ansprechen.

    Das blöde dabei ist, dass auf beiden Seiten die Verletzung bleibt. Das ist auch durch eine unglaubliche Distanz zwischen uns zu spüren. Wenn ich ihn sehe tut es manchmal so weh.

    Wie gesagt, ich weiß wirklich nicht damit umzugehen. Ich versuche mich zu trösten, vielleicht heilt die Zeit ja doch?

    Meine Therapeutin meinte es gibt einen Spruch : es ist nie zu spät für eine schöne Kindheit. Weiß eigentlich nichts so richtig damit anzufangen, aber naja..

    Und was ich sehr sehr schön finde: mein Sohn hat mit meiner Mama ein sehr inniges Verhältnis. Sie war ja immer auch da als die Jungs noch klein waren und hat auch Erziehungsarbeit geleistet.

    Es tröstet mich ein wenig dass die beiden sich haben, auch wenn ich nicht die Mama sein konnte, die mein Junge damals gebraucht und verdient hätte.

    Vielen Dank Koda für deine Worte, sie haben mich berührt.

    Alles Liebe euch allen Alexa

  • Es gab so viele schöne, tolle Momente auf Foto festgehalten. Das hilft aber nix, wenn es vielleicht Abends oder anderen Tags wieder Chaos und Verzweiflung herrscht.

    Die gab es bei uns auch. Und ich würde auch nicht sagen, das die nix helfen. Weil das tun sie schon. Insofern hat dein Sohn doch auch recht, selbst wenn er dich mit seinem Tonfall nicht gut abholen konnte. Du hast deine Vergangenheit und er hat seine. Es gibt Überschneidungen, superviele bei Mutter und Sohn, gemeinsame Erlebnisse, und dann aber wahrscheinlich doch auch mehr als du denkst, was ihn einfach auch geprägt hat. Freunde, Schule, keine Ahnung was noch alles, er hat ja seinen eigenen Kopf, ein ganzes Universum an Erinnungen und Erfahrungen. Weiß ja nicht wie alt dein Sohn ist, vielleicht geht auch grade nix anderes als dir ein "Scheisse" hinzuknallen, weil das seine Art der Ablösung ist.
    Ich musste / wollte auch ganz viel mit mir selber ausmachen. Der Dialog birgt manchmal, für mich zumindest auch eine Gefahr, nämlich das zuviel von meinem Gegenüber sich über mich drüberlegt. Jenachdem wie sehr der Andere jeweils die Atmosphäre oder den Raum des Gesprächs einnimmt oder vorgibt, ist es gar nicht so einfach bei sich zu bleiben. Ein "Scheisse" ist dann wie gewaltsam das Fenster aufreissen um frische Luft reinzulassen.
    Ich habe die Gespräche mit meiner Mum oft so empfunden, daß ich da wenig Platz hatte. Hat sie sicher gar nicht beabsichtigt, und glaube es hatte auch vorallem mit mir zu tun. Mich zurückzunehmen, erst mal anzuwarten, abzuchecken, wie der Andere so drauf ist.
    Als ich auszog, hab ich das dann plötzlich auch anders haben wollen. Das an meinem ersten Freund ausgetestet. Mich Sachen getraut zu sagen, mir mehr Raum zu nehmen. Das war für den dann wiederum nicht gut auszuhalten, und hat seine Grenzen überschritten. War aber für mich so wichtig, mich zu befreien. Ich bin da aber in meinen Beziehungen oft von einem Extrem ins Andere gerutscht. Hab mich mal eher wie mein Vater, dann wieder eher wie meine Mutter verhalten. Also in diesen ersten Jahren nach meinem Auszug da war jedenfalls erst mal Freistrampeln angesagt.

    Wie gesagt, ich weiß wirklich nicht damit umzugehen. Ich versuche mich zu trösten, vielleicht heilt die Zeit ja doch?

    ich würde sagen ja, tut sie. Ich wollte jedenfalls ganz viel erst mal für mich selbst klar kriegen. Mich als mein Zentrum spüren, von mir ausgehen.

    Liebe Grüße!

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