Beiträge von Jump!

    Ich finde nicht, dass man das eine mit dem anderen vergleichen kann.

    Mir ging es zuerst um die Frage, ob die Dauer der Sucht die Chance mindert sie zu stoppen. Weil es ja Nervengift ist, welches hier in sich rein geschüttet wird. Also ob ein Alkoholiker, der zum 4. Mal eine Reha macht die gleichen Chancen hat seine Sucht zu stoppen, wie einer, der seine erste Reha macht.

    Also der Vergleich war ein anderer.

    Dann habe ich gemerkt, dass mich diese Frage nicht weiter bringt. Und habe sie stattdessen mir selbst gestellt: Kann ich selbst, trotz der langen Zeit, raus aus meiner Spirale? Und bin zu dem Schluss gekommen, dass es für mich selbst die Chance vermutlich eher erhöht. Weil mein inneres Fass nun übergelaufen ist.

    Und das hat mich dann an den Tiefpunkt beim Alkoholiker erinnert. Der ja unter Umständen auch erst nach einer langen Zeit eintritt.

    Oder habe ich dich missverstanden Elly?

    Ich wollte keinen intoxinierten Süchtigen mit einer Co-abhängigen vergleichen. Im Gegenteil: gerade wegen der nervenschädigenden Wirkung des Alkohols fällt es mir ja so schwer die volle Verantwortung trotzdem an meinen Mann zu geben.

    Ich finde den Hinweis von sorrowful aber auch sehr wertvoll. Alles was wir tun, alles was wir denken, hinterlässt ja immer eine neuronale Spur im Gehirn. Also auch ohne stoffliche Schädigung. Und ich muss sagen, dass in meiner "Co-Krisenzeit" der Realitätsbezug vermutlich auch eingeschränkt war, ich quasi "besessen" war. Bestimmt nicht vergleichbar mit einem fast komatösen Vollsuff, aber dennoch "entrückt".

    Aber wie gesagt: darum ging es mir eigentlich gar nicht.

    Hat nicht ein Alkoholiker der viele viele Jahre sehr viel getrunken hat und damit ja auch sein Gedächtnis, seine neuronalen Verbindungen, so nachhaltig mit Nervengift geschädigt hat - hat der trotzdem die gleichen Chancen es beim so-und-so-vielsten Anlauf zu schaffen ??

    Meine Antworten:

    1. Es bringt mir nichts mich damit zu beschäftigen, ich sollte mich nur mit mir selbst befassen

    2. Ich übertrage die Frage auf mich selbst: habe ICH die gleiche Chance mich aus meiner Co-Abhängigkeit zu befreien nach so vielen Jahren, wie jemand, die erst kürzer in einer solchen Situation ist?: meine Antwort ist ganz klar ein JA! Und vielleicht, also ganz vielleicht sind meine Chancen ja sogar gerade deswegen "gut", weil ich schon so oft auf die Schnauze gefallen bin und diese nun um so voller habe? - Wie auch immer, jedenfalls nicht schlechter, nur anders.

    3. Das selbe könnte auch für den Alkoholiker gelten...

    Kann mir bitte nochmal jemand den Kopf waschen!

    Unter denen, die es beim ersten Mal schaffen, bis zu dem Drehtürpatienten sind die Chancen gleich.

    Jetzt kommt dieses Frage-Teufelchen hoch: ist es wirklich gleich?

    Hat nicht ein Alkoholiker der viele viele Jahre sehr viel getrunken hat und damit ja auch sein Gedächtnis, seine neuronalen Verbindungen, so nachhaltig mit Nervengift geschädigt hat - hat der trotzdem die gleichen Chancen es beim so-und-so-vielsten Anlauf zu schaffen ???

    Es heißt schlicht: Co-Abhängigkeit. Ist in der 3. Auflage von 2011, weiß nicht wann es erschienen ist.

    Es richtet sich in erster Linie an Psychotherapeut*innen, Suchtberater und so, aber soll auch explizit zusätzlich für Betroffene geschrieben sein.

    Ha, ha, das Fachbuch von Flassbeck habe ich eben in meinem eigenen Bücherregal entdeckt 🤦🏼‍♀️. Das muss ich mir vor rund 15 Jahren im Zeitraum der ersten Reha meines Mannes gekauft haben.

    Damals haben wir beide jedes verfügbare Buch zum Thema Sucht und Co verschlungen. Genutzt hat es nichts!

    Habe eben mal quergelesen und würde es für Betroffene nicht empfehlen. Ist viel zu sehr aus der therapeutischen Vogelperspektive geschrieben und ich würde fast sagen, es verhindert dann eher den eigenen Prozess.

    Denke deshalb habe ich es auch komplett vergessen, weil es mich selbst innerlich nicht angesprochen hat.

    Ich glaube es ist gut, wenn du dem Vermieter die Situation ehrlich schilderst. Denn dann wird dieser vermutlich auch schneller reagieren und Kündigung aussprechen und ggfls. Zwangsräumung veranlassen. Andernfalls würde er ja vielleicht abwarten oder Ratenzahlung anbieten und da du im Vertrag stehst würde sich ja auch für dich der Schuldenberg erhöhen. Toll, dass du einen Anwalt hast, der dich dazu beraten kann!

    Das von 2003?

    Mir fällt der Titel nicht ein.

    Es heißt schlicht: Co-Abhängigkeit. Ist in der 3. Auflage von 2011, weiß nicht wann es erschienen ist.

    Es richtet sich in erster Linie an Psychotherapeut*innen, Suchtberater und so, aber soll auch explizit zusätzlich für Betroffene geschrieben sein.

    Er hat aber auch 2014 ein reines Selbsthilfebuch geschrieben: Ich will mein Leben zurück!

    Tja, dann habe ich jetzt weiterhin die Qual der Wahl 🤔

    Oh, Studienberichte hört sich bisschen anstrengend an 🙈. Ich schau' mal.

    Danke Morgenrot! Das kommt mir vom Namen bekannt vor.

    Ich hatte in ein Buch von einer Amerikanerin rein geschaut, das hat mich durch die knackige Art angesprochen (sie schreibt in der Einleitung wie nervig und seltsam sie die kontrollierenden Cos fand, als sie selbst noch trank) - aber dann erschien es mir doch zu aufgeladen.

    Dann ein neueres von Julia Maria Kessler.

    Und ein Fachbuch von Jens Flassbeck, das aber schon etwas älter ist.

    Mal sehen... 🤓

    Bedeutet: Co Abhängigkeit KANN auf eine Persönlichkeitsstörung hinweisen, MUSS es aber nicht. Und um das Herauszufinden wendet die Fachfrau oder der Fachmann die Diagnosekriterien an. Am ehesten kann darauf die Diagnose des ICD10 F60.7 angewandt werden - die abhängige Persönlichkeitsstörung.

    Ich sehe das anders.

    Co-Abhängigkeit "kann" natürlich mit allem möglichen korrelieren. Aber da werden meiner Meinung nach Zusammenhänge konstruiert, die nicht richtig sind und die eigentliche Dynamik der Co-Abhängigkeit verschleiern. Oder anders: da werden Äpfel mit Birnen verglichen.

    Nur weil das Wort "abhängig" in der "Abhängigen Persönlichkeitsstörung" steckt, hat das noch lange nichts mit Co-Abhängigkeit zu tun. Die Kriterien sind hier völlig andere.

    Leider ist auch trotz ICD die Zuordnung zu Krankheitsbildern weit weniger eindeutig und einfach, als du es darstellst Jana. Gehe zu drei verschiedenen "Fachleuten" , sprich Psychiatern, und du wirst ggfls. drei verschiedene Diagnosen erhalten. Gerade ist ja auch das ICD11 in den Startlöchern und plötzlich gibt es für einige Krankheitsbilder andere Kriterien, neue Diagnosen kommen dazu, andere gehen...

    Und so wird, wie Momo erläutert hat, auch die Co-Abhängigkeit mittlerweile völlig anders eingeordnet als früher.

    Zusammenhänge zu Persönlichkeitsstörungen anzudeuten halte ich für irreführend.

    Nein, so meine ich es nicht Hartmut.

    Wo Co drauf steht ist auch Co drin.

    Es ging doch jetzt um die Hintergründe, die dazu führen, also um innere Muster, Prägungen. Und die Aussage es sei eine Persönlichkeitsstörung. Und was das angeht, gibt es vielleicht Unterschiede/Varianten. Ich z.B. kann mich nicht damit identifizieren, dass ich früherer Verletzungen wiederhole, um sie endlich zu heilen. Aber ich bin trotzdem Co.

    Ich habe nachgedacht und ich bin überzeugt, dass Co-Abhängigkeit KEINE Persönlichkeitsstörung ist. Nicht weil mich dieses Label stört, sondern das wird der Dynamik nicht gerecht.

    Bei Co-Abhängigheit handelt sich meiner Ansicht nach um eine Störung, die sich in Wechselwirkung mit dem Süchtigen entwickelt und zwar in einem langsamen Prozess: ich selbst war die ersten Jahre nicht co, das hat sich erst schleichend entwickelt. Die Belastung wurde größer. Aber nicht WEIL ich co war, sondern weil Sucht eben immer schlimmer wird. Durch die Entwicklung der Co-Abhängigkeit wurde dann aber tatsächlich die Belastung noch verstärkt. Ein Teufelskreis. So sehe ich es.

    Hartmut, das mit der geistigen Behinderung gefällt mir 😂 (nur Spaß!). Da hätte ich ja wieder mein geliebtes 'er-kann-nix-dafür' bestätigt 😉

    Diese selben inneren "Muster" gibt es ja aber auch bei ganz vielen anderen Krankheiten, wie Depressionen, Angststörung etc. Und diese Muster (Hilfsbereitschaft etc.) sind ja eher Teil der innere Struktur. Die ist aber nicht pathologisch. Nur, wenn die dann auf bestimmte Auslöser trifft, dann entsteht - je nachdem - eine Störung. Wie z.B. die Co-Abhängigkeit.

    Vielleicht gibt es die Co-Abhängigkeit in mehreren "Varianten"? Die Wiederholung mit ähnlichen Partnern lässt wahrscheinlich auf eine starke eigene Dynamik schließen.

    Keine Sorge, Hartmut, ich will hier jetzt nicht nur vom Handeln ablenken. Gleich fahre ich in meine neue Wohnung, weil noch ein Sessel geliefert wird. Das ist das letzte, was noch gefehlt hat. Nur damit es nicht so aussieht als ob nix mache 😇

    Jeder Alkoholiker kann trocken werden; niemand ist von der Sucht so zerfressen, dass er nicht herauskommen kann. Niemand kann mir das Gegenteil erzählen, auch nicht mit immer wieder neuen, spitzfindigen Begründungen oder sonstigen Verschleierungen.

    Unter denen, die es beim ersten Mal schaffen, bis zu dem Drehtürpatienten sind die Chancen gleich.

    Solange auch nur noch für den Alkoholiker ein Funken Hoffnung besteht, sei es auch nur ansatzweise kontrolliert oder in kleinen Dosen wieder trinken zu können, ist ein Rückfall lediglich eine Frage der Zeit.

    Danke Hartmut! Das ist genau die passende Antwort für mich. Das muss ich mir richtig richtig hinter die Ohren schreiben!

    Lieber Stromer, Danke dir sehr für deine Erklärungen.

    Es ist ja mein Faden und ich denke du hast gemerkt, dass mich dieses will-er-nicht oder kann-er-nicht quasi blockiert. Und du wolltest mich da ein Stück befreien, wenn ich das so nennen darf. Und hast es deshalb so prägnant ausgedrückt. Aber im Grunde wäre es dann ja doch wieder ein: wer wirklich will, der kann. Und damit wäre ich dann wieder zurück auf Los. Denn der Wille ist es doch nicht. Und der Tiefpunkt wirkt auf mich langsam schon fast "esoterisch": Manche kriegen ihn nie, manche früh, manche spät, bei jedem was anderes, aus anderen Gründen...und irgendwie so als kommt er von selbst.

    Ich habe nochmal nachgedacht was es für mich selbst war. Das hört sich blöd an, aber ich glaube es war die Erkenntnis, dass es sich ja wirklich und tatsächlich um eine tödliche Krankheit handelt bei meinem Mann. Klar wusste ich das vorher auch, aber da war es noch abstrakter, weiter weg. Ihn so hilflos zu sehen während des Anfalls hat mich komplett geschockt. Und daher ist klar, dass bei mir da nun null-Toleranz mehr gibt.

    Glaub mir, mein Mann wäre 100%ig einer von denen, dem du eine Abstinenz zutrauen würdest. Ich will das hier aber nicht ausführen.

    Im Grunde ist es ja auch "egal". Was zählt ist das Ergebnis, mit oder ohne Wille. Und betrunken wird es kein "wir" mehr geben.

    Deshalb wollte ich die Diskussion dann auch lieber wieder auf mich lenken, bzw. darauf was für andere der Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Ganz konkret. Nicht in der Theorie.

    Ich finde es sehr spannend da hin zu schauen. Vielen Dank euch, die ihr mir das da gelassen habt ❤️

    Hartmut, mir ging es jetzt nicht um die Theorie. Und das Wort Tiefpunkt habe ich absichtlich in Analogie zum Alkoholiker gewählt.

    Mir geht es um die konkreten Erfahrungen der User*innen hier im Forum. Was hat das Fass zum Überlaufen gebracht? Warum jetzt?

    Eben in Anlehnung zu der Diskussion vorher zwischen den Alkoholikern.

    Was hat dazu geführt es zu tun und nicht mehr nur zu wollen. Das meine ich mit Klick. Das Wort Wendepunkt ist aber vielleicht wirklich passender...

    Liebe Momo, ich hole das mal zu dir:

    Rückblickend betrachtet, bin ich jemanden hinterher gerannt, der mich immer wieder auch seelisch verletzt hat, um wieder seelisch verletzt zu werden

    Ich weiß genau was du meinst. Also nicht, weil ich das von mir selbst kenne, aber ich kenne die "Theorie".

    Ich weiß aber manchmal nicht, ob auch das ein Versuch ist, rückwirkend doch noch irgendwie einen Sinn drin zu finden und so das Gefühl von "Kontrolle" über die Situation zu bekommen.

    Ich denke da an die Alkoholiker, die sagen: ich wurde süchtig, weil ich getrunken habe. Punkt.

    Bei mir glaube ich, ich wurde Co, weil ich mit einem nassen Süchtigen zusammen war. Punkt.

    Klar gibt es bei beiden möglicherweise noch viele andere Gründe, weshalb es so weit kam...das will ich nicht absprechen. Ich sag's mal anders herum: wäre ich nicht mit einem nassen Alkoholiker zusammen, wäre ich nicht Co-abhängig. Kann aber nur von mir reden.

    Aber wir Co's neigen halt auch oft dazu uns extrem zu hinterfragen und vermeintliche Schuld, auch ein "Selber-Schuld", auf uns zu nehmen.


    Und irgendwie habe ich mir wohl gefallen in dieser Rolle. Die starke, tapfere Frau, die das Alles erträgt und hinbekommt. Die, die ihn auf die richtige Spur bekommen wird, Alles regelt, etc. *Bravo*...

    Und das zuzugeben ist echt schwer für mich. Die Märtyrerin...

    Dafür schäme ich mich vor mit selbst.

    Ja, die Scham ist ein großes Thema. Auf beiden Seiten. Kenne ich gut.

    Und das mit der starken tapferen Frau ebenfalls.

    Aber manchmal beschleicht mich auch der Gedanke, dass ich regelrecht "Schlechtigkeiten" bei mir selbst suche, um ihn dadurch aus dem Schussfeld zu holen. Und um mir auch auf diese Weise wieder so eine vermeintliche Kontrolle einzuräumen. Alles ist besser als mir meine Hilflosigkeit einzugestehen.