Beiträge von Leli

    Wenn der/die Schenkende nicht weiß, dass ich nicht mehr trinke, würde ich sagen “Lieb, dass du an mich gedacht hast, aber ich trinke keinen Alkohol mehr, jemand anders freut sich sicherlich über die Flasche. Ich würde mich aber freuen, einen Spaziergang/eine Hunderunde mit dir zu machen oder einen Kaffee zu trinken! Was meinst du?”

    Nicht, dass ich Alkoholgeschenke bekommen würde, aber es hilft sicherlich, wenn man sich im Vorfeld eine Antwort überlegt.

    Die Rum-Traube-Nuss war es hier auch gestern. Ich hab aber nichtmal nachgesehen, ob nur Aroma drin ist oder echter Rum, ich bin lieber auf Nummer sicher gegangen.

    Manche Lebensmittel sind da sehr offensichtlich, aber bei manchen hätte ich es nicht gedacht. Mit dem Thema muss ich mich auch erstmal beschäftigen.

    Übrigens, selbstgemachtes Tiramisu ohne Alk schmeckt super. Machen wir seit Jahren, damit die Patenkinder es auch essen können. Espresso kann man durch starken, ungesüßten Kakao ersetzen in dem Fall!

    Das Gespräch mit meinem Mann ist gut gelaufen - ich hatte es nicht anders erwartet. Er wird mich unterstützen, hat gesagt, falls wir essen gehen oder Ähnliches in der nächsten Zeit, wird er auch nichts trinken. Auf Besuche bei Freunden werden wir erstmal verzichten etc. Dass wir keinen Alkohol im Haus haben, hatte ich ja erwähnt.

    Er hat meine Situation und mein Trinken nicht so heftig empfunden wie ich, sagt aber dass es um mich geht und ich meinen Weg da raus finden muss/das tun muss was mir am meisten hilft oder richtig erscheint. Das war bezüglich Arztbesuch und Therapeutin, was ihn überrascht hat, da er meine Situation anders gesehen hat.

    Das Rumaroma ist übrigens auch entsorgt! Den Post bezüglich verstecktem Alkohol in Lebensmitteln habe ich durchgelesen, muss das aber erstmal auf mich wirken lassen und gucken, wie ich das handhaben möchte. Vieles war mir nicht bewusst.

    Ich habe vor ungefähr drei Monaten mit dem Dampfen aufgehört. Und da war es auch genau so. 10mal mehr dran gedacht. Weil ich ja viel öfters und auch schon morgens gedampft habe. Dafür war es dann aber schneller durch und kommt nur ganz selten noch durch. Und geht nur Sekunden.

    Bei mir ist es jetzt acht Jahre her. Ich kann mich gar nicht mehr richtig erinnern, wie lang es gedauert hat nach dem Rauchstopp, aber ich weiß, dass ich mich die ersten Woche schlimmer gefühlt habe, als ich es jetzt tue. Ich stelle mich auch darauf ein, dass ich längere Zeit mit cravings verbringen werde, als es beim Rauchstopp war; da hatte ich ja die Trigger 20-30 mal am Tag. Getrunken hab ich nicht jeden Tag und ein wenig Angst, dass ich da noch mein blaues Wunder erleben werde, hab ich schon.

    Ach ja. Das hatte ich bei meinem Resümee vergessen gestern: Da wollte ich nachmittags ein bisschen Schokolade naschen (jaja, auf den Schreck, dass ich abnehmen sollte…), greife auf unser Schokoregal und halte eine Rum, Traube und Nuss Schoki in der Hand. Ich habe das Regal inspiziert, es war die einzige und die ist gleich in die Mülltonne draußen umgezogen.

    Ich wunder mich, über welche Fallen ich noch stolpern werde. Eine fällt mir gleich ein: Ich muss die Backsachen nach Rumaroma durchforsten! Falls ihr noch Tips habt, was es da noch so gibt und welche Lebensmittel ich meiden sollte, bin ich dankbar.

    Leli

    Der Tag ist durch, ich lieg im Bett, der Mann liegt neben mir und schläft tief und fest. Zeit für ein kleines Resümee und ein bisschen Gedanken aufschreiben, die mir durch den Kopf gehen.

    Der heutige Arztbesuch war gut - meine Werte sind alle im Rahmen, aber ein wenig abnehmen wäre wohl gut. Ich denke, dass mir das nun etwas leichter fallen wird, Alkohol hat auch so seine Kalorien und am Tag danach habe ich zwar immer funktioniert, aber sportliche Leistung war auch nicht drin. Das soll sich ändern. Ich bin zumindest froh, dass meine Blutwerte in Ordnung sind, ich hätte es so nicht erwartet und ich will es als Motivation sehen - Absprung schaffen bevor etwas kaputt ist.

    Ich hab heute viel über Sucht nachgedacht und übers Aufhören. Mir ist aufgefallen, dass ich sehr viel darüber lese. Sei es hier im Forum, auf Webseiten. Ich höre Podcasts, schaue auf YouTube zu dem Thema. Als ich vor Jahren mit dem Rauchen aufgehört habe, war das ähnlich. Ich hab alles gelesen, gehört, geschaut. Da hatte ich jedoch mehr cravings. Ich gehe davon aus, dass es daran lag, dass ich bei jeder Gelegenheit geraucht habe und es somit sozusagen 24/7 Trigger gab. Das habe ich jetzt so extrem nicht in Bezug auf Alkohol, umso mehr muss ich wachsam und achtsam bleiben, da mich Situationen, in denen ich den Drang zu saufen verspüre, vielleicht sonst überrumpeln.

    Wie ich schon in einem anderen Post schrieb, versuche ich gut zu mir zu sein und vorhin beim Abschminken und Zähneputzen ging mir durch den Kopf, wie oft ich das betrunken nicht mehr geschafft hab, stattdessen bin ich einfach ins Bett gefallen und eingeschlafen. Ich bin ich angezogen aufgewacht, ich konnte mich ja oft nicht erinnern, wann oder wie ich im Bett gelandet bin. Dabei hasse ich das Gefühl, so morgens aufzuwachen. Verkatert, mit bäh im Mund, den unbequemen BH noch an. Wenigstens trag ich zu Haus bequeme Hosen, sonst hätte ich mich in Jeans wiedergefunden.

    Also: Gut zu mir sein. Ich freu mich drauf, zu sehen was sich verändert, an meiner Haut, meinem Gewicht, meiner Psyche.

    Morgen rede ich mit meinem Mann. Sorgen habe ich davor nicht, auch wenn ich denke, dass es ihn überraschen wird, dass ich beim Arzt war und schon einen Termin bei der Therapeutin hatte.

    Genug für heut.

    Leli

    Du schreibst, dass Dein Zuhause alkoholfrei ist. Wie sieht denn das Trinkverhalten Deines Mannes aus? Wann sprichst Du mit ihm? Für Deine Abstinenz wäre es sehr wichtig, dass Dein Mann da „mitzieht“, also er sich der Wichtigkeit des alkoholfreien Zuhauses bewusst ist.

    Mein Mann trinkt Mal etwas, wenn er unterwegs ist mit Freunden oder mal ein Bier oder ein Glas Wein zum Essen. Aber er trinkt nicht daheim, wenn dann war es mein Wein, den wir daheim hatten.

    Ich spreche mit ihm, sobald er seinen Jetlag ausgeschlafen hat morgen, er kommt spät zurück heute.

    bestimmt haben die anderen, die an diesen Momenten teilgenommen haben, ganz andere Erinnerungen oder können sich gar nicht mehr daran erinnern.

    Da bin ich mir ziemlich sicher, dass mein Verhalten da nicht mehr präsent ist oder komplett anders gesehen wurde - ich denke man selbst ist sein schärfster Kritiker, zumindest ist es bei mir so.

    Rückblickend denke ich, dass ich schon lange weiß, dass mein Trinkverhalten nicht gut ist/war, aber ich habe es hingenommen. Geschämt habe ich mich für die Exzesse immer, es aber überspielt. Ich hab gestern einen interessanten Podcast gehört, wo eine Teilnehmerin sagte, sie habe durch den Alkohol ein Image vom lustigen, ungehemmten Partygirl kreiert, darin konnte ich mich zumindest bezüglich meiner Jugend und Studienzeit wiederfinden. Ich würde aber sagen, man bastelt das Image, um die kritische Selbstwahrnehmung zu überschminken und das, was man eigentlich gar nicht will, aber gegen das man sich in der Situation machtlos fühlt, zu glorifizieren.

    Ich versuche es, aber es kommen sogar peinliche Momente meiner Studienzeit wieder hoch - die über zwanzig Jahre her ist. Ich bin gut darin, mich nieder zu machen, ein Punkt, den ich unbedingt mit der Therapeutin besprechen muss.

    Was mich ‘beruhigt’ ist, dass sich die Geschichten und Erfahrungen ähneln, ich bin nicht speziell! Und das meine ich im positiven Sinn!

    Danke für deine Worte, Seeblick.

    Mein Zuhause ist alkoholfrei, wir haben keine Vorräte daheim. Wenn ich etwas trinken wollte, musste ich erst los und mir was kaufen. Nicht, dass das jetzt der ultimative Schutz ist, aber es ist eine Hürde. Ich müsste erst zum Supermarkt fahren, das ist Zeit, in der ich meine Entscheidung überdenken kann, es ist nichts im Haus, wo ich einfach zugreifen kann.

    Feiern haben wir ohnehin nicht, wir haben nicht wirklich Verwandtschaft, sodass Familienfeiern wegfallen und unsere Freunde wohnen alle weiter weg. Wir waren zu Himmelfahrt bei Freunden eingeladen, haben das aber abgesagt; ich hatte da ja schon aufgehört zu trinken und wollte mich da nicht in Gefahr bringen (auch wenn ich dann nochmal getrunken habe danach). Das werde ich auch so beibehalten zunächst. Keine Treffen, bei denen ich weiß, dass getrunken wird. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, bin ich der Fahrer. Das ist etwas, dass ich noch nie gemacht habe, nichtmal nach einem Schluck Sekt, nichtmal am Tag danach, wenn ich verkatert war.

    Leli

    Ich bin gerade vom Termin mit der Therapeutin zurück - wieder ein Schritt mehr in die richtige Richtung. Ich habe mein Problem beschrieben, meinen Entschluss. Wir haben angerissen, was in meinem Leben nicht gut läuft, was belastend ist, was ich denke, warum ich zu Alkohol gegriffen habe. Ein grobes Grundgerüst, an dem wir jetzt arbeiten wollen. Sie hat mich ausgefragt, in welchen Situationen der Drang zu trinken besonders stark ist und wo ich in der Vergangenheit dann wieder getrunken habe, so dass wir erstmal kurzfristig Strategien entwickeln können, wie ich die Situationen vermeide und die Klippen umschiffen kann.

    Als ein Beispiel: Es fällt mir nicht schwer, wenn mein Mann da ist. Jedoch ist er öfter auf Dienstreise und das waren dann immer Tage, an denen ich gesoffen habe. Sich-einsam-fühlen ist sicherlich ein Grund dafür. Die Therapeutin hat vorgeschlagen, dass ich vielleicht eine Freundin einweihe und frage, ob sie erstmal bei mir bleiben kann, wenn mein Mann fort muss, so dass ich Unterstützung (und Überwachung) habe und nicht allein bin - zumindest bis ich etwas gefestigter bin. Ich finde die Idee gut, jemanden zu haben, der mir auf die Finger schaut.

    Für mich ist es sehr ungewohnt, nach Hilfe zu fragen, mir einzugestehen, dass ich Hilfe brauche. Ich bin so daran gewöhnt, alles allein lösen zu wollen und mit meinen verqueren Gedanken, Ängsten und Sorgen alleine zu bleiben. Nicht, dass ich denken würde mir will keiner helfen, es ist eher dieses Gefühl, dass andere ihr eigenes Päckchen zu tragen haben und ich alles besser mit mir selbst ausmache, um niemandem zur Last zu fallen. Wohin das führt, habe ich ja gesehen...dennoch, es ist ein Wandel, den ich mir erstmal eingestehen und zulassen muss.

    Die Therapeutin hat mich auch gefragt, was mich dazu gebracht hat, mir einzugestehen oder zu sehen, dass mein Verhalten ein Suchtverhalten ist. Ich musste ein wenig nachdenken, obwohl, das ist falsch. Ich musste nicht nachdenken, ich brauchte einen Moment, um bereit zu sein, die schamvollen Sachen auszusprechen, warum ich denke, dass ich abhängig bin.

    • Trinken bis nichts mehr da ist oder ich einfach auf der Stelle einschlafe, weil ich so betrunken bin.
    • Blackouts, mich nicht mehr erinnern, wie ich ins Bett gekommen bin.
    • Kontrolle meines Telefons, ob ich besoffen noch irgendwen angerufen habe.
    • Scham und der Versuch, irgendwie dezent herauszufinden, ob ich mich daneben benommen habe, wenn ich in Gesellschaft getrunken habe.
    • Wenn ich Alkohol gekauft habe, dann mehr als eine Flasche Wein.
    • Ich habe Flaschen heimlich entsorgt und volle nachgekauft, damit mein Mann nicht sieht, wie viel oder dass ich getrunken habe, wenn er nicht da war.
    • Manchmal habe ich trinken geplant, also an einem bestimmten Abend nicht zu trinken, weil ich am nächsten Tag einen Termin hatte und da nicht mit Fahne oder verkatert auftauchen wollte, weil mir klar war, dass ich die ganze Flasche Wein in mich reinkippe und nicht nur ein Glas.

    Da kommen sicherlich noch mehr Dinge hinzu, wenn ich länger darüber nachdenke und es macht einen Unterschied für mich, ob ich nur intern weiß, dass das Verhalten krank ist, oder ob ich es beim Arzt/der Therapeutin ausspreche oder hier schreibe.

    Womit ich derzeit ein massives Problem habe, ist dieses intensive Schamgefühl. Ich fühle mich wie der schlechteste Mensch der Welt, so viele Episoden aus meinem gesamten Leben gehen mir durch den Kopf, wo ich besoffen war und irgendwas gemacht habe - oder auch nicht. Kann mich ja nicht erinnern. Ich weiß nicht, ob es gut ist, wenn ich es beiseite schiebe und mir denke, dass jetzt alles besser wird und ich vorwärts blicke? Ich denke, die Erinnerung und die Scham will mir ja auch etwas mitteilen. Hat jemand eine Idee, wie ich damit umgehen kann?

    Leli

    Ich habe mich ein wenig durch die Threads gelesen und finde mich ganz oft wieder... Irgendjemand schrieb, dass er/sie das Gefühl hatte, dass er/sie es gar nicht verdient, sich gut zu fühlen, dass das Trinken eine Art Bestrafung war. Ich kann das irgendwie nachvollziehen. Ich habe in den letzten Monaten/Jahren nicht gut auf mich geachtet, damit meine ich nicht meinen Alkoholkonsum, der ist dennoch Teil davon.

    Ich hab mich nichtmehr schön angezogen, nicht mehr geschminkt, nicht mehr gepflegt. Nicht falsch verstehen, waschen/duschen/Zähne putzen/saubere Sachen etc. habe ich natürlich gemacht, aber nichts extra. Am Montag habe ich mir eine Gesichtsmaske und ein Peeling gekauft und gestern ein wenig einen mini Wellness-Tag gemacht. Ich dachte, es ist vielleicht nett, mir einfach was Gutes zu tun. Ich möchte versuchen, ein bisschen mehr Wertschätzung für mich selbst jeden Tag zu zelebrieren, das Gegenteil von meinem vorherigen Mindset. Am Freitag, vor meinem, Besuch bei der Therapeutin, habe ich einen Friseurtermin...da war ich seit Jahren nicht mehr.

    Mein Arzt ist toll, ich bin bei ihm seit Jugendtagen - leider wird er seine Praxis in einigen Jahren abgeben, wohlverdiente Rente. Er ist einer der wenigen, die sich um ihre Patienten kümmern. Als er mir anbot, den Kontakt zu der Therapeutin herzustellen, musste ich weinen. Ich bin mit so viel Scham hingegangen und es kam nur Verständnis und Wohlwollen zurück, das gibt mir Mut!

    Lebenslange Abstinenz ist mein Ziel, ja. Ich habe es schon immer geschafft, Pausen einzulegen. Wochen, Monate... aber sobald ich trinke, falle ich in das Muster zurück, dass ich trinke bis nichts mehr geht, bis zum Filmriss. Ich kann mich dann an nichts mehr erinnern, oder nur noch bruchstückhaft. Es gibt sicherlich viele Menschen, die ein Glas Wein genießen können und dann ist gut. Ich trinke die ganze Flasche und auch noch mehr. Ich genieße es nicht, ich will es nicht mehr.

    Vielen Dank für Deine Antwort!

    Ich sehe mich als Alkoholikerin, auch wenn ich vielleicht keine körperlichen Symptome habe, auch wenn ich nicht jeden Tag trinke, auch wenn ich nie morgens oder tagsüber trinke. Das Verlangen und dieses 'ach komm, das eine Glas', dieser innere Drang ist vorhanden und wenn ich einmal angefangen habe, kann ich nicht mehr aufhören, bis ich betrunken bin. Oder definiere ich das falsch? Ich habe das Gefühl, wenn ich es riskanten Konsum oder irgend etwas anderes nenne, werde ich dem nicht gerecht, da ich es als Suchtverhalten sehe.

    Zu meinem Arzt:
    Wir haben lange darüber gesprochen, wie viel ich wann trinke etc. Ich habe keine körperlichen Entzugssymptome (vom Kater danach mit sich abgeschlagen/müde fühlen,abgesehen), aber er möchte, dass ich, wenn ich nicht in eine Klinik möchte, jeden Tag vorbeikomme. Ich fühle mich körperlich nicht schlecht, natürlich bin ich nervös, aber das mag auch damit zusammenhängen, dass ich eingestanden habe, ein Problem zu haben und nun Schritte unternommen werden.

    Das letzte Mal getrunken habe ich am vergangenen Samstag und dieses 'Versagen' hat mich dazu gebracht, zum Arzt zu gehen und es auszusprechen.

    Hallo,

    ich bin Leli, in meinen 40ern, Hundemama und ich habe seit dem 21.04. keinen Alkohol mehr getrunken, das ging knapp drei Wochen lang gut, dann habe ich wieder getrunken am vergangenen Wochenende. Das Verlangen war groß und es war dieses 'nur ein, zwei Gläser' - aus denen dann eine gesamte Flasche geworden ist.

    Ich trinke nicht täglich, aber mehr oder weniger regelmäßig: Bei Feierlichkeiten, beim Ausgehen, am Wochenende daheim...manchmal jedes Wochenende, manchmal ein paar Wochen nicht, das ist aber in der letzten Zeit zunehmend weniger geworden. Im Gegenteil, ich habe angefangen hin und wieder unter der Woche zu trinken, wenn mein Mann nicht da ist. Wieder, nicht täglich, aber ich fürchte, dass es nur zunehmen würde. Ich kann kein Maß halten, ich trinke bis ich voll bin, inklusive Filmriss. Ich finde es stark belastend, meine Kater dauern für gewöhnlich ein paar Tage, Tage an denen ich mich schlecht fühle, ausgelaugt, erschöpft. Funktionieren tue ich trotzdem, mache den Haushalt, alle Erledigungen, Hunderunden. Ich finde mein Verhalten alles andere als normal und weiß, dass es krank ist.

    Die drei Wochen gingen gut, ich hatte kaum Gedanken an Alkohol. Dann ist mein Mann auf Geschäftsreise gefahren, ich war allein und hatte den Drang zu trinken. Ich habe es nicht unter Kontrolle und ich will es auch nicht unter Kontrolle haben, ich will es nicht mehr tun. Ich bin am Montag zu meinem Arzt gegangen und habe mit ihm gesprochen, hab mich 'offenbart', dass ich da ein Problem habe. Gestern war ich zur Blutabnahme und er hat den Kontakt zu einer Psychologin/Therapeutin hergestellt, die nur noch privat Therapie anbietet, da sie bereits in Rente ist. Eine stationäre Therapie oder Tagesklinik ist für mich nicht vorstellbar, da ich den Hund habe, den ich nicht so einfach abgeben kann und mein Mann kann sich nicht wirklich um ihn kümmern wegen seiner Arbeit. Morgen habe ich einen ersten Termin mit der Therapeutin, am Freitag gehe ich zu meinem Arzt - wo ich auch heute war.

    Bis Montag habe ich noch nie wirklich ausgesprochen, dass ich denke, dass ich ein Problem habe oder mich mein eigenes Verhalten belastet; bisher habe ich nur das übliche 'Ich sollte weniger trinken' oder 'Ich sollte mal eine Pause einlegen' gesagt. Ich fühle mich erleichtert und gleichzeitig beschämt. Ich fühle mich besser, wenn ich nicht trinke, körperlich und psychisch, dass ich dennoch den Zwang verspüre zu trinken, zeigt mir, dass etwas nicht in Ordnung ist. Körperliche Entzugserscheinungen habe ich nicht wirklich, kein Zittern oder ähnliches; ich denke, das ist gut. Seit ich es ausgesprochen habe, denke ich jedoch sehr viel über das Trinken nach.

    Mein Mann kommt am Samstag zurück, dann werde ich mit ihm in Ruhe sprechen, ich mag es nicht während unserer kurzen Telefonate tun (haben derzeit eine große Zeitverschiebung). Ich hoffe, dass ich die richtigen Schritte unternommen habe.

    Ich hoffe, dass ich hier einen Ort finde, an dem ich meine Gedanken teilen kann, die Dinge, die ich mir vor anderen (noch) nicht auszusprechen wage.

    Danke fürs Lesen.
    Leli