Beiträge von Krümelmonster

    Hallo Kerstin!

    Habe so einiges von Dir "im Stillen" mitgelesen und beneide Dich um Deine Stärke, die Du an den Tag legst.
    Du hast vieles erreicht und Dir auch Ziele gesetzt, von denen ich irgendwie noch Meilenweit entfernt bin.
    Ich bin seit etwa vier Wochen dabei meine Vergangenheit als erwachsene Tochter von Alkoholikern aufzuarbeiten, und heute geht es mir den ganzen Tag schon richtig beschissen... Da sind noch so viele Fragen. Wie kann ich meine Marotten ändern? Vor allem WO fange ich da an??...
    Da ist es schön zu lesen, dass es auch anders geht :)
    Es freut mich aufrichtig für Dich, wie Du Dein Leben planst und auch in die Hand nimmst. Alleine die Ziele zu lesen die Du Dir vorgibst sind eine Wonne :D
    Ich habe manchmal nicht mal einen Plan, wie ich den gerade ablaufenden Tag überstehen soll :roll: ... Es geht halt doch nur Schritt für Schritt und GEduld ist nicht gerade eine meiner Stärken (räusper)...
    Ich wünsche Dir weiterhin die Kraft die Du brauchst um Dein Leben so gut zu meistern...

    Lieben Gruß, KM

    Hallo Mita...

    Mensch, kommt mir das alles bekannt vor, was Du gerade alles durchlebst.
    Aber Du hast Glück so gute Freunde zu haben, denen Du Dich anvertrauen kannst.
    Wie gesagt ist es im Moment wichtig wie DU DICH fühlst und das DU erkennst, was wichtig für Dich ist! Alkoholismus ist nicht nur für den Betroffenen eine schwere Krankheit. Auch die Familienmitglieder leiden sehr darunter. Sind praktisch mit krank...
    Du hilfst Deinem Vater nicht, wenn es Dir ebenfalls schlecht geht. Er muss seinen Weg finden und Du Deinen. Es ist schwer da eine Grenze zu ziehen und ich weiß selber auch was es heißt zu leiden, wenn ein geliebter Mensch sich selbst zerstört und es nicht wahrhaben will, keine Hilfe annehmen will... Aber lass DICH davon nicht auch zerstören!!

    Das ist ganz wichtig! Verliere Dich nicht selbst bei alldem.

    Lieben Gruß, KM

    Liebe Aileen...

    Ich bewundere Dich.
    Vieles, was Du für Deinen Vater getan hast, konnte ich für meinen Vater nicht tun.
    Auch er starb an den Folgen seines Alkoholkonsums. Es ist zehn Jahre her und vieles was Du geschrieben hast hat mich an die Zeit seines langsamen Sterbens erinnert, so als wäre es gestern gewesen...
    Ich zittere immer noch...
    Doch ich bin auch dankbar dafür mich daran erinnern zu können; Es nicht verdrängen zu wollen.
    Du bist ein toller Mensch und es gibt kaum solche Leute, die über so ein trauriges Erlebnis hinaus noch dazu in der Lage sind anderen Betroffenen Mut zuzusprechen.
    Ich wünsche Dir viel Kraft!

    Lieben Gruß, KM

    Hey! :D

    Mensch hört sich das toll an! Der Überschuss an Glückshormonen ist auch in Hamburg angekommen! Ich freue mich ebenfalls für Dich!

    Weiterhin alles Gute und vor allem einen ebenso guten Start ins Jahr 2007 wünscht KM!!

    Hallo lieber Achim

    ...ich muss Vollmond zustimmen. Ich glaube, Du redest Dir selbst zu viel schön. Die harte Zeit die hinter Dir liegt... der gefährliche, kalte Entzug... Du machst Dir wirklich was vor.
    Du versuchst Dir aus Trümmern ein neues Fundament zu bauen. Das ist kein guter Anfang, jedenfalls nicht auf diese Weise.
    Und ich muss Vollmond wieder zustimmen: In Arbeit heisst, dass noch gar nichts angelaufen ist. Sondern dass Du Dich höchstens gedanklich damit auseinander gesetzt hast... Oder hast Du schon einen Therapieplatz in Aussicht? Das kommt nicht hundertprozentig rüber... Überlege Dir, was DU wirklich willst und wo DU Dir selbst was vormachst.
    Deine Probleme runterzuspielen mit dem Gefühl alles im Griff zu haben... Kein guter Anfang. Genauso schnell dreht sich der Spieß wieder um.
    Unternehme etwas KONKRETES, womit Dir wirklich geholfen wird. Nur alleine mit dem Wunsch etwas zu ändern änderst Du NICHTS. Du musst es auch TUN, so banal wie es sich auch anhört... Und dann musst DU die Hilfe auch noch zulassen ;)

    Ich wünsche Dir, dass Du die Kraft findest um Deine Ziele zu erreichen!
    Lieben Gruß, KM

    Hallo liebe Pjal!

    Auch von mir ein herzliches Willkommen! Es ist immer schön Menschen zu treffen, die ihre Erfahrungen mit anderen teilen möchten. Das ist auch einer der Gründe, warum ich mich hier eingefunden habe... Ich wünsche Dir eine schöne Zeit hier im Forum!

    Lieben Gruß, KM

    Hallo waytoomany...

    Es ist schön wieder von Dir zu hören und zu erfahren, dass Dein Vater sich durchgerungen hat, sich professionelle Hilfe zu suchen.
    Der Abstand, den Du und Deine Mutter nun von ihm nehmen wollt ist ein guter Anfang. Auch für ihn.
    Dein Vater muss lernen Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Wie gesagt muss er den Neuanfang für sich selbst wollen. Das es das beste für euch alle ist, kommt dann als nächstes. Es ist eine logische Fortsetzung von dem, was er bereit ist neu zu beginnen.

    Lieben Gruß, KM

    Hallo Ihr Lieben!

    Finde ich toll, dass Ihr Euch so intensiv mit dem Thema Liebe beschäftigt!
    Ihr beide könnt Euch so gut ausdrücken, was Eure Gefühle und Empfindungen angeht, dass es eine wahre Wonne ist Eure Beiträge zu lesen (für mich zumindest ;.))...
    Irgendwie habe ich persönlich das Gefühl in Sachen Liebe irgendwo auf einer Stufe zwischen Euch beiden zu stehen. Zumindest empfinde ich es als so.

    Frozen Tears auf der über mir liegenden Stufe, wo alles so selbstverständlich und einfach rüber kommt und unter mir Teaser, der interessiert und wissbegierig alles hinterfragt und für sich selbst interpretiert was er herausfindet, weil er es nicht anders kennt.
    Kann sein dass es daran liegt, dass ich selbst an mir und meiner Gefühlswelt angefangen habe zu arbeiten.... (und da ist noch EINIGES an Nachholbedarf...)

    Ich fand es schön letztens zu hören, als Teaser in einem seiner Beiträge schrieb, dass er mich fast um meine perfekte Beziehung beneidet... Das hat mich verlegen gemacht, denn ich weiß mittlerweile, dass es die perfekte Beziehung nicht gibt. Nur, ich und mein Partner haben eine Lösung für Konfliktsituationen gefunden, die auch tatsächlich funktioniert.

    Diese nennt sich MITEINANDER DARÜBER REDEN... Das ist einfach das A & O in einer Mann&Frau-Beziehung, und das ist such etwas, was ich in meinen vergangegen (nennen wir sie mal Trümmerbeziehungen) selbst nicht wahrhaben wollte. Ich habe einfach vorausgesetzt, dass ein Partner einfach wissen MUSS was in mir vorgeht (ohne es ihm konkret zu sagen), warum ich gerade mies drauf bin, dass ich mir das und das gerade in diesem Moment von ihm wünsche, dass ich das was er gerade tut oder getan hat einfach nicht gut finde ... etc. etc. ...
    Ich bin nie im Traum darauf gekommen, dass ich mich ihm eventuell auch mal so nebenbei mitteilen muss :roll: ...

    Niemand kann einem anderen Menschen mehr als bis vor seine Stirn sehen. Er kann vielleicht etwas ahnen, etwas vage vermuten, aber er kann sich nicht und nie zu 100% sicher sein über dass, was gerade genau im Kopf des anderen vorgeht. Und das trifft auf jeden Menschen zu. Nicht nur auf den Partner...

    Mittlerweile habe ich das gelernt, wenn auch nur mühsam. Und der Spruch mit dem bis vor die Stirn sehen ist zu einer meiner beliebtesten Lebensweisheiten geworden :wink: , denn er trifft nicht nur auf mich zu sondern auch auf das, was andere Menschen sich von mir wünschen ohne sich aber mir dabei mitzuteilen...

    Hups, ich hoffe ich bin jetzt nicht zu weit von Eurem eigentlich Themeninhalt abgerutscht... :oops:

    Ich wünsche Euch noch einen guten Rutsch und freue mich auf ein baldiges "Wiederlesen..."

    Liebe Grüße KM

    Hallo waytoomany!

    Erst einmal möchte ich Dich hier herzlich Willkommen heißen. Es ist schön, dass Du Dir Hilfe gesucht hast. Und als ich eben Deinen Beitrag las hatte ich das Gefühl, dass DU Hilfe verdammt nötig hast! Nicht nur Dein Vater.
    Dein Vater muss die Hilfe für sich selber wollen :!: So hart wie das vielleicht jetzt klinegn mag, aber Du hilfst ihm weder wenn Du bei ihm bleibst noch wenn Du weg bist (meiner Meinung nach, was ich mit MEINEM alkoholkranken Vater durchgemacht habe...). Dein Vater sucht scheinbar nach irgendwelchen Gründen um sich vom Alkohol losreißen zu müssen. Der ihm selbst wohl wichtigste Grund mit dem Trinken aufzuhören ist scheinbar der (so wie ich es aus Deinem Text rauslesen konnte), damit DU ihn nicht verlässt... Das ist in meinen Augen schlichte Erpressung.
    Eine Erpressung einerseits, um Dich an ihn zu binden, und eine Erpressung an sich selbst, damit er EINEN GRUND hat mit dem Trinken aufzuhören (absolut schwachsinnig!!). ...
    Denn der springende Punkt, um eine feste sichere Basis zum Aufhören mit dem Trinken zu erschaffen, ist DER: DEIN VATER MUSS ES FÜR SICH SELBST WOLLEN! FÜR SICH EINZIG UND ALLEINE!!! Er muss den Unterschied erkennen zwischen dem was er für sein Umfeld will, und dem was er eigentlich für sich selbst will.
    Er muss in erster Linie erkennen, dass Du erst freiwillig dableibst, wenn er konkret aufgehört hat zu trinken (längerfristig und nicht nur für ein paar Tage oder ein paar Wochen...) und das für Dich auch erkennbar ist. Das er Dir erstmal die Basis des Vertrauens wieder geben muss. Und das er das nicht von heute auf morgen kann, Dein Vertrauen zurück zu gewinnen, sondern dasss er sich das erst einmal hart erkämpfen musss; ALLEINE erkämpfen muss... DAS muss er alleine schaffen!!
    Was ich Dir nur raten kann, selbst wenn Dir das jetzt vielleicht unlogisch vorkommt und so gar nicht nach dem, was DU vielleicht gedacht hast zu hören: Was ist Dir wichtig? Und was ist nötig?
    Du liebst Deinen Vater sehr. Du hasst ihn aber auch für die Dinge die er tut und/ oder schon getan hat. Du fühlst Dich hilflos. Du willst ihm helfen. Du weißt aber, Du kannst ihm nicht helfen. Jedenfalls nicht längerfristig, weil Du das Fachwissen gar nicht hast. Ich habe Jahre lang den Fehler gemacht die Verhaltensweisen meines Vaters vor anderen zu vertuschen, es schön zu reden... Habe ihm aufgeholfen, wenn er zu betrunken war um alleine zu gehen und sich auf die Fresse gelegt hat. Es war erniedrigend das alles mitzuerleben und ich habe noch nie so viel Mitleid für jemanden empfunden wie für meinen Vater. Das hat er wohl auch gewusst. Meine Tochter wird mich immer wieder auffangen... Wenn mich alle im Stich lassen, SIE wird es nicht tun. Und da liegt der Hund begraben. Ich hätte ihn liegen lassen und gehen sollen. So hart wie es klingt. Aber das ist der einzige Weg. Der einzig richtige.
    Das jedoch habe ich zu spät erkannt. Denn er ist jetzt tot und ich kann es nie wieder gut machen... Mein Vater ist an den Folgen seiner Alkoholsucht schließlich gestorben.
    Mach nicht den selben Fehler. Du kannst es richtig machen. Zu helfen heißt auch manchmal NICHT zu helfen. Du musst es nicht so krass machen, wie ich es jetzt beschrieben habe. Du kannst Deinem Vater sagen, dass Du ihn liebst und ihn auch immer lieben wirst, egal was für Bockmist er gemacht hat (denn daran kann man eh nichts mehr ändern).
    Sag ihm , dass Du bereit bist einen Neuanfang zu machen, wenn er den ersten Schritt tut. Den ersten richtigen Schritt. Nämlich den zu erkennen, dass er es FÜR SICH SELBST tun muss.
    Denn erst dann, wenn er an SICH gearbeitet hat kann er damit anfangen sein demoliertes Umfeld neu aufzubauen. Zum Beispiel, was ihm ja sehr wichtig ist, die Beziehung zu Dir, seinem Sohn, standfest und zu einem Mittelpunkt in seinem Leben zu machen. Aber erst mal soll er doch bitte mit seinem eigenen Leben anfangen, bevor er andere Leben (besonders DEINES) damit hineinzieht...
    Stoß ihn nicht von Dir weg aber zeige ihm deutlich, dass er es alleine anfangen muss. Das er seinen eigenen Weg finden und dann auch konkret gehen muss um die anderen Dinge die ihm wichtig sind zu richten und zu klären. Er muss bei der Wurzel des Übels anfangen; Bei sich selbst.

    Mein Vater hat auch mehrere trockene Phasen und auch einige Therapien gemacht. Aber immer nur um weiter für seine Familie zu funktionieren, um den Zusammenbruch der Familie zu verhindern, für die er sich alleine verantwortlich gemacht hat. Er hat glaube ich nie erkannt, dass er sich selbst dabei übersehen hat. Sein eigenes Ich. Das muss und kann Dein Vater sicher noch lernen, denn wie Du schreibst ist er bereit irgendwas zu tun. Nur WAS muss er für sich erst mal genau festlegen. Aber an erster Stelle kommt erst einmal ER SELBST. Und nicht für wen oder warum, oder für was... DAS MUSS IHM KLAR WERDEN. Sonst ist ein Versuch trocken zu werden von vornherein auf keinem guten Fundamet gebaut...

    Ich hoffe ich konnte Dir etwas helfen, auch wenn das alles nicht sehr einfach zu verstehen sein mag.
    Es war ein komisches Gefühl Deinen Hilferuf zu lesen, denn es war vieles darin, was ich damals auch so erlebt habe. Es zeigt, wie viele Menschen es wirklich mit solchen Problemen gibt. Es hat mir aber klar gemacht, dass ich nicht alleine bin. Und das muss Dir auch klar werden. Du bist nicht allein und Du kannst Hilfe bekommen. Du musst sie nur suchen und auch zulassen...
    Ich wünsche Dir viel Kraft das zu erreichen, was Du Dir vorgenommen hast und würde mich sehr darüber freuen, wieder hier von Dir zu hören.
    Liebe Grüße, Krümelmonster

    Hallo!

    Auch von mir ein herzliches Willkommen!

    Es ist schön, dass Du Dir Hilfe suchst und wie Du bemerkt hast bist Du nicht alleine mit Deinen Problemen, die Dir verständlicherweise übertrieben und absonderlich vorkommen mochten.

    Als ich mich hier im Forum das erste mal "rein-las", war es wie ein Stoß vor den Kopf für mich. Meine ersten Gedanken waren: Oh Gott! SO VIELEN geht es genauso wie mir? So VIELE haben fast die selben oder zumindest annähernd ähnliche Erlebnisse wie ich gesammelt? Haben das selbe gefühlt und sich die selben Vorwürfe gemacht?

    Für mich war das eine unglaubliche Erleichterung. Und ich würde Dir wünschen, und jedem Neuen der den Weg hierher ins Forum findet, dass ihm oder ihr dasselbe wiederfährt ;) aber vor allem die Kraft und den Willen weiter zu machen, weiter Hilfe anzunehmen und sie auch zu WOLLEN.
    Das war und ist auch heute noch zum Teil ein Problem, mit dem ich zu kämpfen habe. Aber für mich selber habe ich erkannt dass ich es ohne Hilfe und Beistand nicht schaffe, aber ich muss bereit sein dies zu suchen und auch anzunehmen, die Dinge dann auch umzusetzen kann ich dann Schritt für Schritt.
    Am liebsten wäre mir auch jetzt noch ein "Allheilmittel" dass JETZT und SOFORT funktioniert. Geduld ist für mich etwas ganz besonderes, etwas kostbares, für das ich hart arbeiten muss...
    DU hast den ersten Schritt bereits getan. Du hast gemerkt dass es so nicht richtig ist wie es ist, und hast angefangen einen neuen Weg zu suchen. DU bist auf einem guten Weg. Schrecke nicht davor zurück vor dem was Dich erwartet. Es kann nur besser werden, selbst wenn Du es anfangs nicht gleich erkennst und Dir alles fremd, neu und vielleicht sogar furchtbar anstrengend vorkommt. :wink:
    Du warst bereit etwas zu ändern und das ist das, was eigentlich zählt.
    Ich wünsche Dir die Kraft die Du brauchst um das zu erreichen, was Du Dir erhoffst.
    Ganz liebe Grüße von Krümelmonster

    Hallo an alle!

    ...Ich möchte mich diesen netten Worten anschließen und Euch auch allen zusammen ein frohes Fest wünschen und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
    Außerdem möchte ich mich bei denen bedanken, die mich so herzlich bei sich hier aufgenommen haben ;)
    Danke, es geht mir von Tag zu Tag besser, weil ich langsam anfange mich selbst zu verstehen und selbst neu kennen zu lernen... Das ist für mich das größte Weihnachtsgeschenk in diesem Jahr...
    Vielen, vielen Dank!!!

    Hallo Teaser und Ihr anderen :)

    Teaser, wenn ich lese was so in Dir vorgeht kann ich nur sagen: Geduld! (...Hab ich aber übrigens auch bitter nötig ;) ). Du bist auf dem besten Weg es zu schaffen, da DU Dir bereits professionelle Hilfe gesucht hast, und Dir werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie DU Dein Denken in den Griff bekommst, wie DU für Dich den richtigen eigenen Weg im Leben, und den nach Deinem wahren Selbst findest.
    Und; JA! Es gibt für jeden von uns auf der Welt den richtigen Partner. Zumindest bin ich der felsenfesten Überzeugung davon, seit ich meinen Mann kennen gelernt habe. Wie ich bereits erwähnte ist er trockener Alkoholiker. Er hat in jungen Jahren eine Langzeittherapie gemacht und ist nach elf Monaten wieder schwer Rückfällig geworden.
    Damit will ich jetzt niemanden den Mut nehmen, es nicht beim ersten Anlauf schaffen zu können. Er sagt von sich selbst warum er wieder rückfällig wurde, dass er zum ersten damals einfach noch nicht reif genug war um das alles aus der Therapie umzusetzen und zum zweiten, weil er ganz einfach direkt nach der Therapie wieder nach HAuse zurück, zu seinen alkoholkranken Verwandten kam, wieder in den alten Sumpf...
    Erst mit 30 Jahren hat er einen zweiten Neuanfang gewagt und es diesesmal auch tatsächlich geschafft.
    Er hat mir vieles aus seinem alten Leben erzählt und er selbst behauptet von sich, dass er als neuer Mensch wieder geboren wurde, nachdem er es geschafft hat die neue Thearpie zu machen. Dieses mal weil er auch wirklich BEREIT dazu war. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Es reicht nicht zu sagen, so nun hör ich mit der Sauferei auf, weil das ja alles scheiße ist. Mal sehen was passiert...
    Nein. Es ist eine Art Selbstaufgabe, denn es ist einfach so dass man ein neues Leben beginnt.
    Mein Mann und ich passen wohl deswegen so gut zusammen und führen desshalb eine so gute Beziehung, weil er ganz genau weiß, wass mir durch meine alkoholkranken Eltern kaputt gemacht und praktisch gestohlen wurde. Auch ICH kenne mein wahres Selbst nicht, kann nicht genau sagen wer ich wirklich bin, was mich ausmacht. Weil alles nur Fassade ist, was ich mein Leben lang aufgebaut habe.
    Alles hat sich ums vertuschen, verheimlichen Gedreht. Bloß keine Schwächen zeigen. Immer ein schlechtes Gewissen haben, sich selbst nicht lieben können. Immer nur negative Gedanken haben...
    Jetzt gerade am Wochenende hatten wir ein (mal wieder meinerseits sehr tränenreiches...) Gespräch über meine "Marotten".
    Meinem Mann viel auf, dass ich in letzter Zeit sehr unaufmerksam bin, dass ich ihm nicht aufmerksam zuhören kann, sondern nebenbei andere Sachen mache, ect.
    Dabei kam am Ende heraus, dass ich zu wenig Zeit für mich selbst übrig habe durch die Kinder, Haushalt, meinen Job, die Termine, ect ect... Das ich alles versuch zu überspielen, alles versuche alleine zu machen, mich nicht mal fünf Minuten ruhig hinsetzen kann, weil ich ein schlechtes Gewissen bekommen zu wenig zu leisten.
    Im Grunde ist mein Problem, dass ich stets nur versuche Konflikten aus den Weg zu gehen (ich muss alles schaffen, damit sich keiner über mich beschwert) und etwas Anerkennung zu erhaschen (die einzige Form von Zuneigung die ich in meinem Elternhaus je erfahren habe).
    Ich manipuliere mich selbst, weil es Gewohnheit ist. Und Gewohnheit ist etwas, was man nicht einfach mal eben abstellen kann, wenn man ein Leben lang so gehandelt hat. Und mein schlechtes Gewissen habe ich eigentlich auch nur aus reiner Gewohnheit. Weil ich es eigentlich seit meiner Kindheit an in nur jeder erdenkbaren Situation eingeredet bekommen habe.
    Schlechtes Gewissen wegen schlechter Noten, schlechtes Gewissen wegen besoffener Eltern (weil man sie davon ja nicht abhalten konnte), schlechtes Gewissen, weil man den Eltern Sorgen bereitet hat (und sie sich vielleicht deshalb wieder die Kante gegeben haben). Deswegen habe ich immer versucht alles und jeden von mir Fern zu halten (Schutzfunktion), um gar nicht erst solche Konfliktsituationen zu erschaffen.
    Es ist ein Thema, über dass ich bestimmt hunderte von Seiten füllen könnte.
    Ich bin mir mittlerweile nicht mehr sicher, ob ich das alleine schaffe, ohne Therapie. Mein Mann hat anderthalb Jahre Therapie hinter sich gebracht um alles aufzuarbeiten, um sich selbst kennen zu lernen. Mit einem 3 stündigen Gespräch zwischen mir und ihm ist es damit nicht bei mir nicht getan. Das habe ich ihm auch erklärt und ich bin froh, dass er für mich da ist und mich unterstützt.
    Vielleicht kann er das auch nur so gut, gerade WEIL er durch fast die selbe Hölle gegangen ist wie ich, nur mit dem Unterschied, dass er selbst Alkoholkrank wurde. Ich dagegen nicht....
    Allerdings fühlte ich mich nach dem Gespräch leer und ausgesaugt (wir haben bis halb drei heute Morgen gesprochen...). Als ob ich durch einen HAufen Sch... gezogen worden bin und das war heute Morgen auch noch nicht besser, denn er hat mich dazu gebracht so tief in mich zu gehen und so tief in mir zu graben, dass ich mich völlig nackt in der Finsternis wiederfand. Hilflos. Einsam.
    Allerdings habe ich festgestellt, dass ich langsam anfange mich selbser zu verstehen, die Gründe zu erkennen warum ich mein eigenes Ich begraben und vergessen habe---- Vielleicht bin ich auf dem richtigen Weg endlich der Mensch zu werden, der ich eigentlich immer sein sollte...
    Ich weiß nicht ob ich Dir mit diesen Eindrücken weiter helfen konnte, Teaser, aber sei mir nicht böse wenn nicht. Auch ich habe noch einiges aufzuarbeiten in diesem Leben...
    Lieben Gruß an alle, KM

    Hallo Ihrs...
    Ja, das Thema Beziehungen scheint bei den Kindern von Alkoholikern echt schwer zu sein. Vor allem wenn man erst gar nicht weiß, dass es im Grunde gar nicht an einem selber liegt, sondern an der Art wie man aufgewachsen ist...
    Teaser, ich kann Dir nur aus dem Blickwinkel einer Frau berichten, was ich empfunden und erlebt habe. Für mich persönlich gibt es nichts wichtigeres um eine Beziehung "zu pflegen", als Gespräche. Die eigentliche Liebe, (auch die körperliche), gemeinsame Unternehmungen ect. kommen tatsächlich erst an zweiter Stelle.
    Ich glaube einmal hier erwähnt zu haben, dass eine gute, liebevolle Beziehung gepflegt werden muss wie eine kostbare Blüte... Allerdings muss ein Rosenstrauch auch hin und wieder "geschnitten" und "gedüngt" werden, was da heißen soll auch eine Beziehung braucht "Futter", um die Gefühle weiterhin prickeln zu lassen (das, was DU so an den Chaosbeziehungen magst ;-)) und in einer Beziehung muss "aufgeräumt", also über Streitthemen offen gesprochen werden.
    Mein Mann ist trockener Alkoholiker. Ich kenne ihn auch erst seit er trocken ist (als wir uns kennenlernten befand er sich in ambulanter Therapie und war damals 11 Monate trocken). Und er hat auch in der Therapie gelernt offen anderen Menschen, und vor allem sich selbst gegenüber zu sein.
    ...Und glaube mir, es ist verdammt schwer. Auch für mich, vor allem wenn mein Mann mir Dinge sagt, die mir nicht in den Kram passen. Das kann ganz schön verletzend sein und ich hab noch nie so viel geweint gegenüber einem Mann wie bei ihm ;-). Allerdings ist der TRick dabei auch gleich nach Lösungen zu suchen. Man fühlt sich auf jeden FAll viel besser, denn es ist dann auch aus der Welt geschafft.
    Die Gefühle die Du beschreibst habe ich mit Sicherheit auch, ich habe noch nie so extrem geliebt wie jetzt. Und es ist eine GUTE BEZIEHUNG! Es ist also auch möglich eine prickelnde Liebe mit vielen Gefühlen zu haben, ohne das es chaotisch sein muss.
    Leider muss ich jetzt zur Arbeit, sonst würde ich weiter erzählen. Vielleicht später noch mehr dazu. Bin gespannt auf Deine /Eure Reaktion:-)!!
    Allen noch ein schönes (alk- und stressfreies) Wochenende :D ...
    Liebe Grüße, KM

    Hallo Ihr LIeben :)

    Ihr könnt mir glauben: Ich fühle mich schon sehr viel besser, nachdem ich endlich den Weg hierher gefunden habe: Und Ja, es geht mir besser, jetzt wo ich halbwegs zumnidest darüber berichtet habe, was ich erlebt habe und als ich gesehen habe, wieviele Betroffene hier vertreten sind. Danke, dass Ihr mir so viel Mut gemacht habt. Selbst mein Freund hat gemerkt, dass es mir seelisch etwas besser geht. Dafür danke ich Euch auch...
    Lieben Gruß KM

    Hallo Teaser...

    Danke, für die Blumen (von wegen neidisch auf die wahre Liebe und so...). Vielleicht war es bei mir nicht ganz so kompliziert wie bei Dir mit den Frauen, aber ich habe auch so einiges an Beziehungsmüll hinter mir. Weißt Du, ich habe nie aufgehört an die wahre Liebe zu glauben, egal wie dreckig es mir ging oder wie mies eine meiner Beziehungen war (und es gibt mit Sicherheit Partnerschaften die noch katastrophaler sind...). Vielleicht ist es doch der Glaube, der er uns Kraft gibt weiter zu machen, weiter zu suchen.
    Heute sehe ich meine derzeitige Beziehung als Art Belohnung für das, was ich alles schon hinter mich gebracht habe in Sachen "Liebe". Und auch wenn mein jetziger Partner wirklich der beste Mann auf der Welt ist (behaupte ich jetzt einfach mal so ;-)...) haben auch wir unsere Reibereien.
    Der UNTERSCHIED allerdings dabei ist, wenn bei uns mal ein Wort das andere gibt wird von beiden Seiten in einem ruhigeren Moment versucht das klärende Gespräch zu finden. Ich habe noch nie einen Mann gekannt, der sich so ausgiebig und auch verständlich ausdrücken kann. Das überhaupt ein Mann so sachlich und ausführlich erzählen kann, auch UND VOR ALLEM über Dinge, die ihm nahe gehen und die ihm persönlich wichtig sind. Niemand kann einem Menschen mehr als bis vor den Kopf gucken, dass musste ich auch erstmal lernen. Wenn man seine Wünsche und Anregungen nicht äußert kann sich auch nichts ändern, denn schließlich kann kein Mensch Gedanken lesen und selbst wenn etwas noch so offensichtlich ist.
    Du sprichst davon, dass Du in einer "harmonischen " Beziehung keine großen Gefühle entwickeln konntest, dass alles viel zu eintönig, langweilig war. Kannst Du Deine Gefühle vielleicht noch konkretisieren? WAS hat Dich genau gelangweilt? Dass die Dame Deiner Wahl vielleicht immer das selbe getan/ gesagt hat? Das ihr nie was zusammen gemacht habt? MIch würde das mal interessieren und vielleicht kann ich Dir dann dazu noch ein paar Dinge sagen. Ich würde mich freuen :)
    Lieben Gruß, Krümelmonster

    Hallo Teaser :)

    Ich habe eine zeitlang jetzt hier die Berichte gelesen, und möchte Dir sagen, dass mir fast alles was Du erzählst mehr als nur bekannt vorkommt. Daher möchte ich mich an dieser Stelle mal mit einklinken.
    Ich habe auch immer gedacht, ich sei krank im Kopf, wäre nicht beziehungsfähig und würde eh nur die Männer anziehen, mit denen man (Frau) sich sowieso kein vernünftiges Leben aufbauen kann.
    Wie Du richtig erkannt hast ziehen Menschen wie Du und ich die Partner praktisch magisch an, die ebensolche Probleme wie die Eltern hatten (zumindest war es bei mir immer so, bei meiner älteren Schwester anfangs auch).
    Ich habe auch Anerkennung und Liebe durcheinander gebracht, denn Liebe habe ich bei meinen Eltern nie wirklich bekommen und Alkoholsucht war bei uns ebenfalls ein Tabuthema. Lange Zeit war ich in dem GLauben, dass es in allen Familien so zugeht wie bei uns...
    Meine Rettung aus dieser Co-Abhängigkeit war erst vor etwa anderthalb Jahren. Mein letzter Partner war zwar trockener Alkoholiker, allerdings fing er dafür ganz anständig das Kiffen an (Suchtverlagerung). Obendrein hat mich seine Art fertig gemacht stets nur an sich und seinen Stolz zu denken, wechselte ständig den Arbeitsplatz, war zwischendurch immer mal wieder arbeitslos. Wenn ich arbeiten ging habe ich in seinen Augen zu wenig verdient, wenn ich zu Hause saß war ihm das auch nicht recht (da habe ich ja noch weniger Geld verdient...), hab in seinen Augen immer auf seine Kosten gelebt. Alleine wenn ich schon darüber schreibe kocht der Hass in mir hoch... Liebe war da schon lange nicht mehr im Spiel.
    Ich hoffte fast fünf Jahre lang täglich nur auf ein Tröpfchen Anerkennung, so wie einst bei meinen Eltern, die ich allerdings nie bekam. Und irgendwann habe ich eingesehen, dass ich mich nicht auf seine Kosten kaputt machen lassen will, und wollte meinen Kindern ein besseres Umfeld ermöglichen.
    Drei Monate habe ich gebraucht um wieder zu fühlen, dass ich ein menschliches Wesen bin, das ich eigene Bedürfnisse habe und meinen Freiraum sogar genießen kann, allerdings hat es mich sogar verängstigt als ich merkte dass ich frei bin. Es fehlte etwas. Meine Kinder wurden zwar auch entspannter, allerdings fehlte ihnen eine männliche Bezugsperson.
    Ich habe auch das Problem, dass ich nicht lange ohne Mann sein kann. Ich bin stets Hals über Kopf von einer Beziehung in die andere gestolpert, nur um nicht allein zu sein, wobei die vorletzte am längsten hielt. Aber auch nur deswegen, weil ICH immer wieder einen Neuanfang gewagt habe (drei, vier, fünfmal bestimmt).
    Das eine Beziehung aus gegenseitigen Kompromissen, regelmäßiger Zuneigung, Verständis für den anderen und natürlich auch LIebe besteht wusste ich zwar schon immer, aber ich habe immer den Fehler gemacht das alles in meinen Beziehungen erschaffen zu wollen (weil es nie wirklich vorhanden war). Das zu soetwas immer ZWEI gehören (und nicht nur ich alleine) wurde mir erst klar, als ich durch Zufall auf die Liebe meines Lebens traf, wo ich das alles erst lernen musste und auch immer noch lerne, denn ich habe soetwas noch nie zuvor erlebt und gefühlt.
    DIe Liebe, die wahre wirkliche Liebe ist noch viel größer, viel unfassbarer und großartiger als das, was ich mir meinen Träumen Jahrelang ausgemalt habe. Es dringt so tief, so weit in einen ein, dass man das Gefühl hat das lodern einer heißen FLamme in seinem Herzen zu tragen... Es ist einfach unbeschreiblich und es hat mich das wichtigste überhaupt gelehrt: Liebe kann man nicht erschaffen oder erzwingen. Man muss sie leben und dann pflegen wie eine zarte, kostbare Blüte...
    Ich freue mich schon auf weitere Beiträge und werde jetzt bestimmt öfter hier bei Euch im Forum sein, denn ich fühle mich hier endlich verstanden.
    Danke dafür.
    Lieben Gruß, Krümelmonster

    Lieber Peter, liebe Helga und restlichen Leser...

    Danke für Eure tröstenden Worte und geschilderten Erlebnisse.
    Mir geht es sehr nahe dass ich endlich Leute gefunden habe, denen ich mich anvertrauen kann ohne mich schämen zu müssen, gerade weil es ihnen ähnlich ergangen ist.
    Wiegesagt gab es kein Internet zu der Zeit, als ich Hilfe am nötigsten brauchte. Ich war auch schon immer ein Mensch (vielleicht auch durch die Alkoholsucht meiner Eltern), der sich schriftlich besser ausdrücken konnte als mündlich. Deswegen ist das Forum vielleicht der beste Weg für mich.
    Danke auch dafür, dass ihr mir Mut gemacht habt. Es ist wirklich Balsam für meine Seele, dass könnt ihr mir glauben. Wenn man glaubt die ganzen Jahre über einen "an der Marmel" zu haben kann das ganz schön an einem Zweifeln lassen.
    Ich weiß nicht genau ob es so ist, aber gerade weil ihr wie ich auch alle mit der Krankheit Alkohol zu tun hattet, hat sich das auch auf meine vergangenen Beziehungen ausgewirkt. Meine Schwester sagte damals einen Satz, den ich nie vergessen werde: "Weil wir mit abhängigen Eltern aufgewachsen sind, werden wir Männer mit den selben Problemem immer wieder magisch anziehen." Sie selbst ist das zweite mal verheiratet. Ihre erste Ehe endete damit, dass ihr Mann Spielsüchtig war und sie ihn deswegen auch verließ, weil er keine Hilfe annehmen konnte.
    Tatsächlich hatte ich auch nur Männer, die entweder gekifft haben oder mal mehr, mal weniger alkoholkrank waren. Mein jetziger Mann ist seit September 2004 trocken. Kennengelernt haben wir uns im Juli 2005. Ich kenne ihn also nur trocken und er ist die Liebe meines Lebens...
    Ich will damit auch erklären, dass ich nicht nur wegen meiner abhängigen Eltern hier ins Forum gekommen bin, also nicht nur um meine Vergangenheit aufzuarbeiten; Sondern auch wegen meines Mannes, um ihn besser zu verstehen und ihn besser unterstützen zu können.
    Er hat bereits mit 18 Jahren eine Langzeittherapie gemacht (nachdem er bereits einen veruchten Suizid hinter sich hatte), deswegen seine Lehre um ein halbes Jahr verlängert und ist wieder rückfällig geworden, als er nach Hause, in den alten Alkoholsumpf, zurückkam.
    Sein Vater ist ebenfalls bis heute Alkoholiker (so, bzw. ähnlich wie meine Mutter). Erst im September 2004 entschied er sich erneut für eine Therapie, diesmal ambulant, und ist bis heute trocken. Wir reden oft und viel, auch über seine Trinkerkarriere, aber ihm und mir fehlt oft etwas. Vielleicht eine dritte oder auch vierte Meinung.
    Um auf meinen Vater zurück zu kommen: Ich habe viel Glück im Unglück mit ihm gehabt. Er war nie einer, der im Rausch besonders agressiv wurde, zumindest nicht seiner Familie gegenüber. Ich will damit sagen, er hat uns oder unsere Mutter nie geschlagen, aber er war halt wiederlich in seiner Art und es war nichts mehr mit ihm anzufangen. Kinder sehen in ihren Eltern ja eigentlich immer so eine Art Superheld, jemanden der unverwundbar; unfehlbar ist. Und es war schrecklich für mich die "Verwundbarkeit" meines Vaters zu erleben. Ein Erlebnis werde ich nie vergessen.
    Meine Eltern und ich waren auf einer Feier und mein Vater war sternhagel blau als wir nach Hause wollten. Ich sehe ihn immer noch vor mir, als wäre es gestern gewesen. Ich war etwa acht Jahre alt.
    Er ging so ungefähr fünf Meter vor uns, bzw. taumelte, und er bekam einen linksdrall. Daraufhin landete er in einem flachen Graben, der zwar kein Wasser führte, aber aus eigener Kraft kam er nicht mehr hoch. Ich höre immer noch meine Rufe: "Steh auf! Oh bitte, steh auf! Da musst Du Dich festhalten. Da am Ast! Da kannst Du Dich hochziehen!" Ich wusste damals nicht, dass ich ihn hätte liegenlassen sollen. Meine Mutter hat mir Jahre später erzählt, dass sie ihn liegen gelassen hätte wenn ich nicht dabei gewesen wäre... Tatsächlich hat er sich an dem besagten Ast wieder aufrappeln können und vielleicht hat das eine Art Bild in mir erschaffen, dass ich ihm helfen müsse. Allerdings war meine Hilfe immer die verkehrte. Selbst als 20jährige konnte ich ihn nicht liegen lassen, als er nach einem Kneipengang in die Büsche vor unserer Haustür flog...
    Vor kuzem ist meine Mutter, nur wenige Meter von diesen Büschen entfernt, ebenfalls in die Botanik geflogen: Vor den Augen meiner jetzt achtjährigen Tochter. Ich weiß nicht ob meine Mutter zu dem Zeitpunkt ebenfalls betrunken war (was sie des öfteren noch ist), aber es kam ganz viel von "der alten Zeit" in mir hoch und ich möchte vermeiden, dass meine Tochter auch nur im Ansatz miterleben muss, was ich und meine Schwester damals erlitten haben.
    Wie soll ich mich meiner 66jährigen, alkoholkranken Mutter gegenüber verhalten, damit meine Tochter nicht darunter leiden muss? Sie liebt ihre Oma sehr und ich liebe meine Mutter natürlich auch. Wie kann ich ihr auf den Kopf zusagen, ohne sie persönlich zu verletzen, dass sie professionelle Hilfe benötigt? Hat jemand von Euch einen Tip? Ich freue mich sehr auf heute Abend, wenn ich wieder etwas Zeit fürs Forum habe und wünsche Euch allen einen schönen Tag!
    Liebe Grüße, Krümelmonster

    Hallo, Ihr lieben Leute!!

    Mit großem Interesse habe ich Deine (Eure) Seite kennengelernt lieber Karsten und möchte, bevor ich mich vorstelle, ein ganz großes Lob an Dich und Deine Mitglieder aussprechen! Ich denke Ihr leistet hier Großes und es sollte viel mehr solche Websites geben wie diese! Zu der Zeit als ich Hilfe am nötigsten hatte gab es noch kein Internet und für eine Telefonseelsorge war ich zu feige ;) Ich habe so viel auf dem Herzen und habe das Gefühl, dass ich hier an der richtigen "Adresse" bin, um endlich über mein Leben zu sprechen, bzw. zu schreiben... Also seit mir nicht böse, wenn es etwas "mehr" wird...

    Wo wir auch schon am Anfang meiner Geschichte wären.
    Ich bin heute 30 Jahre alt, wohne in Hamburg, habe zwei Kinder (von zwei verschiedenen Erzeugern), zwei Katzen und mein Mann ist trockener Alkoholiker, doch um ihn geht es hier im Moment nicht.
    Mein Vater war bis zu seinem Tod vor fast genau zehn Jahren Alkoholiker. Zwischendurch hatte er auch längere trockene Phasen in denen er der beste Vater für seine Kinder war, den man sich vorstellen konnte.
    Ich rätsel immer noch, warum er in den letzten Jahren rückfällig geworden ist. Mache mir persönlich viele Vorwürfe (und ich weiß im Grunde, dass ich an allem keine Schuld habe) und träume bis heute immer noch davon, dass mein Vater plötzlich wieder da ist, dass sein Tod ein Irrtum war.
    Ich wünsche mir oft, dass er wieder da ist. Vielleicht weil vieles zwischen uns ungesagt blieb.
    Seltsam, oder? Da hat man jemandem als Kind oft den Tod gewünscht und als es dann soweit war (ich war gerade 20 Jahre alt) wollte ich selber sterben. Ich habe ihn sehr geliebt wenn er nüchtern war, war ein sogenanntes Papa-Kind, aber auch mit ganzem Herzen gehasst wenn er getrunken hatte.
    Ich muß dazu sagen meine Schwester ist neun Jahre älter als ich und befindet sich seit längerem in ambulanter Psychotherapie, weil sie bis heute an dieser Sache zu knabbern hat. Ich habe noch nie professionelle Hilfe in Anspruch genommen was vielleicht in der anfänglichen Trauerphase bitter nötig getan hätte. Aber ich bin ja selber Schuld ;)
    Mein Vater war gerade 53 Jahre alt, als er im Februar 97 unter anderem an einem mandarinengroßen Tumor in der Leber starb (dafür waren mehrere faktoren auch noch verantwortlich).
    Von etwa 1992 an war er trocken, hatte eine Langzeittherapie gemacht und wurde 1994 schon wieder rückfällig. Und von da an begann sein langsames Sterben. Ich wünsche nicht einmal meinem größten Feind so einen Tod.
    Anfangs fragten wir uns immer warum er so gelb aussah, wir haben die Zeichen für sein nahendes Ende alle verdrängt, uns innerlich eingeredet dass dass alles normal sei. Beim Arzt war er damals auch als wir ihn dazu drängten, er verschwieg uns aber allerdings die Wahrheit.
    Heute weiß ich, dass er vom Arzt sein Todesurteil erhalten haben muss. Ein Tumor wächst nicht von heute auf morgen.
    Als er die letzten zwanzig Tage seines Lebens im Krankenhaus lag, lag er Anfangs im sogenannten Leberkoma. Ein Magengeschwür war aufgebrochen und das Blut in seinem Magen hat ihn praktisch vergiftet. Und da seine Leber ja nun bereits hinüber war, war sein Schicksal somit besiegelt.
    Als er wieder wach wurde wusste er oft nicht wo er war. In "Hellen" Momenten behauptete er, es ginge ihm gut und dann ging es wieder bergab. Zuletzt beschmierte er sich selbst im Delirium mit seinem eigenen Stuhl und war für andere Patienten nicht mehr zumutbar.
    Er starb völlig allein. Keiner von uns konnte bei ihm sein, weil wir alle zu dem Zeitpunkt auf der Arbeit waren, und eigentlich die Hoffnung gehabt hatten ihn nach Hause holen zu können wenn er stabil war. Damit er dort sterben könnte... Den Gefallen hat er uns aber nicht mehr tun können.
    Ich hatte am Telefon einen Nervenzusammenbruch als ich die Nachricht von seinem Tod erhielt. Meiner Mutter (die übrigens bis heute Pegel-Alkoholikerin ist) und meiner Schwester ging es natürlich auch nicht besser, aber ich stürzte danach richtig ab. Zwar fing ich nicht das trinken an, nahm auch keine Drogen aber ich begann eine Lebensphase in der ich einen Fehler nach dem anderen begang. Davon möchte ich vielleicht später mehr erzählen.
    Ich bin also "nur" Angehörige von Alkoholikern, aber ich habe noch viel aufzuarbeiten, auch wenn mir mein Mann viel mit seinen Erfahrungen helfen kann und weiß was ich durchlebt habe. Ich kenne ihn nur als trockenen Alkoholiker, weiß aber manchmal nicht wie ich mich ihm gegenüber verhalten soll. Ich bin aber der guten Hoffnung, dass ich bei Euch hier im Forum endlich den Platz gefunden habe, um in meinem "kranken" Gehirn ein bisschen klar Schiff zu machen. Vielleicht ja mit etwas Hilfe von Euch ;)
    Danke erstmal, dass Ihr hier meinen Text gelesen habt. Ich freue mich auf Eure Reaktionen und Anregungen und viele viele Gespräche mit Euch! Lieben Gruß, Krümelmonster

    PS: Krümelmonster ist der Spitzname, den mir mein Vater einst gab :)