jetz oder niewieder ...... wenn man sich entscheiden muss

  • Hallo waytoomany,

    erst einmal ein herzliches Willkommen !

    Zunächst einmal: Werde Dir bewusst, dass Du keine Schuld an der Situation hast und vor allen Dingen trägst Du nicht die Verantwortung für Deinen Vater !!!

    Du steckst ganz schön tief in der Misere, dem Du schnellstmöglich entrinnen solltest. Wenn mein Vater mir etwas derartiges angetan hätte, so hätte es er wohl nicht überlebt.
    Ich kann Dich allerdings auch verstehen. Einerseits er ist Dein Vater, andererseits willst Du sein Verhalten nicht länger tollerieren. Und das solltest Du auch nicht länger tun.

    Suche Dir um Himmels Willen Hilfe außerhalb Deiner Familie. Denn mit Pulsadern an- oder aufschneiden ist ja nun wirklich nicht zu spaßen.
    Vertraue Dich Deinem Hausarzt oder -ärztin an, der/die weiß sicher Rat und ist zudem an die Schweigepflicht gebunden. D.h. es wird nirgends herum getratscht.

    Dein Vater hat nur noch Dich ? Na, das hat er sich wohl selbst zuzuschreiben. Wenn er zu diesen Handlungen schon in der Lage war, möchte ich nicht wissen, wozu noch... .

    Eine letzte Chance ? Ich denke, so weh es auch tut, die hat er bereits gehabt und die hat er auch vertan.

    Such Dir Hilfe beim Arzt, Vertrauenslehrer oder auch beim Jugendamt (dort sitzen auch nur Menschen, die helfen wollen). Du wirst sehen, dass man Dir helfen will und auch kann. Denn Deine derzeitige Situation kann nicht derart aufrecht erhalten werden.

    Pass bitte auf Dich auf. Du bist ein wertvoller Mensch, der so etwas nicht verdient hat.

    Fühl Dich mal von mir gedrückt ;)

    Gruß,
    Kerstin

  • Hallo waytoomany!

    Erst einmal möchte ich Dich hier herzlich Willkommen heißen. Es ist schön, dass Du Dir Hilfe gesucht hast. Und als ich eben Deinen Beitrag las hatte ich das Gefühl, dass DU Hilfe verdammt nötig hast! Nicht nur Dein Vater.
    Dein Vater muss die Hilfe für sich selber wollen :!: So hart wie das vielleicht jetzt klinegn mag, aber Du hilfst ihm weder wenn Du bei ihm bleibst noch wenn Du weg bist (meiner Meinung nach, was ich mit MEINEM alkoholkranken Vater durchgemacht habe...). Dein Vater sucht scheinbar nach irgendwelchen Gründen um sich vom Alkohol losreißen zu müssen. Der ihm selbst wohl wichtigste Grund mit dem Trinken aufzuhören ist scheinbar der (so wie ich es aus Deinem Text rauslesen konnte), damit DU ihn nicht verlässt... Das ist in meinen Augen schlichte Erpressung.
    Eine Erpressung einerseits, um Dich an ihn zu binden, und eine Erpressung an sich selbst, damit er EINEN GRUND hat mit dem Trinken aufzuhören (absolut schwachsinnig!!). ...
    Denn der springende Punkt, um eine feste sichere Basis zum Aufhören mit dem Trinken zu erschaffen, ist DER: DEIN VATER MUSS ES FÜR SICH SELBST WOLLEN! FÜR SICH EINZIG UND ALLEINE!!! Er muss den Unterschied erkennen zwischen dem was er für sein Umfeld will, und dem was er eigentlich für sich selbst will.
    Er muss in erster Linie erkennen, dass Du erst freiwillig dableibst, wenn er konkret aufgehört hat zu trinken (längerfristig und nicht nur für ein paar Tage oder ein paar Wochen...) und das für Dich auch erkennbar ist. Das er Dir erstmal die Basis des Vertrauens wieder geben muss. Und das er das nicht von heute auf morgen kann, Dein Vertrauen zurück zu gewinnen, sondern dasss er sich das erst einmal hart erkämpfen musss; ALLEINE erkämpfen muss... DAS muss er alleine schaffen!!
    Was ich Dir nur raten kann, selbst wenn Dir das jetzt vielleicht unlogisch vorkommt und so gar nicht nach dem, was DU vielleicht gedacht hast zu hören: Was ist Dir wichtig? Und was ist nötig?
    Du liebst Deinen Vater sehr. Du hasst ihn aber auch für die Dinge die er tut und/ oder schon getan hat. Du fühlst Dich hilflos. Du willst ihm helfen. Du weißt aber, Du kannst ihm nicht helfen. Jedenfalls nicht längerfristig, weil Du das Fachwissen gar nicht hast. Ich habe Jahre lang den Fehler gemacht die Verhaltensweisen meines Vaters vor anderen zu vertuschen, es schön zu reden... Habe ihm aufgeholfen, wenn er zu betrunken war um alleine zu gehen und sich auf die Fresse gelegt hat. Es war erniedrigend das alles mitzuerleben und ich habe noch nie so viel Mitleid für jemanden empfunden wie für meinen Vater. Das hat er wohl auch gewusst. Meine Tochter wird mich immer wieder auffangen... Wenn mich alle im Stich lassen, SIE wird es nicht tun. Und da liegt der Hund begraben. Ich hätte ihn liegen lassen und gehen sollen. So hart wie es klingt. Aber das ist der einzige Weg. Der einzig richtige.
    Das jedoch habe ich zu spät erkannt. Denn er ist jetzt tot und ich kann es nie wieder gut machen... Mein Vater ist an den Folgen seiner Alkoholsucht schließlich gestorben.
    Mach nicht den selben Fehler. Du kannst es richtig machen. Zu helfen heißt auch manchmal NICHT zu helfen. Du musst es nicht so krass machen, wie ich es jetzt beschrieben habe. Du kannst Deinem Vater sagen, dass Du ihn liebst und ihn auch immer lieben wirst, egal was für Bockmist er gemacht hat (denn daran kann man eh nichts mehr ändern).
    Sag ihm , dass Du bereit bist einen Neuanfang zu machen, wenn er den ersten Schritt tut. Den ersten richtigen Schritt. Nämlich den zu erkennen, dass er es FÜR SICH SELBST tun muss.
    Denn erst dann, wenn er an SICH gearbeitet hat kann er damit anfangen sein demoliertes Umfeld neu aufzubauen. Zum Beispiel, was ihm ja sehr wichtig ist, die Beziehung zu Dir, seinem Sohn, standfest und zu einem Mittelpunkt in seinem Leben zu machen. Aber erst mal soll er doch bitte mit seinem eigenen Leben anfangen, bevor er andere Leben (besonders DEINES) damit hineinzieht...
    Stoß ihn nicht von Dir weg aber zeige ihm deutlich, dass er es alleine anfangen muss. Das er seinen eigenen Weg finden und dann auch konkret gehen muss um die anderen Dinge die ihm wichtig sind zu richten und zu klären. Er muss bei der Wurzel des Übels anfangen; Bei sich selbst.

    Mein Vater hat auch mehrere trockene Phasen und auch einige Therapien gemacht. Aber immer nur um weiter für seine Familie zu funktionieren, um den Zusammenbruch der Familie zu verhindern, für die er sich alleine verantwortlich gemacht hat. Er hat glaube ich nie erkannt, dass er sich selbst dabei übersehen hat. Sein eigenes Ich. Das muss und kann Dein Vater sicher noch lernen, denn wie Du schreibst ist er bereit irgendwas zu tun. Nur WAS muss er für sich erst mal genau festlegen. Aber an erster Stelle kommt erst einmal ER SELBST. Und nicht für wen oder warum, oder für was... DAS MUSS IHM KLAR WERDEN. Sonst ist ein Versuch trocken zu werden von vornherein auf keinem guten Fundamet gebaut...

    Ich hoffe ich konnte Dir etwas helfen, auch wenn das alles nicht sehr einfach zu verstehen sein mag.
    Es war ein komisches Gefühl Deinen Hilferuf zu lesen, denn es war vieles darin, was ich damals auch so erlebt habe. Es zeigt, wie viele Menschen es wirklich mit solchen Problemen gibt. Es hat mir aber klar gemacht, dass ich nicht alleine bin. Und das muss Dir auch klar werden. Du bist nicht allein und Du kannst Hilfe bekommen. Du musst sie nur suchen und auch zulassen...
    Ich wünsche Dir viel Kraft das zu erreichen, was Du Dir vorgenommen hast und würde mich sehr darüber freuen, wieder hier von Dir zu hören.
    Liebe Grüße, Krümelmonster

    Der richtige Weg ist nicht unbedingt auch der einfachste...

  • Hallo waytoomany...

    Es ist schön wieder von Dir zu hören und zu erfahren, dass Dein Vater sich durchgerungen hat, sich professionelle Hilfe zu suchen.
    Der Abstand, den Du und Deine Mutter nun von ihm nehmen wollt ist ein guter Anfang. Auch für ihn.
    Dein Vater muss lernen Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Wie gesagt muss er den Neuanfang für sich selbst wollen. Das es das beste für euch alle ist, kommt dann als nächstes. Es ist eine logische Fortsetzung von dem, was er bereit ist neu zu beginnen.

    Lieben Gruß, KM

    Der richtige Weg ist nicht unbedingt auch der einfachste...

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