Bei mir war es so, dass ich als Kind erlebt habe, wie mein Vater nach dem Suff und jeder Eskalation, meine Mutter immer wieder belabert hat, zu ihm zurück zukommen. Ich konnte das sicher als Kind nicht so einordnen, habe aber erlebt, dass es danach wieder zurück ging und es hat sich nie etwas verändert, alles ging wie gehabt weiter bis zum nächsten Mal. Meine Mutter ist bis zum Ende bei ihm geblieben. Dieses Muster auch in mir, habe ich aber erst in den letzten 6-8 Monaten so klar erkannt. Es war ein blinder Fleck in mir, wie eine Fernsteuerung.
Ich habe bei meinem nun Ex-Partner, bei jeder on/off Trennung, sehr klar das Thema Alkohol gesehen und jedes mal, wenn er dann doch wieder vor mir stand und auf mich eingeredet hat, ist mein Widerstand und meine gesunde Klarheit wie ein Schneehaufen in der Sonne geschmolzen. Ich bin fast willenlos wieder zurück in die Beziehung gegangen und habe mich selbst nicht wirklich verstanden und wieder gelitten.
Dann kam der Punkt, wo ich mir genau und bewusst "unsere Beziehungsrealität" angesehen habe, das was tatsächlich da ist, nicht das was ich als Potenzial in ihm sehe oder was ich mir so wünsche.
Wie er regelmäßig trinkt, was er zu mir sagt, unsere ewigen Diskussionen mit meinen Wahrnehmungen und seinen Relativierungen und seiner Schuldumkehr (dass nur meine Kindheit an meiner Sichtweise Schuld wäre und wenn ich mich von ihm trennen würde, "hätte" mein Vater gewonnen). Ich habe ja immer die Schuld und den Fehler bei mir gesucht.
In mir hat es dann eines Tages buchstäblich "klick" gemacht und ich habe erkannt, dass ich Teil dieses Suchtsystems bin (das alles hat insgesamt 4 Jahre gedauert). Die andere Seite der Medaille. Die Basis für ihn, die Erdung, sein Ruhepol. Er hat für sich keine Verantwortung übernommen und ich auch nicht für mich, das alles ist schleichend passiert. Und es hat soviel Kraft und Energie gezogen, mein Körper hat mir Symptome gezeigt, die ich immer schön ignoriert oder nicht als solche wahrgenommen habe.
Es würde sich nie etwas ändern, wenn ich in dieser Beziehung bleibe, es wird immer wieder in diese Ausgangssituation zurück ploppen. Dieses System hält sich selbst aufrecht, bis man die Faktoren verändert. Es ist keinem damit geholfen, ihm nicht und mir auch nicht. Ich kann ihn nicht retten (will er überhaupt gerettet werden?). Das zu erkennen und meine Verantwortung für mich und mein Leben wieder zurück zu mir zu holen und für mich Entscheidungen zu treffen, hat mir meine Kraft wieder zurückgebracht.
Letztendlich für ihn zu "wissen", was gut für ihn ist, ist auch ziemlich übergriffig. Gut und gesund war die Situation nicht für mich und das hieß im Umkehrschluss, ich habe mich von ihm getrennt, um wieder frei zu werden.