Hallo zusammen, ich verstricke mich seit gestern in Gedanken. Vielleicht hilft es, dass ich es einfach mal runterzuschreiben.
Die letzten zwei Wochen war ich aktiv und habe ganz viel geschafft, um das Haus von Altlasten zu befreien. Ich habe Möbel meines Ex entsorgt, die er mir stehen lassen hat. Er nimmt nur das mit, was ich ihm hinstelle und was er gebrauchen kann. Seinen Müll läßt er mir stehen. Eine Flasche Gin aus seinem Barwagen hat er allerdings mitgenommen. Das hat mich wieder bestärkt, dass die Trennung richtig war und er weit weg von einer Krankheitseinsicht ist.
Dann war diese Woche der Notartermin, da ich das Haus übernehme. Ich bin so enttäuscht und wütend, dass er mich auch mit dieser finanziellen Belastung und Verantwortung alleine läßt. In solchen Situationen wird mir dann bewußt, dass ich schon seit Jahren viele Lasten allein getragen habe.
Nach dem Termin kamen zweierlei Gedanken in mir hoch. Auf der einen Seite wurde mir bewußt, dass der Alkohol uns schon sehr lange begleitet hat. Mir sind die häufigen Ausfälle durch Alkohol eingefallen, die ich mir damals nicht erklären konnte. Von zunächst vereinzelten Situationen, die ich nicht in Zusammenhang gebracht habe, bis dann zu den Zeiten, wo er jeden Tag zu viel getrunken hatte. Mein Leidensweg als CoA war rückblickend recht lang. Oft verklärt durch die schönen Momente, die an Wertigkeit gewonnen haben, weil ich doch so auf Besserung gehofft habe und überzeugt war, dass unsere Liebe stärker ist. Jede Nüchternheit oder die Momente, wo mein Ex sich einsichtig zeigte. Wenn die "nüchterne" Person zum Vorschein kam, die ich doch sehr geliebt habe. Wir wollten zusammen alt werden, dafür habe ich gekämpft. Dumm nur, wenn man alleine kämpft.
Dann war beim Notartermin ein Mann, der mir so fremd ist. Der nichts mehr mit der Person zu tun hat, die ich in Erinnerung habe. Die Kommunikation mit ihm fällt mir schwer. Dann wünsche ich mir immer den Partner zurück, mit dem ich so vertraut war, mit dem ich früher Lachen und Weinen konnte. Ich versuche mich auf das Sachliche zu konzentrieren.
In solchen Situationen kommt dann der Wunsch hoch, dass ich ihm irgendwann begegne, er trocken und wieder der Alte ist. Mit dem ich über das Erlebte, Geschehene und die Gefühle reden kann. Und doch weiß ich, dass ich diesen Wunsch gedanklich in ein Kästchen packen muss, das ich dann gut verschließe und weit weg packe. Sollte der Tag widererwartend kommen, dann stehe ich vermutlich selbst an einem ganz anderen Punkt.
Ich werde mir nun einen Plan machen, welchen Raum ich als nächstes renoviere und neu gestalte und was zu entsorgen ist. Beim Wertstoffhof wird man mich sicher bald mit Namen begrüßen. 
Nun bin ich froh, dass ich es einmal losgeworden bin. Und vielleicht hilft es auch anderen CoA, die noch im Entscheidungsprozess sind, sich schneller als ich für den finalen Schritt und damit für sich selbst zu entscheiden.
Ich wünsche allen ein hoffentlich schönes Wochenende und bin dankbar, dass es diese Raum für uns gibt. 
Liebe Grüße