Miauzekatze - Bruder ist Alkoholiker

  • Hallo zusammen,


    Mein Bruder ist ca 15 Jahre älter als ich und Alkohol ist bei ihm ein Thema mind seitdem ich auf der Welt bin.
    Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll…

    Bei ihm steht eine Wohnungskündigung an, er hatte einen Hirnschlag dieses Jahr , es wurde nun das Korsakow-Syndrom Syndrom diagnostiziert und er ist nicht mehr geschäftsfähig. Sein gesetzlicher Betreuer ist kurz davor, die Betreuung abzugeben aufgrund vieler Lügen (er log schon immer viel) und Behinderung in der Zusammenarbeit durch meinen Bruder.

    Ich habe gestern mit ihm länger gesprochen. Er möchte den Alkohol behalten, sich tot saufen. Dann möchte er nochmal eine Langzeit Reha machen, in ein betreutes wohnen und für seinen Neffen weiter leben. Gefühlt bekommt man in 5 min 3 verschiedene, konträre Aussagen von ihm.
    Ich bin fertig mit den Nerven. Seit über 8 Jahren versuche ich mich mehr oder weniger um ihm zu kümmern. Da ich mehr und mehr Probleme mit mir selbst bekomme bzw. ich davon krank werde oder schon bin - ich bekomm einfach mein Gedanken Karussell und Nerven nicht in den Griff - bin ich glücklich, dieses Forum hier gefunden zu haben und mich austauschen kann.

  • Hallo Miauzekatze,

    willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe!

    Es ist so, wie Du schon erkannt hast, Du kannst Deinem Bruder nicht helfen. Aber Du kannst Dich distanzieren, damit es Dir wieder besser geht.

    Für den Austausch mit den anderen Teilnehmern hier im Forum klicke den folgenden Link an und schreibe einen kurzen Satz.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Wir werden Dich dann freischalten und Dein Thema zu "Erste Schritte für Angehörige" verschieben.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, Miauzekatze.

    Und Du kannst Du überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich.

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Hallo Alle,

    nochmal Danke für die Aufnahme ins Forum und dass ihr füreinander da seid. Es tut gut zu wissen, dass man nicht alleine ist, auch wenn ich niemanden diese Problematik wünsche!

    Zu „meiner“ Geschichte:

    Mein Bruder ist Alkoholiker, als schwerst süchtig und krank.

    Wo soll ich mit seiner Geschichte anfangen – sorry es wird lang und ich habe bereits gekürzt…

    So richtig hat die Problematik mit der Trennung von seiner Frau und dem gemeinsamen Kind (damals ein paar Monate) angefangen. Das war vor über 20 Jahre, wobei er ja schon immer, seit ich ihn kenne, gerne getrunken hat. Seitdem gab es öfters Kündigungen der Wohnungen, Jobwechsel, keinen Job, Leben auf der Straße, viele Entgiftungen, Entwöhnungen und 2x Langzeitreha.

    Als er 2016 wohnungslos war und bei meinen Eltern vorübergehend einzog, habe ich ihm Job und Wohnung „besorgt“ und seitdem mische ich in diesem Spiel viel mehr mit als es mir lieb ist. Viel Geld habe ich auch dadurch verloren, da ich z.B. seine Schulden beim Staat bezahlt habe aufgrund dessen er im Gefängnis saß, Krankenversicherungsbeträge über 3 Jahre nachgezahlt habe, sonstige Forderungen von Stromanbietern und was es nicht so alles gibt bezahlt habe.

    Als er noch gearbeitet hat, haben wir regelmäßig sein Gehalt geholt und ihm jeden zweiten Tag Geld gegeben sowie die Miete davon beglichen. Dann habe ich ein Kind bekommen, unsere Mama hatte einen Schlaganfall erlitten, habe nach 6 Monaten Elternzeit wieder das Arbeiten begonnen und die Situation wurde für ich immer schlimmer. Ende 2019 kam ich dann zum Entschluss, einen Antrag auf einen gesetzlichen Betreuer zu stellen und seitdem regelt er zumindest die finanziellen Themen.

    Die letzten 1,5 / 2 Jahre hat sich mein Bruder ziemlich verändert. Es gab epileptische Anfälle oder auch Angriffe auf Jugendliche (er hatte Wahnvorstellungen, dass die Kinder Drogen verkaufen würden). Anfang dieses Jahres merkte ich auch körperliche Veränderungen, er hat z.B. immer wieder seine Augen verdreht und sich an manche Themen, obwohl sie nicht lange her waren, gar nicht mehr erinnert oder sie als falsch dargestellt. Mitte des Jahres hatte er dann nun einen Schlaganfall (angeblich wegen eines angeborenen Lochs im Herzen). Er war ca 9-10 Wochen im KH und anschließender Reha. Gegen Ende der Reha, als er wusste, er muss zurück nach Hause, hat er wieder verstärkt das Trinken begonnen. Es hat sich auch nun das Korsakow Syndrom bestätigt, worauf sicherlich dieses Augenverdrehen und die Erinnerungslücken Anfang des Jahres zurückzuführen sind. Die Geschäftsunfähigkeit ist nun offiziell bestätigt lt. Betreuer. Er kann kaum laufen bzw. läuft am Rollator.

    Bis zu seinem Schlaganfall hatte mein Bruder eine Katze. Er hat die gesamte Wohnung vermüllen lassen, die Katze hat überall hin gesch*****, das gesamte Haus, nicht nur seine Wohnung, hat gestunken.. Die Nachbarn haben sich beschwert und seitdem will der Vermieter die Wohnung kündigen, der Betreuer hat es bisher erfolgreich abwehren können. Ich habe mich nach seinem Schlaganfall wieder vom Betreuer weich klopfen lassen und die Hälfte für die Reinigung gezahlt. Jetzt ist zwar keine Katze mehr da, aber der Müll, die Asche und Essensreste sind dennoch in der gesamten Wohnung am Boden verteilt. Richtig ekelhaft.

    Letzte Woche hatte er das Gespräch zur Einstufung des Pflegegrades bei ihm zuhause. Eine Assistenz des Betreuers war vor Ort. Mein Bruder hat den Betreuer richtig doof aussehen lassen, dass er sich nicht kümmert etc. Als die Assistenz diesem widersprach, haben die Kollegen der Pflegeeinstufung ihr den Mund verboten. Er hat diesen Leuten erzählt, dass er ja alles alleine schaffen könnte, Wäsche waschen, baden/duschen und Einkaufen. Mir jammert er regelrecht einen vor, wie schwer es ist und dass er jedes Mal so erschöpft ist. Kurzum gesagt, er tut alles, um gegen den Betreuer zu wettern und zu schauen, dass er ja keine Hilfe bekommt.

    Er wollte gerne in ein betreutes Wohnen, will aber den Alkohol nicht aufgeben, so dass ihn keine Einrichtung aufnimmt. Ja verstehe ich, sie haben ja auch eine Verantwortung gegenüber den anderen Menschen, die dort leben und auch ihre Probleme haben. Außerdem gibt es bei uns nicht viele Einrichtungen, die eine gehbehinderte Person aufnehmen. Er läuft wirklich schlecht, macht auch keine Physio und nix.

    Der Betreuer weiß auch nicht mehr weiter und hat bereits angekündigt, das Mandat bald niederzulegen. Ich habe bereits der Behörde schon mitgeteilt, dass ich nicht sein Betreuer werden kann und möchte. Ich schaffe das nicht!

    Am Samstag haben mein Bruder und ich telefoniert – er hat mir gesagt, dass er aufgegeben hat. Erst als ich ihm wieder zugeredet habe, hat er seine Meinung „geändert“, wahrscheinlich nur damit er seine Ruhe hat und dann wieder schön weitermachen kann wie bisher.

    So, nun wirklich zu mir: Ich weiß, dass ich ihm absolut nicht helfen kann. Wenn er es nicht von alleine will, wird er nichts machen bzw. ein paar Wochen Pause und dann wieder für sich einen neuen Grund finden, um zu besinnungslos zu betrinken. Rein auf Sachebene gesehen ist mir das alles klar, vor allem nach dem Telefonat am Samstag, in dem er mir seine Entscheidung über „sein Totsaufen“ mitgeteilt hat. Und er hat auch das Recht darauf sich nicht helfen zu lassen, den benötigten Abstand von mir zu ihm ist mir auch klar. Auf der Gefühlsebene komme ich überhaupt nicht klar. Wie kann er sein Leben nur so wegwerfen? Wieso ist es so weit gekommen? Was hätte ich anders machen können? Hätte ich damals, als seine Frau sich getrennt hat, mehr für ihn da sein sollen, vor allem als es ihm so schlecht ging? Aber ich war ja ein Teenie und auch überfordert, aber vielleicht war ich einfach zu sehr auf mich besinnt? Was für Höllen muss er ertragen? Er tut mir so leid! Wie erträgt unsere Mama diesen Schmerz? Was passiert mit ihr, wenn es soweit ist und wir den Anruf bekommen? Als ihr Hund vor 6 Jahren vergiftet wurde und elendig verreckt ist, hat sie damals danach einen schweren Schlaganfall bekommen, u.a. weil sie ich so reingesteigert hat (natürlich nicht der einzige Grund, aber es war wohl das auslösende Ereignis). Wie bringe ich es meinem Kind bei (6 Jahre)?

    Was passiert mit ihm, wenn er aus der Wohnung raus muss und in ein Obdachlosenheim kommt? Oder schläft er auf der Straße? Wie ist er dann krankenversichert?

    Ich könnte hier so ewig weiter machen. Mein Kopf gibt keine Ruhe. Mein Puls und Blutdruck rasen. Die Tränen kullern. Manchmal hab ich das Gefühl, als ob es mir für ein paar Sekunden die Luft abschnürt und ich dann ein komisches Geräusch mache und danach bekomme ich wieder Luft. In der Brust und im Hals habe ich das Gefühl, dass es manchmal „blubb“ macht, ich kann es nicht beschreiben, einfach ganz komisch. Ich bin ständig müde, schlafe am Wochenende Nachmittags zwei/drei Stunden. Kann mich auf Arbeit manchmal nicht konzentrieren. Manche Sachen fallen mir so schwer, z.B. nur ein Dokument digital zu signieren, das schiebe ich so weit weg, bis ich es machen muss in der letzten Minute. Manchmal ist das Duschen eine große Herausforderung für mich, ich weiß aber nicht warum. Ich versuche immer es weit raus zu schieben und stehe dann früh früher auf, damit ich genügend Zeit habe, das „Duschen müssen“ etwas rauszuzögern.

    Wenn es um mein Kind geht, mache ich alles. Er hat dieses Jahr ADHS diagnostiziert bekommen und wir werden noch die Diagnostik wegen Autismus wohl machen. Jeden Termin nehme ich wahr, wir kommen nie zu spät in die Schule, Fussball und Taekwando Training laufen. Da bekomme ich es gebacken. Aber sobald es um mich geht, funktioniert vieles einfach nicht.


    Es tut mir gut, das alles von der Seele geschrieben zu haben. Es ist so viel geworden, ich hätte eigentlich noch viel mehr schreiben können. Aber fürs Erste soll es gut sein und ich fühle mich ein kleines Stück weit leichter in der Brust!

  • Hallo Miauzekatze,

    Erstmal herzlich Willkommen hier. Schreibe Dir hier ruhig Alles von der Seele, mir hat das oft geholfen meine Gedanken zu sortieren und einfach Ballast loszuwerden.

    Soweit ich weiß gibt es auch Pflegeheime für suchtkranke Menschen. Verstehe nicht warum der Betreuer da nicht drauf kommt. Darüber würde ich mich einfach mal erkundigen. Ansonsten wünsche ich Dir, dass Du es schaffst Abstand zu nehmen. Bist Du mal beim Arzt gewesen? Für Dich?

    Du hast schon Einiges mit Deinem Kind zu tun und brauchst da auch genug Energie. Und Dein Kind braucht Dich.

    Dein Bruder entscheidet für sich. Da hast Du keinen Einfluss darauf.

    Sende Dir mal eine virtuelle Umarmung.

    LG Momo

  • Hallo Momo,

    lieben Dank, dass du dir meine doch so lange Nachricht durch gelesen hast! <3

    Er hat noch keinen Pflegegrad und wir wissen nach diesem Schlamassel von letzter Woche auch nicht, in welchen Pflegegrad er eingestuft wird. Laut Betreuer gibt es immer wenig Punkte, wenn die betroffene Person sagt, sie bekomme es alleine hin. Anscheinend wurde auch mit ihm keine Treppen gestiegen, da würde man das Problem ja sofort erkennen. Der Betreuer meint zudem, dass ein Widerspruch gegen eine zu schlechte Einstufung keinen Sinn macht, gibt meist nur Ablehnungen. Er hat vielleicht schon mit dem Fall abgeschlossen.

    Ich war letztes Jahr beim Arzt und er hat mir eine Mutter Kind Kur verordnet. Das hat für kurze Zeit was gebracht, bis das mit der ADHS Diagnostik los ging und ich die Streitereien mit meinem Mann wegen der Medikation hatte. Er ist gegen Medikinet. Zum Glück hab ich mich durch gesetzt. Es tut dem Kind in der Schule so gut den Unterricht „normal“ verfolgen zu können.


    Ich lasse mich von außen stark stressen und stelle meine Interessen oftmals in den Hintergrund. Ich glaube, diese, ja eigentlich negative Eigenschaft habe ich von meiner Mama übernommen. Erstmal die anderen, ich komme ja klar oder weiß dass ich es regeln kann. So hat sich über die Zeit vieles angehäuft und ich hab es für mich nicht verarbeiten können bzw ich kann es eben nicht regeln, sondern nur verdrängen.

    Ich möchte bald wieder zu meinem Hausarzt gehen, wenn ich es von selbst nicht auf ein für mich normales Maß geregelt bekomme. Natürlich ist das ein Hinauszögern und ich weiß, dass ich einfach nur Schiss habe, in diesem Zimmer zu sitzen und zu weinen…

    Liebe Grüße

  • Liebe Miauzekatze,

    auch ich habe Deinen (langen) Text gelesen. Es ist gut, dass Du das alles mal schriftlich hinterlassen konntest. So siehst Du geballt, wie viel Du schon gemacht und getan hast. Es ist dann auch irgendwann mal gut!

    Gut finde ich, dass Du Dich in Bezug auf Euren Sohn mit der Medikation durchgesetzt hast. Du siehst ja deutlich, dass es eine Verbesserung gibt.

    Schiebe den Hausarztbesuch nicht so lange hinaus, je eher, desto besser.

    Außerdem tut es auch mal gut zu weinen! Und zusätzlich hat der Arzt vielleicht für Dich einen Rat oder kann Dir anderweitig weiterhelfen!

    Pass auf Dich auf!

    LG Elly

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    Mancher wird erst mutig, wenn er keinen anderen Ausweg mehr sieht.

    - Trocken seit 06.01.2013 -

  • Der Betreuer meint zudem, dass ein Widerspruch gegen eine zu schlechte Einstufung keinen Sinn macht, gibt meist nur Ablehnungen. Er hat vielleicht schon mit dem Fall abgeschlossen

    Liebe Miauzekatze

    Habe Deinen Text auch gelesen und... mannomann da hast Du einen ganzschön schweren Rucksack zu tragen!

    Auch das Zitat oben ist mir ins Auge gesprungen und ich möchte Dir sagen, dass das nicht stimmt! Ganz oft muss man Widerspruch einlegen und ganz oft bekommt man dann erst was einem zusteht! Sas hat mir ein Gutachter gesagt, der selber Gutachten fürs Gericht geschrieben hat wenn Angehörige dien Pflegegrad zu niedrig empfunden haben.

    Ansonsten noch: schreib hier soviel und sooft Dir danach ist! Es kann ja wirklich gut tun und hier sind immer Leute, die das ein oder andere oder manchmal auch alles verstehen!


    Lg

    Api

  • Danke für euren positiven Zuspruch!

    Wie habt ihr Angehörigen es geschafft, euer Gedankenkarussel in den Griff zu bekommen? Was hat euch gut getan?

    Ich habe vor mit meinem Kind und meinen Eltern nun eine Woche in den Ferien in den Urlaub zu fahren. Einfach um abzuschalten und uns etwas zu erholen. Und schon rattert es wieder… was ist, wenn in dieser Woche was passiert? Wie schnell kann ich zuhause sein? Muss ich dann überhaupt nach Hause kommen? Nützt ja sowieso nichts! Wenn du so denkst, was bist du nur für eine schlechte Schwester! Soll ich mein Handy ausschalten?

    Ich merke, wenn ich meine Gedanken hier ins Forum schreibe, geht es mir besser! Dann steht es da, ich bekomme Antworten von euch! Das tut mir sehr gut! Das hat mir all die Jahre irgendwie gefehlt. Zwar kann ich mich mich mit meinem Mann austauschen. Aber das ist anders. Er ist kein direkt Betroffener.


    Habt einen schönen Abend

  • Wie habt ihr Angehörigen es geschafft, euer Gedankenkarussel in den Griff zu bekommen? Was hat euch gut getan?

    Für mich war es ein längerer Prozess. Der brauchte für mich Verständnis (Fakten) für das, was passiert und für das ich keine Verantwortung trage.
    Ich habe so gut wie alle Artikel und Podcast zum Thema gehört - sozusagen bis ich satt war. Und immer dann, wenn das Karussell wieder losging, habe ich sie nochmal gelesen/gehört.
    Am meisten hat mir aber geholfen, dass eine Freundin, die sich auskennt, sich immer wieder Zeit genommen hat.
    Sie wurde nicht müde, mich zu reflektieren und mir zu erklären, was vor sich geht.


  • Wie habt ihr Angehörigen es geschafft, euer Gedankenkarussel in den Griff zu bekommen? Was hat euch gut getan?

    Hier schreiben. Immer und immer wieder. Ich hatte hier nie das Gefühl jemanden mit meinen Problemen und Gedanken zu belasten, wie z.B Freunde und Familie. Einfach zu jeder Zeit ungefiltert alles los zu werden. Und wirklich ungefiltert ist es ja nicht. Man muss seine Gedanken und Gefühle formulieren. Und die Antwort kann man immer und immer wieder lesen und auf sich wirken lassen. Parallel habe ich mir hier alle Artikel zu den Themen durchgelesen, mich einfach damit beschäftigt, und ein entsprechendes Buch aus der Büchervorschlagliste rausgesucht und bestellt.

  • Durch znseren Sohn, durch das Forum, durch eine Suchtberatung, durch Bücher, durch einige wenige gute Vertraute, denen ich mich anvertraut habe. Und nun letztendlich durch Therapie.

    Ich habe es immer wieder gebraucht, dass unabhängig voneinander Menschen zu mir gesagt haben : "Dann hat er ein Alkoholproblem ", "Dann ist er Alkoholiker", "Dann trinkt er süchtig " etc wenn ich ihnen von unserer Situation erzählt habe. Einfach weil ich immer wieder dachte "vielleicht übertreibe ich ja auch", "im Forum wird es sehr einseitig gesehen", "DIE EINE Beraterin hat vielleicht ja selber Zuhause einen trinkenden Partner und überspitzt es deshalb", "ich denke das vllt nur weil in meiner Herkunftsfamilie schon immer so wenig getrunken wurde, ich spießerin"...

    Momentan ist das Gedankenkarussell gestoppt und ich springe schnell ab. Würd mich nicht wundern, wenn ich nochmal drauf gehe, aber vllt ja auch nicht. Und wenigstens aus einer anderen Position (getrennt, eigene Wohnung...)

    Alles liebe Dir!

  • Hallo Miauzekatze,

    als ich begriffen hatte dass ich machtlos war gegenüber der Sucht meines ersten Mannes, dass ich nichts beeinflussen konnte daran, dass meine Hilfe nichts verhindern konnte, dass ich nie rechtzeitig hätte da sein können um etwas zu verhindern, dass ich eben keine Schuld hatte, dass einfach NICHTS von mir verhindert werden konnte weil ich ja ein eigenes Leben hatte und ihn nicht 24/ 7 überwachen konnte, ab da konnte ich loslassen und ihn sein lassen. Denn das, was er tat, war seine Entscheidung und er hätte jederzeit Hilfe suchen und bekommen können.

    Das habe ich erfahren aus Büchern, Informationen über Sucht, Austausch hier im Forum bei den " Spezialisten". Denn hier wissen die Menschen Bescheid, wie es ist. Auf der einen Seite die Cos, auf der anderen die Alkoholiker. Die wissen, wie es bei ihnen war.

    Genieße deinen Urlaub, du hast ALLES für deinen Bruder getan, was in deiner Macht stand. Mehr geht nicht.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Hallo zusammen, entschuldigt, dass ich mich erst jetzt melde.

    Vielen Dank für eure Antworten. Ja, man kann nichts tun und der erwachsene Mensch ist für sich selbst verantwortlich. Wir werden in den Urlaub fahren und ich freue mich schon darauf!
    Am Dienstag gehe ich mit meinem Bruder und seinem Betreuer nochmal zur Suchtberatung. Ich bin gespannt wie es läuft, wie er sich benimmt, was die sagen zu einem Pflegeheim für Korsakow Kranke bzw. diesen Heimen für nasse Alkoholiker im Norden.
    Gestern hatte er zuerst unseren Onkel und dann die Eltern angerufen, er kann nicht mehr laufen und steht in der Nähe vom Supermarkt. Meine Eltern sind gleich hingefahren (ca 20km entfernt) und haben ihn zu sich nach Hause gebracht. Rotzevoll, gestunken, eingenässt, da ging nix mehr. Mich hat es gewundert, früher rief er mich an, weil er Stress mit den Eltern vermeiden wollte. Unseren Onkel hat er noch nie um Hilfe gebeten, sie hatten früher als Kinder viel miteinander zu tun.

    Entweder hat er mich komplett ausgeblendet und er war mit seinen Gedanken bei den Leuten von früher oder er erwartet von mir keine Hilfe mehr, was wiederum mir sehr helfen würde, da der Druck dann weg ist. So blöd wie es klingt. Ich kann es nicht anders beschreiben.


    Liebe Grüße!

  • was wiederum mir sehr helfen würde, da der Druck dann weg ist. So blöd wie es klingt. Ich kann es nicht anders beschreiben.

    Liebe Miauzekatze

    Es klingt nicht blöd!

    Es bricht mir das Herz (bin grade eher zart beseitet), mir vorzustellen, wie tief Dein Bruder fällt. Aber es würde mir das Herz noch viel mehr brechen, wenn ich mir vorstellen müsste, Dein Kind hätte eine Mama, die sich da weiter voll verwickeln und mit in die Tiefe ziehen lassen würde!

    Du machst das gut und ich wünsche Eurer kleine Familie von ganzem Herzen (Huch, soviel Herz heute) einen erholsamen Urlaub!!

    Liebe Grüße

    Api

  • Danke Api <3 ganz viel ❤️ zurück

    Die Woche wird noch richtig anstrengend für mich mit Arbeit und morgen habe ich auch zusammen mit meinen Bruder nochmal einen Termin bei der Suchtberatung. Der Anstoß kam von ihm und ich begleite ihn. Ich bin (an)gespannt!

    Danach eine Woche Urlaub 🎉

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