Beiträge von Mace2910

    Ich kann meiner Mutter bestimmte Taten nicht verzeihen, aber bin mit ihr und unserer gemeinsamen Vergangenheit versöhnt. Es gelingt mir immer besser, meine Mutter und die Vergangenheit mit ihr loszulassen.

    Wie gelingt dir das, die Vergangenheit loszulassen?
    Für mich fühlt es sich irgendwie momentan so zwanghaft an, dass ich unbedingt gerne Antworten von ihm hätte (die ich offensichtlich nicht mehr bekomme) und das macht mich sauer.. und eben weil ich nicht mehr mit ihm reden kann, das macht es für meine Gefühlswelt gerade echt nicht einfach..


    LG!!

    Gib Dir Zeit!

    Eine so traumatische Vergangenheit zu verarbeiten ist schwer. Es ist ein langer Prozess, aber es kann gelingen, vor allem weil Du Dir Hilfe holst. Ob Du am Ende Deinem Vater vergeben kannst, entscheidest Du allein.

    Ich kann meiner Mutter bestimmte Taten nicht verzeihen, aber bin mit ihr und unserer gemeinsamen Vergangenheit versöhnt. Es gelingt mir immer besser, meine Mutter und die Vergangenheit mit ihr loszulassen.

    Liebe Grüße Siri

    ich lese jetzt Deinen Faden zum zweiten Mal und staune ehrlich gesagt sehr, wie sehr sich doch die EKA-Geschichtlichen gleichen. Wir beide teilen die Erfahrung, dass der alkoholkranke Vater mehr oder weniger überraschend verstorben ist. Bei mir war es so, dass es vor ca 4 Monaten einfach tot im Bett lag. Wahrscheinlich oder ziemlich sicher hat er sich buchstäblich totgesoffen.

    Deine Gefühlslage kann ich total nachvollziehen. Auch ich schwanke immer Mal wieder zwischen Mitleid, Enttäuschung, Wut und Trauer. Auch bei mir kommen die Fragen nach der Rolle meiner Mutter auf - vor allem im Hinblick darauf, welche Priorität wir Kinder eigentlich hatten. Wäre es besser gewesen, zu gehen? Wahrscheinlich schon. Wäre das einfach gewesen? Wahrscheinlich nicht. Auch mir wollte übrigens scheinbar niemand glauben, dass das mit dem Alkohol immer ein Problem ist. Es wurde immer geleugnet. Langsam erfahre ich aber häppchenweise, dass es die ganze Zeit über da war. Mittlerweile fallen im Gespräch mit meiner Mutter Begriffe wie Anonyme Alkoholiker, Therapie, Entzug und „Kontrolliertes Trinken“.


    Es ist eine Krankheit und die wenigsten schaffe es. Ich habe dazu mittlerweile viele teils sehr gute Bücher (ich glaube, das Posten der Titel ist nicht erlaubt; korrigiert mich gerne, liebe Moderatoren) gelesen und meine, den Verlauf ein bisschen besser nachvollziehen zu können. Dazu die Berichte hier aus der Gruppen und man bekommt eine relativ gute Vorstellung von Alkoholismus.

    Hallo Seb,


    Vielen Dank für alles was du geschrieben und geteilt hast.

    Es ist wirklich erstaunlich, wiviele Menschen genau so (oder sehr ähnlech) meine eigene Geschichte auch selber erlebt haben.

    In dem Moment fühlt man sich immer so als ob es niemand anderen gebe, der das auch erlebt..

    Mich würden die Titel dieser Bücher allerdings auch sehr interessieren. Hoffentlich darfst du sie teilen!


    Ich hoffe so sehr, meine Verwirrung von Gefühlen auch irgendwann mal zu beruhigen..


    LG!

    Das ging natürlich nicht. Phu. Meinen restlichen Text habe ich gerade wieder gelöscht. :saint:

    Er wollte das nicht wahrnehmen. Als Alkoholiker kann ich Dir sagen, dass ich all die Jahre felsenfest geglaubt habe, ich hätte kein Problem. Das musste so sein. Sonst hätte ich ja nicht mehr trinken können. Das war einfach undenkbar für mich.

    Ja genau… naja dazu sagen wir jetzt einfach nichts mehr..


    Aber wenn deine Familie vor dir steht, weint, immer alles wieder und wieder zerbricht, wie kann einen das nicht mitnehmen..?
    Komisch fand ich bei meinem Vater auch, dass er 5 Minuten nach einer Eskalationssituation aufeinmal wie ausgewechselt war und es wäre als sei nie irgendwas gewesen? Das hat mich nur noch mehr auf die Palme gebracht :(

    Naja, es hätte sich nichts geändert. Er wollte trinken, sie wollte bei ihm bleiben und du warst ein Kind/eine Jugendliche. Das ist ein festzementiertes Gefüge.

    Sie ist geblieben, weil sie die klassische Hausfrau von früher gewesen ist. Sie hätte nichts mehr gehabt. Und das mit zwei kleinen Kindern.. ich glaube einfach, dass das der Grund gewesen ist wieso sie geblieben ist.

    Ich verstehe bloß nicht, wie deine Familie so unwichtig sein kann, dass du es nicht ernst nimmst als Vater wenigstens eine Therapie machen zu wollen? Hat er denn nicht gemerkt wie jeden Tag riesige Konfliktsituationen gewesen sind? Hat er nicht wahrgenommen, dass er sich total verändert hat? Hat er nicht gemerkt, dass alles aus dem Ruder läuft? Ich bin so traurig

    Ich konnte mich nie mit ihm versöhnen, das hat er mir auch genommen…

    Das macht es vielleicht noch schwerer. Meiner hat mich misshandelt. Da fällt die Abgrenzung später sehr leicht. Also zumindest war das bei mir so. Ich weiß nicht, ob ich jemals ganz damit abschließen kann. Aber leben kann ich damit. Das reicht mir eigentlich.

    Eigentlich bin ich hauptsächlich von meiner Mutter enttäuscht, die uns nicht geschützt hat.

    Lieber Alex… danke dass du uns das anvertraust. Es tut mir so leid, dass du so etwas schreckliches noch zusätzlich erleben musstest :(

    Niemand wird wohl die richtigen Worte dafür finden aber ich wünsche mir für dich aus tiefstem Herzen, dass du irgendwann damit abschließen kannst.

    Jemand der so etwas tut, ist einfach eine total verlorene Seele und lässt es an unschuldigen Menschen aus. Ich hoffe du weißt, dass das niemals deine Schuld gewesen ist.

    Fühl dich gedrückt!

    Ich habe meistens darauf beharrt, daß ich das nicht kann und auch nicht will, aber es war nicht einfach, den Vorwurf auszuhalten, daß ich mich nicht genug "reinhänge".

    Willkommen hier, Mace. Schön, daß du hierher gefunden hast.

    Hallo Koda,

    Danke ebenfalls für deine Offenheit. Es macht mich sehr traurig zu lesen, dass man dir solche Vorwürfe gemacht hat. Das blieb mir gottseidank erspart. Nur ich selber mache mir Vorwürfe.. Meine Freunde meinten immer zu mir „DU bist das Kind, es ist NICHT deine Aufgabe sich um deinen Vater zu kümmern. Es soll andersrum sein. ER hat die Entscheidung getroffen zu trinken und vor allem hat er sie getroffen nicht damit aufzuhören, und es wohl nicht ernst zu nehmen wenn man ihn darauf aufmerksam macht.“

    Ich weiß nicht wie es mit dir ist, aber mein Verstand weiß wohl dass alle recht haben.. nur meine Gefühle sind leider ein totales Chaos immer noch.. hätte ich es verhindern können, das ist meine meist gestellte Frage. Und obwohl viele hier schreiben dass es nicht so wäre und auch das eigentlich klar ist, setzen meine Gefühle ein und hinterfragen es trotzdem…


    Danke dass du dich mit mir austauschst!

    Ich danke euch allen schon sehr!
    Es ist echt erstaunlich, wieviele Menschen ähnliches erlebt haben.
    Wenn man drin ist, denkt man immer dass es nur bei einem selber so schlimm ist…

    Ich habe wirklich extreme Probleme mein schlechtes Gewissen loszuwerden.. obwohl mein Verstand weiß, dass es seine eigene Entscheidung war.
    Ich rede sehr viel mit meiner Mutter darüber, allerdings will ich sie auch nicht permanent volllabern damit, weil sie es doch selber auch irgendwie verarbeiten muss.

    Irgendwo bin ich aner auch „sauer“ dass es nie so ernst genommen worden ist, wenn ich gesagt habe dass mein Vater ein Alkoholiker ist :(

    Guten Morgen,

    Endlich traue ich mich meine Geschichte auch zu teilen, und erhoffe mir sehr einen Austausch mit anderen Menschen.

    Ich bin 26 Jahre alt und mein Alkoholkranker Vater ist seit 1,5 Jahren tot. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich das schon wirklich realisiert habe. Aber erstmal zu unserer Geschichte.


    Ich kann euch nicht genau sagen, wann es angefangen hat dass er getrunken hat. Nach Erzählungen meiner Mutter, hat er aber auch schon als Jugendlicher gerne getrunken (was allerdings damals wohl auch normal war). Er war immer schon recht unsicher, aber ich habe trotzdem eine schöne Kindheit gehabt. Hier liegt aber wahrscheinlich schon eines meiner Verarbeitungsprobleme: ich hatte doch eine schöne Kindheit und mir hat es nie an irgendwas gefehlt. Mein Leben lang nicht. Mein Vater hätte wohl alles für meinen großen Bruder und mich getan. (Bis aufs Aufhören mit den Trinken natürlich)


    Als ich älter würde (schätzungsweise 15?) hat es angefangen, dass ich mich immer öfter mit meinem Vater gestritten habe. Ich habe gemerkt, dass er und meine Mutter sich oft in den Haaren lagen (er wurde NIE körperlich). Sie haben einfach nur ständig gestritten und meine Mutter hat oft geweint. Da Mama wie meine beste Freundin ist, habe ich das sehr viel mitbekommen.. und mich emotional abgewendet von meinem Vater. Ich bin hochsensibel und habe gemerkt, dass irgendwie noch mehr dahinter stecken muss als bloße Unstimmigkeiten. Bis ich selbst irgendwann gesehen habe wie er in seinem Büro im Haus Alkohol versteckt hat. Jahrelang. Und auch dementsprechend hat man es gerochen als er Abends nach der Arbeit bei uns gewesen ist.
    Jahrelang haben wir (Mama und ich) ihm gesagt, dass er nach Alkohol stinkt. Was er wieder getrunken hat. Ich habe aber wohl mehr die Problematik dahinter erkannt, als Mama noch meinte es sei alles nicht so schlimm wie ich denke dass es ist. Mein Bruder hat sich früh abgewendet, meinte er will nichts davon wissen und dass es deren Problem ist..

    Ich habe ständig mit meinem Vater gestritten. Wir hatten immer Meinungsverschiedenheiten. Er kann auch irgendwie nicht mehr darauf klar, dass ich kein Kind mehr bin und sehr wohl richtige Meinungen habe und ich auch immer mit allem konfrontiert habe.
    So habe ich ihm auch mehrfach (nach Eskalationssituationen wo wir alle geschrien haben im Streit) gesagt, dass er ein Problem hat und wir es alle wissen und er was ändern muss. Interessiert hat es ihn nicht? Ich weiß es nicht. Denn geändert hat sich nie was.

    Bei uns war es immer Nachmittags/Abends nach der Arbeit am schlimmsten. Er wurde jähzornig, agressiv (wie gesagt nie körperlich), hatte die letzten Jahre ganz komische Ansichten und Meinungen, hat es bei der Arbeit nicht mehr geschafft mit der Zeit mitzugehen und hat mit vielen Menschen immer gestritten.
    Beim Abendessen ist immer der Tiefpunkt gewesen. Gegessen hat er sowieso die letzten Jahre auch immer weniger, da kann man dann natürlich auch das Essen der anderen Menschen versauen.

    Vor 1,5 Jahren ist er plötzlich ganz gelb geworden.
    Man muss sagen, dass er mehrere Jahre von Arzt zu Arzt von meiner Mutter geschickt worden ist wegen mehreren körperlichen Beschwerden aber angeblich (lauter Vater) hat nie irgendein Arzt gesagt dass was nicht stimmt (was nicht der Wahrheit entspricht). Seine Blutwerte betreffend der Leber sind jahrelang schon nicht super gewesen.

    Er ist 2 Tage davor bei der Blutabnahme gewesen. Sonntags war er so gelb, dass wir ihn ins Krankenhaus geschickt haben. Da hat er sich selbst entlassen. Noch 2 Tage später war es dann so schlimm, dass meine Mutter ihn nach Anruf der Ärztin sofort ins KH gebracht hat. Wo er dann nicht mehr nach Hause gekommen ist. Wir haben ihm tagelang zugesehen wie er vor unseren Augen elendig verstorben ist. (Nehmt mir meinen Ausdruck bitte nicht übel).

    Meinen Bruder hat es eiskalt erwischt. Denn der hätte nie gedacht, dass es so schlimm ist.

    Ich bin so sauer, dass er uns das angetan hat und ich kann niemals verstehen warum Menschen sich fahrlässig in den Tod (in dem Fall) trinken, während andere ungewollt krank sind und sterben müssen…

    Ich bin auch sauer, weil er mir viele Sachen einfach genommen hat. Viele Situationen die in meinem Leben noch passieren werden, wo ich keinen Vater mehr habe oder wenn ich mal Kinder bekommen sollte, die keinen Opa haben.
    Ich habe aber auch so ein schlechtes Gewissen, weil ich mich von ihm abgewendet hatte die letzten Jahre.

    Mit 23 bin ich ausgezogen weil ich ihn nicht mehr ertragen habe. Die Aura ist so schlecht gewesen es hat mich fertig gemacht. Ich bin trotzdem zu meiner Mutter gefahren, konnte ihn aber nicht einmal anschauen.. ich habe ihn jahrelang nicht richtig angeschaut… ich hätte vielleicht doch noch öfter was sagen sollen? Hätte ich ihm trotzdem Liebe geben müssen? Er hat mir schließlich immer noch alles ermöglicht und alles für mich gemacht? Bin ich einfach zu undankbar gewesen?

    Nach seinem Tod, haben wir am gleichen Tag dann noch freudigerweise herausgefunden, dass er meine Mutter über 20 Jahre lang betrogen hat. Von der Frau musste ich mich dann am Todestag noch beleidigen lassen.


    Ich bin so sauer, so enttäuscht, und er hat mir wohl letzendlich echt das Herz gebrochen.

    Ihr merkt, meine Geschichte ist lang, und ich danke jedem einzelnen der sich Zeit genommen hat um sie zu lesen.

    Danke <3