Guten Morgen,
Endlich traue ich mich meine Geschichte auch zu teilen, und erhoffe mir sehr einen Austausch mit anderen Menschen.
Ich bin 26 Jahre alt und mein Alkoholkranker Vater ist seit 1,5 Jahren tot. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich das schon wirklich realisiert habe. Aber erstmal zu unserer Geschichte.
Ich kann euch nicht genau sagen, wann es angefangen hat dass er getrunken hat. Nach Erzählungen meiner Mutter, hat er aber auch schon als Jugendlicher gerne getrunken (was allerdings damals wohl auch normal war). Er war immer schon recht unsicher, aber ich habe trotzdem eine schöne Kindheit gehabt. Hier liegt aber wahrscheinlich schon eines meiner Verarbeitungsprobleme: ich hatte doch eine schöne Kindheit und mir hat es nie an irgendwas gefehlt. Mein Leben lang nicht. Mein Vater hätte wohl alles für meinen großen Bruder und mich getan. (Bis aufs Aufhören mit den Trinken natürlich)
Als ich älter würde (schätzungsweise 15?) hat es angefangen, dass ich mich immer öfter mit meinem Vater gestritten habe. Ich habe gemerkt, dass er und meine Mutter sich oft in den Haaren lagen (er wurde NIE körperlich). Sie haben einfach nur ständig gestritten und meine Mutter hat oft geweint. Da Mama wie meine beste Freundin ist, habe ich das sehr viel mitbekommen.. und mich emotional abgewendet von meinem Vater. Ich bin hochsensibel und habe gemerkt, dass irgendwie noch mehr dahinter stecken muss als bloße Unstimmigkeiten. Bis ich selbst irgendwann gesehen habe wie er in seinem Büro im Haus Alkohol versteckt hat. Jahrelang. Und auch dementsprechend hat man es gerochen als er Abends nach der Arbeit bei uns gewesen ist.
Jahrelang haben wir (Mama und ich) ihm gesagt, dass er nach Alkohol stinkt. Was er wieder getrunken hat. Ich habe aber wohl mehr die Problematik dahinter erkannt, als Mama noch meinte es sei alles nicht so schlimm wie ich denke dass es ist. Mein Bruder hat sich früh abgewendet, meinte er will nichts davon wissen und dass es deren Problem ist..
Ich habe ständig mit meinem Vater gestritten. Wir hatten immer Meinungsverschiedenheiten. Er kann auch irgendwie nicht mehr darauf klar, dass ich kein Kind mehr bin und sehr wohl richtige Meinungen habe und ich auch immer mit allem konfrontiert habe.
So habe ich ihm auch mehrfach (nach Eskalationssituationen wo wir alle geschrien haben im Streit) gesagt, dass er ein Problem hat und wir es alle wissen und er was ändern muss. Interessiert hat es ihn nicht? Ich weiß es nicht. Denn geändert hat sich nie was.
Bei uns war es immer Nachmittags/Abends nach der Arbeit am schlimmsten. Er wurde jähzornig, agressiv (wie gesagt nie körperlich), hatte die letzten Jahre ganz komische Ansichten und Meinungen, hat es bei der Arbeit nicht mehr geschafft mit der Zeit mitzugehen und hat mit vielen Menschen immer gestritten.
Beim Abendessen ist immer der Tiefpunkt gewesen. Gegessen hat er sowieso die letzten Jahre auch immer weniger, da kann man dann natürlich auch das Essen der anderen Menschen versauen.
Vor 1,5 Jahren ist er plötzlich ganz gelb geworden.
Man muss sagen, dass er mehrere Jahre von Arzt zu Arzt von meiner Mutter geschickt worden ist wegen mehreren körperlichen Beschwerden aber angeblich (lauter Vater) hat nie irgendein Arzt gesagt dass was nicht stimmt (was nicht der Wahrheit entspricht). Seine Blutwerte betreffend der Leber sind jahrelang schon nicht super gewesen.
Er ist 2 Tage davor bei der Blutabnahme gewesen. Sonntags war er so gelb, dass wir ihn ins Krankenhaus geschickt haben. Da hat er sich selbst entlassen. Noch 2 Tage später war es dann so schlimm, dass meine Mutter ihn nach Anruf der Ärztin sofort ins KH gebracht hat. Wo er dann nicht mehr nach Hause gekommen ist. Wir haben ihm tagelang zugesehen wie er vor unseren Augen elendig verstorben ist. (Nehmt mir meinen Ausdruck bitte nicht übel).
Meinen Bruder hat es eiskalt erwischt. Denn der hätte nie gedacht, dass es so schlimm ist.
Ich bin so sauer, dass er uns das angetan hat und ich kann niemals verstehen warum Menschen sich fahrlässig in den Tod (in dem Fall) trinken, während andere ungewollt krank sind und sterben müssen…
Ich bin auch sauer, weil er mir viele Sachen einfach genommen hat. Viele Situationen die in meinem Leben noch passieren werden, wo ich keinen Vater mehr habe oder wenn ich mal Kinder bekommen sollte, die keinen Opa haben.
Ich habe aber auch so ein schlechtes Gewissen, weil ich mich von ihm abgewendet hatte die letzten Jahre.
Mit 23 bin ich ausgezogen weil ich ihn nicht mehr ertragen habe. Die Aura ist so schlecht gewesen es hat mich fertig gemacht. Ich bin trotzdem zu meiner Mutter gefahren, konnte ihn aber nicht einmal anschauen.. ich habe ihn jahrelang nicht richtig angeschaut… ich hätte vielleicht doch noch öfter was sagen sollen? Hätte ich ihm trotzdem Liebe geben müssen? Er hat mir schließlich immer noch alles ermöglicht und alles für mich gemacht? Bin ich einfach zu undankbar gewesen?
Nach seinem Tod, haben wir am gleichen Tag dann noch freudigerweise herausgefunden, dass er meine Mutter über 20 Jahre lang betrogen hat. Von der Frau musste ich mich dann am Todestag noch beleidigen lassen.
Ich bin so sauer, so enttäuscht, und er hat mir wohl letzendlich echt das Herz gebrochen.
Ihr merkt, meine Geschichte ist lang, und ich danke jedem einzelnen der sich Zeit genommen hat um sie zu lesen.
Danke 