Beiträge von AnnaBlume

    Der Gedanke mit 56 wieder anzufangen. Mit nichts. Das macht mir Angst.

    Da bin ich hängen geblieben. Ich lese hier von einer reflektierten Frau, die sich nicht mit einem Leben an der Seite eines nassen Alkoholikers arrangieren will. Die offenbar beruflich gut da steht und weiß wie sie sich Hilfe holt.
    ist das ernsthaft NICHTS? Es wäre ein Neuanfang, eine Chance auf ein anderes Leben. Ohne Vorwürfe und Alkoholfahne und besoffenes Gegrapsche.

    Wir Menschen und gerade wir Frauen neigen leider aufgrund unserer Sozialisation dazu, lieber in schlechten Situationen zu verharren und uns vermeintlich aufzuopfern, als auszubrechen und einen selbstbestimmten Neuanfang zu wagen. Wenn es dann eine macht- so wie du- hat sie meinen größten Respekt. Dann wünsche ich ihr Glück auf ihrem eigenen Weg.

    Ich hoffe echt nicht, dass mein Verhalten im Vollsuff meinen wahren Charakter gezeigt hat. Ich war nicht aggressiv oder so aber echt bescheuert, gutgläubig und leicht zu beeindrucken. Wie oft habe ich einen ‚brillanten Gesprächspartner‘ nüchtern getroffen und gemerkt, dass der nur blöde Sprüche kloppt und sich ständig wiederholt.
    Ich war ganz schnell ‚Fan-Girl‘ - und das entspricht so ganz und gar nicht meinem wahren Charakter.

    Ich empfehle dir die Weihnachtsfeiern abzusagen! Man kann trotzdem zeigen, dass man dazugehört. Bis dahin ist ja noch Zeit dafür. In deiner Situation würde ich sogar eine klitzekleine Lüge vorschieben mit ‚an dem Termin hab ich was anderes vor‘. Nimm dir echt was anderes vor, dann ist es nicht gelogen und bei Rückfragen bist du safe!

    Mir hat total geholfen, mir klar zu machen, dass ein akuter ‚Anfall‘ von Saufdruck meistens gar nicht so lange dauert (ca. 20min). Wenn es kam, versuchte ich diese intensive Welle zu überbrücken mit ‚Skills‘- bei mir war das in eine Zitrone beißen oder Wasser mit viel Zitronensaft trinken und mit dem Hund raus (Achtung! Alle Zahlungsmittel zu Hause lassen!) und/oder sofort hier schreiben.
    Ich hatte schon früher Trinkpausen gemacht, aber der Impuls ‚nie wieder‘ kam vor 2 1/2 Jahren. Seit dem bin ich nüchtern- beste Entscheidung meines Lebens.

    Denke in kleinen Zeiteinheiten, packe deinen Notfallkoffer und reduziere das Risiko wo du nur kannst. Einkäufe kann man auch online bestellen, auf Feiern verpasst man meist weniger als man denkt und Kneipen ohne Saufen erkennt man schnell als völlig sinnlos.

    Halte nicht zu sehr an alten Gewohnheiten fest- es werden neue kommen!

    Der erste Geburtstag meiner Schwester nach 6 Monaten Nüchternheit war auch ein großes Thema für mich. Es gab eine abendliche Feier und es war klar, dass da alle viel trinken werden.

    Im Endeffekt habe ich mich entschieden, nicht zur abendlichen Feier zu gehen, sondern nachmittags kurz auf einen Kaffee und Geschenkübergabe zu kommen. Das war eine gute Lösung.

    Was das Tanzen angeht, war ich genauso ungeduldig wie du- gleich nach zwei Monaten auf einem Festival. Keine gute Idee. Ich ‚hielt durch‘ aber es war alles andere als entspannt. Ich liebe Konzerte, aber bis heute ist es für mich wichtig, Menschen dabei zu haben, die auch nix trinken und auch nicht auf typische ‚vollsauf‘ Veranstaltungen zu gehen.
    Aber tanzen kann ich wieder- gerade im Sommer war ich auf ein paar kleinen alternativen Festivals, auf denen eben nicht alle völlig besoffen rumfallen und hab wunderbar getanzt.

    Musik live zu erleben und dabei völlig nüchtern zu sein, war eine der beeindruckendsten Erfahrungen meiner nüchternen Zeit. Aber eben erst nach längerer und stabiler Abstinenz.

    Ja Mist- die blöde Geduld muss her. Auch nicht meine Stärke.

    Alles Gute!

    Oder sollte ich einfach mal Ruhe einkehren lassen und schauen wie sich alles entwickelt

    Ruhe wäre für euch alle sicher gut!

    Ich kann das Gefühl der Ungerechtigkeit so verstehen. Du hast jahrelang gelitten und dafür gekämpft, dass er endlich nüchtern ist und dann genießt er die ‚Früchte deiner Arbeit‘ mit einer anderen.

    Man kann es aber auch anders sehen. Er will einen Neuanfang ohne dich und dir gibt das die wunderbare Gelegenheit auch selbst frei zu entscheiden, wie es jetzt für dich weiter geht. Es war eine harte Zeit und die ist jetzt vorbei. Klar ist da jetzt ein Loch und Trauer. Weine, schimpfe, werfe von mir aus mit Gegenständen, erzähle diese gemeine Geschichte allen Freundinnen 20x (dafür sind sie da- echt!), aber erwarte nicht dass ausgerechnet er dir helfen kann.

    Es wird eine ‚Zeit danach’ geben ohne Co Abhängigkeit und hoffentlich mit klaren Regeln für die Kinderbetreuung. Vielleicht kannst du irgendwann sagen ‚es war besser so‘. Lass dir bis da hin aber ruhig deine Zeit.

    Versuche - auch wenn das sehr schwer ist- die Elternebene von der Paarebene zu trennen. Da vermischt sich einiges.

    Er will nicht mehr mit dir zusammen sein und das tut weh. Ein klärendes Gespräch bringt da gar nix- habe ich schon in vielen Konstellationen gemacht und das war immer echt nicht hilfreich.

    Das ist die eine Ebene- da musst du dir helfen. Sprich mit Freunden, hier oder auch mit Profis, aber versuche nicht, das mit ihm zu klären.

    Andere Ebene: Beim Kind über das andere Elternteil lästern geht nicht- das schadet dem Kind! Da kannst du schriftlich und sachlich eine Ansage machen nach dem Motto ‚egal wie wir gerade zueinander stehen- lass uns bitte nicht vor den Kindern schlecht übereinander sprechen‘ Ende der Ansage, keine Beziehungsebene.

    Was wünschst du dir? Geht es dir nur um den Papa? Oder hast du auch Liebeskummer? Kläre und trenne das für dich. Ich wünsche dir gute Heilung!

    Als du geschrieben hast, er braucht einen Cut und muss nach sich schauen, fragte ich mich ‚wie heißt sie‘ und drei Zeilen später ist sie da, die Frau. Klassiker.

    Bleib bei dir- das ist furchtbar schwer, aber es geht darum, dass du dich stabilisierst. Was er macht kann dir Wurscht sein.

    Die Beschreibung deines Trinkverhaltens erinnert mich sehr an mich selbst- nur wurden die Exzesse bei mir am Ende immer häufiger. Genau wie du hatte ich das Gefühl regelrecht die Kontrolle verlieren zu wollen, weil ich sehr auf Leistung getrimmt war und mir kaum Pausen gegönnt habe. Ein Absturz war dann wie so ein Reset und ich dachte das sei Entspannung.

    Im Grunde war das nur ein Gespinst meiner Sucht. Je länger ich nüchtern war, desto weniger Anspannung baute sich auf.

    Viel Schlaf und ausreichend Bewegung war wichtig. Ein guter Rahmen um den Tag und einige ‚Freunde‘ sah ich nur noch selten bis gar nicht mehr, weil unser einziges gemeinsames Interesse eben das Saufen war.

    Meide gerade jetzt trinkende Menschen unbedingt und trinke auch keine alkoholfreien Ersatzprodukte.

    Mir hat auch geholfen, dass ich diese verlotterten Katertage, die ich dachte zum Entspannen zu brauchen, manchmal nachspiele.

    Ich bleibe einfach im Bett, habe keinen Kater aber eben mal einen Lümmeltag- ich brauche die Ausrede Kater ja nicht- für wen?

    Probiere es mal aus- mit klarem Kopf und ohne schlechtes Gewissen eine grandiose Erfahrung.

    In Kliniken gibt es oft Ansprechpartner für solche Fragen. ER soll sich erkundigen. Nicht du. Und ein Entzug bei dir zu Hause geht nicht, das soll er professionell machen. Du bist weder seine Krankenschwester noch Betreuerin noch Therapeutin. Der Mann ist erwachsen. Ich weiß das klingt hart, aber diese (völlig verständliche) bemutterung hilft gar nichts.

    Ach Mensch, Du hast mein Mitgefühl!

    Ich stolpere ein wenig darüber, dass du denkst, die Therapie, die deine Frau gemacht hat, war ‚nicht richtig‘ und deshalb trinkt sie jetzt Vodka.

    Das gibt wieder indirekt dir die Schuld- hättest du sie doch zu einer ‚richtigen‘ Therapie drängen können. Ganz klar NEIN!

    Weder glaube ich, dass die Therapie falsch war noch dass du sie zu irgendetwas hättest drängen können, das Erfolg gehabt hätte.

    Aber da bin ich schon wieder bei hätte und wäre. Wie geht es dir? Dir als Person unabhängig von deiner Frau. Gibt es etwas, dass dir gut tut? Massage, Kino, Sport, Sauna, Freunde treffen oder oder.. tu das!

    Nimm bewusst als ‚Hausaufgabe‘ etwas zu tun was du richtig gerne tust- und wenn es eine Pizza Salami im Bett essen ist. Für dich, weil du es Wert bist. Mute dich deinen Freunden zu und scheue nicht davor zurück, nachts die Telefonseelsorge anzurufen. Hab ich auch schon gemacht- hat super geholfen.

    Hier geht es um dich! Endlich soll es mal ganz um dich gehen.

    Herzlich willkommen hier und ein Gedanke von mir: Wenn ein Freund fragt, ob es ok ist, wenn er vor dir trinkt, dann muss er ja auch damit rechnen, dass du evtl. Nein sagst.

    Ich weiß dass das nicht leicht ist, aber echten Freunden kann man zumuten, dass sie eben nicht vor einem konsumieren. Und Nein sagen Üben ist immer ein Schritt nach vorne. Probiere es aus!

    Ich bin dafür zu sehr hin und her gerissen und meine Angst vor ihm lässt mich auch eher schweigen, wenn er zu mir sagt, dass ich ehrlich zu ihm sein soll, wenn er mich fragt, ob ich überhaupt noch die Beziehung möchte.. i

    Du hast Angst vor ihm und das ist Entscheidend. Zu Menschen vor denen man Angst hat, muss man nicht ehrlich sein.

    Deine innere Solidarität ihm gegenüber ehrt dich vielleicht, steht aber einer echten Befreiung im Weg.
    Natürlich sehnst du dich nach einer vernünftigen Familie für dein Kind. Aber was ich lese wird das mit ihm schwer. Vertraue wieder deiner Wahrnehmung und nimm diese Angst ernst!
    Nimm alle Angebote an und frage danach. Und bitte schütze ihn nicht mehr- schütze dich und dein Kind!

    Ich komme auch immer wieder mal an den Punkt zu denken ‚bei mir war es ja noch gar nicht so schlimm‘. Obwohl ich ganz klar Kontrollverlust, Filmrisse und Unfälle im Suff hatte. Meine Leberwerte waren gut, meine Arbeit erledigte ich gewissenhaft, von außen merkte man mir nix an- außer man sah mich in Kneipen rumfallen, aber das waren Kneipen für Trinker und da ist es nix besonderes.

    Nein. Alkoholiker ist man genau wie hier geschrieben, wenn man es selbst so empfindet. Bei Selbsttests war das Ergebnis auch immer eindeutig.

    Selten lese ich hier von Menschen die wirklich die seltsamen Kriterien einiger Ärzte erfüllen. Und doch sind wir alle Alkoholiker und es ist elementar, die absolute Nüchternheit als hohes Gut zu betrachten.

    Glückwunsch auch von mir- meine 2,5 sind auch bald geschafft. Ich lese dich gern!

    Aber es gab tatsächlich mal die Zeit, wo mich das sehr berührt hat, aber irgendwie habe ich damit abgeschlossen

    Irgendwie glaube ich das nicht ganz. Du schreibst hier ja- also beschäftigt es dich ja doch. Es muss wahnsinnig belastend sein, ständig diese wirklich schlimmen Dinge zu erleben. Selbst wenn sie nur eine anonyme Nachbarin wäre.

    Ich habe Mitleid mit euch beiden und auch wenn du klar dargelegt hast, dass du das irgendwie schon schaffst, wünsche ich dir, dass es für dich irgendwie eine andere Lösung gibt. Die Wohnung ist groß genug ok, aber kannst du unter diesen Umständen glücklich in der Wohnung leben? Könntest du z.B. eine neue Partnerin zu Besuch haben, während nebenan die Exfrau im Delirium liegt?

    Es erscheint so tragisch- durchaus für euch beide. Kann man sich wirklich in so einer Situation gut einrichten?

    Ich bezweifle es stark. Aber irgendwas hält dich noch. Möchtest du da hin schauen?

    Ja der Alkoholiker wirkt von außen extrem egoistisch. Das Trinken steht über allem- sogar das Leiden enger Angehöriger wird ignoriert oder klein geredet. War bei mir genauso.

    Ich hab einfach nicht wahrhaben wollen, dass mein Saufen nicht nur mir selbst schadet sondern auch Menschen, die mich lieben, die ich auch sehr liebe und für die ich Verantwortung trage.

    Die Therapeutin meines Kindes sagte klipp und klar ‚sie Trinken und das macht ihrem Kind Angst und Sorge‘. Meine Reaktion ‚das geht die Frau gar nix an.‘ Dass ich bei diesem Gespräch eine Fahne hatte? Zufall! Dass mein Kind weinend daneben saß? Affig!

    Ich schäme mich so sehr dafür, aber in diesem Moment war ich einfach noch nicht bereit. Ich konnte mein nasses Denken nicht ablegen. Mir war mein Kind alles andere als egal, aber ich habe die Verbindung zwischen meinem Trinkverhalten und dem Leid bei meinem Kind einfach nicht sehen können, obwohl ich dieses Kind wirklich über alle Maßen liebe und dass auch in diesem Moment so spürte. Wie blind war ich! Dass ich mir nebenbei selbst massiv schadete blendete ich ja auch aus.

    Niemand hätte mich von außen erreichen können. Es musste von innen kommen.