Unterschied Abstinenz und Trocken ?

  • Ich habe mich die ganze Zeit gedrückt hier zu schreiben weil ich mir nicht sicher bin ob ich Ja oder Nein sagen würde, wenn es eine wie o.g. Tablette geben würde.

    Warum? Es ist Austausch, mehr nicht. Niemand hat etwas davon, wenn sich jemand zurückhält, nur weil andere es für sich anders handhaben. Jeder bleibt für sich allein trocken. Es gibt keine Kopien, keine Schablonen. Es gibt nur Wege und Erfahrungen, die einem helfen, trocken zu bleiben.

    Ein kleiner Tipp aus meiner Erfahrung. Ich habe mich meist nicht an den 5 % orientiert, die es geschafft haben. Ich habe mich an den 95 % orientiert, die es nicht geschafft haben. Denn wenn ich nur den Erfolgsstories zugehört hätte, wären mir viele Risiken, Stolpersteine und Muster nie bewusst geworden.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Für mich hatte der Begriff „trocken“ immer etwas, das man sich erst verdienen muss.

    So fühlt es sich für mich auch an.

    Ich nehme die Sache vielleicht zu wörtlich: Abstinenz bedeutet für mich Enthaltsamkeit/ Verzicht. Da schwingt für mich immer so etwas wie "Ich würde ja vielleicht, wenn ich könnte"

    "Trocken" fühlt sich für mich eher an wie "Interessiert mich nicht mehr". Bzw. ist da für mich mehr emotionale Distanz drin.

  • Warum? Es ist Austausch, mehr nicht.

    Wenn du so einen Thread eröffnest, dann ist das nix oberflächliches. Ein Austausch, mehr nicht….ja ja. Ich kann nur für mich sagen, dass ich da schon tagelang grübele. Die Frage mit der Tablette hat es in sich. Da kann ich nur absolut ehrlich in mich gehen.

    Bezüglich den Worten trocken, abstinent, nüchtern sage ich auf mich bezogen meistens, das Wort nüchtern. Ich bin nüchtern, weil ich keinen Alk mehr trinke.

    Trocken ist irgendwie was besonderes, was heiliges. Das sind für mich langjährig, zufriedene Personen, so wie z.B. du Hartmut .

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    🦋 Heute trinke ich nicht, heute lasse ich das 1. Glas stehen 🦋 abstinent seit 16.05.2024 🦋

  • Hab jetzt mal gegoogelt. Abstinent sein bedeutet, sich freiwillig und bewusst zu enthalten. Hauptsächlich in Bezug auf Rauschmittel. Ergo ist man dann trocken, wenn ?? sich keine Suchtstimme mehr meldet ? man mit diesem Zustand dauerhaft zufrieden ist? Und dann braucht man eh keine Pille mehr.

  • Hallo Kadett,

    Und meinen Respekt für deine Ehrlichkeit

    Ich glaube, dass ich dann wieder Ja zu Alk sagen würde, wenn eine Tablette sämtliche gesundheitlichen Schäden von mir abhalten würde.

    Aber da sind ja auch die Momente der Peinlichkeiten die durch den Rausch entstehen und man möchte sich ja berauschen, ich zumindest hab nur aus dem Grund getrunken und die wären ja nicht weg, sondern nur die gesundheitlichen Schäden.

    Wie meinst du das jetzt, würdest du die "Pille" nehmen aufgrund des Geschmacks oder wegen der Wirkung des Alkohols?

    Gruß R/no

  • Wie meinst du das jetzt, würdest du die "Pille" nehmen aufgrund des Geschmacks oder wegen der Wirkung des Alkohols?

    Ich kann das gar nicht wirklich beantworten, obwohl ich schon länger als 1,5 Jahre nüchtern bin. Werde mich da nochmal mit mir selbst so richtig auseinandersetzen. Ich will selbst wissen, wo ich stehe. Da Hartmut so eine Frage nicht als Smalltalk oder nur zum Plaudern in den Raum wirft, will ich mir über mich klar werden und wirklich ehrlich mir selbst gegenüber Gedanken machen.

    Wie gesagt die Frage mit so einer „Wundertablette“ hat’s in sich und ist nicht ohne.

    Werde mich dazu zu einem späteren Zeitpunkt nochmal äußern.

    Gute Nacht @all. 🌙

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  • Aber da es so eine Tablette nicht gibt, brauche ich mir den Kopf nicht darüber zu zerbrechen, oder doch? Glaube dann müsste ich ganz ehrlich und tief in mich reinspüren. Ich glaube, dass ich dann wieder Ja zu Alk sagen würde, wenn eine Tablette sämtliche gesundheitlichen Schäden von mir abhalten würde.

    Das ist als hypothetisch Frage von Hartmut eine sehr gute Anregung, um ein Nachdenken im größeren Rahmen anzuregen. In dem Sinne finde ich die Frage sehr interessan und jeder User kann sich damit auseinandersetzen und in sich gehen, wo der der Frosch "suchtbezogen "seine Locken hat! Danke Hartmut, das ist für mich wiedermal Hilfe zur Selbsthilfe auf hohem Niveau.

  • Ich hab jetzt mal google gefragt mit ki Unterstützung

    Schlüssig für mich.

    Abstinenz als langfristigen Weg,dauerhaft und Jahrelang kann man als Trockenheit sehen.

    Bei mir kann ich da keinen Zeitpunkt oder an Jahren messen, wann ich das so fühlte oder dachte.

    Kommt irgendwie von selbst mit den Jahren

    Nochn Joke zum Schluss:

    Wenn dir jemand auf die Schulter klopft und es staubt heftig, dann ist es soweit :lol::lol:

    Der Weg ist das Ziel(Konfuzius)

    Seit 1.1.2014 trocken

  • Erstmal danke, dass sich viele mit mir über das Thema austauschen.

    Das ist als hypothetisch Frage von Hartmut

    So sieht’s aus.

    Für mich war es immer die Sucht selbst, nicht die Peinlichkeiten und nicht die materiellen Schäden. Das Peinliche hat mich nicht umgebracht, das Materielle konnte ich wieder aufbauen. Getötet hätte mich nur die Sucht.

    Wer seine Prioritäten zuerst auf Scham und materielle Verluste legt und nicht auf die Sucht selbst, befindet sich in der Abstinenzphase, nicht im echten Trockensein. Oder? Denn wenn die Peinlichkeiten verblassen und das Materielle wiederhergestellt ist, meldet sich die hartnäckige Stimme des Suchtgehirns: „Kann ich ja wieder saufen, oder?“

    Spannend war für mich der Abgleich, denn es ist ja ein Prozess, der nie aufhört, zu sehen, wie andere darüber denken. Außer bei denen, die gedanklich schon immer in einer Sonderwelt unterwegs waren und sich mit Händen und Füßen dagegen wehren, sich überhaupt einordnen zu lassen und es als Affront ansehen, sich etikettieren zu lassen – selbst in einer SHG.

    Wenn dir jemand auf die Schulter klopft und es staubt heftig, dann ist es soweit

    Und um noch einen draufzusetzen :saint: richtig trocken rausgehauen. Staubtrocken ist nicht der, bei dem Staub aufwirbelt, wenn ich ihm auf die Schulter klopfe, sondern der, der sich mit dieser Tablette überhaupt nicht mehr beschäftigt. Weil der längst aufgehört hat, Illusionen nachzujagen oder auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, ob man irgendwann „wieder trinken könnte“.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Wenn ich die Frage „Würdest du wieder Alkohol trinken, wenn es eine Tablette gäbe, die das ohne Folgen ermöglicht?“ mit Ja beantworten würde, dann hätte ich mich nicht wirklich damit abgefunden, Alkoholiker zu sein.

    Darüber habe ich mir vorher noch nie Gedanken gemacht. Tatsächliche kam mir beim Lesen ein Ja gedanklich hoch. Mittlerweile bin ich aber bei Jain angekommen. Eine Versuchung wäre es sehr.

    Ich bin aber mittlerweile eigentlich an einem Punkt, andem es nicht nur um meine Gesundheit geht, weswegen ich hauptsächlich Abstinent wurde.

    Ich genieße den klaren Kopf, diese Freiheit. Aber ich so richtig trocken bin ich noch nicht. Mich zieht es schon auch in Richtung ja.

    Ich würde also sagen ich lebe abstinent und arbeite an ein Trocken sein.

    „Die Guten sind die gleichen Leute wie die Bösen. Es sind alles nur Menschen, die vor sich hinleben.“

  • Ich glaube den Zeitpunkt an dem ich wirklich ‚trocken‘ war, kann ich nur in der Rückschau festmachen. Ich lebte abstinent und hatte immer noch im Hinterkopf, irgendwann alles ‚wie früher‘ mitmachen zu können. Die gleichen Feste, die gleichen Leute, ja vielleicht irgendwann die gleichen Kneipen.

    Allmählich veränderte sich das. Mir ging der Sinn abhanden, mich zwischen trinkende Menschen zu setzen, zu verfolgen wie die Gespräche immer blöder werden und dann zu spät ins Bett zu gehen.

    Was ist an Kneipen schön, wenn man den Alkohol weg lässt? Was kann man nach 22 Uhr noch auf einer Geburtstagsfeier erleben, wenn man nicht trinkt?

    Das Interesse ist anders geworden. Ich treffe immer noch super gerne Menschen. Aber eben Tags zu netten Aktivitäten oder einfach auf einen Kaffee.

    Es war kein einzelner Moment an dem sich quasi ein Schalter umlegte und ich trocken wurde, sondern irgendwann war es einfach so geworden. Es ist für mich ganz persönlich ein innerer Zustand. Abstinent leben ist eine Verhaltensweise, die Voraussetzung dafür ist, trocken zu werden.

  • Allmählich veränderte sich das. Mir ging der Sinn abhanden, mich zwischen trinkende Menschen zu setzen, zu verfolgen wie die Gespräche immer blöder werden und dann zu spät ins Bett zu gehen.

    Was ist an Kneipen schön, wenn man den

    Da finde ich mich wieder.Die Frage stellt sich mir dennoch,...warum bin ich da nicht eher drauf gekommen :/ The answer is blows in the wind!q

  • Noch eine Ergänzung, etwas hypothetisch und mehr aus der Luft gegriffen.:saint:

    Solange ich die Tage zähle, seit ich nichts mehr trinke, ist es noch Abstinenz. Dann ist Alkohol innerlich noch Thema. Zähle ich nicht mehr oder werde höchstens an einem Datum daran erinnert, ist es Trockenheit.

    Denn warum sollte man etwas zählen, wenn die Entscheidung endgültig war? Was entschieden ist, braucht keinen Ticker mehr.:whistling:;)

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Nun geht es hier im Thread ab wann man von „Abstinenz“ spricht und ab wann man als „trocken“ gilt. In den Trinkpausen habe ich auch die Tage gezählt, und am Anfang hier ebenfalls, weil es jeder gemacht hat. Heute steht nur noch ein Datum im Raum.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Im Prinzip ist es doch egal, ob jemand Tage zählt oder nicht.Ich brauche auch kein Tagezählen.Für manchen ist es halt ein Ritual oder Bestätigung.Völlig egal, wenn dahinter die lebenslange Abstinenz steht.

  • Im Prinzip ist es doch egal,

    Wer ist denn dieser Herr „Prinzip“? Kenne ich den? :mrgreen: Wenn es dir oder anderen egal ist, ist alles gut , mir jedoch nicht.

    Es geht hier allerdings nicht um das Prinzip, sondern um die Differenzierung zwischen Abstinenz oder Trocken.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

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