Beiträge von AnnaBlume

    Erst mal ist es nicht ‚sein Haus‘ sondern der Familienwohnsitz- egal was im Grundbuch steht. Wenn ihr verheiratet seid, kann er dich rechtlich gar nicht raus schmeißen.

    Alle sagen es und ich wiederhole es: Unbedingt professionellen Rat einholen! ‚Ich nehme dir die Kinder weg‘ ist eine hundsgemeine Drohung und den Kindern gegenüber auch nicht fair.

    Sammle heimlich Beweise für sein Verhalten, falls es mal vor Gericht gehen sollte. Protokolliere sämtliche Ausfälle, auch damit du sie selbst lesen kannst wenn er wieder auf ‚lieb‘ schaltet, was gut sein kann.

    Lass dich nicht verunsichern und hole dir Menschen an die Seite, die dich stärken.

    Sollte wirklich Gewalt ins Spiel kommen- keine falsche Scham und sofort die Polizei alarmieren!

    Alkoholiker können nicht kontrolliert trinken. Punkt. Aber schau lieber auf dich als auf ihn- das ist grässlich ungewohnt für jemanden, der permanent auf Acht ist, wie ER heute drauf ist, ob ER getrunken hat oder nicht.

    Das ist wie ein Sog- alles dreht sich um den Süchtigen. Er versteht das am wenigsten und reagiert genervt, dich macht es gleichzeitig fertig.

    Vielleicht kann eine gute Suchtberaterin dir dabei helfen, dich selbst wieder in den Focus zu nehmen und dir ein gutes Leben zu ermöglichen- darum geht es.

    Ich kann schon nachvollziehen, dass es viele Ansätze bei der Begleitung von abstinenten oder trockenen Alkoholikern gibt, die den Begriff ‚Alkoholiker‘ vermeiden.

    Mir hat das erst mal auch besser gefallen. Der Begriff ist ja heftig stigmatisiert. Leider habe ich in meiner Auseinandersetzung mit der Sucht festgestellt, dass dann doch viele Alkoholiker Klischees auch auf mich zutrafen.

    Ich war zwar gepflegt und zuverlässig am Arbeitsplatz, aber ich habe auch viele Dinge getan, für die ich mich bis heute fürchterlich schäme- auch jenseits der üblichen Saufstories.
    Und ich glaube, das ist der Punkt, der mir geholfen hat, auch in Gedanken trocken zu werden.

    Ich habe erkannt, dass ich durch den Alkohol ein anderer Mensch wurde- ganz allmählich über die Jahre des Saufens. Auch wenn ich gerade nix getrunken hatte, war ich eben nasse Alkoholikerin und verhielt mich auch so.

    Jetzt bin ich nicht wieder ‚die Alte‘ sondern trockene Alkoholikerin. Weil mich diese Erfahrung geprägt hat, meine Verarbeitung von Betäubungsmitteln aller Art verändert hat und weil ich nie wieder Alkohol trinken werde- auch nicht in kleinsten versteckten Mengen.

    Deshalb empfinde ich heute den Satz ‚ich bin Anna und ich bin Alkoholikerin‘ den ich hier im Forum das erste Mal formuliert habe, als Wendepunkt in meinem Leben.

    Einen schönen Weg wünsche ich dir!

    Es ist so wichtig Profis im Boot zu haben. Ich kenne beide Seiten. Als Alkoholikerin hätte mich niemand von außen stoppen können- sogar meine Kinder nicht, die es auch mit professioneller Unterstützung versucht haben.
    Als Angehörige kommt man in die Zwickmühle, sich entscheiden zu müssen für sich und die Kinder und gegen die Aufrechterhaltung des Suchtsystems. Das fühlt sich mitunter wie unterlassene Hilfeleistung an, noch dazu bei einem Menschen den man eigentlich liebt.

    Da ist es wichtig, jemand neutralen zu haben, der im Zweifel 100 mal sagt ‚Du machst das richtig‘. Natürlich finden die Kinder es grausam, den ‚hilflosen‘ Vater vor die Tür zu setzen- sie sind ja mittendrin im System und haben natürlich Mitleid.

    Schon deine Formulierung ‚ich musste ihn schlafend von der Bushaltestelle abholen‘ - das war für dich völlig selbstverständlich. Ich als Außenstehende dachte ‚nö, muss sie nicht‘. So lange nicht -10 Grad sind oder er in akuter Lebensgefahr (dann wäre ein Krankenwagen angebracht) musst du da gar nix.

    Ich wünsche dir einen guten Weg in eine gute Lösung für dich und deine Kinder. Ob er da noch dazu gehört, liegt ganz alleine in seiner Hand.

    Ich sehe es als Alkoholikerin sehr positiv wenn Angehörige sich dritten öffnen.

    Als meine Tochter bei ihrer Therapeutin angesprochen hat, dass ich trinke, hab ich das natürlich - nass wie ich war- als eine Art ‚Verrat‘ empfunden.
    Im Nachhinein bewerte ich das aber ganz anders. Sie hat das Thema nicht mehr auf sich genommen, mir keine falsche Loyalität mehr entgegen gebracht und so erste Schritte zur Selbsthilfe gemacht.

    Ich bin dann später doch noch trocken geworden und nur deshalb haben wir heute noch ein so gutes Verhältnis.

    Erwarte aber nicht, dass er postwendend trocken wird so bald dir geholfen wird. Es ist nur ein erster Schritt von dir raus aus dem Sucht-System. Denn du hast keinen Grund dich zu schämen- du bist du und er ein eigener Mensch.

    Liebe Tobina,

    alles ist noch frisch, die Wunde noch weit offen. Dass du so kurz vor der Hochzeit die Reißleine gezogen hast, zeigt wie groß der Leidensdruck war- du hast eine schwere Entscheidung getroffen.

    Erst mal Hut ab dafür. Dass jetzt Trauer, ein bisschen Glorifizierung und Zweifel kommen ist völlig verständlich.

    Dein ‚Beuteschema‘ erinnert mich an meins. ‚Die Wilden‘, ‚die Besonderen‘, ‚die verrückten‘ haben es mir von jeher angetan. Das kann ganz schön in die Hose gehen.
    Wenn ich mich in meinem Freundeskreis umschaue und langjährig glückliche Paare befrage, höre ich was ganz anderes, als den großen Knall. Oft merkt man unter Freunden dass da doch mehr ist, oder ganz still und leise wurde gespürt, dass man dem netten hilfsbereiten Kollegen irgendwie gerne den Kopf auf die Schulter legen würde.

    Ich glaube inzwischen, dass es für Liebe kein Feuerwerk braucht und dass zu viel ‚Hollywood’ sogar oft ein Problem ist. Denn ewig brennt so ein Feuerwerk nicht.

    Komm erst mal bei dir an und schau danach auch mal bei vermeintlichen Langweilern genauer hin. Den Rat befolge ich zwar selbst nicht, aber ich glaube es wäre gut. Viel Erfolg!

    Sein Verhalten ist ganz klar übergriffig! Du zeigst klar, dass du keinen Kontakt wünschst aber er nutzt Umwege um dich zu kontaktieren und fängt dich sogar ab!!!

    Bitte mach dir klar, dass offenbar nicht nur Alkohol sein Problem ist, sondern die Missachtung deiner Grenzen.
    Du tust so viel für dich- das klingt ganz toll- lass dir das nicht kaputt machen.

    Wenn er wieder auftaucht genügt ein einfaches ‚geh weg‘. Keine Diskussionen. Es ist schon mehr als alles gesagt.

    Um mal wieder was zum Thema beizutragen. Die Aussage ‚ich bin Alkoholiker‘ habe ich hier im Forum das erste Mal gemacht und auch damals noch Zweifel gehabt, dass das wirklich wahr ist.

    Ich hatte nie körperliche Entzugssymptome, konnte auch mal wochenlang Nix trinken- alles damals Indizien für mich, dass es doch ‚noch ok ist‘. Nix war ok. Ich hatte meine Trinkmenge nicht im Griff, Alkoholkonsum beherrschte meine Freizeitgestaltung und ich lag oft mit Kater in der Ecke, statt für meine Kinder präsent zu sein.
    Ich war ein anderer Mensch. Unausgeglichen, empfindlich und unreflektiert.

    Aber all das sehe ich erst seit ich eine Weile nüchtern bin (fast genau 2 Jahre). Ich schäme mich zutiefst für mein Verhalten damals.

    Obwohl mein Umfeld litt und ich sogar mit professioneller Unterstützung darauf hingewiesen wurde, trank ich weiter. Ich dachte ernsthaft, meine Trinkerei ginge niemanden was an. Dabei litten vor allem meine Kinder.

    Ich konnte einfach nicht sehen, wie sehr ich vom Alkohol geprägt war und Kritik daran prallte an mir ab.

    In nassen Zeiten dachte ich manchmal ich sei glücklich. Bei Problemen dachte ich, der Alkohol helfe zu entspannen.
    Erst nüchtern im Rückblick verstehe ich, wie unglücklich ich in der nassen Zeit war.
    Dieses ständig verdrängte schlechte Gewissen, dieses Lügen - vor allem mir selbst gegenüber. Ich hatte harte Ausfälle bis zu Krankenhausaufenthalten und habe das noch als lustige Anekdoten verkauft.
    Als eine Art Rebellion gegen das ‚Spießertum‘.
    Ich glaube nicht, dass man als nasser Alkoholiker wirklich völlig mit sich im reinen und glücklich sein kann. Aber vielleicht lehne ich mich da zu weit aus dem Fenster.

    Jedenfalls ich persönlich konnte es definitiv nicht.

    Die Erkenntnis, dass jetzt Schluss ist kam an einem Katermorgen mit Filmriss. Es war nicht das erste Mal, dass ich dachte ‚nie wieder Alkohol‘, aber diesmal spürte ich, dass es mir ernst ist. Wie bei anderen schon beschrieben, ging dem aber eine ganze Reihe von Eskalationen voraus- das kam nicht aus dem Nichts.

    Und nochmal ganz deutlich: Niemand- wirklich gar niemand hätte da von außen was tun können! Auch nicht Menschen, die ich über alles liebe.

    Als Mutter eines (unter anderem) Suchtkranken Kindes verstehe ich dich von ganzem Herzen. Leider ist meine Antwort ähnlich wie du sie schon öfter gelesen hast. Nimm Abstand!!!

    Ich weiß wie schwer das ist und wie schlecht man sich dabei fühlt. Ja und ich kenne das Gefühl, deshalb verurteilt zu werden. Aber: Es hilft ihm nicht, wenn auch noch die Mutter ‚zetert‘ und gleichzeitig das Suchtsystem ohne Absicht aufrecht erhält.

    Das klingt gemein, ist aber das, was ich selbst jahrelang getan habe und du wahrscheinlich auch tust- im besten Wissen und Gewissen.

    Es muss ja nicht gleich ein radikaler Kontaktabbruch sein, aber das Abgeben der Verantwortung für sein Leben.

    Keine Vorschläge mehr, keine Vorwürfe, keine Appelle. Treffen nur nüchtern und zeitlich begrenzt. Zeig ihm dass du ihn liebst, aber keine Verantwortung mehr tragen willst.

    Das bewirkt kein Wunder bei ihm, aber DIR wird es besser gehen und das sollte dir wichtig sein!

    Den Wert, schöne Erfahrungen für sich selbst zu machen, kann man gar nicht hoch genug schätzen.

    Das müssen keine großen Sachen sein. Eine kleine Wanderung in der Nähe- vielleicht sogar mit Übernachtung irgendwo (wenn überhaupt) kann schon Wunder wirken.
    Oft ist man so im Hamsterrad und in diesem ständigen ‚Hab Acht‘ gefangen, dass man gar nicht mehr über den Tellerrand schaut.

    Aber auf einem Berg oder von mir aus auch Hügel zu stehen, den man selbst erklommen hat, weitet den Blick- auch nach innen.
    Und nicht ein ‚ich mach das jetzt um Abstand von ihm zu kriegen‘ sondern ein ‚ich mach das jetzt für mich und es wird schön, ist für dich.

    Du kannst ihn nicht ändern aber deine Haltung!

    Ich verstehe deinen inneren Widerstand, alleine zu fahren. Aber ein ‚es geht nicht‘ und ‚zu gefährlich‘ kann man mal hinterfragen.

    In welcher Situation genau würde dich ein ständig trinkender Mann vor Gefahren im Urlaub bewahren? Umgekehrt: Kann es nicht sogar zu gefährlichen Situationen kommen, wenn er sich so wie du beschreibst besoffen aufführt?

    Wir überschätzen den ‚Nutzen‘ von männlicher Reisebegleitung oft enorm. Ich hatte auch Sorge vor meiner ersten Reise alleine, dass irgendwas unsicherer oder beschwerlicher ist. Null! Ob wild campen, nackt baden am einsamen Strand, schwere Bergtoren in den Alpen usw. ausnahmslos nie wäre es mit Mann sicherer und schon gar nicht einfacher gewesen.

    Aber vielleicht ist so eine Fernreise wirklich erst mal heftig. Dann schieß das Geld in den Wind, storniere die große Reise, aber nutze die Zeit für dich ganz alleine! Geh raus in die Natur, weg von ihm, weg vom Putzen.

    Urlaub in der Nähe kann man sehr billig machen. Verliere nicht viele Worte, nur dass du Zeit für dich brauchst. Verschwinde von der Bildfläche und tu dir was gutes. Was du richtig gerne tust. Gibt es da was?

    Liebe Aniva,
    mein erster Impuls war, warum musst du stornieren? Fahr doch alleine! Da schlägst du mehrere Fliegen mit einer Klappe. Du kannst testen, wie es ohne ihn ist- wenn du ihn verlässt, willst du ja sicher auch noch in den Urlaub fahren.

    Er hat Zeit, nachzudenken und eventuell zu handeln.

    Wenn du wieder kommst und er hat durchgesoffen und Chaos gemacht, fällt dir die Entscheidung auch leichter.

    So ein Urlaub alleine kann eine wunderbare Reise zu sich selbst sein. Nur Mut!

    Ich habe am Anfang die strikte Ablehnung von alkoholfreien Alternativen auch nicht verstanden. Ich war so stolz, dass ich schon seit Wochen alkoholfreies Bier statt bisher das ‚richtige‘ trank und wurde richtig wütend, als mir hier keiner dafür auf die Schulter klopfte.

    Ich dachte ‚ihr könnt gerne päpstlicher sein als der Papst- ich komme so gut klar‘. ABER das Ersatzbier hielt mich in alten Verhaltensmustern! Ich prostete wie immer, soff mit den gleichen Leuten und war sogar stolz, wenn keiner merkte, dass ich nüchtern war.

    Wenn ich damit nicht aufgehört hätte, würde ich 100% heute wieder trinken. Das Ziel ist nicht, den 16:00 Uhr Sekt auf 0% umzustellen, sonder radikal das Verhalten zu ändern!

    Erst mal heißt das Orte und Getränke zu meiden, die man mit Alkohol verbindet. Risikominimierung heißt das. Wirkt erst mal wie trister Verzicht, entpuppt sich aber mit der Zeit als recht spannender Weg zu einer völlig neuen Freizeitgestaltung.

    Anstrengend ist das, aber es lohnt sich so sehr!