Zumal ich auch Menschen zum Teil gut kannte, die schon Ende Ihrer Jugend schwer in eine Alkoholsucht gerauscht sind und in einzelnen Fällen daran gestorben sind.
Dann warst du besser sensibilisiert. Nicht mal meine Oma, die täglich trank und das Haus nicht mehr verließ, wurde offiziell als Alkoholikerin bezeichnet. Ich wurde streng erzogen, aber saufen war absolut ok- auch vor meinen Eltern. Wenn jemand besoffen war, fand man das lustig, wenn er fast jeden Tag betrunken war, war es ein ‚Lebemann‘ der es krachen lässt.
Auf dem Dorf wo ich aufgewachsen bin, war es normal zu saufen bis man umfällt. Auf Partys wurde gekotzt und es lagen überall besinnungslose Jugendliche rum. Ein Arzt wurde erst gerufen, wenn man das Gefühl hatte der atmet nicht mehr- hab ich selbst aber nie erlebt. Pinkelte sich einer ein, wurde das in der Schule als witzige Story erzählt.
Ich stürzte einmal besoffen so schwer, dass ich mir das Nasenbein brach- dafür wurde ich in der Schule gefeiert- sogar die Lehrer machten Witze. Mir war überhaupt nicht bewusst, dass wir alle ein starkes Risiko eingehen. Nur eine Freundin von damals ist jetzt trockene Alkoholikerin. Die anderen hatten entweder damals schon bessere Grenzen, hörten wegen Familie irgendwann auf oder saufen eben heute noch.
Ich war nicht auf meinem 30jährigen Abi letztes Jahr. Mir wurde nur erzählt wer noch richtig einen saufen kann.
Absolut von keiner Seite kamen da Warnungen und ich kannte bis auf meine Oma keine nassen Alkoholiker persönlich.
Ich hätte niemals gedacht dass es mich trifft! Der Verdacht dass da was nicht stimmt, kam erst so vor 6 Jahren. Da fing ich an, Tests im Internet zu machen und zu versuchen, kontrollierter zu trinken und Pausen einzulegen. Erst als das mit den Pausen auch nicht mehr ging, ich merkte, dass ich weniger auf die Reihe bekomme und allen voran mit Alkohol nicht die Mutter sein kann die ich sein will, wurde es klarer.