Beiträge von AnnaBlume

    Das ist ein guter und wichtiger Schritt. Diese innere Zerrissenheit gepaart mit schlechtem Gewissen, egal was man tut, ist kaum auszuhalten.

    Jeder bei dem man versucht sich auszuheulen ist sofort betroffen/wütend/vorwurfsvoll/mitleidig. Sich bei einer neutralen Person auskotzen zu können ist da wirklich eine Erleichterung.

    Ich bekomme eine Therapeutin seit Jahren verschrieben. Mein Hausarzt kennt die Situation und versteht dass man das nicht alleine packt.

    Ich wünsche dir, dass du Entlastung findest. Bleib bei dir- so schwer das ist. Letztendlich geht es dir so, wie du reagierst und nicht wie dein Sohn sich verhält.

    Den Unterschied musste ich lernen. Fühl dich mal gedrückt!

    Liebe Foxi,

    Meine Tochter ist auch Alkoholikerin aber mit vielen weiteren psychischen Erkrankungen. Dein Entschluss ist wirklich gut, aber falls es jemals ‚hart auf hart‘ kommen sollte (Job Verlust, die Partnerin schmeißt ihn raus, er weiß nicht wo hin), solltest du gewappnet sein. Sucht euch professionelle Hilfe! Eine Gruppe für Angehörige, Suchtberatung oder eine Therapeutin.

    Ich war in dieser Situation. Mein Kind ist ganz unten angekommen, wohnungslos und gerade in der Geschlossenen. Es war so ein unglaublich zerreißender Moment sie an der Tür abzuweisen. Mehrfach. Auch mit Hilfe der Polizei. Ich liebe mein Kind aber die Erfahrung hat gezeigt, dass ich sofort mit im Abgrund bin, wenn ich ihr die Hand reiche.

    Lass dich bei diesen Entscheidungen unterstützen- durch Profis.
    Die meisten Laien können nicht nachvollziehen wie man ein Kind das man von ganzem Herzen liebt so ‚wegstoßen‘ kann.

    Aber ich habe im Bekanntenkreis gesehen was passiert wenn man es nicht tut. Dem Kind ging es nicht besser und die Mutter führte kein eigenes Leben mehr.

    Tut Euch das nicht an!

    Ich hab mich sehr nahen Menschen persönlich offenbart. Bei meiner besten Freundin war es nicht mal nötig. Da sagte ich nur ‚ich trink nix mehr‘ und sie wusste Bescheid.
    Im weiteren Freundeskreis habe ich es delegiert. Ich hab einen Freund der eine leidenschaftliche Tratschtante ist- dazu noch wirklich wohl wollend. Ihm hab ich die Lizenz zum fremdouting gegeben.
    Das ging ganz schnell. Bekannte kommen auf mich zu und sagen ‚Mensch Anna- Glückwunsch zur Nüchternheit‘ oder zumindest ein leises ‚Du trinkst ja nix mehr‘.

    Im Job bin ich nicht ganz so offen. Da sage ich einfach ‚ich trinke keinen Alkohol mehr‘ und fertig. Da viele Kollegen grundsätzlich nie Alkohol trinken, fragt da auch keiner nach.

    Bis jetzt gab es nur durchweg positive Rückmeldungen. Sogar der Wirt meiner Lieblings-Cocktailbar reagierte gut. Er fragte ‚warum warst du so lange nicht da?‘ und ich ‚ich trinke nicht mehr‘. Er ‚gute Entscheidung anna‘. Aber der weiß ja nun wirklich wie krass es war. Ich traf ihn übrigens auf der Straße- in seine Bar gehe ich nicht mehr.

    Ich hasse es, bewundert zu werden. Oder auf ein Podest gestellt zu werden.

    Passiert mir irgendwie nie. Was mache ich nur falsch???

    Ich glaube es gibt einen Unterschied ob jemand einen für ein Talent bewundert oder die ganze Person über sich stellt.

    Meine beste Freundin bewundert mich für manche Dinge und ich bewundere sie für anderes- Podest nicht in Sicht.

    Was Menschon von mir halten, die mich jetzt nicht so gut kennen, weiß ich gar nicht.

    Am Ende werde ich in meiner Nachbarschaft als Gottheit verehrt und habe das komplett verpasst 😂

    Ich werde mich Stück für Stück von ihm zurückziehen , komplett schaffe ich nicht 🥲 noch nicht !

    Das klappt genauso wenig wie kontrolliertes Trinken. Radikaler Kontaktabbruch. Ihr habt weder gemeinsame Kinder, noch Immobilien. Nicht mal einen gemeinsamen Hund. Du hast keinen Grund diesen Kontakt weiter zu halten.
    Das bringt dich in eine komfortablere Situation als viele andere hier. Du musst es nur machen.

    Bei mir sind auch die Äderchen auf der Säufernase blasser. Allerdings bin ich etwas runder geworden, weil ich meinen Hunger wieder mehr spüre und nicht mehr chronisch Durchfall habe. Aber dann ist das wohl meine Körperform ohne Gift. Das nehme ich an.

    Was sind das für Probleme in deinen Beinen?

    Wann war denn bei dir der Punkt erreicht, dass du gemerkt hast, dass du etwas ändern musst? Wie war dann dein Weg?

    Das ging schleichend. Das Gespräch mit der Tochter und der Therapeutin rumorte schon in mir, spielte aber nur bedingt eine Rolle.

    Ich verletzte mich öfter, weil ich besoffen stürzte. Dann kam nochmal eine Steigerung, weil ich in einer Partnerschaft war, in der wir beide viel tranken und uns potenzierten.

    Oberflächlich war alles ok- Beruf klappte gut, ich machte Sport, kümmerte mich um den Haushalt und sah von außen normal aus.

    Aber ich schämte mich immer mehr. Wenn ich in üblen Kneipen mit Menschen abhing, die ich nüchtern nicht so gemocht hätte. Auch die Filmrisse, das teilweise erwachen in fremden Betten setzte mir zunehmend zu.

    Eines morgens wachte ich mit üblem Kater und Filmriss auf meinem Sofa auf. Eine Schürfwunde am Ellenbogen, das Handy weg. Meine Tochter rief an und es wurde in einer Bäckerei um die Ecke abgegeben- eine Ecke in der ich eigentlich nichts zu suchen hatte. Ich weiß bis heute nicht wo ich am Abend war. Da kam es wie ein Blitz in meinen Kopf ‚Anna, es reicht, du trinkst keinen Alkohol mehr‘.

    Das ist jetzt fast 8 Monate her. Meine Tochter ist extrem glücklich über diese Entscheidung- aber in allererster Linie geht es mir viel besser.

    Ein Meilenstein war, dass ich mich nach 4 Monaten hier angemeldet und das erste mal den Satz ‚ich bin Alkoholikerin‘ geschrieben habe. Das war die eigentliche Wende- denn Trinkpausen gab es auch vorher schon.

    Jetzt ist es keine Pause sondern eine abstinente Zukunft.

    Ich wünsche dir sehr dass deinen Papa auch so eine Erkenntnis trifft, aber wie gesagt, das muss von ihm kommen und ihr könnt zwar Hinweise geben, aber seid doch relativ machtlos, so leid mir das tut.

    Steig nicht zu sehr in die Aufgabe ein ihn zu überzeugen. Dann geht es am Ende dir noch schlecht und dann ist niemandem geholfen. Schreib diesen Brief und kümmere dich dann um dein Leben.

    Falls er doch noch eines Tages zur Vernunft kommt, hat er dann eine stabile Tochter. Falls nicht hast du wenigstens ein gutes Leben.

    ein Taugenichts usw und ich soll mir einen tollen Mann suchen der mir das alles geben kann was ich mir wünsche

    Öhm. Was spricht eigentlich dagegen?

    Ohne Spaß: wenn du weiter Kontakt mit ihm hast, kitzelt er immer wieder die Reflexe die dich an ihn binden. Das einzige das hilft ist Abstand, Abstand und nochmal Abstand.
    Er hat ein zu Hause und braucht dich im Grunde nicht zum Leben. Am saufen kannst du ihn auch nicht hindern. Andere Mütter haben auch schöne Söhne und die saufen vielleicht nicht und küssen können sie evtl. auch noch- und das auch noch ohne Fahne. Stell dir das mal vor!

    Ich glaube leider auch, dass ihm gar nicht bewusst ist, dass etwas an seinem Alkoholkonsum nicht in Ordnung ist. Oder denkst du (aus deiner Erfahrung) er verdrängt es nur?

    Es kommt auf das selbe raus. Die Erkenntnis wirklich Alkoholiker zu sein ist ein krasser Schritt. Ich machte schon lange immer mal so Selbsttests im Internet und hatte die tollsten Ausreden wenn mal wieder ‚sie sind Alkoholiker- wenden sie sich an ihren Arzt‘ raus kam. ‚Die machen den Test bestimmt so streng dass mehr Leute zum Arzt müssen um auf Nummer sicher zu gehen‘ oder ‚das sind bestimmt so Abstinenz-Freaks, die schon zwei Bier zu viel finden‘ usw.

    Man WILL es nicht wahrhaben- die Konsequenz wäre ja, dass man den Alkohol, der einen riesigen Raum im Leben eingenommen hat, weg lassen muss.

    Ich liebe meine Kinder von ganzem Herzen- aber selbst ihr ganz offensichtliches Leiden unter meinem Konsum hab ich nicht sehen wollen. Ich glaube das kann man als nicht süchtiger nicht verstehen und es ist auch echt schrecklich, aber leider typisch.

    Man glaubt dass Trinken Privatsache ist- dabei betrifft es das gesamte Umfeld. Sehen kann ich das erst jetzt.

    weil die Chemie zwischen uns nicht mehr passt

    Genauso klingt das. Gibt es denn noch andere Gruppen, die gut für dich erreichbar sind? Soll ja gut tun und das klingt bei dieser Gruppe nicht so. Wenn die anderen aus der Art wie es läuft was mitnehmen, ist das ja auch völlig ok- nur du brauchst halt was anderes.

    Bei Partys habe ich nüchtern festgestellt, dass mich die so langweilen, dass ich früher da wohl gegen meine Langeweile angesoffen habe. Um die Leute überhaupt zu ertragen.

    Magst du Menschen im Allgemeinen nicht oder warst du nur auf den falschen Partys?

    Oder bezog sich das auf betrunkene Menschen?
    Ich lese dich manchmal etwas selbstherrlich und über andere ‚erhaben‘, deshalb stolperte ich über diesen Satz.

    Geht nicht drum dich anzugreifen, es ist nur manchmal gut sich echt zu hinterfragen und dabei nicht mal gut auszusehen oder sich dabei interessant anzuhören.

    Letztendlich sind wir hier alle Alkoholiker, die versuchen ihre Nüchternheit zu erhalten und eine gute Lebensqualität zu erreichen.

    Ob da jetzt das Etikett ‚Manager‘, ‚Müllmann‘, ‚Prof.Dr‘ oder ‚Zauberer‘ drauf pappt ist Wurscht. ‚Find ich auch‘ wirst du sofort rufen und es blumiger ausdrücken. Aber stimmt das denn wirklich?

    Wie gesagt geht es nicht darum dich anzugreifen. Mir ging es halt so, dass mich die Erkenntnis der eigenen Normaltät extrem weitergebracht hat. Der Versuch besonders, erhaben oder originell zu sein, ist etwas das ich auch von mir kenne und das mir hart im Weg steht. Deshalb hier der Finger in der Wunde.

    Ich finde das eine sehr gute Idee! Vor allem wenn es seine Kinder gemeinsam machen, hat es ganz schön Gewicht.

    Mach dir aber nicht zu viel Hoffnungen wegen der Wirkung. Ich bin auch Alkoholikerin und meine Tochter führte mit mir und einer Therapeutin ein Gespräch. Ich reagierte aggressiv und trank weiter.

    ABER: Jetzt wo ich aus mir heraus nüchtern geworden bin, hilft mir dieses Gespräch sehr. Es ruft mir in Erinnerung wie tief ich gesunken war, in so einer Situation rum zu motzen statt Einsicht zu zeigen.

    Außerdem tut ihr als Geschwister was für euch. Ihr führt es ihm deutlich und schriftlich vor Augen und mehr könnt ihr leider nicht tun. Der Rest liegt allein bei ihm.

    Nach 6 Wochen Abstinenz ist der Blick in den Spiegel fast eine erfreuliche Angelegenheit.

    Da musste ich gerade lachen. Aber es geht bergauf!

    Dieses lebenslänglich wird immer weniger erschreckend, je länger man dabei ist. Bei mir sind es ja auch erst etwas weniger als 8 Monate, aber der Schrecken hat schon sehr deutlich nachgelassen.

    Einfach weil ich viel verändert habe und saufen einfach auch nicht mehr ‚nötig’ Ist im Sinne von ich tue Dinge nur um zu saufen.

    Wenn man mehr und mehr Dinge unternimmt bei denen saufen völlig unangebracht ist (und schon immer war) fehl halt nix.

    Saufdruck hab ich natürlich ab und zu mal. Aber der geht auch wieder vorbei.

    In den letzten Monaten hatte ich keine einzige Situation wo ich dachte ‚ach Mensch, mit Alkohol wäre das jetzt schöner gewesen‘. Und so soll das bleiben.