Beiträge von AnnaBlume

    Ja aber für ihn ist es kein Grund aufzuhören obwohl er immer sagt er möchte es.

    Das tut mir echt leid, wundert mich aber nicht. Ich selbst bin mal besoffen vom Barhocker gestürzt und hatte ein Schädel Hirn Trauma mit Intensivstation. Zwei Wochen später saß ich wieder sturzbetrunken auf eben diesem Hocker.
    Nasse Alkoholiker reden sich die Situation schön. Bei manchen macht es irgendwann Klick bei anderen nicht.
    Mein Anlass war viel weniger dramatisch als das Schädel Hirn Trauma. Ich hatte mein Handy verloren und es wurde an einem Ort gefunden an dem ich meines Wissens gar nicht war. In diesem Moment dachte ich ‚Schluss aus, jetzt reichts- ich trinke nicht mehr!‘.
    Das kam nicht von außen oder von Symptomen. Ja der Durchfall hat genervt, die Sprachstörungen hatten ‚nichts mit Alkohol zu tun‘ die Stimmungsschwankungen bildeten sich andere ein, die konzentrationsstörungen kamen vom Stress. Was einem halt so einfällt um ohne schlechtes Gewissen weiter trinken zu können. Und man hätte mir 1000 mal erklären können, dass meine Symptome vom saufen kommen und dass ein Bänderriss, eine Platzwunde und am Ende ein Schädel Hirn Trauma darauf schließen lassen, dass ich mich in Gefahr bringe. Nichts davon hätte mich daran gehindert weiter zu saufen. Nicht mal meine weinende Tochter die mich mit Hilfe ihrer Therapeutin konfrontiert hat. Da habe ich auch noch aggressiv reagiert- dafür schäme ich mich heute noch zu Tode!

    Ihr Angehörigen kämpft da echt gegen Windmühlen und das tut mir unendlich leid.

    Ich kann es von mir selbst sagen. Durchfall hatte ich nach ca. 10 Jahren wirklich exzessivem Saufen auch fast immer. Meine Tochter meldete mir auch extreme Stimmungsschwankungen rück und in den letzten Jahren hatte ich seltsame Sprachstörungen- ganz leicht wie stottern. Besonders an katertagen war das da. Andere merkten es kaum aber mir fiel es auf. Ich dachte ernsthaft über einen Hirntumor nach, aber nach 2-3 Monaten Abstinenz war das komplett weg.

    Ganz einfach: Die Abstinenz hat dir so gut getan, körperlich und seelisch, dass Du "einfach" so weitermachen möchtest. Fertig. Ist ja nicht gelogen (finde ich immer am einfachsten und außerdem ist mir der aufrechte Gang lieber), nur nicht die ganze Wahrheit.

    Exakt so formuliere ich es auch. Sehr sehr enge Personen bekommen schon die ganze Wahrheit- aber die konnte ich nur in Scheibchen servieren. Ja die Scham ist sehr groß und umso schöner, wenn man nach ein paar Monaten merkt, wie befreiend es ist, niemandem mehr was vormachen zu müssen. Was sie sehen ist das was es ist. Nicht eine Säuferin, die sich ständig zusammenreißt, verstellt, Pfefferminze kaut gegen die fahne. Die ständig denkt ‚wenn ihr wüsstet‘.

    Und nebenbei erkennt man noch, wer die wirklich nahen Personen sind. Bei einigen ging das ‚ich glaube ich bin süchtig‘ ganz leicht, bei anderen bleibt es bei ‚ich trinke gerade nichts‘. Daran kann ich die Tiefe der Beziehung ablesen.

    Was du von deinem Freundeskreis schreibst klingt gut- hier im Forum gibt es einige, die Freunde verloren haben, weil es ohne Trinken keine Gemeinsamkeiten mehr gab.

    Ich war Jung und Trocken (nach einem halben Jahr Klinikaufenthalt wegen Mehrfachabhängigkeit)

    Du glaubst gar nicht wie viel Hoffnung du mir gerade machst. Meine Tochter entzieht gerade in der Klinik- auch mehrfach abhängig, ein wenig jünger als du damals. Dass hier jemand schreibt, der es schon so lange packt, macht mich gerade richtig glücklich. Klar kann man zwei Menschen nicht vergleichen aber immerhin gibt es Menschen bei denen es funktioniert. Meinen Glückwunsch!!!

    Für das Haus meiner Eltern hatten wir eine Entrümplungsfirma. Die schmeißen nicht einfachvalles weg, sondern wenn man denen sagt was man noch braucht ‚retten‘ die das für einen.
    Erst mal viel Kraft für die Beerdigung- ich hoffe sie wird auch ein wenig tröstlich.

    Die Tipps von Aurora finde ich ganz toll- sich in der Trauer begleiten lassen von Menschen, die wissen wie das ist, ist wirklich Gold wert.

    Also geht’s nicht nur mir alleine so. Habe schon gedacht, dass ich zu sensibel oder empfindlich bin.

    Nein mir ging es am Anfang auch so. Ich habe aber schnell gemerkt, dass nur auf Schwachstellen hingewiesen wurde, die ich nicht sehen konnte oder wollte.

    Ohne diese strenge Analyse hätte ich weiter jedes Wochenende zwischen saufenden Leuten mit einem alkoholfreien Bier in der Hand ‚Teilhabe‘ gespielt und wahrscheinlich hätte ich das Bier längst durch alkoholisches zurückersetzt und wäre raus.

    Ich nehme auch nicht alles an was hier geraten wird, aber ich bin froh über die Denkanstöße und entscheide mich wenn dann ganz bewusst Dinge trotzdem zu tun. Vielleicht mit vorherigen Sicherungsmaßnahmen die ich ohne Hinweis nicht getroffen hätte. Und ja, manchmal finde ich den Ton auch arg rau oder ärgere mich über eine Kritik- fühle mich teilweise hart missverstanden. Aber auch das lehrt mich etwas und inzwischen muss schon viel passieren, dass ich hier raus gehe.

    Alla komm- bleib hier liebe KaDett und sei weiter nüchtern mit uns!

    Ich habe mir jetzt die Doku mit hirschhausen auch angeschaut. Schwierig. Hirschhausen will wie immer einfach nur von Omas angehimmelt werden. Es tauchen die üblichen verdächtigen auf. Nathalie Stüben, die ihre Alkoholsucht zum Beruf gemacht hat und versucht mit betroffenem Blick einen auf Wissenschaftlerin zu machen. Und halt prof. spannnagel. Ich muss zugeben - ich mag den Typ. Der steht offensichtlich auf psychedelische Drogen und hat damit interessante Erfahrungen gemacht. Und ich verstehe auch sein Forschungsanliegen, die die es beim besten Willen nicht schaffen, wenigstens irgendwie in geregelten Bahnen zu halten. Ich glaube nur dass das zu leicht als Ausrede benutzt werden kann und deshalb gefährlich ist.

    Den selbst ernannten Quartalstrinker als Erfolg zu verkaufen ist schlichtweg fahrlässig!

    Die Person Janboris hat mir als queerbewegte natürlich sehr gefallen- aber ich hab den leisen Verdacht dass auch diese Person verwendet wurde um das onkelige von Hirschhausen auszugleichen.

    Alleine die Vorstellung, ich müsse irgendwo bleiben, wo ich nicht bleiben will oder wo mich irgendwann nicht wohl fühlen könnte, ist für mich ganz schön schlimm. In so eine Situation will ich mich nicht bringen.

    Ganz genauso mache ich es auch. Und ja, ich gehe auch manchmal auf Anlässe wo auch Alkohol getrunken wird (nicht mittelpünktig) und wäge im Vorfeld ab, ob das ok für mich ist, ich jederzeit weg kann und ich jemanden dabei habe, der mich unterstützt.

    Wenn ich wirklich bereit bin und gut vorbereitet sehe ich auch nicht wirklich ein Problem- für mich persönlich (!). Aber ich muss bis zum Schluss innerlich bereit sein noch im letzten Moment abzusagen, wenn das Gefühl nicht passt. Hab ich auch schon öfter gemacht.

    So helfen mir die klaren Sichtweisen hier, zu erkennen wo Risiken lauern. Sie im Zweifel nicht einzugehen. Wenn aber z.B. silvester mit guten Freunden mir sehr wichtig ist und diese guten freunde auf das Glas Sekt um 12 nicht verzichten wollen, mich dabei aber ermutigen und unterstützen, dass ich eben um 12 eine Saftschorle trinke ist das für mich persönlich ein gangbarer Weg. Aber ich schreibe bewusst für mich persönlich- das kann man auf keinen Fall pauschalisieren.

    ich habe Elan, Langeweile kenne ich nicht, aber ich kann dann auch Pausen genießen. Ich finde selbst, dass ich ausgeglichen bin.

    Entschuldigung da musste ich kurz lachen. Deine Anfangseuphorie ist sehr extrem und das erinnert mich extrem an mich selbst.

    Deine Beiträge strotzen vor Energie und das ist ja erst mal ganz toll, aber ich erkenne da auch eine gewisse Unrast.
    Meditieren, Me-Time-Ecke, arbeiten, tanzen, hier schreiben, Zettelchen verteilen- all das geht wie im Zeitraffer.
    Wie gesagt: Ich kenne das!

    Danach kam bei mir aber erst mal die große Stille. Dann bist du mit dir alleine und niemand dem du zeigen kannst, wie energiegeladen, kreativ, leistungsfähig, ja cool du bist. Irgendwann ist alles so wie du es bereitet hast und dann kommt die Frage: Wer bin ich ohne all das? Ich kann nur von mir sagen dass das der schwerste Part war und ist.

    Zu erkennen, dass ich nicht origineller bin- egal wie besonders ich alles versuche- sondern einfach eine Alkoholikerin, die ihren Alltag und ihr Denken so verändern will, dass das mit der lebenslangen Abstinenz klappt. Ob ich das im rosa Abendkleid oder im Lavendelschaum mache, macht keinen Unterschied. Wir müssen da durch, wenn wir es wirklich wollen.

    Bei mir ist es umgekehrt- ich habe zwei erwachsene Kinder und bin froh darüber, waren auch Wunschkinder. Ich dachte eigentlich ich mag Kinder. Aber in meiner letzten Beziehung gab es zwei Kinder die recht klein waren- 9 und 11. Diese Kinder waren alle zwei Wochen für 4 Tage da. In dieser Zeit wurde die Verantwortung komplett mir überlassen und ich merkte, dass ich darauf eigentlich keine Lust habe. Die wussten auch schon, dass die jeweilige Partnerin ihre Bezugsperson ist, weil sich halt sonst einfach niemand kümmerte. Ich war also- wenn ich da war - 24/7 mit denen beschäftigt, das war heftig anstrengend und jetzt hab ich keine Lust mehr auf Kinder und meide sie wo ich kann. Mit Abstand sind die schon süß aber nicht sonntags morgens auf deinem Gesicht!

    Für mich ist es wichtig den Unterschied zu merken weil ich mich zuletzt jahrelang nur noch schlecht gefühlt habe

    Ging mir genauso, aber eher körperlich. Ich fühlte mich und meinen Körper nicht mehr- Gefühle auch nicht richtig. Langsam kommt das zurück. Heute im Yoga hab ich einfach nur die Hände aneinander gelegt und fühlte meine Handflächen- das erste mal bewusst seit vielen Jahren. Ich war fast ein bisschen überfordert. Aber es war schön.

    Ich habe jetzt obwohl jahrelang nicht getragen noch einen sehr geliebten Dreiteiler im Schrank. Vielleicht kommt ja seine Zeit einmal wieder.

    Vorschlag: Lass uns essen gehen- du dreiteiler- ich onesie aus Teddy. Da ist völlig klar wer die Kirsche und wer die Sahnetorte ist😂

    Eisbaden ist gut für die Psyche. Man schüttet einen Haufen Endorphine aus und fühlt sich extrem gelassen und glücklich danach.

    Ich hab etwas Probleme mich zu spüren- deshalb hilft mir eisbaden beim runterfahren.

    Bin da aber ausnahmsweise nicht ehrgeizig und gehe immer super kurz rein. Andere stoppen die Zeit und verharren erstaunlich lange. Ich laufe rein, ein paar schwimmzüge, fertig. Ich kühle dabei auch nicht aus und bin danach ja auch warm und formschön verpackt.

    Jahr ein Yogaretreat. Ich sah uns abends gemütlich einen Kräutertee schlürfen. Von wegen. Die Ladies hatten Lust auf einen Sundowner in der Strandbar. Pech gehabt. Ich habe mich dadurch ausgegrenzt gefühlt

    Oh Gott! Ich fahre in zwei Wochen auf ein Yoga retreat und bin fest davon ausgegangen, dass da niemand Alkohol trinkt. Aber klar- Yoga hat mich ja früher auch nicht vom Saufen abgehalten!

    Werde mich innerlich rüsten und zurückziehen, wenn die anderen was trinken- Danke für den Hinweis!

    Das mache ich häufig gedanklich einen Forumsbeitrag formulieren

    Mache ich ähnlich. Bei mir im Kopf erscheint dann ausgerechnet Hartmut als eine Art Geist aus der Flasche. Wahrscheinlich weil er mich hier am Anfang am meisten ‚gefordert‘ hat. Natürlich meine Vorstellung von ihm- groß, breit, strenger Blick. Der sagt dann sowas wie ‚merkste selber, ne?‘.

    Einmal durchgestanden ist es wesentlich einfacher

    Kenne ich exakt genauso!

    Was mich sehr erschüttert hat, war die Intensität der Gefühle und in meinen Augen die Hinterhältigkeit meines Suchthirns. Ganz schön perfide.

    Und das auch.

    Gut dass du es schadlos überstanden hast!

    Nüchterwerden können wir alle, jahrelang probiert, aber für das Nüchternbleiben ist doch mehr erforderlich als den Alkohol weglassen.

    Na klar, weiß ich doch. Ich wollte nur mal eine völlig andere Perspektive anbringen. Alkoholsucht wie eine chronische Krankheit ähnlich einer Allergie betrachten.

    Und da würden sich keine Symptome oder lebensverkürzende Auswirkungen ergeben, so lange man keinen Alkohol trinkt.

    Klar ist der psychische Aspekt ein riesen Thema- ohne den gäbe es dieses Forum nicht.

    Aber wenn wir uns vorstellen von heute auf morgen gäbe es gar keinen Alkohol mehr auf der Welt- dann wären trockene Alkoholiker kerngesund und hätten keinerlei Einschränkungen.

    Ich weiß dass es so nicht ist und es sehr viel Alkohol vor unserer Nase gibt. Aber mir hilft die Vorstellung dass ich ohne das gar kein Problem hätte. Hoffe man kann das jetzt ein wenig verstehen…