Beiträge von AnnaBlume

    Ich glaube den Zeitpunkt an dem ich wirklich ‚trocken‘ war, kann ich nur in der Rückschau festmachen. Ich lebte abstinent und hatte immer noch im Hinterkopf, irgendwann alles ‚wie früher‘ mitmachen zu können. Die gleichen Feste, die gleichen Leute, ja vielleicht irgendwann die gleichen Kneipen.

    Allmählich veränderte sich das. Mir ging der Sinn abhanden, mich zwischen trinkende Menschen zu setzen, zu verfolgen wie die Gespräche immer blöder werden und dann zu spät ins Bett zu gehen.

    Was ist an Kneipen schön, wenn man den Alkohol weg lässt? Was kann man nach 22 Uhr noch auf einer Geburtstagsfeier erleben, wenn man nicht trinkt?

    Das Interesse ist anders geworden. Ich treffe immer noch super gerne Menschen. Aber eben Tags zu netten Aktivitäten oder einfach auf einen Kaffee.

    Es war kein einzelner Moment an dem sich quasi ein Schalter umlegte und ich trocken wurde, sondern irgendwann war es einfach so geworden. Es ist für mich ganz persönlich ein innerer Zustand. Abstinent leben ist eine Verhaltensweise, die Voraussetzung dafür ist, trocken zu werden.

    Was würde die Tablette denn wegnehmen? Den Rausch? Dann sind alkoholische Getränke einfach nicht lecker für mich. Mit Rausch kann ich mir nicht vorstellen, wie man ein ‚nochmal-Gefühl‘ durch eine Pille verhindern soll.

    Unabhängig davon möchte ich nicht mehr berauscht sein. In meinen jetzt 1 1/2 Jahren ohne Alkohol habe ich zu schätzen gelernt, stets einen klaren Kopf zu haben. Gute Gefühle werden nachhaltiger und schlechte Gefühle werden auch nicht schlimmer- auch wenn man zu nassen Zeiten glaubt, Alkohol hilft dagegen.

    Ich erlebe gerade die schwerste Krise meines Lebebs und bin froh dass ich dabei nüchtern bin. Alkohol würde wirklich nichts besser machen- auch nicht mit ‚Pille danach‘.

    Für den ein oder anderen hört sich das vielleicht fies an aber für mich sehe ich es als Rettung

    Das hört sich ganz und gar nicht fies an. Was du beschreibst klingt alles andere als nach einem Mann, der dich in irgendeiner Weise weiter bringt. Warum warst du pflegebedürftig? Kann es sein, dass diese Bedürftigkeit zu eurer Beziehung dazu gehörte und jetzt wo du wieder alleine laufen kannst, passt das nicht mehr??

    60 Kilo- Hut ab!!! Hat er dich bei der Gewichtsreduktion unterstützt? Ich hab da so einen Verdacht.

    Es ist nicht so, dass ich mich total abgekoppelt habe, es gibt einige Freunde, auch Gruppen

    Ach dann bin ich beruhigt. Dann brauchst du ja ‚nur‘ Geduld mit dir selbst. Das ist schwer ich weiß. Dabei hilft mir persönlich Yoga.
    Weil ich es im Schlafanzug machen kann und am Anfang 10-15 min reichen um dieses gute Gefühl von ‚ich hab was für mich aktiv getan‘ zu bekommen.

    Am Anfang war alles bei mir auch zäh. Dann kam der Aufbruch. Dauerte aber.

    Liebe Bergdohle ,

    ich habe immer voll in Jobs gearbeitet, die im Allgemeinen als anspruchsvoll gelten. Aber das was ich bei weitem am krassesten fand war die Elternzeit. Was Menschen täglich leisten, die mehrere Kinder versorgen und einen Haushalt schmeißen wird komplett unterschätzt.

    Wer das geschafft hat wuppt auch ganz andere Jobs und das kann dir keiner nehmen!

    Nur Mut- du kannst viel mehr als du denkst.

    . Es kam dann der Ekel vor mir selber noch dazu.

    Den hatte ich auch. Aber ist nicht wenigstens der besser, jetzt wo du nicht mehr trinkst?

    Ich kann dir als tip für den niedrigschwelligen Einstieg in soziale Kontakte Lauftreffs empfehlen. Die gibt es überall, die Gruppen wechseln und man kann mit Mitläufern sprechen, muss aber nicht. Beides findet niemand komisch.

    Außerdem gibt es alle Leistungsklassen so dass du nicht mal besonders sportlich sein musst. Und gegen Depressionen hilft es auch, ist gut für Herz Kreislauf und die Figur!

    Also win, win, win, win, win.

    Und wenn du Sport blöd findest gibt es in jeder Stadt auch kreative Angebote wie siebdruck oder Sushi rollen.

    Und bei allem kann man den anderen zuhören und muss nix. Und es ist alles nicht gleich verpflichtend.

    Das hast du schön geschrieben. Natürlich sollten Ehepartner an einem Strang ziehen, aber das klappt oft gerade in solchen Stresssituationen nicht. Es spricht also für euch beide als Partner, dass das so gut läuft.

    Ihr macht das echt richtig gut, auch wenn es sich manchmal bestimmt anders anfühlt, weil eben die Situation schwer auszuhalten ist.

    Liebes Forum,

    Du bist längst zu meinem persönlichen Tagebuch geworden und der Grund warum ich jetzt fast 1 1/2 Jahre trocken bin und sehr zufrieden damit.

    Ich bin immer wieder erstaunt, wie wertschätzend und differenziert die Beiträge sind. Das ist einerseits ein Verdienst unserer Moderatoren aber auch ein Beweis dafür, dass die Asso-Schublade uns absolut nicht gerecht wird.

    Danke an euch alle und allen voran an Alex07 ❤️

    Ich bin ja in ähnlicher Lage, ohne das jetzt vertiefen zu wollen, aber in die Obdachlosigkeit werde ich mein Kind auch nicht ohne weiteres laufen lassen.

    Sie bei mir nicht aufzunehmen und ihr nicht dauernd Geld zuzuschieben ist eine Sache, aber ihr bewusst keine Wohnung zu finanzieren brächte ich auch nicht übers Herz zumal das Leben für junge Frauen auf der Straße permanente Angst und Übergriffe bedeutet. Abgrenzung hin oder her, aber niemand schaut seinem Kind beim Sterben zu ohne Helfen zu wollen.
    Vielleicht widerspreche ich damit einem anderen früheren Post von mir, aber wenn ich es zu Ende denke, brächte ich das einfach nicht übers Herz.

    Unabhängig von der Sucht. Es geht dir ohne ihn offenbar besser und der Status als Alleinerziehende schreckt dich nicht ab.

    Alles gute Voraussetzungen für ein Happy End- für dich! Mit oder ohne ihn entscheidest du ganz frei.

    Denk mal eine Scheidung durch. Wer zieht aus? Wie regelt ihr das mit den Kindern? Bist du berufstätig?

    Es ist machbar- wenn du es wirklich willst. Fühl in dich rein, mach dir die Zeit alleine mit den Kindern schön und sei bereit.

    Du musst ja nicht alles hoppladihopp entscheiden, aber eigentlich lese ich dich so, dass du bereit bist.

    Ich hab ein wenig die Gerüchteküche für mich arbeiten lassen. Hab es einigen erzählt und wer fragt warum ich nicht trinke, bekommt die korrekte Antwort (passiert sehr selten).

    Deshalb weiß es inzwischen jeder in meinem Umfeld und das ist auch gut so.
    Nur beruflich hab ich (noch) nix gesagt, weil das sensibler ist. Da dort nicht getrunken wird muss ich nix erklären. Aber wenn ich so weit bin möchte ich gerade da eigentlich öffentlich über meine Sucht sprechen, aber da bin ich noch nicht so weit.

    er aus derPrivat- Klinik kam sagter er dass er ja nicht sooo schlimm dran wäre wie die Älteren da

    Das ist ein Klassiker- dachte ich am Anfang auch. Aber Alkoholiker ist Alkoholiker.

    Was tust du gerade für dich? Hast du ein Hobby? Ich häkle ab Herbst z.B. immer viel- mir hilft diese Regelmäßigkeit und dass dabei was tolles entsteht.
    Was tut dir gut?

    Das zeigt lediglich dass du dein Kind mit gutem Gewissen dort mal lassen kannst und dir ein schönes Wochenende machen.

    Ich verstehe diesen Schmerz wenn du dir vorstellst dass er jetzt glücklich mit ihr ist.

    Aber das sind Bilder in deinem Kopf und die kann man ändern. Ich nehme für die ‚Entzauberung’ dieser Bilder dann gern alberne Details dazu. Beide haben ständig fürchterliche Blähungen oder der schwiegermutterdrache ist überall dabei und schläft auf der Ritze.

    Aber am besten bleibst du wirklich bei dir. Denn Nix steht im Weg, dass du dir jetzt dein Leben so machst, wie du es schön findest. Nicht mit ‚ätsch‘, aber vielleicht doch ein klitzekleines bisschen 😉

    ich weiß halt nicht ob beim 2ten mal irgendwas an Unterstützung eingeleitet wird

    Das wird nur dann eingeleitet wenn er es möchte.
    Und sie können euch nicht ‚einfach einbinden‘. Sie können es versuchen, aber ihr könnt ablehnen. Das hab ich auch gemacht und es fühlte sich fürchterlich an, war aber richtig. Bleibt bei euch und lasst ihn seinen Weg gehen- auch dann wenn dieser Weg geradewegs nach unten führt. Er allein hat das in der Hand!
    Er weiß wo er um Hilfe bitten muss. Gerade jetzt in der Klinik. Aber wenn er es nicht anleiert können auch die Nix tun!

    ich hab bei dir gar nix gefunden vom Sorgenkind, magst du mal kurz schreiben was das bedeutet?

    Ich will nicht so viel hier darüber schreiben, weil ich eigentlich wegen meiner eigenen Sucht hier bin.

    Nur so viel: Mein Kind ist auch erwachsen und suchtkrank - sehr anders als dein Sohn, weil weitere Erkrankungen im Spiel sind, aber auch ich musste meine Vorstellung vom Lebenslauf völlig neu denken.

    Sogar die Möglichkeit mein Kind ganz zu verlieren ist nicht so abwegig.

    Dennoch musste ich mich abgrenzen und muss es immer wieder.
    Ich kenne also diese innere Zerissenheit die du hier beschreibst und auch die schlaflosen Nächte und dass es einem vor lauter Sorge die Luft zum Atmen nimmt.

    Dennoch lebe ich ein Leben jenseits dieser Sorgen. Und dieses Leben darf auch schön sein. Das tatsächlich ohne schlechtes Gewissen zu leben, musste ich in einem langen Prozess lernen.

    Das alles lässt sich regeln. Für mich war im Kern die größte Aufgabe, die Vorstellung die ich mir von der Zukunft meines Kindes gemacht habe zu verändern.

    Im Grunde ist es gut, wenn wir uns als Eltern von den Erwartungen an unsere erwachsenen Kinder lösen- auch wenn sie keine so schweren Probleme haben wie dein Sohn.
    Das ist ein trauriger und schmerzhafter Prozess, aber er befreit beide Seiten und vielleicht kommt eine Zeit in der ihr euch als erwachsene auf Augenhöhe begegnen könnt.

    Das wünsche ich mir für mein Sorgenkind und euch für eures. Mehr haben wir nicht in der Hand.

    Was meinst du denn mit kumulieren?

    Aufrechnen. Ich kenne das von mir. Es passiert was schlimmes und dann denke ich bei jedem weiteren negativen Erlebnis ‚das auch noch‘. Am Ende sieht man alles als Summe und fühlt sich vom Schicksal quasi verprügelt. Dabei gibt es niemanden auf der Welt, dem nie etwas doofes passiert.

    Deshalb ist es für mich besser Erlebnisse einzeln zu betrachten.

    Versuche nicht zu ‚kumulieren‘ sondern sortiere. Ein dementes Elternteil ist traurig aber im hohen Alter nicht ungewöhnlich.

    Ich hoffe dein Mann kann sich noch gut von seinem Bruder verabschieden- das ist wirklich sehr traurig.

    Toll dass du wieder besser schlafen kannst- das zeigt, dass ihr auf dem richtigen Weg seid. Überhaupt, Hut ab, dass ihr als Paar in so einer schwierigen Zeit zueinander haltet- klopft euch da ruhig mal gegenseitig auf die Schulter, denn das ist nicht selbstverständlich.