Hallo zusammen,
ich war etwas abgetaucht und habe an mir oder mit mir gearbeitet. Ich muss gestehen, mir geht die Kraft aus. Die letzten 1,5 Jahre haben mir nicht nur viel abverlangt, sondern mich auch altern lassen.
Ich weiß nicht, wo ich gerade stehe, aber ich setze trotzdem einen Schritt vor den anderen.
Zu meinem letzten Beitrag wollte ich kurz noch etwas klarstellen: Der Frauennotruf hat mir sehr geholfen. Das wurde wohl falsch verstanden. Ich habe ein Ohr gefunden und man hat mich ausführlich beraten. Leider hat es dann an der Richterin gehapert. Nicht antworten auf Nachrichten heißt, nicht oft genug stop oder nein gesagt zu haben. Und antworten ist auch nicht richtig. Das sind genau diese Probleme, wie sie gerade aktuell in der Presse diskutiert werden. Und auch unser Jugendamt ist davon nicht ausgenommen. Anfang August 2025 ist mein Mann gegenüber meiner Tochter gewalttätig geworden. Seit der Wohnungszuweisung von Ende August 2025 weiß das Jugendamt davon. Und auch bei der Gerichtsverhandlung Mitte Dezember 2025 war jemand vom Jugendamt dabei und hat die Lage für die Richterin bewertet. Nachdem nun die Polizei meine Lage ernst nimmt, ging auch von deren Seite vor 2 Wochen eine Meldung an das Jugendamt heraus. Und man wird es kaum glauben: Letzte Woche, also 7 Monate nach dem Vorfall, hat sich jemand vom Jugendamt bei mir gemeldet und gefragt, ob ich Unterstützung brauche. Was soll man da noch sagen. Wochen lang hab ich vergeblich versucht meine Sachbearbeiterin zu erreichen um einen Beratungstermin zu bekommen. Und jetzt, nach 7 Monaten, geht es plötzlich von ganz alleine.
Wie geht es den Kindern? Meine Große schlägt sich durch und ist mit der neuen Therapeutin und dem neuen Psychiater sehr zufrieden. Meine kleine Tochter wird gerade diagnostiziert und es läuft auf PTBS heraus aufgrund des gewalttätigen Vorfalls im August gegenüber der Schwester, was sie mit ansehen musste.
Ich bin weiterhin sehr wütend auf meinen Ex. Er trinkt offensichtlich weiter und erzählt weiter seine Geschichten. Ich habe weiterhin jede Nacht Albträume und noch immer kein Geld von ihm bekommen.
Inzwischen ist die Unterhaltsklage auf dem Weg zum Gericht und auch der Antrag auf Scheidung ist unterwegs. Mehr kann ich gerade nicht tun. Kopf über Wasser halten und weiter machen. Zu allem Überfluss streikt jetzt auch noch das Auto.
Mein Ex macht mir weiter das Leben schwer und ich kann nicht die einfachsten Dinge mit ihm klären.
Mir geht es gut. Die Trennung war die einzig richtige Entscheidung. Ich hätte es schon früher machen sollen, konnte es aber nicht. Die Erkenntnis kam erst mit dem Weg. Je mehr ich reflektiere, umso klarer wird alles. Trotzdem denke ich jedes Tag an ihn. Meist negativ, aber auch traurig und verständnislos. Und noch immer vermisse ich meinen Mann, den ich einmal geheiratet habe und noch immer verabschiede ich mich von meinen Zukunftsplänen.
Ich gehe weiterhin jede Woche in meine örtliche Selbsthilfegruppe und habe dort ganz viele tolle Menschen kennengelernt, die mir inzwischen Freunde geworden sind. Wir waren zusammen auf einem Wochenendseminar für Angehörige und habe dort zusammen gelacht, geweint und gekämpft.
Es ist viel passiert und ich habe viel geschafft und trotzdem hab ich das Gefühl emotional auf der Stelle zu treten. Der Stein in der Ritterrüstung, der zum wabbeligen grünen Schleimhaufen geworden ist, hat sich nun in einen Trauerklos verwandelt.
Ich würde nichts ändern wollen, aber ich habe Federn gelassen und das spüre ich nun mehr und mehr. Ich bin nicht mehr die alte, nicht mehr der kleine Sonnenschein, der ich einst war. Ich bin ernst, traurig und funktioniere. Ich habe mich arrangiert mit der Situation.
Ich hoffe mit dem Sommer kommt auch wieder der Sonnenschein zurück.
Liebe Grüße an alle Leidensgenossen da draußen. Lasst euch nicht unterkriegen!
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