Lenethu - Hallo in die Runde

  • Hallo an Alle,

    ich bin sozusagen Co-Abhängig und möchte gerne hier im Forum herausfinden, wie ich mich am besten verhalten soll.

    Mein Mann trinkt. Nicht besonders viel, aber täglich. Und wenn er das über 2, 3 Wochen hindurch macht, wird die Laune unterirdisch. Er fängt dann an mit so kleinen Spitzen, kleine demütigende Bemerkungen, stellt sich über mich und glaubt, er muss mich niedermachen. Irgendwann wirds mir zu bunt, kann ich es nicht mehr aushalten. Dann kommt ein mega Streit mit wüsten Beschimpfungen beiderseits (wobei ich meine eher nicht so schlimm finde, so normal, wie man das im Streit halt eben macht - er ist komplett unter der Gürtellinie).

    Das Spiel spielen wir nun seit mehreren Jahren wobei mir erst seit kurzem klar ist, dass es der Alkoholkonsum ist, der ihn so garstig macht.
    Er weiß, dass er ein Problem hat. Er entschuldigt sich dann immer, verspricht es kommt nicht mehr vor, aber naja.
    Tatsächlich abstinent ist der nach so einer Aktion vielleicht 2, höchstens 3 Tage. Dann gehts wieder los, mal ein Tag, mal 2 Tage hintereinander und schwupps, beginnt das Spiel wieder von vorne.

    Man merkt ihm den Konsum auch körperlich und geistig an. Er vergisst wahnsinnig viel, speziell alles was am Abend passiert (tagsüber trinkt er nicht, nur abends). Er ist abgeschlagen und schläft viel. Seine Blutwerte sind nicht besonders gut. Kürzlich kam auch noch ein Hautproblem hinzu.

    Ich bin also nun an dem Punkt, wo ich klipp und klar sage, so will ich nicht mehr weitermachen. Ein Ende fühlt sich gedanklich nicht mehr unmöglich an, sondern befreiend und erleichtert. Aber ich weiß auch, es ist eine Krankheit. Ich weiß auch, wenn er nicht trinken würde, wären die Problem nicht da. Ich komme mir teils schäbig vor ihn zu anzuprangern, aber er zerstört mit seinem aggro Verhalten einfach alles.

    Familiär auf seiner Seite gibts da keinen Rückhalt. Die trinken selber gerne täglich, werden aber nicht ausfällig.
    Meinerseits will sich keiner einmischen und die Meinung dazu sagen.

    Ich bin mal gespannt, wie ihr das alle seht. Tut gut, mal alles von der Seele zu schreiben.

  • Hallo Lenethu,

    willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe!

    Leider ist es so, dass sich viele Geschichten der Angehörigen bei uns im Forum ähneln. Aber das Gute daran ist daß du dich mit vielen Betroffenen austauschen kannst. Auf Dauer kann man so ein Verhalten das dein Partner an den Tag legt nicht tolerieren bzw. es ist irgendwann nicht mehr zu ertragen.

    Und es ist so, dass nur der Alkoholkranke die Sucht stoppen kann. Du kannst im Grunde nichts tun, nur dafür sorgen, dass es Dir besser geht.

    Für den Austausch mit den anderen Teilnehmern klicke den folgenden Link an:

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Anklicken und kurz etwas dazu schreiben.

    Wir werden Dich dann freischalten und Dein Thema in "Erste Schritte für Angehörige" verschieben.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Aurora 4. April 2026 um 11:18

    Hat den Titel des Themas von „Hallo in die Runde“ zu „Lenethu - Hallo in die Runde“ geändert.
  • Hallo Lenethu,

    herzlich willkommen.

    Ich hab dich freigeschaltet und du kannst dich jetzt hier überall austauschen. Bitte schreibe aber die ersten 4 Wochen nicht im Vorstellungsbereich bei den neuen Usern, die noch nicht freigeschaltet sind. Nicknamen sind dort noch rot.

    Ja, es tut gut, wenn man sich alles von der Seele schreiben kann. Vor allem in einer Selbsthilfegruppe wie hier in unserer Co-Gruppe, in der wir alle mehr oder weniger ähnliche Erfahrungen ( gemacht) haben. Ich bin seit 2007 hier und weiß aber noch sehr gut wie erleichtert ich war. Weil die Leute wussten, wovon ich schreibe.

    Im eigenen realen Umfeld ist es sehr oft schwierig, auf Verständnis zu stoßen, wie du ja selbst schreibst.

    Sucht ist eine Erkrankung, das stimmt. Aber anders als bei anderen Erkrankungen kann der Betroffene sich selbst helfen. Wenn er will. Du hast da ja eigene Erfahrungen mit und weißt das.

    Wenn dieser Wunsch Hilfe anzunehmen und was zu verändern nicht aus dem Betroffenen selbst kommt, kann das Umfeld nichts machen. Außer sich ( erfolglos) zu kümmern, sich selbst oft aufzugeben, auf ein eigenes, glückliches Leben verzichten.

    So hab ich es erlebt, deshalb sehe ich deine Trennungsgedanken nicht als schäbig an. Sondern als gesunde Eigenverantwortung.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Hallo Lenethu,

    willkommen.

    Ich kenne diese Gedanken und Gefühle nur zu gut. Als im Oktober 2024 hier aufgeschlagen bin, war ich ungefähr an dem gleichen Punkt.

    Ich habe damals erstmals verstanden, dass ich meinem Mann nicht helfen kann und das ich nur etwas für mich mich ändern und tun kann. Das klang anfangs wie eine Floskel und war keine greifbare Lösung für mich. Dann lernte ich viel über Achtsamkeit und Selbstfürsorge. Ein bis dahin für mich unbekanntes Wort. Ich habe mich wieder achten und lieben gelernt. Ich wurde mir selbst wieder wertvoll und konnte für meine Bedürfnisse eintreten.

    Und dann ist die Lawine von ganz alleine ins Rollen gekommen (für jeden hier nachlesbar). Ich hab meine Grenzen gesetzt, kommuniziert und verteidigt. Ich habe geweint, gewütet und getrauert. Anfangs war die Wunsch nach Einsicht meines Mannes und das unser vermeintlich schönes Leben wieder kommt. Irgendwann dachte ich, dass getrennte Wohnungen die Situation entschärfen würden. Am Ende musste ich einsehen, dass mein Mann sich körperlich und geistig so stark verändert hat, dass er für mich nur noch ein fremdes Scheusal war und ist.

    Heute kämpfe ich immer noch mit meinen Dämonen. Mit dem Unterschied, dass ich sie inzwischen kenne und ihnen gegenüber treten kann. Ich brauche keine Ängste mehr haben und ich schäme mich nicht mehr. Ich spreche offen über mein Leben und das tut mir gut. Viel zu lange habe ich mich isoliert und alles mit mir selbst ausgemacht. Der Weg ist nicht einfach, aber bei mir gab es irgendwann keine andere Option mehr.

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft und einen produktiven Austausch.

    LG ☀️

  • Vielen Dank für eure Nachrichten und eure Anteilnahme.

    Er hat mir jetzt zugesagt, dass er nichts mehr trinken wird. Nicht wegen ihm, sondern wegen mir. Er will mich nicht verlieren und will sich auch nicht trennen von mir. Es fühlt sich nicht richtig an. Ich möchte diese Last eigentlich nicht tragen. Ich würde mir so wünschen, dass er von sich aus aufhören will.

    Die Dinge, die er gesagt hat, schiebe ich komplett auf den Alkohol. Er nicht. Das tut fast noch mehr weh, denn eigentlich ist dann der Alkohol für mich die "Ausrede". Vielleicht ist er aber einfach auch so (gehässig, beleidigend, demütigend). Wir haben alle so unsere Dämonen in uns. Es würde mir soviel leichter fallen, wenn er auch den Alkohol dafür verantwortlich macht.

    Er ist heute am 2. Tag ohne Alkohol, eigentlich schon fast der dritte den zuletzt hatte er nur ein kleines Bier getrunken. Die Laune ist unterirdisch, er blockt total ab und lässt mich keinen Millimeter an sich ran. Ich frage mich, was in dieser Situation eigentlich besser ist. Immer wieder eintreten und fragen, wie es ihm geht. Zeigen, das man da ist. Oder einfach in Ruhe lassen und gegenebenfalls mehrere Tage ohne ein Wort zu reden vergehen lassen.

    Dieser Eiertanz ist für mich Stress pur. Ich bin zuhause, sollte mich hier eigentlich wohl fühlen und kann kaum abschalten. Die Gedanken kreisen nur um dieses eine Thema. Sollte ich vielleicht doch locker lassen und einfach abwarten, was passiert?

    Für nächste Woche ist Urlaub geplant, gebucht und bezahlt. Aktuell habe ich so gar keine Lust mit ihm wohin zu fliegen. Üblicherweise gehts nämlich am Flughafen schon los mit dem ersten Bier, im Flieger dann nochmal und so weiter und so fort. BIs jetzt habe ich da auch immer mitgemacht, weil ich ja auch Urlaub habe. Nach wenigen Tagen wird er mir dann zuviel und ich gehe einen Gang runter. Er macht weiter und wir driften auseinander. Am Ende eines jeden Urlaubs in den letzten Jahren - und wir fahren ziemlich viel und gerne weg - eskaliert es dann und wir streiten, spätestens am 1.Tag zuhause. Ich habe mir immer eingeredet, dass es am Urlaub an sich liegt. Den plane ich, er mag das nicht. Und ich hatte so den Gedanken, dass ihm dieses Kontrolle abgeben und mich die Führung übernehmen lassen, dann auf den Keks geht. Ist es vielleicht eher der Konsum in dieser Zeit?

    Ich hinterfrage gerade so vieles und möchte gern an allem den Alkohol schuld geben. Es gäbe so vieles, wo es auch heutiger Sicht passen würde. Wo wir wegen allem möglichen immer wieder gestritten haben und mir damals nicht aufgefallen ist, dass er vielleicht schon wieder einige Zeit hintereinander zuviel konsumiert hat. Kennt ihr das?

    Ich wünsche euch allen einen schönen Ostermontag - macht was draus für euch :*

  • Hallo Lenethu,

    Herzlich Willkommen auch von mir.

    Es fühlt sich nicht richtig an.

    Es ist auch nicht richtig, da kannst du deinen Wahrnehmungen vertrauen.

    Er will mich nicht verlieren und will sich auch nicht trennen von mir.

    Damit übergibt er dir die Verantwortung, die du aber nicht hast. Mit dieser Einstellung zeigt er, dass er keinerlei Krankheitseinsicht hat. Solche Versprechungen habe ich auch gehört, sie haben keinerlei Wert und Verlässlichkeit.

    Er ist heute am 2. Tag ohne Alkohol, eigentlich schon fast der dritte

    Dann ist er mitten in einem kalten Entzug, und der kann lebensgefährlich werden, vorausgesetzt er trinkt wirklich nichts. Darauf würde ich mich nämlich auch nicht verlassen. Nasse Alkoholiker tun sehr oft alles, um nichts ändern zu müssen.

    Ich hinterfrage gerade so vieles und möchte gern an allem den Alkohol schuld geben.

    Warum möchtest du das? Warum brauchst du für dich einen Schuldigen? Viele Ehen scheitern, aus ganz andere Gründen.
    Hast du eine Idee, was du für dich tun kannst, damit es dir besser geht? Wichtig ist für dich, deinen Wahrnehmungen zu vertrauen.

    lg Morgenrot

    Wer nicht hofft, wird nie dem Unverhofften begegnen. ( Julio Cortazar )

  • Guten Morgen Lenethu,

    ich schließe mich Morgenrot an. Du darfst deiner Wahrnehmung trauen. Das ist nicht ernst gemeint und wird zu nichts führen. Sowas habe ich mir auch anhören dürfen und hat immer wieder Hoffnung in mir geweckt.

    Ich frage mich, was in dieser Situation eigentlich besser ist. Immer wieder eintreten und fragen, wie es ihm geht. Zeigen, das man da ist.

    Auf keinen Fall. So ein Verhalten hat mich in der Spirale gehalten. Eine Versprechung, eine Handlung und schon keimt ein Hoffnungsschimmer und ich habe mir alle Gliedmaßen ausgerissen, um zu helfen.

    Dieser Eiertanz ist für mich Stress pur. Ich bin zuhause, sollte mich hier eigentlich wohl fühlen und kann kaum abschalten. Die Gedanken kreisen nur um dieses eine Thema.

    Das ist es. Stress pur. Ich war irgendwann nicht mehr bereit so zu leben. Ich wollte nicht mehr hoffen, bangen und leiden. Mir war es irgendwann egal ob er trinkt oder nicht, ob er sich Hilfe sucht oder sonst was tut. Ich habe angefangen wieder für mich und meine Kinder zu leben und nicht für ihn und seine Sucht. Gib ihm seine Verantwortung zurück.

    Wenn du glaubst, der Urlaub könnte dir etwas gutes bringen, dann mach ihn. Ansonsten würde ich den absagen oder verfallen lassen. Warum willst du freiwillig Lebenszeit mit unschönen Momenten verschwenden?

    LG ☀️

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