Beiträge von kleinekatze1234

    "Schöpfe Kraft aus diesem Stolz und dem Wissen , statt aus der Wut.

    Denn Wut kostet auch Energie." Danke @ MaibisJuni. Es stimmt, ich fühle mich müde. Danke für die andere Perspektive.


    Linde66 ich habe schon ein paar Einträge von dir gelesen und kenne bißchen deine Geschichte. Danke dass du mir die guten links geschickt hast. Ich glaube mich erinnern zu können, dass du auch für mehrere Jahre keinen Kontakt zu deinen Eltern hattest. Es ist heilsam von anderen EKA zu lesen. Denn in meiner Kindheit hatten meine Freundinnen alle intakte Familien. Manchmal frage ich mich, ob die anderen Eltern nichts mitbekommen wollten.... aber was hätte es geändert. Die Verantwortung lag bei meinen Eltern und nicht bei den Eltern meiner Freundinnen. Auch hier war Scham immer ein großes Thema. Selbst jetzt werden meine Freundinnen von ihren Vätern unterstützt durch verschiedene Aspekte. Das hab ich nicht. Geht es dir da genauso? Ich wollte mal eine Kindheitsfreundin fragen was ihr Eindruck damals war und ob ihre Eltern das wussten. Aber ich traue mich nicht.

    Danke für eure Antworten.

    Ja, ich muss auf mich achten und darauf, die wichtigen Dinge im Leben nicht zu vernachlässigen – wie Essen, Trinken und schöne Erlebnisse. Während der Zeit, in der ich Kontakt mit meinem Vater hatte, habe ich einige Kilos abgenommen, kaum etwas getrunken und war gedanklich fast nur bei ihm.

    Mein Körper hat mir jedoch klare Warnsignale gegeben, und auch mein Mann hat mich darauf hingewiesen, besser auf mich aufzupassen. Am Ende habe ich der Vernunft nachgegeben und den Kontakt erneut abgebrochen.

    Damals, als junges Mädchen, aus der Beziehung zu meinem Vater herauszukommen, war sehr schwer.

    Ich weiß nicht mehr genau, wie ich es geschafft habe, aber es gab ein Schlüsselerlebnis: Er hatte am Telefon meine noch kleinen Kinder beleidigt. Das wollte ich ihnen nicht antun. Mein älteres Kind weiß, dass sein Großvater Alkoholiker ist, aber sie hatten nie wirklich Kontakt, weil sich mein Vater nie für ihn interessiert hat – und ich das auch nicht wollte. Ich wollte keine Beziehung zwischen ihnen.

    Ich bin früh (20) Mutter geworden, was mir mein Vater immer zum Vorwurf gemacht hat. Es gab viele Aufs und Abs in meinem Leben. Vor meinem Mann war ich in einer Beziehung mit einem gewalttätigen Mann, die zwei Jahre andauerte, bis ich erkannte: „Moment mal, er ist wie mein Vater.“ Es war nicht leicht, diese Beziehung zu beenden, aber ich habe es geschafft.

    Zum Glück habe ich bei der Wahl meines jetzigen Partners besser auf mich geachtet und meinen Mann kennengelernt.

    Dieses Gefühl der Ungerechtigkeit – kennt ihr das als Erwachsene Kinder von Alkoholikern (EKA)?

    Warum hat es uns getroffen? Warum hatten meine Freunde tolle Familien, während meine so turbulent war? Am meisten hadere ich damit, dass mein Vater nie Interesse an mir gezeigt hat. Alles musste sich immer nur um ihn drehen. Er hat sogar einmal meinen Geburtstag vergessen.

    Er war gewalttätig und hat mir viel angetan. Ich habe oft das Gefühl, dass Kinder von Alkoholikern ihr ganzes Leben darunter leiden – vielleicht nicht immer, aber immer wieder. Ich selbst bin ein ängstlicher Mensch, wahrscheinlich überfürsorglich bei meinen Kindern, und führe meine inneren Kämpfe.

    Als junges Mädchen war ich in einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von Alkoholikern. Es war okay, aber ich hätte mir mehr Austausch mit anderen EKAs gewünscht – denn die Situation von Ehepartnern ist eine andere. Ich wurde in diese Rolle hineingeboren, ich hatte keine Wahl. Es fühlt sich manchmal an wie ein Schicksal.

    Eine wichtige Erkenntnis hat mir jedoch sehr geholfen.

    In der Selbsthilfegruppe sagte eine Therapeutin – selbst ein EKA – zu mir, ich solle mir meinen Vater so vorstellen, wie ich ihn mir gewünscht hätte, und ihn in dieser idealisierten Form in Erinnerung behalten. Das versuche ich oft. Ich stelle mir einen liebevollen Vater vor, der mich unterstützt, der Interesse an mir und meiner Familie zeigt, der gebildet ist und mich liebt.

    Ich denke, er liebt mich auf seine Weise – denn das liegt in der Natur der Dinge. Aber diese Liebe kommt nicht bei mir an.

    Der letzte Besuch bei ihm im Krankenhaus hat mir sehr wehgetan.

    Sein körperlicher Verfall war erschreckend: keine Zähne mehr, ein geschrumpfter Körper, und er sprach nur wirres Zeug. Doch am meisten schmerzte, dass er kein einziges Mal gefragt hat, wie es mir oder uns in den letzten Jahren ergangen ist. Er wollte nichts wissen über mein Studium, meinen Mann oder meine Kinder. Er hat sich nie für mich interessiert.

    Mein Studium war für mich auch eine Art Abgrenzung.

    Ich wollte mir beweisen, dass ich nicht wie er bin. Ich habe eine Geisteswissenschaft studiert, was neben meinem Interesse für das Fach auch eine Motivation war, anders zu sein. Alkohol trinke ich nur selten – an Feiertagen oder Geburtstagen vielleicht mal ein Glas Sekt. Es gab sogar Phasen, in denen ich gar nichts getrunken habe.

    Ich habe Angst, eine schlechte Mutter zu sein oder in den Alkohol abzurutschen. Das möchte ich meinen Kindern niemals antun.

    In den letzten Jahren war es ruhig um meinen Vater.

    Nur an Weihnachten oder seinem Geburtstag habe ich kurz an ihn gedacht. Ich vermute, dass es ähnlich sein wird, wenn er einmal gestorben ist – dann werde ich endlich Ruhe verspüren. Ich bin sogar soweit, dass ich im jetzigen Stand, nicht zu seiner Beerdigung gehen möchte.

    Hallo,

    ich lese schon länger hier mit, und es hilft mir sehr zu sehen, dass es anderen ähnlich geht wie mir. Jetzt möchte ich auch meine Geschichte teilen.

    Ich bin mittleren Alters und ein erwachsenes Kind aus einer alkoholkranken Familie (EKA). Mein Vater war ein gewalttätiger Alkoholiker, und ich bin überzeugt, dass er eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hatte. Meine Kindheit war geprägt von Gewalt, Chaos und Vernachlässigung. Ich musste früh selbstständig werden – ich erinnere mich, wie ich in der vierten Klasse schon allein zum Arzt ging, weil sich zu Hause alles nur um meinen Vater drehte. Meine Mutter war co-abhängig und hat den Haushalt allein geschmissen: gekocht, geputzt, gearbeitet. Wenn er trank, gab es immer Streit. Er schrie, beleidigte, schlug meine Mutter, spuckte ihr ins Gesicht – es war schrecklich. Ich musste mehrmals die Polizei rufen, als Hauptschülerin, weil er meine Mutter nicht in Ruhe ließ.

    Der Höhepunkt war die Scheidung meiner Eltern, als ich gerade volljährig wurde. Zu dieser Zeit eskalierte sein Alkoholmissbrauch: Er verlor den Führerschein, das Erbe meiner Großeltern, seinen Job. Er machte mir Vorwürfe, dass ich die Scheidung nicht verhindert hätte, und terrorisierte mich mit Lügen, wie dass er Leukämie hätte. Ich habe damals sein Erbrochenes weggewischt, ihm Geld geliehen und ihm zugehört, obwohl er mich zutiefst traumatisiert hat. Irgendwann habe ich den Kontakt abgebrochen – und das war meine Rettung.

    Nach diesem Bruch konnte ich mein Leben ordnen. Ich habe eine liebevolle Familie gegründet. Mein Mann ist einfühlsam und gewaltfrei, und wir haben wundervolle Kinder. Sie kennen ihren Großvater nicht. Ich habe nach einigen Hürden eine Ausbildung und ein Studium abgeschlossen, arbeite in einer guten Position und habe stabile Freundschaften. Ich führe heute ein Leben, das ich mir früher nicht hätte vorstellen können. Natürlich gab es Momente, in denen ich an meinen Vater dachte, aber ich konnte mich emotional distanzieren. Ich wusste: Seine Entscheidungen, zu trinken und gewalttätig zu sein, waren nicht meine Verantwortung.

    Doch im Oktober kam ein Anruf, der alles durcheinanderbrachte. Mein Vater hat Leberzirrhose im Endstadium, ihm bleiben nur noch Wochen oder Tage. Das hat mich tief getroffen. Ich war plötzlich wieder das kleine Kind und habe ihn angerufen. Meine Mutter, die ihn all die Jahre auch nicht gesehen hatte, meinte, er sei ein neuer Mensch. Ich wollte es selbst herausfinden. Am Telefon klang er tatsächlich anders – alt, gebrechlich. Ich dachte, vielleicht könnte doch noch alles gut werden. Ich malte mir aus, wie wir die verlorene Zeit nachholen könnten.

    Als wir uns im Krankenhaus trafen, wurde mir klar, wie falsch ich lag. Er war nicht wirklich verändert. Er sprach nur von sich, seiner Jugend, anderen Alkoholikern. Kein Interesse an meinem Leben, meinen Erfolgen oder meiner Familie. Es war, als würde er gar nicht wahrnehmen, wer ich bin. Nach diesem Besuch war ich völlig erschöpft und brauchte Wochen, um mich wieder zu stabilisieren. Ich habe den Kontakt erneut abgebrochen. Er lebt jetzt in einem Pflegeheim, und ich warte darauf, dass er stirbt.

    Dieses Warten ist zermürbend. Ich fühle Traurigkeit und Schuldgefühle, weil ich ihn wieder allein gelassen habe. Gleichzeitig weiß ich, dass der Kontakt mir nicht guttut – mein Körper zeigt mir das deutlich. Wenn ich wütend bin, geht es mir besser. Die Wut gibt mir Kraft, mich auf mein Leben und meine Familie zu konzentrieren. Aber wenn die Traurigkeit kommt, fühle ich mich verloren.

    Ich schreibe das hier, um meine Gedanken zu ordnen und vielleicht Zuspruch zu bekommen. Ist es okay, ihn allein sterben zu lassen? Meine Mutter besucht ihn ab und zu, aber ich habe ihr klar gesagt, dass ich keine Informationen über ihn möchte. Keine Nachrichten sind gute Nachrichten. Ich will erst nach seinem Tod erfahren, dass es vorbei ist.

    Die Erinnerungen an meinen Vater sind überwiegend negativ. Ja, es gab einzelne Momente, in denen er nett war – er hat mich einmal ins Kino mitgenommen oder von einer Ferienfreizeit abgeholt. Aber die Gewalt, die Erniedrigungen, das Trauma – das kann ich nicht verzeihen.

    Ich dachte immer, alle Alkoholiker seien aggressiv, aber durch dieses Forum habe ich gelesen, dass es auch anders sein kann?

    Das verstärkt mich in meiner Entscheidung, keinen Kontakt mehr zu haben. Auch wenn es weh tut.

    Mit meiner Mutter habe ich mittlerweile ein gutes Verhältnis. Sie ist eine gute Großmutter und eine liebevolle Mutter. Ich hab ihr verziehen und kann so einiges jetzt besser nachvollziehen...

    Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, meinen Kindern so etwas anzutun, wie mein Vater und meine Co abhängige Mutter es mir angetan haben. Ich habe das Gefühl, doppelt so viel leisten zu müssen um stabil leben zu können.

    Ich habe über zehn Jahre den Kontakt abgebrochen und nun, nach dem Treffen in der Klinik, ist der Kontakt wieder seit Oktober von mir eingestellt.

    Ich erwische mich immer wieder dabei zu denken, dass die Tatsache der Gewalt unter Alkoholeinfluss für mich nicht akzeptabel ist. Ich habe ihm verziehen, aber ich kann es nicht vergessen.