Beiträge von sansl

    Hallo, ich habe die letzten Monate viel für mich getan und versuche an meinem Mindset zu arbeiten. Ich habe das Glück bald mit einer Therapie starten zu dürfen. Hab mir psychologische Hilfe gesucht. Manchmal packt es einen plötzlich und man macht einen entscheidenden Schritt...

    Meinen Vater besuche ich derzeit sporadisch. Mir ist oft nicht danach. Möchte den Geruch der Wohnung gar nicht in der Nase haben. Wenn ich ihn besuche dann wirkt er meistens traurig, friedlich und teilnahmslos, irgendwie eine Mischung daraus. Alles ist unverändert. Als würde die Zeit für ihn still stehen. Meine Wut auf ihn wird immer weniger, seit ich ihn wieder sehe. Viel zu traurig ist der Anblick. Auf meine Großmutter jedoch um so größer. Wie sie dieses dahinvegetieren pflegt und aufrecht erhält und meinen Vater zu ihrem Lebensmittelpunkt macht nervt mich ungemein. Dabei ist das eigentlich genauso traurig.

    Ich will so gerne einfach glücklich sein. Aber die Auseinandersetzungen der letzten Jahre und wie sich dieser Familienteil damals gegen mich wendete, das verfolgt mich bis heute. Dieses ständige innere hin und her zwischen dem betteln nach Anerkennung und Liebe und der Verachtung und dem Unverständnis ist meine größte Belastung, denke ich momentan.

    So, jetzt bin ich wieder "auf Kurs" um meinen Faden ein bisschen zu pflegen. Der Dezember ist ja immer ein sehr emotionaler Monat und ich musste mich die letzten Wochen oft sammeln um nicht wieder in einen Wutstrudel zu gelangen. Es hat sich herausgestellt, dass die Blutwerte meines Vaters für jahrzehnte langes saufen gar nicht so schlecht sind... ich habe also eine Woche gebangt, dass mein Vater zeitnah sterben wird, nur im letztendlich zu erfahren, dass mein Vater sterben wird, aber eben nicht zeitnah (oder doch?) und eben nicht an einer Leberzirrhose (oder doch?).

    Nun ist die ganze Situation wieder eine tickende Zeitbombe und ich hoffe ehrlich gesagt, dass ich nicht der jemand bin, der ihn irgendwann findet.

    Unser Verhältnis ist aktuell nicht schlecht... ich bin arbeitsbedingt oft in der Nähe und besuche ihn momentan ca. 1x die Woche. Ich bin eines der glücklichere EKAs, denn mein Vater war im Grunde immer ein liebenswürdiger Mensch und manchmal ist da noch ein kleines Licht seiner Persönlichkeit von früher doch immer mit einer riesigen schweren Wolke drumherum. Es ist schwer für mich nachzuvollziehen, das jemand keinen anderen Ausweg mehr anstrebt.

    Ein kleiner Lichtblick ist die erhaltene Pflegestufe. Bringt jedoch auf dauer voraussichtlich wenig, da mein Vater sich jetzt doch nicht pflegen lassen will und erst recht nicht von irgendeiner fremden Person. Da muss ich mich wieder etwas besser zurückhalten und das ganze akzeptieren wie es ist.

    Ich habe die letzten Wochen viel gelesen hier im Forum und habe mich gedanklich so sehr in die alkoholabhänigkeit meines Vaters verstrickt, dass es nicht mehr gesund für mich war. Aber ich bin wirklich stolz auf mich, dass ich mich u. a. mit diesem Forum doch ein ganzes Stück weiterentwickeln konnte, insbesondere im Vergleich zu meinen Gedankengängen vor und während des Kontaktabbruchs.

    Jetzt bin ich erstmal wieder einen Schwall los! :)

    Hallo Stephie,

    Es tut mir Leid, dass du nun über einen so langen Zeitraum so viel mit deinem Vater durchmachst!

    Ich kann dir erzählen, dass ich aktuell einen "Mittelweg" gehe, denn mein Vater ist ebenfalls alkoholabhänig und an einen Punkt gelangt, an dem es für ihn lebend höchstwahrscheinlich keinen Weg mehr aus der Sucht geben wird. Mein Vater und ich hatten zuvor einige Jahre keinen Kontakt und das tat mir gut.

    Ich habe allerdings den Eindruck, dass du aktuell so unter der Situation leidest, dass ein Kontaktabbruch (zu ersteinmal) besser wäre. Ich bin auch der Meinung, da man ja als EKA einem ständigem Gefühlschaos und Gedankenkarusell ausgesetzt ist, sollte man sich stets die Möglichkeit offen halten, den Kontakt immer kurzfristig abbrechen zu können.

    Wenn dich das alles zu sehr mitnimmt, rate ich dir professionelle Hilfe auch außerhalb dieses Forums zu suchen.

    Hallo Sare, ja da hast du recht. Ich würde mich auch zurückziehen. Allerdings habe ich schon seit ein paar Tagen das mulmige Gefühl, es wird bald etwas Unschönes passieren und ich möchte auf dem Laufenden bleiben. Vielleicht auch Einbildung... es ändert sich aktuell ja auch täglich etwas (inkl. meiner Gefühlslage). Heute war ein Arzt vor Ort und hat eine erste Begutachtung meines Vaters durchgeführt und mit ihm einfach ein wenig über seine Beschwerden und Gefühlslage gesprochen. Im Anschluss sprach der Arzt noch einmal mit mir alleine. Es wurde der Verdacht einer Leberzirrhose geäußert. Nächste Woche wird Blut abgenommen, aber es wurde schon heute eine Palliativmedizin angesprochen und auch die Möglichkeit in ein Hospiz zu gehen. Ich bin jetzt doch ziemlich fertig und weiß gar nicht mehr was ich denken soll und muss das erstmal sacken lassen. Ich denke momentan, dass ich meinen Vater schon begleiten sollte...

    Danke für die Antwort Lara,

    Ein Pflegegrad wäre schon mal eine große Hilfe. Beim Pflegeheim wird sich auch meine Großmutter querstellen... keine Ahnung wieso, aber sie ist der Meinung in seiner vernachlässigten Wohnung geht's ihm am Besten.

    Mein Vater hat nun nach Jahren auch plötzlich eingewilligt sich von einem Arzt behandeln zu lassen. Es ist ja immer ein hin und her aber ich habe den Eindruck er wird plötzlich etwas kooperativer (?)

    Ein aktueller Standpunkt über seine Gesundheit würde mich jedenfalls etwas beruhigen, da die Pflegegutachterin und eine Pflegeberatungsstelle mich auch schon mal auf das Korsakowsyndrom aufmerksam gemacht haben... Andererseits ist es ja auch egal, er hört ja nicht auf zu trinken und damit wäre eine Behandlung ja eh nicht möglich. Ich denke die unvorhersehbare Situation belastet mich am meisten, dass mein Vater sich zu Grunde säuft habe ich mittlerweile wohl akzeptiert. Dass ich so denke finde ich allerdings sehr traurig.

    Ich möchte einfach mal den aktuellen Stand mitteilen in Sachen Pflegeantrag. Heute war jemand im Haus um den Pflegegrad meines Vaters zu ermitteln. Die Person hat hauptsächlich mit mir alleine gesprochen und vorläufig mitgeteilt, dass in der aktuellen Situation meines Vater eher eine Vollzeitpflege oder ein Pflegeheim in Betracht kommt... Ich habe später versucht mit meinem Vater sachlich über die Situation zu sprechen, aber er hat seinen Zustand als völlig normal abgetan. Nur das Pflegeheim entlocktem ihm ein paar Emotionen, da wolle er auf keinen Fall hin. Nun bin ich mal gespannt was im Gutachten stehen wird und wie das ganze dann vonstatten gehen soll. Außerdem hat er Post über die Nachprüfung seiner Berufsunfähigkeit bekommen. Ich fürchte das gibt noch Schwierigkeiten, denn die meisten Fragen (z. B. welche Ärzte behandeln Sie, welches Maßnahmen beabstichtigen Sie noch in Richtung Berufsfindung) kann ich schon nicht zufriedenstellend beantworten. Ich hab das blöde Gefühl der Rattenschwanz wird eher länger statt kürzer.

    Ich habe den Kontakt aus mehreren Gründen wieder aufgenommen, für dich interessant ist vielleicht zum Einen: ich wollte, sollte mein Vater sterben, nicht im Streit mit ihm auseinander gehen. Außerdem habe ich eine kleine Tochter bekommen und die wollte ich ihm vorstellen.

    Insgeheim habe ich natürlich gehofft, ich könnte ihm damit etwas Aufschwung geben. Aber es hat sich nichts geändert.

    Dir ist schon aufgefallen, dass auch ich noch einen weiten Weg vor mir habe. Und beim Lesen in diesem Forum habe ich bemerkt, dass er sogar noch etwas weiter ist als ich mir eingestehen wollte.

    Schritt für Schritt in die richtige Richtung...

    Das lag mir auch auf der Zunge... da reichen auch schon 99% Gefühlschaos statt 100%.

    So... ich lege mir jetzt ein 6-Minuten-Tagebuch zu

    Liebe Grüße!

    Hallo Lara, ich bin neu hier und habe mir deine Geschichte durchgelesen, weil ich mit meinem Vater gerade ähnliche Erfahrungen mache... zu meinem "Glück" kontaktiert mich mein Vater jedoch nie von sich aus. Den Gedanken seinen Tod manchmal als Befreiung zu sehen kenne ich auch und es ist ein sehr erschreckendes Gefühl. Aber im Grunde wünscht man sich ja eigentlich nur ein Ende in welcher Hinsicht auch immer und ist (noch) nicht in der Lage dieses Ende selbst herbeizuführen, sprich selbst aus dem Hamsterrad auszusteigen. Ich finde du solltest dir, wenn du es gerade selbst nicht schaffst, beim E-Mail- und Nummern-Wechsel etc. helfen lassen, damit du noch ein Stück aus der Situation raus kommst und mehr Ruhe hast. Vielleicht kann dein Partner das für dich übernehmen?

    Vergiss nicht, dass auch Du nur ein Leben hast! Dein Vater entscheidet sich jeden Tag, sein Leben auf diese Art und Weise zu gestalten, nicht Du!

    Mein Partner leidet auch sehr unter dem Alkoholikerdasein meines Vaters. Es gibt für ihn keinen positiven Bezug zu ihm, er kennt ihn nur als Alkoholiker und damit auch nur seine "schlechte Seite" und mein und damit auch sein Leiden darunter. Ich finde es wichtig in schweren Zeiten auch meinem Partner viel Wertschätzung entgegen zu bringen und wenn dafür die Kraft nicht reicht zumindest meine Gedanken offen mit ihm zu teilen. Ich kann da jetzt nur aus meiner Sicht sprechen aber jemanden an seiner Seite zu haben, der einem Halt gibt und Unterstützung und dieses ganze Wirrwarr aus Liebe mitmacht, den sollte man halten. Dein Vater ist in einer anderen Welt gefangen, aber das kannst du nicht ändern. Zieh' die Menschen, die dich lieben und sich um dich sorgen deinem Vater vor. Und an aller erster Stelle stehst Du!

    Finde das 6 Minuten Tagebuch übrigens eine tolle Idee!

    - Stimmt, Whitewolf. Ich kann es auch bis zu einem gewissen Punkt verstehen. Aber spätestens jetzt wo ihr Sohn sich ganz offensichtlich tottrinkt... und mein Vater ist (zumindest noch auf dem Papier) selbstständig, sein lokales Umfeld, hat mitbekommen wie es um ihn steht. Also das unter dem Deckel halten fällt auch weg. Ich verstehe nicht warum sie diesen Zustand unterstützt und auch bewusst aufrecht hält. Sie betont zum Beispiel jedes Mal, wenn der Pflegeantrag Thema ist, mein Vater darf auf keinen Fall in ein Heim, das wäre sein Tod!

    Und dann würde ich sie am liebsten schütteln und sagen, dass der aktuelle Zustand sein Tod sein wird, durch ihre Unterstützung.

    Kann es ab diesem Punkt noch eine Wendung geben?

    Vielen Dank Elly,

    nun mein Vater hat natürlich nicht immer so gehaust... das tut er erst seit etwa 3 Jahren. Er war jahrzehntelang ein funktionierender Alkoholiker. Ich habe erst mit etwa 14 Jahren bemerkt, dass er offenbar ein Problem hat und als ich etwa 18 Jahre alt war, dass er Alkoholiker sein muss. Nun bin ich fast 30 und sein totaler Absturz bis zum aktuellen Stand zog sich sechs Jahre. Nach einem halben Leben heimlichen trinkens krachte es richtig. Er lief besoffen durch den Ort um sich Alkohol zu besorgen, drohte damit sich umzubringen, ich brachte ihn sogar einmal in die Geschlossene zum Entzug, seine Lebensgefährtin trennte sich, ehemalige Freunde versuchten zu helfen und wendeten sich ab, falsche kamen hinzu usw.

    Ich wohnte damals eine Wohnung über Ihm. Schließlich hielten wir es nicht mehr aus und zogen aus. Das letzte was ich zu ihm brüllte war: "LASS MICH IN RUHE UND GEH WEITER SAUFEN!" so laut, dass ich meine eigene Stimmte nicht mehr erkannte. Meine Großeltern sagten damals zu mir:"Man haut nicht gleich ab, wenn's in der Familie mal ein bisschen schwierig ist." - Als mein Opa vor zwei Jahren starb, hatten wir Funkstille. Ich hatte den Kontakt abgebrochen. Das tut mir heute noch weh.

    Naja und "müssen" tue ich gar nichts... ich habe das momentan so für mich beschlossen. Im Moment habe ich die Kraft dazu... und egal was mit meinem Vater geschieht, die Organisation im Anschluss wird an mir hängen bleiben. Seine vernachlässigte Firma, seine vernachlässigte Wohnung. Ich brauche glaube ich die Kontrolle bevor der große Knall kommt. Aber gut dass du nochmal betonst, dass ich zu nichts verpflichtet bin. Das sollte ich nicht vergessen!

    Ich hoffe einfach, dass mit einem Pflegegrad wieder etwas Licht in seine Höhle kommt. Ich weiß, dass es sehr unwahrscheinlich ist. Aber wenn man gewaschen und angezogen in einer sauberen Wohnung sitzen würde... naja beim schreiben merke ich gerade schon selbst, dass mein Vater dann nicht beschließen wird ein neues Leben zu beginnen. :roll:

    Hallo zusammen, vielen Dank schon einmal für die lieben Wort.

    Alex, es tut mir Leid, dass du deinen Vater so verlieren musstest. Ich frage mich, ob du bis zum Ende noch Kontakt zu ihm hattest?

    Ich habe mittlerweile einen Pflegegrad für meinen Vater beantragt. Unsere Beziehung hat die letzten Jahre sehr gelitten und auch ich habe mich sehr von meinem Vater entfernt... er ist ja auch ein ganz anderer Mensch geworden. Meine Großmutter kümmert sich um ihn und ich befürchte sie versucht mich dahin zu bringen, dass ich mich demnächst um ihn kümmere, wenn sie mal nicht mehr kann. Mein Vater geht auf die 60 zu. Ich behaupte meine Großmutter ist Co-Abhängig. Für sie ist das Wichtigste, dass mein Vater versorgt ist und sein Dasein so weiterführen kann, wie gehabt. Ich versuche mich da irgendwie durchzuschlängeln... ich kann meinen Vater ja schlecht "verrecken" lassen, sowie er jetzt lebt. Aber seinen Alkohol und seine Zigaretten werde ich ihm nicht besorgen. Ich bin das einzige Kind meines Vaters und er das einzige Kind meiner Oma. Ich bin oft missgünstig, da mein Vater alles hatte, was man für ein glückliches Leben braucht. Die Alkoholsucht als Krankheit zu verstehen fällt mir sehr schwer, obwohl ja klar ist, dass sich niemand als Ziel setzt sein Leben zu versaufen.

    Hallo,

    ich habe einen alkoholabhängigen Vater, der sich mittlerweile in der sogenannten "chronischen Phase" befindet. Er verwahrlost in seiner Wohnung, schläft, schaut fern oder vegetiert vor sich hin, wäscht sich nicht mehr und verrichtet seine Geschäfte in diversen Eimern, da er nicht mehr laufen kann... Ich habe ihn dieses Jahr nach vier Jahren Funkstille wieder gesehen und werde ihm aus vielerlei Gründen nun wieder häufiger begegnen. Aus diesem Grund habe ich mich entschieden mich in diesem Forum anzumelden und mir vielleicht ab und zu etwas von der Seele zu schreiben und die Geschichten anderer Angehöriger zu lesen und eventuell auch mal einen hilfreichen Rat abzugeben oder meine eigene Sicht der Dinge nochmal zu überdenken.

    Ich habe den Eindruck mein Vater wird sein Leben nicht mehr in eine positive Richtung lenken. Während ich schreibe schmerzt mir der Bauch und Tränen steigen mir in die Augen. Sicher können sich fast alle Kinder von Alkoholikern mit dem Gefühlschaos identifizieren: Ein Durcheinander von Hass, Trauer, Selbstmitleid, sich wünschen dass es endlich vorbei ist und sich dann fragen ob es noch eine Chance gibt und wie schön dann alles sein könnte etc.

    Nun schlage ich einen Weg ein, der mit viel Arbeit an mir selbst verbunden ist.

    Frei nach Aristoteles: Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.