Guten Morgen, liebe Leute!
Danke erstmal für die Glückwünsche und das aufmunternde Feedback. Wie ich oben schon geschrieben habe, so verlief das vorangegangene Jahr quasi "im Nebenher", weil ich die meiste Zeit doch so beschäftigt war, mir (fast alles) neu aufzubauen, dass das Zählen der Wochen und Monate der Abstinenz irgendwie - ich sage mal - "unterging". Dies ist übrigens oft bei mir so der Fall, da ich meistens maximale Energie und maximales Engagement in eine Sache stecke, so dass dann für anderes keine Zeit mehr bleibt.
Bei uns hier im Unternehmen (die Branche lassen wir mal weg, der Mitarbeiterstand ist für unsere Region aber nicht gering) sind wir drei Personen, die sozusagen am Steuerrad stehen. Die Gesellschafter selbst gibt es natürlich auch, aber ich meine jetzt operativ: Den/die CEO, den/die CTO und den "Dritten", ja und der bin ich - zuständig für die anderen Dinge, insbesondere auch für den Bereich der HR. Gerade was nun die Personalagenden betrifft, da bekommt man täglich eine Menge mit. Sehr oft nicht gerade schöne Dinge. Ob man will oder nicht, erhält man Einblick ins persönliche Leben von Menschen. Gute wie weniger gute Entwicklungen bis hin zu den schlimmsten. Da meine ich die, wo dann das Leben letztlich zu Ende geht, ging oder ... die dritte Variante kann man sich denken.
Was nun das Thema der "Unzufriedenheit" anbelangt, so spukt dieses Gefühl deshalb immer wieder in mir herum, da ich einerseits (tagtäglich!) sehe, wie andere leben, dann sehe, wie ich lebe - und so grotesk dies auch klingen mag, sofern die anderen ein einigermaßen geregeltes ("normales") Leben führen, denke ich mir immer: Das hast Du nicht geschafft! Mit dem Ergebnis, dass ich mich ständig zu ändern oder auch zu optimieren versuche. Gleichzeitig im Wissen, dass das eh nicht funktioniert.
Früher war es so, dass dann, wenn mal wieder alles zu viel wurde, der Griff zur Flasche / zum Glas anstand. Ob in Gesellschaft oder nicht, war weniger von Relevanz. Für ein paar Stunden waren jedenfalls die Probleme (meine, aber auch die von anderen, die ich "als meine Probleme" zu lösen hatte) weg. Wobei natürlich aufgeschoben nicht aufgehoben bedeutet. Weg war also gar nichts.
Jetzt, wo diese "Auszeit" nicht mehr da ist, stellt sich tatsächlich die Frage, was tun mit der Zeit, die nun vorhanden ist? Die Zeit, die als Ausgleich nötig ist. Diese Thematik wird auch hier im Forum immer wieder angesprochen. Die Lösung muss klarerweise jeder für sich selbst finden, aber leicht ist das nicht. Derzeit ist für mich die beste Möglichkeit, mit dieser Situation umzugehen, mich "müde" zu machen. Sprich: Sport. Täglich, wenn es sich einrichten lässt. Würde ich mich vor allem abends hinsetzen und ein Buch lesen, käme der Gedanke: Früher hast Du dazu ein Glas xxx auf dem Tisch stehen gehabt. Soll jetzt nicht heißen, dass ich nicht lese...
Damit dieser Beitrag nicht zu lange wird, möchte ich noch zwei Kommentare anbringen:
Was mir bei Dir von Anfang an aufgefallen ist, dass Du von dem, was ich von Dir lese beruflich und privat ganz schön auf der Überholspur lebst. Und das meine ich nicht als Angriff. Und Alkohol ist ja auch ein schöner "Treibstoff". Vielleicht liegen hier ja auch die Gründe, dass sich Zufriedenheit bei Dir noch nicht so richtig eingestellt hat?
Kazik : Diese Idee mit dem Treibstoff kam mir so noch nicht. Bei mir war es dann aber eher so, dass der Treibstoff eine Art "Tranquilizer" war, ich könnte auch sagen: ein "Bremser". Aber ja, ich gebe ich dir schon recht, weil durch den Wegfall des Alkohols ist Zeit vorhanden, die ich nutzen möchte, in einer für mich selbst rechtfertigbaren Art. Daher wohl auch meine derzeitige Lebensweise zwischen Beruf, Freizeitbeschäftigung und Ausruhen.
Ja und heute? Ich bin 65 und habe Freunde, keine Trinker, die beachtliche berufliche Karrieren hinter sich haben. Ich bin schwerbehindert und arbeite seit Jahren nichts mehr. Und trotzdem bin oft ich der zufriedenste in dieser Runde. Gut, ich hab auch keine Geldsorgen und wohne in einer guten Gegend und so, aber ich glaube, ich bin im Verhältnis zu meinen eigenen Ansprüchen am mich weiter gekommen, als ich da je vorhatte, und in meinem Freundeskreis haben manche sehr hohe Ansprüche an sich selbst, die sie nie erreichen können. Ausserdem haben da manche so volle Terminkalender, wundert mich überhaupt nicht, dass die unzufrieden sind.
Lebenskuenstler : Ja, das ist auch ein wenig meine Baustelle. Dieses "Vollstopfen" des Tages mit Aktivitäten kann nicht zur Zufriedenheit führen. Vor allem dann, wenn vieles davon berufsbezogen ist. Wie soll das dann in der Rente aussehen? Wobei: Ein paar Jährchen habe ich da ja noch... Gehe daher auch regelmäßig auf sog. "Entschleunigungsseminare", auch über mehrere Tage - mit dem schrägen Ergebnis, dass ich mich dort furchtbar langweile und Pläne mache, was dann zu tun ist (was gemacht werden könnte), wenn diese vorüber sind.
Zum Abschluss:
Eine letzte Episode für heute noch, um zeigen, wie alte (nasse) Gewohnheiten nachwirken, wobei ich das schon fast wieder amüsant finde: Früher, wenn ich in einer anderen Stadt beruflich unterwegs war und abends ausging, notierte ich mir auf einem Zettel, den ich im Hotelzimmer auf den Schreibtisch legte, wo mein Auto stand. Sollte ich es an einen der kommenden Tage vielleicht suchen müssen.
Erst kürzlich war ich wieder dienstlich unterwegs, in einer anderen Region mit recht schwierigen Parkplatzverhältnissen. Nachdem ich endlich einen Parkplatz gefunden hatte, schrieb ich mir tatsächlich wieder einen Zettel fürs Hotelzimmer, wo mein Auto zu finden sei... Für den Fall der Fälle... (aber ohne Umherziehen am Vorabend). Das wurde mir erst jetzt bewusst, wie sich Verhaltensweisen manifestieren...
Naja, jedenfalls wünsche ich noch einen schönen Sonntag. Solange es noch einigermaßen sonnig ist, gehe ich jetzt mal hinaus an die frische Luft.
LG, Stef.