Hallo Ihr,
danke für Eure Antworten, damit fühle ich mich hier schon einmal nicht mehr alleine. Und das ist für mich auch das Tolle an dieser SHG, das ich mich jederzeit hinsetzen kann und etwas schreiben kann, das finde ich sehr wertvoll.
Kurswechsel Ich werde dieses Jahr 59 und ich habe wie geschrieben mein Leben bis hier her so gut ich konnte gelebt. Das heißt, dass ich viele Dinge schon „erlebt“ habe. Mit den Guten und schlechten Seiten.
und Ich hätte mir vielleicht die eine oder andere Sache ersparen können, aber ich bereue nichts. Ich habe keinen Nachholbedarf und mir geht es ähnlich wie Dir, das bin ich nicht mehr. Und das meine ich im Guten. Ich kann mir gut vorstellen und wünsche mir das mein weiterer Weg so wie bei Dir verläuft. Ich habe viele Interessen und auch Projekte, die ich Stück für Stück umsetzen möchte. Und auch wenn das widersprüchlich klingen mag, ich möchte diese Projekte im Kern für mich alleine umsetzen. Denn jetzt trocken möchte ich auch einen für mich gesunden Egoismus entwickeln. Denn ich selbst komme gerne mal zu kurz.
sue05 Du hast recht, das Saufen war mein untauglicher Versuch meine Depressionen und meine vorwiegend negativen Gefühle wegzusaufen. Und dass dieser Versuch untauglich war mir vorher sonnenklar.
Denn, obwohl Alkohol eine starke Droge ist, war das Maximum, was ich mit der Droge erreichen konnte, dass meine Gefühle etwas gedämpft wurden. Das war auch der Grund, warum ich meine Trinkmenge über die ganze Zeit nicht verändert habe. Es gab nur ganz seltene Ausnahmen und auch bei denen habe ich mich nicht komplett abgeschossen. In den letzten Jahre meiner Sauferei war die dämpfende Wirkung fast nicht mehr vorhanden und es ging mir besoffen beschissen. Und nüchtern ging es mir noch beschissener, weil ja jedes Mal die Entzugssymptome hinzukamen, dadurch, dass ich nicht täglich gesoffen habe. Aber das ist jetzt Geschichte und eine Geschichte, die ich nicht wiederholen will.
Und ja, ich habe vor, geduldig zu sein. Ich bin zwar gerne mal ungeduldig, aber ich kann auch geduldig und beharrlich sein.
Bono59 Nun bei mir ging es mit den schweren Depressionen "erst" gegen Ende zwanzig los. Meine persönliche Erklärung dafür ist, dass meine persönliche Widerstandskraft eben bis zu diesem Zeitraum reichte. Meine Depressionen sind Anlassbezogen, wobei die Anlässe bis auf einen in meiner Kindheit und Jugend lagen. Ich habe tatsächlich von Anfang an die Erfahrung gemacht, dass die Droge Alkohol nicht annähernd wirksam genug. Da hätte ich schon andere Drogen nehmen müssen. Und ich habe dann auch schnell gelernt, dass die hochwirksamen Medikamente gegen schwere Depressionen eben auch Drogen sind, die ein hohes Abhängigkeitspotential haben. Und dass selbst die erfahrensten Ärzte da einen sehr, sehr schmalen Grat gehen. Ich persönlich lasse mir nur sehr, sehr selten ein solches Medikament geben. In den letzten zwanzig Jahren fast nie. Und jetzt wo ich nüchtern bin, werde ich noch vorsichtiger sein, weil ich über keinen Bock darauf habe in die nächste Abhängigkeit zu rauschen. Ich habe inzwischen auch genügend Erfahrung, um eine Depression auszuhalten und wenn es zu schwierig wird, gehe ich in ein Krankenhaus. Ich habe die gleiche Erfahrung wie Du das, wenn eine Depression bei mir in full swing ist, das ich überhaupt keinen Bock auf Alkohol habe und auch teils ein Jahr und mehr keinen Tropfen getrunken habe.
KaDett Nun unsere beiden Fäden zeigen ja das wir uns mit uns auseinandersetzen. Und es ist nicht so, dass ich nichts mit mir alleine anzufangen weiß. Das muss sich einfach noch ein wenig einspielen. By the way ich finde es sehr Schade das Du Deinen Faden im offenen Bereich geschlossen hast.
Lebenskuenstler Die Antwort auf Deine Frage, ob meine Einsamkeit innerlich oder äußerlich ist, es ist beides.
Äußerlich wie beschrieben das meine ganze Welt in irgendeiner Weise einen Bezug zu meiner Alkoholsucht oder zu Alkohol an sich hat. Und da ich meine Alkoholsucht jetzt gestoppt habe und keinen Alkohol mehr trinken will. Will ich mir jetzt eine Welt schaffen, in der ich beides tun kann, mit dem Aufwand, der nötig ist, aber eben auch nicht mehr.
Innerlich, weil ich nicht immer in einem guten Kontakt mit mir bin. Da werde ich jetzt mal drüber nachdenken und dem nachspüren. Ein Grund ist auf jeden Fall, dass ich, wenn ich depressiv bin, den Kontakt manchmal bewusst abbreche, weil ich dann handlungsfähig werde. Die Depression versucht, Handlungsfähigkeit bei mir zu verhindern. Aber das ist dann auch immer ein schmaler Grat, denn, wenn ich zu viel handele, kann das auch schnell zu einem Bumerang werden. Und ein zweiter Grund warum ich manchmal aus dem Kontakt mit mir selbst gehe ist das es dort eben auch sehr schmerzhafte Dinge gibt, an denen ich nichts ändern kann. Aber auch hier ist das immer ein sehr schmaler Grat.
Liebe Grüße
Kazik