Hallo Ihr,
nachdem meine Schmerztablette Ihre Wirkung getan hat, schreibe ich jetzt mal über zwei Dinge die seitdem ich hier in unserer SHG bin sich in meine Gedanken und Gefühlswelt vorgearbeitet haben.
Spoiler: das kann jetzt etwas länger werden. Sorry schon einmal dafür.
Zum einen ist mir wieder bewusster geworden das ich EKA bin. Auch wenn mein Leben und EKA Sein nicht direkt durch den Alkolismus meines Vaters negativ beinflusst wurde.
Mein Vater war weitestgehend trockener Alkoholiker. Meine Mutter hat von seinem Alkoholismus erst kurz vor Ihrer Heirat erfahren. Er fuhr zu dieser Zeit noch zur See. Sie hatten beschlossen sich in einer für Beide neuen Stadt nieder zu lassen und dort zu heiraten. Meine Mutter die schon in der neuen Stadt lebte wurde dann von der einzig ebenfalls in dieser Stadt lebenden Verwandten einer Großtante angerufen,die Ihr mitteilte das mein Vater Alkoholiker ist und völlig besoffen bei Ihr untergekommen war. Dominant und kontrollierend wie meine Mutter war fuhr sie zu ihm, setzte ihm die Pistole auf die Brust und machte ihm unmissverständlich klar das mit der Sauferei sofort Schluss ist, sie heiraten würden und er niemals auch nur einen Tropfen Alkohol in Ihrer zukünftigen gemeinsamen Zeit trinken würde. Das war "Ihre Vereinbarung". Und da mein Vater der Schwache in Ihrer Beziehung war hielt er sich weitestgehend daran. Er entzog kalt bei der Großtante und die beiden heirateten. Von dieser Geschichte erfuhr ich erst mit Fünfzehn.
Aber das es hier ein Problem gab erfuhr ich im Laufe meiner Kindheit und Jugend schon vorher. Den er hatte Rückfälle. Meist mit jahrelangen Abständen. Fast nie mehrmals in einem Jahr. Und wenn er dann soff, bis auf einmal nur einen Tag/Abend. Wenn er soff dann bis zum Vollrausch. Er soff vermutlich wegen irgendwelcher beruflichen oder privaten oder beruflichen Probleme aber über die wusste ich nichts. Mein Vater hat in einer sehr nassen Umgebung gearbeitet. Bei uns zu Hause stand immer reichlich Alkohol rum (im Keller, Hausbar, Vorratsschrank). Was auch daran lag das mein Vater auf seiner Arbeit Sprit geschenkt bekam und mit nach Hause brachte (!). Meine Mutter trank wenig aber durchaus vor seinen Augen zu Hause und auswärts. Wie übrigens meine ältere Schwester und ich auch als wir älter wurden (was ich aus heutiger Sicht hoffentlich nicht machen würde).
Für mich waren seine Rückfälle in gewisserweise eigentlich kein Problem (er hatte seinen ersten Rückfall als ich sechs war). Ich hatte auch schon andere Erwachsene (Eltern von Freunden, Verwandschaft, Nachbarschaft, Feiern, auf der Straße, etc.) besoffen oder besoffener erlebt. Ich wusste und kannte auch irgendwann Alkohiliker. Für mich war das irgendwie "Normal". Jedenfalls nichts was mich bei den Rückfällen meines Vaters besorgte. Ich hatte keinen Begriff von Alkoholismus. Für mich waren Alkoholiker noch die "Anderen" die die ständig "auffällig" besoffen waren. Das änderte sich erst langsam als ich erwachsen wurde,
Zu einem schwerwiegenden Problem für mich wurde nicht der Alkoholismus meines Vaters sondern das Verhalten und die Manipulation mir gegenüber durch meine Mutter. Wenn mein Vater hatte bei seinen Rückfällen gegen "die Vereinbarung" meiner Eltern verstossen. Und einen Verstoss gegen Ihre Kontrolle liess meine Mutter niemals straflos durchgehen. Die Folge war das bei einen Rückfall und in der Zeit danach in der ganzen Familie Alarmstufe Rot war. Buchstäblich. Meine Mutter machte meinem Vater die absolute Hölle heiß um dann auf Ihr bewährtes Mittel Liebesentzug zurück zu greifen. Absolute Eiszeit. Und auch wenn ich meist das Hölle heiß machen garnicht mitbekam. Die Eiszeit bekamm ich definitiv mit. Und oft bekammen meine Schwester und ich wenn wir in dieser Zeit einen "Verstoss" begingen auch gleich unser Fett durch unsere Mutter ab. Und Fett ab, hieß hier oft das wir vermöbelt wurden. Vermöbelt wurde ich sowohl durch meine Mutter als auch durch meinen Vater auch zu anderen Zeit. Was in meinem späteren Leben dann noch zu einem schweren Rucksack wurde. Das verstörende und belastende in der Arlarmstufe Rotphase das ich mir als Kind ja auch nicht erklären konnte was eigentlich los war. Warum zwischen meine Eltern aber besonders auch mir gegenüber plötzlich alles anders war. (?)
Aber es kam noch ein weiteres für schwerwiegendes Problem dazu. Denn ich war ja auch Teil des Kontrollsystems meiner Mutter. Und bei einem Rückfall meines meines Vaters war ich von jetzt auf gleich ihr geliebter Sohn. Sie brauchte/benutzte/missbrauchte mich um mich gegen meinen Vater in Stellung zu bringen. Das eigentlich ist schon schlimm genug. Aber sie ging eben noch einen Schritt weiter, sie machte das obwohl sie mich eben zuvor verdroschen hatte und mit Liebesentzug bestraft hatte. Mich gehasst hatte. Das konnte ich als Kind nicht verarbeiten und nicht verstehen. Das ist ein doppelte Botschaft wie mir meine letzte Therapeutin, bei der ich eine Traumatherapie gemacht habe, erklärt hat. Und sie sagte auch das Menschen von solchen doppelten Botschaften irre werden können und das ich ein Überlebender bin. Nun irre bin nicht geworden, aber überlebt habe ich nur zu einem hohem Preis.
Meine Mutter hat mich dann als ich sechs war in Kneipe geschickt wo ich meinen besoffenen Vater nach Hause holen sollte. Später musste ich sie dann beim "abholen" immer begleiten. Meist mitten in der Nacht. Und als ich meinen Führerschein hatte bin ich ihn dann noch einmal abholen. Das ich damit in eine völlig uangemessene Position zu ihm geraten war weil meine Mutter mich kurzerhand zum (zeitweise) zum Alphamännchen befördert hat. Was in der Folge, unser aufgrund seiner Gewalt eh schon reichlich kaputtes Verhältnis so richtig eskalierte. Meiner Mutter hat es genutzt. Teile und herrsche. Wir waren Teil Ihres Kontrollsystems. Und auch Teil dessen warum (der) Alkoholismus (meines Vaters) wenn auch indirekt so zerstörerisch ist (war).
Jetzt bin traurig und wütend. Und ich weiß gerade auch nicht mehr so genau warum ich das hier geschrieben habe. Es musste raus. Sorry.
Ich mach mal Pause.
Kazik