Beiträge von Lebenskuenstler

    Als ich aufgehört habe und den Kollegen erzählt hatte, dass ich zu viel gesoffen hatte, glaubte mir das keiner. Denn zu dem Zeitpunkt, also die letzten Jahre schon, hab ich nach Feierabend getrunken und als Pendler war ich von den Kollegen weit weg.
    Ausserdem war ich trotzdem immer noch ziemlich gut. Die Zeugnisse hatte ich wegen Rentenbescheinigung neulich erst in der Hand.

    Und das, obwohl ich schon mal mit Schweissausbrüchen da saß.

    Der Selbsthass, büssen müssen, trieb mich manchmal direkt zu mehr Leistung.

    Alkoholiker, Du doch nicht...

    Aber das was du beschreibst LK sind ja Menschen, die niemals hier landen. Läuft ja gut, warum sollten sie was ändern?

    Ja, das ist so.

    Mir gings um die Aussage, dass es funktionierende Alkoholiker generell nicht gibt.

    Mein Vater, der sich selbst als Alkoholiker sah. Häuser gebaut, zwar geschieden, aber das sind ja viele, und aufhören wäre mit einem Aufwand verbunden gewesen, der durch den Zugewinn der Nüchternheit für ihn nicht aufgewogen worden wäre.

    Mein früherer bester Schulfreund, mit dem ich mit 12 die erste Flasche Schnaps geköpft hatte, sagt, er will seine Abhängigkeit so weit im Griff halten, dass er vor Erreichen der statistischen Lebenserwartung nicht aufhören muss. Sein Vater war übrgens Suchtmediziner. Wir haben mit 16 eine Entgiftungsstation besucht. Also, von Unkenntnis keine Spur. Will das so.

    Säuft ja nicht jeder so uferlos wie ich. Und vo sich selbst kann man auch nicht immer ausgehen.

    Hi Hartmut,

    hast Du Lust, zu dem funktionierenden Alkoholiker noch was zu schreiben?

    Für mich ist ein funktionierender Alkoholiker im Groben gesagt einer, der sein sonstiges Leben noch so weit im Griff hat, dass er keinen besonderen Leidensdruck verspürt und auch keinen Grund sieht, an seinem Verhalten etwas zu ändern.
    Und dafür fallen mir aus dem Stand mehrere Leute ein, die ich kannte oder kenne.

    Ich kenne einige Vieltrinker, die vermutlich Schwierigkeiten hätten, aufzuhören. Aber sie gehen ihren Jobs nach, sind mit Frauen zusammen, die das trinken nicht sehr stört oder die selbst gern was trinken, kommen irgendwann ins Rentenalter und bleiben zeitlebens unter der Grenze, wo es so weh tut, dass mans ändern würde.

    Wie siehst Du das?

    LG LK

    Ich hatte mal ein Studentenzimmer bei einer Messie-Familie.

    Die Tochter bestellte einen Container und die Mutter bekam einen Nervenzusammenbruch.
    Für mich als Mieter hart, dass die Heizung ausfiel und der Heizungskeller auch voll stand. Der Heizungsbauer weigerte sich, dort zu arbeiten. Also gabs lange nur Kaltwasser.
    Ich bin ausgezogen, sie brauchten den Platz. Keine Ahnung, wie es dort weiterging.

    Bin überzeugt, das das auch für die Betroffenen nicht lustig war. Trotzdem hätten sie es wie ein Trinker eben selbst angehen müssen. Auch wenn das Thera bedeutet hätte.

    Und ich schätze, das musst Du bei ihm lassen. Das geht immer noch ewig wenn er es überhaupt macht. Was ich bezweifle, denn so ein Problem in Kombi mit den Schwierigkeiten beim Aufhören....sehr naheliegend, wie es endet.

    Du kannst keine Dinge richten, die er vielleicht 20 Jahre früher hätte angehen müssen.

    LG LK

    Hi EllaDrei,

    Was hat der Berater gesagt?

    Ich würde ja sagen, wenn er wirklich will, dann könnte er das schon schaffen. Dafür gibt es Entrümpelungsfirmen.

    Aber da er ja unbedingt an den Sachen und damit auch an seinem alten Leben festhalten will, wird das wohl mehr als schwierig.

    Wie steht es mit Deiner möglichen Konsequenz?

    LG LK

    Hi R/no,

    Ich bin nicht der Kazik, ich speche nicht für ihn.

    Nur für mich damals.

    Ich weiss nicht, ob Du das gelesen hast, dass ich mich im Frühjahr mehrere Tage mit einem alten Freund getroffen habe.
    Er: wenn du damals was gesagt hättest, hätten wir Dir gerne geholfen.

    Mir wollten mehrere Leute wirklich ernsthaft helfen. Aber ich habe gemerkt, das ändert nichts, und habe mich vergraben.
    Mir hat einfach nichts mehr Spaß gemacht, nicht mal die Dinge, die ich sonst am liebsten gemacht habe.
    Ein Kumpel kam mit dem Motorrad, schleppte mich ab auf eine Bergtour.
    Bergtour war damals das Mittel für mich, um mich aus den Niederungen des Daseins zu erheben, Klettern, was können, Angst überwinden, dann der volle Überblick, das war immer ein zuverlässiges Mittel, gut drauf zu kommen...da war nichts mehr. Nur noch Zeit totschlagen bis zum Ende.

    Heute weiss man halt, da ist ein Ungleichgewicht in der Hirnchemie. Als ich da so drauf war, war Depression noch keine verbreitete Diagnose. Hab Dich nicht so, lach doch mal...Und als Pillen gabs halt die altbekannten süchtig machenden Beruhigungsmittel.

    Ob das bei mir durch Drogen kam oder ob ich die Drogen als Selbstmedikation genommen hgabe, mit mehr als 40 Jahren Abstand ist das nicht mehr so genau zu unterscheiden.

    Sorry, dass ich Dein Thema gekapert habe, Kazik

    Ich stehe da ziemlich als Zuschauer daneben.
    Als ich meine schätzungsweise depressive Phase hatte, gab es noch nicht mal die modernen Antidepressiva, ich kann da also eigentlich gar nicht mitreden.
    Ich weiss aber noch wie mich Ratschläge damals genervt haben, also lass ichs.

    Ich gönns Dir, wenn sie weg gehen.

    LG LK

    Heute geht es mir gut! Mal schauen, wie es weitergeht. Meine Depressionen sind leider immer ein wenig beratungsresistent, heißt die prüfen so ein Angebot auf Urlaub immer sehr genau. :roll:

    Da werden sich Deine Depressionen sicher freuen, dass ich sie nun gar nicht beraten will.
    Was mögen sie denn so als Urlaubdestination?
    Und sind sie eher Frühbucher oder LastMinute?
    Oder doch lieber Balkonien oder Garten?

    Gut, dass es Dir gut geht:thumbup:.

    LG LK

    aber das suchtgedächtnis meldet sich dann eben doch. das ärgert mich dann immer und ich zahl's ihm heim, indem ich einen kaffee trinke und mich freue, dass ich meine methoden habe. aber nerven tut's trotzdem! kennt ihr das auch?

    Das kenne ich nicht. Beim Saufen hat es mir echt gereicht.

    Trotzdem kenne ich ein vergleichbares Gefühl.
    Seit einem schweren Unfall kann ich nicht mehr richtig laufen. Schifahren, Bergtouren, alles ziemlich weg. Es dauerte längere Zeit, bis ich mich damit abgefunden hatte und nicht mehr wütend wurde, wenn mich andere lockig flockig überholt haben. Und die Haxen nicht mehr so wollten, wie ich wollte.

    Verzichtsgedanken. Kenne ich auch von mehreren älteren Leuten um mich herum, deren Aktionsradius altersbedingt kleiner wird.
    Für mich ist das ist die eigentliche Aufgabe, das Leben trotzdem noch geniessen zu können.
    Ich hab da mal ein Projekt draus gemacht, die Kleinigkeiten am Wegesrand zu bemerken.
    Der Mensch ist zum Glück auch sehr flexibel.

    Statt Cocktail gönne ich mir einen Eisbecher. Gestern waren es Erdbeeren.

    LG LK

    Wenn mich einer angesprochen hat, dachte Ich erst, moralinsaurer Trottel, und einen drauf getrunken.

    Heute mache ich "Leben und leben lassen"

    Es kommt hin und wieder vor, dass mich jemand fragt, wie es mir damit geht, und dann selbst seinen eigenen Alkoholkonsum hinterfragt.
    Dann kommt es schon auch mal zu einer ernsten Unterhaltung, aber nur, wenn das vom Gegenüber ausgeht.
    Ich missioniere keinen, trotzdem wirke ich trocken zufrieden genug, dass sich schon ein paar Leute überlegt haben, ob es auch für sie besser wäre.

    Es gibt aber auch eine Menge Leute, die das registrieren, dass ich nicht trinke, und dann kommentarlos weitermachen. Das mache ich dann auch.

    LG LK

    Ich habe mal im Gedanken durchgespielt wie es wäre wenn ich jetzt das berühmte eine Glas trinken würde.

    ich habe das berühmte eine Glas während meiner langen Trinkpause zwei mal im Monat getrunken.
    Damals gings mir drum, die Kontrolle wiederzuerlangen. Ich bin ja nicht abhängig, deswegen muss ich nicht aufhören, dieser Film.

    Der Gedanke ist wegen späterer Rückfälligkeitsmöglichkeit auch nicht unwichtig, denn mit dem einen Glas fängt es ja oft wieder an.
    Also habe ich mich damit auseinandergesetzt.
    Ich ticke da klar anders als Einige hier, die wegen Sucht und unheilbar nicht mehr trinken.
    Ich brauchte anfangs eher die Einsicht, dass es nichts mehr bringt.

    Ein Glas bringt eben auch gar nichts von dem, weswegen ich trinken wollte.
    Die Wirkung eines Glases ist für mich weder angenehm noch befriedigend. Ist nur der Anfang von "Der Durst kommt beim Trinken".
    Und ich glaube, das ist auch der Punkt, wegen dem weitergesoffen wird, wenn man mal angefangen hat.

    Es ist nicht nur der Gedanke, wie es endet. Sondern auch die Erkenntnis, dass ich noch nie wirklich nur ein bisschen trinken wollte.
    Für mich war es ein Gedanke, der mir das Trockenbleiben deutlich vereinfachte.
    Du überlegst Dir, wie es dort aussieht, und dann willst Du nicht mehr dort hin.

    LG LK

    Hi Frankenstein,

    es liest sich so, dass Deine Frau im Grund bereit ist, sehr viel für ihre Gesundheit zu tun.
    Sucht ist das Eine. Aber es gibt schon bei manchen so was wie Einsicht, dass sie aufhören.

    Bei Deiner Frau könnte es das Argument sein, das sie ja schon noch ein bisschen länger leben will.
    Wozu sonst hätte sie ganzen Behandlungen über sich ergehen zu lassen.
    Saufen ist Selbstmord auf Raten.
    Wenn sie aufhört, bekäme sie viel eher den Lohn für ihre ganze Mühe.

    Ich weiss nicht ob Dir das weiterhilft. Eine positive Aussicht motiviert mehr.

    LG LK

    Moin,

    mein Vater wurde im letzten Lebensjahr aufgrund sehr wahrscheinlich alkoholbedingter Demenz unberechenbar.
    Er fuhr betrunken und Auto und so.

    Ich wohnte weit weg und konnte/wollte mich nur selten kümmern. Er hat auch jede Hilfe strikt abgelehnt, kein Pflegedienst, nichts. Wollte er nicht. Er lebte allein.

    Ich hab mich dann mal erkundigt, ob es rechtlich irgendwelche Verpflichungen gibt, sich zu kümmern, oder ob es irgendwann unterlassene Hilfeleistung ist.

    Klare Auskunft, nein. Angehörige sind rechtlich zu nichts verpflichtet. Das gilt auch bei anderen Krankheiten.
    Unterlassene Hilfeleistung wäre nur, wenn ich daneben sitzen würde, wenn er umkippt, und dann nichts mache. Aus der Ferne nie.
    Nur wenn ich mehr als 100000 € Jahreseinkommen habe und er Sozialfall wird, muss ich finanziell einspringen.

    Der Rest ist Moral. Deine Moral. Was erwartest Du von Dir selbst in diesem Spiel?

    LG LK

    Gucks Dir genauan und überlege für Dich selbst, was Du mitmachst.

    Ich hatte mit meiner Frau auch eine Abmachung und die habe ich auch eingehalten.

    Aber...ich habe dann an den Tagen, an denen Trinken abmachungsgemäss erlaubt war, so viel getrunken, wie ICH wollte.
    Gleiches Recht für beide...
    Was drauf rauslief, dass ich alles nachgeholt habe, was ich mir an den anderen Tagen verkniffen hatte.

    Kommt drauf an,wie groß seine Gier ist.
    Die Endlosgeschichte ich damit noch nicht vom Tisch.

    LG LK

    Hi Biene,

    Was Du aus der Suchtberatung schreibst, war bei mir genau so. Wöchentlich Motivationsgruppe, einmal wöchetlich Einzelgespräch.
    Ziemlich bald ging es mir damit recht gut.

    Beim Job verstehe ich Dich auch.
    Wenn ich krank war oder im Urlaub, blieb die Arbeit einfach liegen, denn meine damaligen Arbeitgeber hatten niemanden als Vertretung für mich.
    Also war das nur ein Riesenstress, wenn ich dann wieder erschienen bin.
    Denn die Termine mussten trotzdem eingehalten werden.

    Da muss man abwägen, was mehr belastet. Gleich wieder rein oder später.

    LG LK

    Hi Nika,

    mein Vater hat die Mengen, die Du nennst, sein ganzes Leben lang konsumiert.
    Er hat mir irgendwann gesagt, dass er vermutlich Alkoholiker ist.
    Im nächsten Satz sagte er, dass er keinen Sinn in einem nüchternen Leben sieht und deswegen unternimmt er nichts, um an seinem Konsum was zu ändern.

    Letztlich....er war geschieden und ist irgendwann am Alkohol gestorben. Er wurde ziemlich alt.

    Ich bin selbst trockener Alkoholiker und ich verstehe ihn.
    Wenn es mir nicht selbst irgendwann wirklich schlecht gegangen wäre, hätte ich auch nicht aufgehört.
    Dazu habe ich aber deutlich mehr getrunken, was Du schreibst habe ich auch als harmlos empfunden.

    Bei diesen Mengen, die er trinkt, entsteht für ihn so schnell kein Leidensdruck.
    Das kann noch 10, 20, 30 Jahre so weitergehen.

    LG LK

    Guter Tag heute.

    Es kam der Reha-Termin mitsamt Hinweis, dass im Einzelzimmer Besuch übernachten darf und E-Bikes mitgebracht werden dürfen.
    Sind noch ein paar Wochen hin, aber jetzt kann ich planen.

    Dann war ich beim Neurologen.
    Rezept holen blablabla.

    Kurze Frage an ihn, ich habe festgestellt, als ich neulich wegen Schmerzen kaum laufen konnte, dass ein ziemlich harmloses rezeptfreies Schmerzmittel dagegen hilft.
    Natürlich hinke ich dann trotzdem durch die Gegend, aber immerhin tuts nicht weh.
    Auf jeden Fall, das Schmerzmittel ist unbedenklich und ich nehme es auch weiterhin nur im Notfall. Spricht nichts dagegen.

    Und wenn ich Verlängerung bei der Reha will, was ich mir durchaus überlege, soll ich mich bemühen, ein bisschen leidender zu wirken.
    Ab und zu die Mundwinkel ein bisschen runterziehen.

    Der Rest, er soll mich ja angucken, Antwort auf die Frage, wie es mir geht:
    Normal gut.